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Venturo von Florian Thein Über Flickr: 2016, Kivik, Sweden Canon F-1, Fujicolor Superia 200
25.1.2020
Die Digitalisierung schreitet voran, aber mit Unwucht.
Wir treffen uns zur Vorstandssitzung unseres grünen Ortsverbandes im Haus zweier Vorstandsmitglieder. Das Haus ist in einer kleinen Siedlung von ca. 15 oder 20 Häusern, ungefähr 1.500 m Luftlinie vom Ortsrand entfernt.
“Hat jemand das Kennzeichen MG-XY 123?” fragt die Gastgeberin, weil auf WhatsApp gerade in der Siedlungsgruppe gewarnt wurde, dass der örtliche Bauer das Fahrzeug abschleppen lassen wird, da es behindernd geparkt ist.
Auf der Tagesordnung steht auch unser Internetauftritt und ich will kurz zeigen, was man ändern sollte.
Das Tablet des Vorstandssprechers kommt nicht online, wir sind im Funkloch.
“Dann schauen wir uns das per Festnetz an, habt ihr ein Notebook?” fragt die Co-Sprecherin.
“Wir haben kein Festnetz.” sagt der Gastgeber.
“Und ... eure WhatsApps?”
“Die Handys liegen meistens da hinten auf der Fensterbank, da ist genug Netz für WhatsApp oder um zu merken, dass jemand anruft. Telefonieren geht dann meist, wenn das Handy da liegen bleibt und man ein Headset aufsetzt.”
Tatsächlich sind die Wohnhäuser dort im frühen 21. Jahrhundert gebaut worden. Der Telefonmarkt war schon lange liberalisiert und keine Einrichtung hatte, wie einst die “Deutsche Bundespost – Fernmeldedienst”, eine gesetzliche Versorgungspflicht zu erfüllen.
Die Bewerber auf dem Telefonmarkt nutzen meist die Letzte Meile der Telekom, die zwar mal der Fernmeldedienst der Post war, aber eben heute nicht mehr ist. Wir bekamen dadurch endlich die Freiheit, an die Telefondose anzuschließen, was wir wollten – wenn wir denn eine Telefondose hatten.
“Der Nachbar ist Ingenieur und hat regelmäßig Rufbereitschaft in seiner Firma. Zum Telefonieren muss er an schlechten Tagen auf den Gastank in seinem Garten klettern.”
Die umliegenden Siedlungen, die noch Festnetzverbindungen haben, kommen aber auch nicht online. Die Leitung vom letzten DSLAM im Ort ist für DSL einfach zu lang.
1.500 m entfernt in unserem Haus am Ortsrand, haben wir gerade von Internet per Fernsehkabel auf Glasfaser umgestellt und haben 600 MBit Downstream und 200 MBit Upstream. Wir können schneller Daten senden, als die vier schnellsten DSL-Anschlüsse im Ort sie herunterladen könnten.
2021 soll auch diese Siedlung mit Fördermitteln des Bundes ans Glasfasernetz des Anbieters angeschlossen werden, der das Netz bei uns ausgebaut hat. Bei Neubaugebieten ist die Stadt inzwischen sogar verpflichtet, die Versorgung Telefon und Internet per Festnetz auszuschreiben.
(Volker König)
20. Januar 2017, Trump Inauguration Day
Immerhin, das Internet wird besser
Heute ist nicht nur ein schlechter Tag. Heute tausche ich an unserem Haus in Providence (Rhode Island, USA) die Internetverbindung von Kupferkabel gegen Glasfaser. Wir haben das ultra-aggressiv beworbene FiOS Glasfaser-Internet des Telekommunikationsanbieters Verizon bestellt. (“FiOS is not cable. We’re wired differently.”)
Als das neue Glasfasermodem jedoch keine Verbindung zustande bekommt, rufe ich die Hotline an, die mir bedeutet, der Anschluss in unserer Wohnung sei noch mit dem vorigen Anbieter Cox verbunden.
Ich: “Oh, so you’ll need to send a technician?”
Verizon: “Well, I could. But you could also do it yourself. My records tell me that our terminal is on the outside of your house. You wanna do this?”
Ich will. Neben dem Hintereingang hängen die konkurrierenden Terminal-Kisten von Cox und Verizon. Aus beiden kommen Kabel, die zum nächsten Telefonmast führen, aber nur das neuere ist aus Glasfaser und erlaubt gleich schnelle Down- und Uplinks mit bis zu 500 Mbps. Unter der Anleitung des Verizon-Technikers schraube ich also die Plastikbox der Konkurrenz auf und versuche das Coax-Kabel, das in unsere Wohnung führt, zu lösen, was aber ohne Werkzeug nicht geht.
Verizon: “You might need tongs.”
Ich: “I don’t know what that means, but I think I have an idea. It’s so crazy I get to work on this stuff. You know, in Germany you’re not even allowed to touch these terminal boxes.”
Verizon: “You’re from Germany? Let me Google Translate that for you. … Looks like you’ll need a ‘sanch’.”
Ich: “A ‘Zange’! Yes, let me get one.”
Ein paar Minuten später ist das Kabel mit der Verizon-Box verbunden, zurück in der Wohnung hat sich das Modem bereits verbunden und das Internet läuft. Berauscht von amerikanischem Pragmatismus (und sehr schnellem Internet) kann ich mich jetzt noch schneller darüber ärgern, wer dieses Land nun regiert, aber immerhin: Heute ist nicht nur ein schlechter Tag!
(Gabriel Yoran)
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