Von der Babyschale zum Kindersitz
Das Kind ist inzwischen ein gutes Jahr alt. Wir haben es bisher wenig im Auto transportiert - wir fahren selbst wenig Auto, und das Kind fährt nicht gerne Auto. Es gehört definitiv nicht zu jenen Kindern, die man mit Hilfe eines Autos zum Einschlafen bewegen kann.
In den letzten Wochen ist uns aufgefallen, dass es - obwohl recht zart - nun doch unübersehbar aus der Babyschale herausgewachsen ist, die uns Freunde überlassen hatten. Nun muss ein richtiger Kindersitz her, was einige Fragen aufwirft.
Also kaufe ich den Übersichtsartikel von Stiftung Warentest, in dem über 150 aktuelle Modelle verglichen werden. Die Auswahl schränke ich zunächst auf "universelle Befestigung" ein, denn die meisten Autos unseres Carsharings sind so alt, dass sie keine ISOFIX-Befestigung haben. Damit bleiben allerdings kaum Sitze übrig, es werden offensichtlich kaum mehr Modelle gebaut, die man nur "anschnallt". Eine Weile grübeln wir, ob wir ein Vorjahresmodell kaufen sollen, oder den Fuhrpark um ein paar neuere Autos erweitern müssen, entschließen uns dann gegen beides. Wir werden einen aktuellen Sitz kaufen und sind dann eben auf die zwei Autos beschränkt, die bereits mit ISOFIX ausgestattet sind.
Weiter geht es mit der Frage, ob das Kind vorwärts oder rückwärts fahren soll. Rückwärts ist sicherer, so wohl die allgemeine Überzeugung - am besten bis zum vierten Lebensjahr. Der in der ersten Runde ins Auge gefasste Sitz kann das nicht und fliegt wieder aus der engeren Auswahl. Wir schauen uns Sitze an, die zwar ein "sehr gut" für die Sicherheit erhalten haben, aber nur mäßige Noten für die Handhabung, was uns nicht überzeugt. Mäßige Handhabung heißt ja im Zweifel doch wieder unsichere Handhabung.
Als Nächstes stolpern wir über i-Size, eine Norm zur Klassifizierung von Kindersitzen. Wir lernen, dass Kindersitze früher nach dem Gewicht des Kindes eingeordnet wurden, mit i-Size aber nun nach der Körpergröße, denn (so die FAQ eines Kindersitz-Herstellers), "Eltern [kennen] die Körperlänge ihres Kindes besser als sein Gewicht, da sie auch beim Kauf von Kleidung entscheidend ist". Uns ist die Körpergröße des Kindes nicht geläufig, wir müssen erst mal nachmessen.
Nun gibt es Sitze, die mitwachsen können, bis das Kind um zwölf Jahre alt ist. Das klingt verlockend: einmal recherchieren, Ruhe bis (fast) zur Pubertät. Der Vergleich zeigt aber auch, dass man damit einige Kompromisse eingeht - die Modelle, die sich auf eine Zwischengröße (15 Monate bis vier Jahre) beschränken, sind besser auf Kleinkinder zugeschnitten und bekommen bessere Noten. Also "nur" ein Sitz für die kommenden drei Jahre.
Nach all diesen Überlegungen einigen wir uns auf ein "sehr gut" getestetes Modell für gut 200€ - man könnte locker auch über 800€ ausgeben. Der Sitz trifft wenige Tage später ein, das Kind ist begeistert, möchte gleich im Wohnzimmer hineinklettern und weint, als wir es wieder herausnehmen. Im Auto ist die Begeisterung dann nicht mehr gar so groß: es ist immer noch sichtlich spannend, aber gerne im Auto mitfahren tut das Kind damit noch lange nicht.