1.) Hallo Nordrhein-Westfalen 2.) Bonn voraus

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1.) Hallo Nordrhein-Westfalen 2.) Bonn voraus
Tag 6: Der Kreis-Tag
Hallo ihr alle da draußen, heute haben sich einige Kreise geschlossen. Zum einen bin ich wieder da angelangt, wo ich begonnen habe. Zum anderen haben sich nach dem Ruhetag in Koblenz die Tage ähnlich abgespielt, wie die ersten Tage. Aber der größte Kreis den muss ich länger beschreiben. Ich bin heute um kurz vor sieben aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen. Ich lag hell wach da und dann kam mir auf einmal ein Entschluss. "Du musst das jetzt, in diesem Moment zu Ende bringen." Also stand ich auf, schlich mich aus unserem Zimmer (was mich auch ein bissl an Chicago erinnerte) und sattelte das eiserne Pferd. Es war der vierte Tag an dem ich losgefahren bin und es war der dritte Tag, an dem ich früher losfuhr, als an dem vorherigen. Ich wollte früh in Köln sein, um noch was von der Stadt zu sehen und dann einen Zug am Abend zu nehmen. Ich war nicht in der Stimmung Köln wirklich erreichen zu wollen. Bonn war ein Hochgefühl bei der Einfahrt, aber Köln wär jetzt nur noch der Deckel auf dem fertigen Topf. Die Fahrt war recht ereignislos. Es gab wieder Gegenwind, aber ich hielt mich nicht lang am Rhein auf und so fiel es nicht ins Gewicht. Köln selbst war nicht schön. Shoppen kann man da sicherlich ganz gut, aber das ganze Drum rum ist nicht gerade ansehnlich aus. Auch das Ufer vom Rhein ist Nichts im Vergleich zu unserem wunderschönen Frankfurter Mainufer. So hielt mich auch nicht wirklich viel da zu bleiben. Ich hab mir zwar noch den Dom angesehen, einen Panoramaturm bestiegen und hab in der "Altstadt" (Koblenz und Mainz haben da ebenfalls definitiv schönere) ein Kölsch getrunken (was wirklich ziemlich geil schmeckt) und eine Haxe gegessen, aber es war irgendwie nicht von Bedeutung. Dieses Desinteresse an Köln begründe ich einfach mal mit der Zielsetzung. Ich hatte Köln als Ziel gewählt, da ich ein Ziel brauchte. Ich wollte aktiv in eine Richtung fahren, aber das was ich erreichen wollte war die Bewältigung des Wegs zum Ziel. Nach meiner Auffassung habe ich das geschafft (auch wenn ich die Etappe St. Goar-Koblenz übersprungen habe, aber das war nur ein Bruchteil des tatsächlichen Weges). Ich hatte einen fantastischen Weg und das ich dann schließlich in Köln war war schön, aber es war nichts überragendes. Ich hatte ja auch nicht wirklich eine Begründung zur Zielsetzung. Nichts, was auf mich in Köln gewartet hätte. Es war das erreichen eines Ziels, was mir neue Ziele eröffnete. Und das ist der große Kreis. Die ganze Fahrt war eine große Etappe und ein kleiner Kreis. An den schließt sich der nächste Gang auf die Arbeit oder in die Uni an. Dann kommen die nächsten Radtouren und alle weiteren Abschnitte eines Lebens, aber das sind alles immer wieder nur kleine Zielsetzungen zur groben Orientierung und am Ende muss man den Weg zu diesem groben Ziel selber finden. Vielleicht kommt man am Ende auch ganz wo anders aus. So wird sich für mich bald ein neuer Kreis öffnen und dann auch bald wieder schließen und darauf wird immer ein neuer folgen. Darauf ist verlass. Von einem bestimmten werdet ihr auf jeden Fall erfahren.
Tag 5: Der Gegenwind-Tag
Hallo ihr alle da draußen, Ich kann es nicht fassen, aber ich bin wirklich in Bonn. Und das ganz ohne Hilfsmittel. Das wären dann wieder gute 60 km und diesmal, der Titel sagt es schon, mit Gegenwind. Aber nicht ganz normalem. Es war die Mutter aller Gegenwinde. Orkanartig ist es einem um die Ohren geweht, dass man kaum einen Pedaltritt machen konnte. Losgefahren bin ich gegen halb neun. Da war alles noch in Ordnung. Zwar war die Nacht tierisch kalt gewesen und dementsprechend war der morgen auch recht kühl, aber das mir die Gliedmaße abfroren konnte ich noch verkraften. So konnte ich in 1 1/2 Stunden die ersten 20 km locker schaffen. Dann kam aber der Knackpunkt. Gegen 10 Uhr dieser vermaledeite Gegenwind. Es war ein Kampf. Bis Bad Breisig musste ich diesen alleine kämpfen, dann sprach mich ein anderer Radfahrer an. Wir hatten uns seit Koblenz wechselseitig immer wieder überholt und so gab es eine Connection. Wir fuhren bis Remagen professionell Windschatten. In Remagen kehrten wir ein, aber das Gespräch blieb recht anonym. Weil ich, ehrlichgesagt, keinen Bock hatte bis Bonn (schon ab da ging ich von Bonn als Etappenziel aus, da ich vor halb eins schon 40 der 60 km gemacht hatte) in Gesellschaft zu fahren, lies ich mir beim Essen Zeit. Er wollte dann irgendwann weiter und so trennten sich unsere Wege. Das letzte Stück war dann hart, ich erlebte es fast nur in Trance. Der Wind blies stärker als zuvor und es war kaum ein ankommen gegen ihn. Ich musste mehrmals absteigen, doch als ich das Schild sah, auf dem das Ende des Bundeslands Rheinland-Pfalz verkündet wurde, packte mich neue Energie. Ab da folgte ein Vorort dem anderen. Und ich war um drei in Bonn. Trotz dieses immensen Gegenwinds. Hätte es ihn nicht gegeben wär ich vielleicht heute schon in Köln gelandet. In Bonn hab ich dann ein Hostel aufgesucht, in dem ich mich für die Nacht niederlasse. Es gab nur Platz in einem 5-Bett-Zimmer, also nahm ich diesen. Jedoch ist nur eins der anderen Betten belegt. Als mein Zimmerkollege kam haben wir sofort Smalltalk angefangen und uns unten in das Café des Hostels gesetzt. Das ging auch ziemlich lang, bis ich mich gegen sieben auf Nahrungssuche begab. Auf dem Weg bin ich leider einem Stand von der Uno Flüchtlingshilfe in die Arme gelaufen und ich kann ja eh so schlecht nein bei solchen Sachen sagen. Naja, ich spende denen jetzt einmalig 120€. Man tut ja auch was gutes damit. Morgen wird dann ein interessanter Tag. Ich bin nicht wirklich motiviert länger in Köln zu bleiben. Es war zwar das Ziel der Reise, aber irgendwie war mir das erreichen nie so wirklich von Bedeutung. Das bewältigen der Strecke stand eher im Vordergrund. Ich weiß einfach nicht was ich da groß tun soll. Ich schwanke noch ob ich mir direkt einen Zug am späten Abend schnappen soll, oder ob ich noch eine Nacht bleibe und dann gegen Mittag zurück fahre. Das schaun wir einfach morgen und entscheiden nach meiner Ankunftszeit in Köln. Dieser Tag war einfach herrlich. Das Gefühl bei der Einfahrt in Bonn, das Wissen um die Strecke die man geschafft hat, die Vorfreude auf Köln, das Gefühl wieder in einem richtigen Bett zu liegen.
Nochmal das deutsche Eck bei Tag
Tag 3: 1.) St. Goar 2.) + 3.) Blick von der Jugendherberge 4.) + 5.) Blick vom Campingplatz
Tag 4: Der Zeit-Tag
Hallo ihr alle da draußen,
um ehrlich zu sein hatte ich den Tag über verschiedene Titel für den selben. Als erstes war da der Festungstag, da ich mir ziemlich eingesperrt vorkam und es ziemlich bereute, einen Tag länger in Koblenz zu bleiben. Ich wollte wieder on Tour gehen und nicht abwarten. Ich bin noch nicht ganz im Urlaubsmodus und denke eher ans Weiterkommen. Dieser Tag hat mir aber etwas Schwung genommen und ich hoffe, das ich nicht mehr so innerlich gehetzt bin. Daher würde sich also auch der Urlaubstag anbieten. Dann war da der Versorgungstag, da ich heute eine Regenjacke gekauft habe (weil ich nicht den Rucksack mithabe, den ich in Chicago mit hatte und da meine eigentliche Jacke drin steckt), aber ich mir auch einen neuen USB-Adapter für die Steckdose kaufen musste, da mein alter die Reise nicht überlebt hat. Zudem hab ich noch Wasser gekauft. Also Versorgung würde sich auch anbieten. Jedoch war dieser Tag auch von Koblenz geprägt. Immerhin war ich seit acht Uhr auf den Beinen und durch die Stadt gelaufen. Aber dazu war ich zu wenig im Sightseeing-Modus, um wirklich Koblenz aktiv zu erleben. Was mit aber aufgefallen ist, ist, dass es in Koblenz unglaublich viele Sparkassen gibt. Mindestens fünf, aber keinen Rewe. Und, dass der ADAC hier nen riesen Infocenter in die Gegend gekotzt hat. Der jetzige Titel bezieht sich auf die Tatsache, die mich den ganzen Tag begleitete. Ich hatte zu viel Zeit. Und so musste ich mir Zeit lassen, mir keine Zeit zu lassen. Ich lief Umwege, ging Wege doppelt (was aber auch an meiner verpeiltheit lag), aß lange zu Mittag und las. Das Buch, was ich zum Geburtstag (vor drei Wochen) bekommen habe, habe ich nun durch. Ich bin es seit meinem halbjährigen und immernoch andauernden Kampf mit David Foster Wallaces “Bleichem König” nicht mehr gewohnt Bücher schnell zu lesen.
Also der Tag war sehr abwechslungsreich. Eigentlich hatte ich den Tag mehr in Koblenz eingeplant, weil ich mich zum einen regenerieren und versorgen wollte, aber auch zum anderen, weil scheiß Wetter angekündigt war und ich den Tag dann nicht fahren wollte. Aber was passiert? Strahlender Sonnenschein und den einzigen Minischauer den es gab hab ich verpasst, weil ich in einer Mal war. Ich konnte sogar meine Wäsche zum trocknen aufhängen!
Soviel zum Wetterbericht. Morgen soll Sonnig werden, also wird sie Welt wohl ersaufen. Ich hab mir die Strecke noch mal angeschaut und halte mein Etappenziel für machbar und schiele sogar ein wenig auf Bonn. Aber keine Gedankenspiele, die tun nicht gut.
Morgen gibts mehr.
Tag 3: Der doppelt gemoppelte Tag
Hallo ihr alle da draußen, noch eine kleine Anekdote von gestern. Ich konnte auf dem Campingplatz lagern wo ich wollte. Ich suchte mir einen Platz direkt am Rheinufer hinter einem Camper. Als ich mein Zelt noch aufbaute war keiner da. Als ich jedoch vom Abendessen zurück kam saßen zwei Leute vor dem Camper. Ich fragte beide nach dem Kloster, was ich auf der anderen Rheinseite gesehen hatte und mich interessierte, welches es genau war. Es war das Kloster von Hildegard von Bingen, aber das tut nichts zur Sache. Es entwickelte sich ein Gespräch und ich lernte die beiden als Pärchen aus Thüringen kennen. Man redet so über Studium, Fahrtziel etc. und weils dann doch recht frisch wurde und ich keine Jacke habe (wird sich morgen ändern) verabschiedete man sich mit einem Enzian. Die Nacht hab ich dann schlecht geschlafen. Zum einen weil ich schon sehr früh im Bett lag und zum anderen weil draußen ein unheimlicher Lärm war. Es kamen zusammen Flughafen, Rhein und Zug was in der Kombi dann schon unangenehm ist. Als ich mich dann morgens um acht aus dem Zelt schwang musste ich in einen grauen Himmel blicken. Es waren zwar nur Nebelfelder, aber es drückte doch schon aufs Gemüt. Nach erfolgreichem Abbruch des Zelts ging es dann in Richtung St. Goar. Jedoch machte mein Hintern schon beim ersten hinsetzen klar, dass er mir den vergangenen Tag übel nahm. St. Goar erreichte ich um die Mittagszeit, aber schon da war mein Entschluss gefällt: "ab St. Goar mit dem Schiff nach Koblenz". Ich hatte ein paar Gründe für diese Entscheidung. Hier eine Auswahl: 1.) mein Hintern tat weh, ich brauchte eine Auszeit. 2.) in Boppard zu stranden war irgendwie nicht attraktiv. 3.) eine Rheinschifffahrt muss man mal gemacht haben. Klar klingt das nach Ausflüchten und teilweise sind sie es auch, aber am Ende muss jeder selber entscheiden. Ich hatte darauf hin vier Stunden Aufenthalt in St. Goar und wen Treff ich da? Die Thüringer. Die hatten grad ne Bootstour gemacht und mich erspäht. Man quatschte noch kurz, das wars dann aber auch. Den Rest der Wartezeit verbrachte ich mit lesen. Auf der Fahrt nach Koblenz hatte ich mal wieder Zeit zum nachdenken und das ist bekanntlich gefährlich. Mein Kopf machte wieder sein Ding. Er versuchte das, was er schon auf der Fahrt am Vormittag versucht hatte. Er wollte mich zum aufgeben zwingen. Ich ersann etliche Routen die mir das Leben noch einfacher hätten machen können und am Ende entschied ich, jetzt nen Tag Aufenthalt in Koblenz, dann 50 km nach Bad Honnef und am darauf folgenden Tag nach Köln, mit mini Aufenthalt in Bonn. Ich geh zwar davon aus, dass ich auch mit dem Boot bis nach Köln komme, aber ich will das nicht. Ich will, dass ich das schaffen möchte. Ich möchte, dass ich wenigstens das hier schaffe. Am Ende würden 200 km stehen und das würde mir, glaub ich gut gefallen. Somit haben wir heute auch Bergfest, was die gefahrenen km angeht. Ich hoffe, dass dieser eine Ruhetag in Koblenz meinem Hintern gut tut und er sich auf ein paar km noch einlässt. Aber ich bin noch nicht fertig mit dem Tag. In Koblenz angekommen denk ich mir, ich geh wohl am besten in eine Jugendherberge. Die befindet sich in der Festung, die Koblenz überragt. Ich erwisch grad so die letzte Seilbahn hoch, muss dann aber an der Rezeption feststellen, dass es keine freien Zimmer mehr gibt. Ich also wieder runter vom Berg. Bei einer mir empfohlenen Gaststätte haben sie nur ein Doppelzimmer frei, was mich 80€ für zwei Tage kosten würde. "Nich mit mir", ich weiß ja, dass es noch nen Campingplatz hier gibt. Ich also noch mal quer durch Koblenz und finde dann endlich einen Platz zum schlafen. Der ist ziemlich Luxus und hat eine tolle Aussicht auf Koblenz. Ich hoff die nächsten Tage werden vor allem wettertechnisch geil.
Tag 2: Der rheinlose Tag
Hallo ihr alle da draußen, der erste Stopp in Bingen, oder besser gesagt in Kempten bei Bingen, hat kein WLAN und deswegen lest ihr diesen Eintrag ein wenig später. Was ich gestern vergessen hatte, der Weg von Walldorf nach Köln ist ca. 200 km lang. Die Karte die ich dabei hab rechnet von Mainz nach Köln und das wären dann 160 km. Ich habe also heute in der Etappe Walldorf-Bingen 70 km gemacht, also erneut eine Personal best, aber das wird wohl dann auch die einzige 70 bleiben. Ich bin einfach zu kaputt. Ich muss irgendwie flacher atmen, was mich ein wenig beunruhigt, was ich aber auf die Anstrengung schiebe, die mein Körper nicht gewohnt ist. Dabei lief die Strecke Walldorf-Mainz ziemlich gut. Ich hab sie in zwei Stunden geschafft und war sehr zufrieden mit mir. Das Rad lief ausgesprochen gut, wozu ich gleich mal ein paar wilde Theorien aufstelle. 1.) Die Musik gibt mir zusätzlich Kraft. Begründet dadurch, dass ich in Chicago keinerlei Musik hören konnte. 2.) Die klimatischen Bedingungen sind deutlich besser. Es fährt sich einfach angenehmer bei 22 Grad als bei über 30 Grad. 3.) Mehr Wald. Der Schatten kühlt noch mal mehr. 4.) ich fahr endlich mal bei 4 bar Reifendruck. Es war wohl dem Flug von Frankfurt nach Chicago geschuldet, dass ich in Chicago meine Reifen nie wirklich voll hatte. Jedenfalls vermute ich das. Dies würd auch erklären warum mir die Strecke Mörfelden-Walldorf manchmal so schwer viel. Und da es auch so wunderbar zu mit passen würde, weil ich so dabbisch bin, vermute ich sehr stark, das in dieser Theorie die meiste Wahrheit liegt. Zu allem Überfluss hazte ich mich nach Mainz dann auch noch verfahren. Ich war auf dem Weg in Richtung Bodenheim (O. s. Ä) bis ich zweimal meinen Kurs in Richtung Budenheim (O. s. Ä) korrigierte. Das hat mit nicht nur Stunden gestohlen, sondern auch noch Kilometer beschehrt, was mich vermuten lässt, dass ich weit mehr als 70 km gefahren bin. Aber egal ich hab Bingen erreicht und hab mein Tagesziel erfüllt. Für morgen plane ich bis St. Goar, das wären dann 40 km. Heimlich hoffe ich auf Boppard obwohl ursprünglich mal Koblenz das Ziel für die zweite Tagesetappe war. Ich werde, in Köln angekommen, dann auch den Zug zurück nehmen (Begründung: siehe Prolog) somit habe ich dann auch mehr zeit und kann die Etappen auch mal kürzer fahren. Zum Abschluss noch mal zum Thema "was habe ich bei meiner Abfahrt vergessen": eine Jacke. Ich hoffe die Nächte werden nicht all zu frisch. Ein schönes was auch immer noch euch.