Tag 3042 / Heute habe ich mir selbst richtig gut gefallen
Wie ich aussah und wie ich mich verhalten habe. Das Essen mit den anderen hat mich kaum angestrengt. Ich hab auch nicht permanent darüber nachgedacht, was andere jetzt denken, ob ich langsam kaue, oder wie ich mein Quinoa auf die Gabel bekomme.
Ich hab mich heute gut empfunden in der Sitzung - einerseits, weil ich die richtigen Sachen gesagt habe, denn sie schienen meine Hinweise anzunehmen und andererseits, weil ich es ruhig gesagt habe, weil ich nicht aggressiv wurde.
Ich hab mir heute gut gefallen im Spiegel, meine Haut, meine Haare, die Ohrringe. Ich hab mir heute gut gefallen, weil ich für diese Fortbildung sorge, obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon schwanger sein möchte und gleichzeitig in der Woche ein Vorstellungsgespräch haben könnte für eine unbefristete Stelle.
Ich hab heute an mir gut gefunden, dass mich der Arbeitsturnus der anderen immer mehr reizt.
Ich hab heute nicht so gut gefunden, dass ich Mohammad alles mögliche erzähle. Doch muss ich mit anderen Leuten darüber sprechen - nur dann werde ich mir immer klarer, was ich will, wie es zu mir passt, warum ich es möchte. Jetzt empfinde ich schon wieder so einen Druck, dass ich drei Männer gleichzeitig organisieren muss oder vier, dass ich viele Optionen brauche.
Ich hab mir heute gut gefallen, weil ich diese Arbeit habe, weil ich danach einfach ins AA-Meeting gehe, auch wenn die acht Stunden noch gar nicht voll waren. Dass ich pragmatisch bin, dass ich doch noch die Kraft hatte, einkaufen zu gehen, fand ich super. Ich hab bedauert, dass ich gestern nicht schwimmen war. Es ist für mich immer noch total schwer, am Prinzenbad vorbeizufahren und nicht reinzugehen und auch dieses auch dieses Gefühl, es wird nie wieder so sein wie in den Sommern 20 und 21, wo wenige Leute gekommen sind, wo die Bahnen im Terrassenbecken geleint wurden, wo alles viel ruhiger war, Umkleidekabinen open air, wo ich meine Tasche genommen habe und einfach an den Beckenrand gestellt.
Neulich hab ich das gemacht, aber das war dieses Blechbecken und da waren total viele Federn drin. Ich mag dieses Blechbecken nicht. Ich mag geflieste Becken und geleinte Bahnen. Das ist mein ästhetischer Anspruch beim Schwimmen.
Ich hab mir heute selbst gefallen, weil ich die Nachricht von Airbnb gar nicht lesen muss.
Ich wünsche mir, dass ich mir jeden Tag selbst gefalle. Aber vielleicht würde ich dann abheben und arrogant werden. Vielleicht ist es gut, dass ich Einbrüche habe, damit ich dankbar bin an den Tagen wie heute. Heute kann ich wirklich dankbar sein, was ich beruflich erreicht habe. Manche, die waren vielleicht zehn, fünfzehn Jahre im Berufsleben und haben eine Karriere hingelegt. Ich hab diese Karriere in weniger als vier Jahren hingelegt, weil ich Hartz IV war, weil ich in den mittleren Dienst gegangen bin, weil ich in den gehobenen Dienst aufgestiegen bin und jetzt so eine wichtige Rolle einnehme in meinem Team.
Und das ist gut, dass ich das erreicht habe, bevor ich Mutter werde, weil ich darauf aufbauen kann, weil ich mir das alles stärker abspeichern kann, dass ich diese Schritte gegangen bin. Ich würde sagen, ich halte gar nicht fünfzehn Jahre Vollzeit durch am Stück. Aber das, was ich durchgehalten habe am Stück, halten wiederum andere nicht aus.
Ich werde da liegen im Sana Klinikum, die machen den Schnitt, nehmen das Kind raus. Es wird total unangenehm für mich sein, ich muss jemanden an der Hand fassen. Ich brauche Hilfe. Ich bin irgendwie orientierungslos, aber auch freudig, dass es jetzt endlich da ist, mein Baby. Und ich kann mich auch sehen mit diesem Tragegurt und dem Kind von meiner Brust. Ich trage das so zum Meeting und hab nur eine kleine Tasche dabei. Das ist einfacher als immer mit dem Kinderwagen.