Es war dann doch noch ein gutes Stück Weg bis zur Grenze; habe am Morgen eine Gruppe Radsportler getroffen und die haben mir empfohlen nach Vel. Pysarivka zu radeln und dort über die Grenze nach Russland zu gehen. Bis dahin waren es nochmal 120 km; gut, ich hatte ja Zeit und von der weiteren Route wäre es perfekt. Die Straße war anfangs noch einigermaßen in Ordnung, wurde aber zunehemend schlechter und es war aktives Radfahren angesagt, oft im Stehen und im Slalom um die gröbsten Schlaglöcher herum. Kaum Verkehr, völlig entlegene Gegend; die Dörfer oft recht trostlos, mit verlassenen und zerfallenen Häusern. Menschen die ihre ein oder zwei Kühe hüten füllen das Dorfbild, viel Federvieh läuft umher, es ist sehr ruhig. Je näher ich der Grenze komme desto größer werden meine Zweifel ob dieser Grenzübergang überhaupt noch existiert; es ist kaum ein Fahrzeug unterwegs; auf einmal kommt dann ein etwa 10 km langer Abschnitt mit bestem Asphalt und ich freu mich schon, dass dies so bleibt bis zur Grenze, aber da hatte ich mich getäuscht; so unmittelbar wie er anfing, so unmittelbar war er dann auch wieder zu Ende. Die letzten holprigen 8 km Kilometer zur Grenzstelle war ich völlig allein auf der Straße und um meine Anspannung etwas zu milder sang ich laut den schönen und so passenden Kanon “der Himmel geht über allen auf”. Ebenso einsam wie die Straße lag auch die Grenzstation auf ukrainischer Seite vor mir; nix und niemand war zu sehen, dicke Betonrampen auf der Straße ließen mich vermuten dass diese Grenze aufgegeben wurde; doch als ich dann näher kam, sah ich dass man daran vorbeifahren konnte und das die Ampelanlage über der Grenzstation grün leuchtete. Ich schob mein Fahrrad zum ersten Kontrollhäuschen und tatsächlich saß da jemand drin, der mit seinem Handy spielte und beinahe erschrocken mich registrierte. Zettel ausgefüllt und zum nächsten Häuschen, dort gab es dann den Ausreisestempel und in der zwischenzeit kamen auch zwei Soldaten, die intressiert mein Fahrrad begutachteten und mit mir kauderwelschten. Nun wäre also die ukrainische Abwicklung erledigt; durch 300 m Niemandsland, indem einige Autowracks am Straßenrand lagen, ging es bei herrlichem Sonnenschein und Windstille zur mega russischen Grenzanlage weiter. Völlig alleine schritt ich dahin. Jetzt gilts also. Erster Check und erstes Telefonat. Mit meiner FAN-ID Karte, die mit dem Ticket zugleich als Visa Ersatz gilt, konnte er nicht viel anfangen. Dann schickte der Grenzer mich weiter; nächster Check, die Grenzbeamtin holte Verstärkung und zu Fünft wurde mein Reisepass und meine FAN-ID begutachtet und überprüft. Telefonate folgten. Mit elektronischen Geräten und per Lupe wurde die FAN-ID besonders durchleuchtet. Nach 15 min Beratschlagung musste ich mit ins große Hauptgebäude. Wieder warten und Telefonate. Per Übersetzungsprogramm wurde ich nach einer elektronischen Registrierung gefragt und wo ich dies hätte; ich versuchte ebenfalls per Üersetzer zu erklären, dass ich zur Einreise nur Pass und FAN-ID bräuchte und diese ja von russischer Seite bekommen hätte. Ratlose Blicke; Kopien wurden gebracht und telefoniert....und ich hatte Durst.....und es war so gut wie nix los an diesem Grenzübergang, das war richtig unheimlich, da die Grenzanlage schon recht imposant war. Nun gut, irgendwann ging es wieder zurück und dann bekam ich tatsächlich auf einmal den ersehnten Stempel in den Pass und ein “Welcome in Russia” mit auf den Weg zur Gepäckkontrolle. Dort alle Taschen auspacken und begutachten lassen und wieder das Vorzeigen der FAN-ID, dann wollte der Grenzbeamte als letzte Bestätigung ob mit mir auch alles mit rechten Dingen zugeht noch mein Ticket fürs Stadion sehen und wie war ich da Christof dankbar, dass er mir das ins Elbsandsteingebirge noch nachgefahren hat und ich jetzt ganz stolz und mit vielen begeisterten Worten vorzeigen konnte und wieder gab es ein “welcome in Russia” und ich durfte endgültig die Grenzstation passieren und war in Russland angekommen.
Glücklicherweise durfte ich an diesem Abend auch noch einige sehr herzliche und gastfreundliche Momente erleben; der Versuch an einer Tanke zu campen scheiterte allerdings und ich wurde in ein Hotel geführt; vielleicht auch besser für die erste Nacht in Russland. Erstmal ankommen und akklimatisieren hier, nach meiner guten und recht unbeschwerten Zeit in der Ukraine.