1. Juni 2019
Der Bus der Bahn ist besser als die Bahn der Bahn
Ich will von München nach Zürich fahren, eine für ihre Unausgebautheit berüchtigte Bahnstrecke. Sie ist zwar landschaftlich sehr schön, aber auf deutscher Seite bis heute nicht elektrifiziert. Ich bin schon oft über Ulm, Friedrichshafen und Romanshorn gefahren, weil man da zwischen Friedrichshafen und Romanshorn mit einer Fähre den Bodensee überquert. Leider dauert das fünf bis fünfeinhalb Stunden, die man größtenteils in steckdosenlosen Nahverkehrszügen in verschiedenen Funklöchern verbringt (natürlich nur auf der deutschen Seite). Außerdem muss man in Friedrichshafen Hafen, Friedrichshafen Hauptbahnhof und Ulm umsteigen, was nicht immer klappt, und dann dauert es noch länger.
Heute habe ich es eilig und entscheide mich deshalb für den “IC Bus”, der für die 250 Kilometer nur knapp vier Stunden braucht. Er fährt nicht am Münchner Hauptbahnhof ab, sondern am Zentralen Omnibusbahnhof an der Hackerbrücke. Die ist aber vom Hauptbahnhof nur 500 Meter Fußweg oder eine S-Bahn-Station entfernt, nicht wie in Berlin, wo der ZOB von allen Fernbahnhöfen ungefähr so weit entfernt ist wie Frankreich.
Ich muss meinen Rucksack an einem speziellen Gepäckabteil im Heck des Busses abliefern und bekomme einen Zettel (nach dem beim Abholen des Rucksacks niemand fragen wird). Innen tut der Bus, als sei er ein Zug: Die Plätze sind genau wie im Zug nummeriert und reserviert und sehen auch aus wie Zugsitzplätze. Es gibt eine Steckdose und angeblich auch WLAN.
Anders als im Zug (”Sänk you for traveling wis Deutsche Bahn”, “we will now arrive Berlin”) kommt die englische Durchsage von einem Muttersprachler. Das WLAN weigert sich anfangs zu funktionieren, ich gelange nur bis “Obtaining IP address”.
Das ist oft ein Zeichen dafür, dass die IP-Adressen nach der Benutzung nicht schnell genug wieder freigegeben werden, aber was soll’s, so lange wir noch durch München fahren (und wir fahren noch lange durch München), habe ich ja Handyempfang.
Irgendwann später funktioniert auch das WLAN, und noch etwas später kommen wir pünktlich in Zürich an, an demselben Busbahhof, an dem ich zuletzt im August 2015 um fünf Uhr früh ausgestiegen bin, nach einer langen und warmen Fahrt aus Kroatien. Ich erfreue mich daran, dass die Fahrt diesmal so schön kurz und klimatisiert war und dann noch daran, dass auch in Zürich der Busbahnhof unmittelbar neben dem Hauptbahnhof liegt.
Auf dem Rückweg eine Woche später habe ich es nicht ganz so eilig und kann den Eurocity nehmen, der die Strecke zweimal täglich befährt (knapp fünf Stunden Fahrzeit, Steckdosen, kein WLAN, Funkloch).
(Kathrin Passig)


















