Oktober 2016
Das Internet in China ist nicht wie zuhause
Ich bin in Peking, sitze in einem preiswerten Hostel und möchte ins Internet. Ich habe natürlich seit Jahren von der „Großen Firewall“ gehört, aber nicht genau herausfinden können, was das für mich bedeutet. Dass Facebook in China „nicht geht“, habe ich schon erfahren, auch dass man mit einem VPN dann irgendwie doch auf alle Seiten gehen kann, aber China das auch versucht, zu unterbinden.
Also probiere ich es nun endlich selber aus.
Erst mal gehe ich mit dem Firefox-Broswer auf meinem Windows-7-Laptop über das vom Hostel angebotene WLAN, ohne irgendwelchen Schnickschnack, ins Netz. Da geht zu meiner Überraschung erstaunlich viel. Deutsche Nachrichtenseiten wie spiegel.de oder tagesschau.de, Wikipedia oder Online-Banking sind alle erreichbar und E-Mails lassen sich – soweit ich das übersehen kann – vollständig abrufen.
Ich bin überrascht. Vielleicht bekommen die Gäste hier im Hostel einen „privilegierten“ Zugang? Das würde mich in einem 5-Sterne-Hotel vielleicht nicht wundern, aber in dieser Absteige mit ihren 8-Bett-Zimmern schon.
Und schließlich geht ja dann doch nicht alles: Für meinen persönlichen Gebrauch fehlen immerhin Facebook und alle Google-Dienste.
Dasselbe gilt auch für das Smartphone (Android) und die darauf befindlichen Facebook- und Google-Apps (Messenger, Maps, etc). Die funktionieren alle nicht. Stattdessen benutze ich nun die Yahoo-Suche oder Bing-Karten, das funktioniert beides. Kurioserweise kommen aber alle Push-Benachrichtigungen des Facebook-Messengers durch die China-Firewall irgendwie durch und ploppen in Android auf. Startet man den Messenger, werden sie dann aber nicht angezeigt und die App kann sich nicht verbinden. Strange.
Als nächstes versuche ich es per VPN von meinem Laptop. Weil ich in keinem großen Unternehmen arbeite, kann ich mich nur über „Fritz!Fernzugang“ mit meiner Fritzbox zuhause verbinden. Leider kenne ich mich nicht gut genug aus, um zu sagen, was für eine Art von Verschlüsselung bzw. VPN-Verbindung das eigentlich ist. Auf jeden Fall heißt es, ich würde damit eine VPN-Verbindung zur heimischen Fritzbox herstellen. Das funktioniert auch soweit und wenn ich nach Verbindungsausbau bei wieistmeineip.de nachschaue, wird mir eine Deutsche-Telekom-IP angezeigt, was Sinn macht, da mein heimischer Anschluss bei der Deutschen Telekom ist. Auch die Download-Rate ist dann etwa so lahm wie zuhause die Upload-Rate.
Aber: Facebook und Google funktionieren trotzdem nicht! Es ist mir unerklärlich, warum nicht. Ich habe bereits in diversen Foren Beiträge von Leuten gefunden, denen es ähnlich geht. Dort wurde stellenweise empfohlen, man solle andere DNS-Server eintragen. Das habe ich probiert, aber es geht trotzdem nicht. Wobei es auch sein kann, dass ich das nicht richtig gemacht habe, da ich gar nicht genau weiß, was ein DNS-Server ist.
Für mich der einzige Grund, den Fritz!-VPN-Zugang trotzdem hier in Peking auf dem Laptop zu benutzen, ist, dass der TOR-Browser dann funktioniert – und sonst nämlich nicht (wobei mir auch unerklärlich ist, wie die Chinesen das unterbinden können).
Nun starte ich also – bei laufender VPN-Verbindung – den TOR-Browser. Zu erwähnen ist sicherlich noch, dass meine VPN-Verbindung in China etwa alle 20 bis 30 Minuten getrennt wird und dann auch der TOR-Browser nichts mehr macht, bis man die VPN-Verbindung wieder hergestellt hat.
Über TOR komme ich jetzt endlich auch bei Facebook rein, wobei jedes Mal ein nervige Kontoüberprüfung stattfindet und alles quälend langsam ist. Google kann ich auch über diese VPN-TOR-Kombination nicht aufrufen, was aber für mich so aussieht, als ob Google das selber blockiert (weil sie TOR-Nutzer für unseriös halten) und nicht die Chinesen.
Schließlich will ich noch einen kostenpflichtigen VPN-Anbieter ausprobieren. Ich entscheide mich für StrongVPN.com, weil die sehr viel Werbung machen.
Dort kann ich mich – von China aus – aber nicht über den Firefox-Browser, sondern nur über den TOR-Browser registrieren, und der geht wie gesagt nur, wenn ich vorher schon eine VPN-Verbindung aufgebaut habe. Hätte ich also nicht mein eigenes kleines Fritzbox-VPN, wäre ich jetzt aufgeschmissen.
Genau wie Google ist aber auch StrongVPN.com ob meiner Anmeldung über TOR sehr misstrauisch. Ich werde erst nach einem persönlichen Chat mit einem Mitarbeiter freigeschaltet.
Als das schließlich geschafft ist, starte ich die neue, kostenpflichtige VPN-Verbindung und versuche, direkt über Firefox in Facebook reinzukommen. Im Gegensatz zu meiner Fritzbox-VPN-Verbindung klappt das mit dem kommerziellen VPN-Anbieter auch, aber wieder gibt es eine Überraschung: Obwohl ich einen deutschen Server ausgewählt habe, begrüßt mich Facebook auf Chinesisch! Und das auch trotz Neustart, Cache- und Cookieslöschen. Wie Facebook wissen kann, dass ich in China bin, weiß ich nicht und der Support-Chat von StrongVPN weiß es auch nicht.
Normalerweise teile ich die WLAN-Internetverbindung, die mein Laptop (Windows 7) herstellt, bei Bedarf (z.B. im ICE) über C:\Windows\System32\netsh.exe wlan start hostednetwork mit dem Smartphone, was auch immer klappt.
Die über StrongVPN.com hergestellte Verbindung wird aber nicht auf diese Weise „getethert“, wobei mir ein Rätsel geblieben ist, warum nicht. Der Support von StrongVPN schreibt mir, dass sie solche Art der Nutzung not supporten würden. Dabei bleibt unklar, ob sie mir dafür nur keine Hilfe leisten wollen, oder ob sie dieses Tethering absichtlich unterbunden haben und sich jetzt ins Fäustchen lachen.
Man bietet mir stattdessen an, auf dem Smartphone – welches bislang im normalen Hostel-WLAN hängt – eine eigene VPN-Verbindung herstellen zu dürfen (zwei gleichzeitig sind wohl erlaubt), aber dafür müsste ich dann wiederum irgendeine bestimmte Software herunterladen. Das ist mir einerseits zu viel, und andererseits geht es von China aus auch gar nicht, weil der Google Play Store – wie gesagt – blockiert ist.
Ich habe den Dienst daher nach einer Stunde nicht weiter genutzt, immerhin das versprochene „Refunding“ geht problemlos.
Ich hätte gerne eine funktionierende VPN-Verbindung, die dafür sorgt, dass ich in China wie in Deutschland das Internet nutzen kann und die ich über hostednetwork mit anderen Geräten wie dem Smartphone vollständig teilen könnte, sodass dann GoogleMaps und der Facebook-Messenger dort funktionieren und ich mich wie zuhause fühle. Das ist aber ein Wunsch geblieben.
(Michael)












