Es ist leicht zu sagen, dass man über jemanden hinweg ist, wenn man ihn nicht sieht. Was wirklich schwer ist, ist vor ihm zu stehen, seine Augen und sein Lächeln zu sehen und immer noch sagen zu können: "Ich will ihn nicht mehr."

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Es ist leicht zu sagen, dass man über jemanden hinweg ist, wenn man ihn nicht sieht. Was wirklich schwer ist, ist vor ihm zu stehen, seine Augen und sein Lächeln zu sehen und immer noch sagen zu können: "Ich will ihn nicht mehr."
Es tut zu sehr weh, um darüber hinwegzukommen..
-T @mystic-falls-poetry
Ich denke immer wieder, jetzt habe ich es geschafft. Jetzt denke ich schon seit längerer Zeit nicht mehr an dich. Ich bin über dich hinweg. Aber wenn ich dich nur einmal sehe, dir einmal in die Augen gucke, dein Lachen sehe oder deinen Geruch rieche, dann kommt es wieder alles über mich. Dann bekomme ich diese Rückschläge direkt in’s Gesicht. Dann merke ich, dass du immer noch in meinem Kopf bist und du noch immer genau das bist, was ich will.
Ich kam nie über dich hinweg, hätte ich nur nie dieses Gefühl für dich entdeckt.
Sierra Kidd
Über einen Menschen hinwegzukommen, der die eigenen Gefühle nicht erwidert, ist ein so befreiendes Gefühl.
KeineWieSie
Der Hass des Akkordeonspielers
oder: die Arroganz der Dummheit
Ich hasse Akkordeonmusik. Und damit meine ich nicht, dass ich Akkordeonmusik nicht mag. Nein, ich hasse Akkordeonmusik. Es gibt genau zwei Dinge auf dieser Welt, die ich hasse, aus tiefster Seele abgrundtief hasse:
Selbstgerechtigkeit und Akkordeonmusik.
Und manchmal kommen sie im Doppelpack. Wie sonst könnte man es erklären, dass der Akkordeonspieler in der SBahn der festen Überzeugung ist, dass seine Interpretationen von “Slavko Avsenik's größten Polka Hits” etwas ist, dass der Rest der Menschheit (in diesem Falle: ich) unbedingt hören möchte? Der Zyniker mag nun sagen: "Er weiß genau, dass das niemand (in diesem Falle: du) hören möchte. Er will dafür bezahlt werden aufzuhören."
Ich bin aber kein Zyniker. Darum sage ich, dass er ein selbstgerechtes Arschloch ist. Deshalb bekommt er von mir auch nichts als einen verachtenden Blick. Er soll bloß nicht auf die Idee kommen, dass ich ihm auch noch recht gebe.
Versteht mich nicht falsch, er ist bestimmt ein ganz dufter Kerl, der Akkordeonspieler. Sobald er sein Akkordeon zur Seite legt. Nein, wirklich, da bin ich mir sicher. Sein Lächeln ist echt. Und das ist etwas Seltenes in den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Und wenn er Flöte spielen würde oder Gitarre, von mir aus Dudelsack oder Bratsche... das wäre alles fein. Alphorn wäre der Wahnsinn! Im positiven Sinne. Wer allerdings mein Kindheitstrauma wiederaufleben lässt - zwei meiner Geschwister hatten Akkordeonunterricht und meine Mutter war ein großer Fan des Musikantenstadl’s (was erklärt, warum mir Namen wie "Slavko Avsenik" geläufig sind) - den kann ich nur mit Verachtung strafen.
Und außerdem habe ich den Beweis, dass es der Akkordeonspieler auf mich persönlich abgesehen hat. Denn er quetscht immer nur dann in Überlautstärke Polkatöne aus seinem Schrankkoffer-großen pneumatisch-asthmatischen Tongenerator, wenn er mir damit auf die Nerven gehen kann. Wenn ich ihn aber mal wirklich bräuchte, dann... ja dann glänzt er durch Abwesenheit. Zum Beispiel wenn seine Schallverschmutzung die menschenverachtende Dummheit mancher Gespräche übertönen würde, die man unweigerlich in den öffentlichen Verkehrsmitteln so mit anhören muss. Wie kürzlich, das Gespräch zweier elegant gekleideter Damen mittleren Alters neben mir:
A: "Ich hab kein Mitleid mit Sucht-Menschen."
B: "Man muss doch Mitleid haben. Die können doch nichts dafür. Sucht ist angeboren."
A: "Nein, Sucht ist anerzogen. Ich möchte gar nicht wissen, was die für Eltern gehabt haben"
B: “Ja sicher, das soziale Umfeld spielt schon auch eine Rolle.”
A: “Na also, dann sollen sie sich eben ein anderes soziales Umfeld suchen.”
B: "Aber so einfach ist das nicht mit dem sozialen Umfeld. Da muss man doch Mitleid haben."
A: "Ach was, Mitleid. Die kriegen für andere Dinge Mitleid. Nicht für so einen Schmarrn.”
Der Hass des Akkordeonspielers ist gegen mich gerichtet. Ich weiß es ganz genau. Nennt mich paranoid. Mir doch egal. Und er hat kein Mitleid mit mir.
Zurecht, wie mir kürzlich klar wurde. Denn es ist meine eigene Schuld. Ich strafe ihn mit Verachtung und er rächt sich dafür. Denn in meiner eigenen Selbstgerechtigkeit war mir lange nicht bewusst, dass die musikalische Selbstgerechtigkeit von “Slavko’s Avsenik’s größten Polka Hits” weit weniger schlimm ist als die Arroganz der Dummheit.
- Auf dem Hinweg
Was schnell abkühlt, hat nie wirklich gebrannt
Der Poet
Du bist aktuell einfach nicht mehr das, was ich vor einem Jahr so sehr wollte.
11:10