Markus Memorandum - eine interaktive Geschichte
Prolog
Es liegt Nebel über der Grimnitzsche Heide. Ich heiße Markus – einst niemand von Bedeutung, Vermessungsknecht und Kompist im Dienst von Johann von Altenhain.
Es wundert mich nicht, wenn euch dieser Name nichts sagt. Den wenigsten sagt er etwas, und wenn, dann wird er nur hinter vorgehaltener Hand erwähnt. Johann von Altenhain stand im Dienst Georg Wilhelms und war Teil einer jener Kammern, die den Kurfürsten berieten. Die exakte Katografierung des Landes und seiner Untertanen sollte als Grundlage für die Entwicklung der Region dienen.
Ich selbst war einst ein Straßenjunge. Meine Eltern kamen in den Wirren einer Fehde um. Für meinen Onkel war ich nichts als eine Belastung in kargen Zeiten. Der Gewalt und Tyrannei zu entkommen, war meine eigene Entscheidung. Ich schlug mich durch. Gewalt war Teil meines Lebens.
Ich zog durch die Wälder, von Ort zu Ort, und lernte die Gegenden besser kennen als viele, die dort geboren wurden. Die Dorfbewohner waren mir fremd und blieben meist verschlossen. Der eine oder andere Bauer jedoch nahm meine Arbeitskraft an, ließ mich auf dem Feld schuften. Manche gaben mir Essen, gelegentlich auch ein Dach über dem Kopf. Andere betrogen mich um meinen Lohn oder hetzten ihre Hunde auf mich.
Die Wälder waren nicht ungefährlich, aber für mich berechenbarer als viele Menschen. Ich lebte eine Zeit lang wie ein Eremit. Ich habe nie verstanden, warum die Menschen den Wolf fürchten – man sollte eher den Menschen fürchten. Homo homini lupus est. Nur der Mensch kennt Freude am Töten. Der Wolf handelt instinktiv – ohne Seele, ohne moralische Kategorien wie Gut und Böse.
Ich habe Dinge getan, auf die ich nicht stolz bin – aber ich tat sie, um zu überleben.
Die Begegnung mit Altenhain geschah zufällig. Er suchte einen ortskundigen Führer, und ich war da. Da der Herbst langsam in den Winter überging, bot er mir im Gegenzug für meine Dienste Unterkunft über die kalte Zeit an.
Altenhain war ein hagerer Mann mit schütterem Haar. Seine Kleidung war zugleich funktional und militärisch. Ein breitkrempiger, dunkler Filzhut verdeckte sein graues Haar. Er trug ein grob gewebtes, knielanges Wams, dessen Schultern mit Leder verstärkt waren – so drückten die Gurte seiner Geräte nicht direkt auf den Körper. Sein Leinenhemd war mit einem Stehkragen versehen. Es war die Kleidung eines preußischen Beamten – schlicht, aber bestimmt.
Er achtete penibel auf sein Äußeres: stets glatt rasiert, das Kopfhaar kurz geschnitten. Bei offiziellen Anlässen trug er eine Perücke aus Echthaar.
Ich dagegen war sein völliges Gegenteil. Mein braunes Haar hing wild bis zu den Schultern, der Bart war kraus und ungepflegt – nichts davon entsprach der Etikette.
Altenhain hatte sich über mich erkundigt. Man sagte ihm, ich könne weder lesen noch schreiben, sei aber zuverlässig in der Arbeit und wisse mich zu wehren. Niemand konnte sich erinnern, mich je in einer Kirche gesehen zu haben.
Spätestens an dieser Stelle hätte mir klar werden müssen, dass dieser Hundsfott eines Ministerialbeamten mich nicht zufällig gewählt hatte. Mein Leben, mein Wesen – all das hatte er wohl gezielt in seinen Plan eingewoben. Doch damals war mir das noch nicht bewusst.
Wie soll es weitergehen?
Option 1: Altenhain bringt Markus nach Zehdenick
Option 2: Räuber lauern beiden auf
Option 3: Ein Sturm zieht auf...













