Auf Umwegen zur Hygienedusche
Bei meinen Überlegungen zur Sanitärtechnik im Zuge einer Haussanierung 2010 spielen auch Dusch-Toiletten eine Rolle. Zum ersten Mal davon gehört habe ich 1996, ausprobiert habe ich mangels Gelegenheit bis dahin aber noch keine. Das Argument, man wische auch keinen Spaghettiteller mit einer Papierserviette ab und halte ihn danach für sauber, überzeugt mich aber.
Bei den wenigen Dusch-WCs, die 2010 angeboten werden, sind Toilettenschüssel und Duschtechnik als Einheit gestaltet. Sie sind sehr schön, kosten aber mehrere Tausend Euro und zu diesem Zeitpunkt bin ich nicht bereit, so viel Geld auszugeben. Ich lasse aber schon mal eine Steckdose in der Nähe der Toilette installieren, damit ich im Falle der Bereitschaft gerüstet bin.
In den folgenden Jahren nimmt das Thema an Fahrt auf. Es kommen zahlreiche Systeme auf den Markt, mit denen man vorhandene Toiletten nachrüsten kann. Das Prinzip ist immer gleich: Aus der Toilettenbrille wird auf Knopfdruck eine Düse ausgefahren, die einen reinigenden Springbrunnen erzeugt. Das Wasser kann wahlweise mit einem Durchlauferhitzer vorgewärmt werden. Nach Gebrauch zieht sich die Düse wieder in die Brille zurück und wird währenddessen gereinigt.
2017 bin ich bereit, Geld auszugeben; der Nachrüstsatz für die Toilettenschüssel ist für einige Hundert Euro zu haben; dazu kommen die Kosten für die Installation. Das Sitzgefühl auf der neuen Toilettenbrille ist etwas ungewohnt, aber die Reinigung ist sehr angenehm und funktioniert einwandfrei. Ich stelle fest, dass ich auf warmes Duschwasser keinen Wert lege und das kalte ganz erfrischend finde.
Für die beiden anderen Toiletten im Haus möchte ich weiterhin nicht so viel Geld ausgeben, sie bleiben bis auf Weiteres duschenlos.
Im Urlaub wohne ich 2018 in einem Ferienhaus in Portugal, in dem neben jeder Toilette eine einfache Handbrause installiert ist; das Wasser dafür wird aus dem Spülkasten abgezweigt. Das gefällt mir so gut, und sieht so einfach aus, dass ich sofort nach der Rückkehr das Gespräch mit der Sanitärfirma suche. Der Monteur nickt und nimmt meine Wünsche auf. Kurze Zeit später bekomme ich kein Angebot, sondern die Nachricht, dass man diesen Auftrag leider nicht übernehmen könne. Hygieneduschen seien in Deutschland unzulässig; wenn man den Duschkopf ungeschickt in die Toilettenschüssel fallen ließe, könne verunreinigtes Wasser in die Trinkwasserleitung geraten.
Das ist eine Ausrede für „wir möchten diesen Auftrag nicht ausführen“, den Grund dafür werde ich nie erfahren. Eine Hygienedusche muss eigensicher gegen Rückfließen nach DIN EN 1717 ausgeführt sein, das stimmt schon, aber das lässt sich durch ein einfaches Ventil bewerkstelligen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Toiletten gar nicht an die Trinkwasserleitung angeschlossen sind, sondern mit Regenwasser betrieben werden.
Die Absage der Sanitärfirma setzt große „Will aber“-Energie bei mir frei. Unter den unzähligen Fotos aus der Umbauzeit gibt es auch welche, die die Vorwandinstallation zeigen, mit denen die Toilettenschüssel und der Spülkasten an der Wand befestigt sind. Der Hersteller stellt auf Youtube viele Videos bereit, die alle Details des Systems zeigen. In diesen Videos lerne ich alles Nötige, um die Hygieneduschen selbst anzubringen. Für Eckventile, Schläuche und Handstücke gebe ich jeweils etwa 40 Euro aus und kann in Zukunft jedes Teil einzeln austauschen.
Bei der elektrischen Duschtoilette wird früher oder später das Heizelement und/oder die Pumpe kaputtgehen. Es sieht nicht so aus, als wäre das Teil besonders reparaturfreudig konstruiert.
Ich genieße das frisch-geduscht-Gefühl hüftabwärts mehrmals täglich und möchte es sehr schnell nicht mehr missen. Bei den Hygieneduschen muss man den Wasserdruck filigran mit der Hand justieren, es kann sich sonst sehr schnell nach Hochdruckreiniger anfühlen. Dafür kann man sie aber auch prima zum Reinigen der Toilettenschüssel verwenden.
Als im Frühsommer 2020 in den Geschäften das Toilettenpapier knapp wird, macht mir das gar nichts. Ich brauche es nur zum Trockentupfen, das könnte ich zur Not auch mit einem Handtuch erledigen.