Neuntes Semester Politikwissenschaft
Im Bus zur Uni dachte ich darüber nach wie es wäre wenn ich jetzt heiraten würde, jetzt einfach direkt, für immer und ewig. Unvorstellbar. Meine Eltern waren in meinem alter schon verheiratet, die hatten schon Autos, haben Geld verdient und hatten schon ein Kind – kurzum: sie haben Verantwortung übernommen. Meine Verantwortung geht nicht über eine Zimmerpflanze hinaus. Am Montag habe ich im einem Geschäft gestanden und darüber nachgedacht wie es wäre wenn mich die neue Freundin eines ehemaligen Typen, den ich wirklich verletzt habe, ansprechen würde. Unsere Konversation lief in meiner Phantasie folgendermaßen ab:
Sie: Ich habe mir dich ganz Anders vorgestellt.
Ich: Wer bist du ?
Sie: keine Reaktion… Ich dachte du seist irgendwie stark geschminkt und blond.
Blablabla und so weiter und sofort. Was mir aber in dieser Traumwelt vor dem Konsmetikregal aufgefallen ist, ist ziemlich erschreckend – mein Verhalten zielt vor allem darauf ab bei Frauen einen Mythos zu schaffen. Ich versuche mich als einen bestimmten Typus zu stilisieren und so auch im Gedächtnis zu bleiben. Das heißt es geht nicht darum wie ich mich gegenüber Männern verhalte sondern es geht mir darum was dann diese Männer anschließend über mich erzählen, denn das werden sie tun. Denn man selbst definiert sich auch über die die schon mal bei einem im Bett geschlafen haben. Ich persönlich erzähle nur von den klugen und erfolgreichen, die die jetzt in den Großstädten wohnen und tolle Jobs haben, denn diese Menschen haben anscheinend gute Entscheidungen getroffen und es könnte der Eindruck entstehen ich sei auch eine sehr gute Entscheidung. Mein fiktives Gespräch ging übrigens nicht viel weiter, meine alles überscheinende Präsenz hat die gute Frau erstarren und demütig werden lassen. Aber sehen wir der Realität ins Auge, wohlmöglich bin ich der neuen Freundin auch einfach komplett egal. Heißen diese Gedanken, dass ich weiter an meinem Mythos arbeiten möchte? Dass ich unzufrieden mit meiner Beziehung bin? Vielleicht bin ich aber immer noch unzufrieden mit mir selbst, weil ich, getrieben von fiktiven Idealen, eine Frau sein möchte die ich gar nicht bin.











