Wenn man erst 25 werden musste um zu realisieren, dass die eigenen Eltern früher so einiges falsch gemacht haben. Ja, ok, aber so viel? So viel, dass ich so bekloppt war? Ich hatte als Kind schon krasse Macken - niemand hat etwas getan. Sie müssen schon viel früher, wo ich mich garnicht dran erinnern kann, irgendwas gravierendes falsch gemacht haben wodurch ich erst so geworden bin. Selektiver Mutismus, Jaktationen, Blockaden, die ganzen komischen Sachen die ich gespielt habe, wie aggressiv ich zuhause und wie still ich in der Schule war, nie so richtige Freunde gehabt, nie gewusst was ich mit mir anfangen soll... und sie haben es einfachso hingenommen! Dann Strafen von Schlägen über absurde Verbote (kein Urlaub, kein Spielen bei Freunden, kein Trödelmarkt, alle Spielsachen wegsperren). Und andererseits Überfürsorglichkeit und Helikopterverhalten. Und nie haben sie mich richtig gefördert. Immer wurde nachgegeben. Wenn ich irgendwo vor Angst hatte hieß es dann mach es halt nicht oder geh nicht hin. Wenn ich etwas nicht wollte musste ich nicht. Nie habe ich gelernt mich meinen Ängsten zu stellen oder Dinge einfach auszuhalten. Das einzige was ich verinnerlicht hab, ist still zu sein. Hauptsache war immer ich bin still, schreie nicht, die Nachbarn reden nicht ich sei behindert oder so. Hauptsache niemand merkt was. Ich merke bis heute wie abhängig ich von meinen Eltern, besonders meiner Mutter bin. Traue mich nie was ohne Absprache. Fuck warum?
Ich bin jetzt erwachsen, ein eigenständiges Individuum, mit eigener Meinung, eigenen Einstellungen und kann selber entscheiden wie ich handel. Doch mich selbst als genau das zu sehen fällt mir noch immer so schwer. Immer wurde mir alles abgenommen. Ich hatte nie die Chance herauszufinden wer ich sein will, ich hab nie im Traum daran gedacht irgendwas anders oder von mir aus zu machen. Ich habe gelernt mein wahres ich, meine Meinungen und Gefühle zu verstecken. Ich bin mir peinlich, ein Duckmäuser. "Mit dir kann man nirgendwo hin, wieder nur dumm aufgefallen" - sowas hallt bis heute nach. Deshalb bin ich wie ich bin. Ein Stubenhocker. Still vor dem Pc war ich ihnen gut genug. Diese Kindheit hat mich geprägt. Sie helfen mir bis heute nicht wirklich weiter im Leben, guten Rat gaben sie selten, immer nur Vorwürfe. Sie haben mich schon als ich klein war aufgegeben, weil ich halt komisch war. Dadurch hab ich mich nur selber aufgegeben. Nie denken sie darüber nach, dass kein Kind einfach aus Spaß komisch und seltsam ist. Es kommt immer irgendwo her wenn Kinder Macken haben. Ich glaube meine Eltern waren echt unfähig ein Kind (wie mich) groß zu ziehen. Fuck, warum darf eigentlich JEDER EINFACHSO Kinder in die Welt setzen?! Während man einen Test machen muss um Hunde ausführen zu dürfen! Ja, natürlich haben sie es nur gut gemeint, vielleicht sogar zu gut. Sie haben ihr bestes getan, ihnen sind ihre Fehler ja bis heute nicht bewusst. Ich kann es ihnen nicht allzu übel nehmen, ich wäre ja selber ein noch viel schlechterer Elternteil. Reden kann ich mit ihnen bis heute nicht über sowas, dann mach ich sie ja nur wieder "böswillig fertig". Sind wohl auch noch stolz auf alles. Was aus mir geworden ist, ist ein beziehungsunfähiger, einzelgängerischer Sozialkrüppel ohne Perspektive dem für den Rest seines Lebens die einfachsten Dinge irre schwer fallen werden.
Sie haben mir nie Orientierung gegeben, mich einfach in meinem Zimmer vergammeln und hängen gelassen. Ich wurde nur selten wirklich gelobt und Umarmungen oder sowas gab es in der Familie nie.
Ich glaube, durch all diese Erkenntnisse, auch wenn sie sehr spät kommen, komme ich gerade erst in meine rebellische Teenager Phase. Ich höre jetzt Rammstein weil Mutter die so hasst. Und wenn ich ehrlich bin, gefallen mir einige Lieder sogar ganz gut. Nicht mal aus Prinzip, sondern wirklich. Ich hätte mir das früher nur aus Scham nie eingestanden.
...Im Endeffekt hat sich meine Mutter auch noch ihr eigenes Leben kaputt gemacht.








