11. April 2020
Ein Ausflug zum Handyempfangsfelsen
Mit Hilfe spukhafter Fernwirkung habe ich für die Existenz eines Osterhasen in einem Versteck in Schottland gesorgt. Ich schicke Aleks bereits am Karsamstag auf die Suche, unter dem religiösen Aspekt ungehörig, aber organisatorisch notwendig, außerdem hat er Geburtstag: “Jetzt musst du dein Fahrrad nehmen, nach Fifeness fahren und dort auf den Felsen mit dem Handyempfang steigen. Melde dich, wenn du da bist.”
Welcher Felsen den Handyempfang hat, weiß Aleks, weil er viele Male gewartet hat, bis ich von diesem Felsen aus die Pokémon-Arena eingenommen hatte. Auch ein Elterntelefonat via Skype wurde von hier aus bereits geführt.
Dann kann ich zusehen, wie Aleks etwa anderthalb Stunden an der Küste auf und ab läuft. Gelegentlich denke ich darüber nach “warm” oder “kalt” zu sagen, aber aus Erfahrung weiß ich, dass die Standortmeldung bei Google Maps der Realität gern hinterherhinkt, und ich will keine zusätzliche Verwirrung stiften.
Kalt, ganz kalt. Aber hier gibt es halt den Handyempfang.
Wenn Aleks weitere Hinweise begehrt, muss er wieder den Handyempfangsfelsen aufsuchen. Nach etwa anderthalb Stunden bitte ich ihn, ein Foto zu machen, auf dem ich überprüfen möchte, ob der Hase überhaupt noch vorhanden ist oder bereits von anderen Spaziergängern oder Rabenvögeln aufgegessen wurde. Ideal wäre, wenn ich das direkt selbst auf dem Satellitenbild überprüfen könnte, aber dafür gibt es bei Google Maps zu selten Updates und der Hase ist nicht groß genug.
An diesem Standort gibt es weder Hase noch Empfang.
Hier gibt es keinen Empfang, aber einen Hasen.
Nach einigem Hin und Her (buchstäblich) wird doch noch alles gut.
(Kathrin Passig)











