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August 1997
But always through Peter’s bedroom in Berlin
1997 habe ich mein Informatik- und Publizistik-Studium, obwohl immer noch eingeschrieben, schon zwei Jahre lang erfolgreich hingeschmissen. Auch den ausbeuterischen Job beim damaligen Berliner Super-Start-up Pixelpark habe ich gekündigt und beschlossen, mich mit E-Learning selbständig zu machen. “E-Learning”, weil der Leiter des “Projekt pro Lehre” der FU-Berlin, für das ich als Computer-Auskenner gearbeitet hatte, das für die Zukunft der Lehre hält. E-Learning heißt für uns zu der Zeit hauptsächlich Dokumente vor einer Veranstaltung (mit Leuten in einem Raum) zum Download bereitzuhalten und danach Protokolle und Bilder der durchgeführten Veranstaltung und ein Diskussionsforum anzubieten, an dem die Teilnehmer dann relativ wenig teilnehmen.
Dieses Setting führt über diverse Bekanntschaften zu der Idee, dass man sowas auch für Entwicklungshilfe anbieten könnte und man damit Menschen “enablen” könnte, die in Ländern leben, die anscheinend Hilfe bei der Entwicklung nötig haben. Daraus wurde der “New Media Workshop Harare: Internet as a possibility to improve communication for private organisations”, finanziert und durchgeführt von der Carl-Duisberg-Gesellschaft. Und ich soll als Computer-Auskenner den technischen Teil dieses Workshops übernehmen. Harare ist die Hauptstadt von Simbabwe im Südosten von Afrika. Dort leben neben ganz normalen Menschen auch Elefanten und andere Tiere, die man sonst nur aus dem Tierpark kennt. Natürlich mache ich da mit.
Die technische Infrastruktur des E-Learnings, das wir bald auch den Teilnehmern in Afrika anbieten, besteht aus einem Windows NT Server auf einem 486er PC. Dieser Server hängt im Internet per ISDN-Einwahl (nur ein Kanal mit 64 kBit, weil man muss ja auch noch telefonieren) mit fester IP-Adresse erreichbar unter einer Domain. Dieser Server steht in meinem Wohnungsflur in Berlin-Neukölln unter der Garderobe, weil die rasselnden Lüfter wirklich sehr laut sind. Da sich aus zum Aufschreibezeitpunkt 2020 immer noch unerklärlichen Gründen (so viel zum Thema Computer-Auskenner), die Internetverbindung nach einer längeren Laufzeit immer wieder aufhängt, ist ein Teil des Systems an eine mechanische Zeitschaltuhr angesteckt, bei der man in einem 24-Stunden-Kreis mit kleinen Stiften die aktiven Viertelstunden einstellen kann. Das E-Learning ist jeden Tag zwischen 3 Uhr und 3 Uhr 15 nicht erreichbar. Zum Glück ist ganz Afrika in ähnlichen Zeitzonen wie Berlin.
Der erfahrene Kollege, der den Workshop in Harare moderiert und schon viele solcher Veranstaltungen im Entwicklungshilfe-Kontext weltweit gemacht hat, Alfons, ist für die ganzen technik-unabhängigen Themen, wie Prozesse, Kommunikation und Dokumentation, zuständig. Ich fühle mich in guten Händen und fliege im August 1997 relativ naiv und unvorbereitet nach Simbabwe. Überraschenderweise bekommen die Akteure solcher Veranstaltungen, zumindest zu der Zeit noch, Business Class Flüge bezahlt und ich muss mich nach der Hälfte des zehnstündigen Fluges nach Südafrika rechtfertigen, dass ich keine weiteren edlen Weine, Whiskeys oder Schokoladenparfaits mehr haben will.
Der Workshop findet in der Prince Edward School in Harare statt, einem im 19. Jahrhundert von der britischen Kolonisation gegründeten Knabeninternat.
Die Schule erhält von der deutschen Entwicklungshilfe ca. 20 PC-Arbeitsplätze, die ein lokaler Elektrohändler liefert. Zwei Tage lang installieren Cornelius (einer der Workshop-Teilnehmer aus Harare und ehemaliger Schüler der Schule) und ich Netzwerkkarten und Betriebssysteme auf diesen Rechnern.
An den Rechner, der am nächsten an einer Telefonsteckdose steht, schließe ich mein mitgebrachtes 56k-Telefonmodem an (Internet-Connectivity war nicht Bestandteil der zur Verfügung gestellten Hardware). Das stellt den Internetzugang für den gesamten Workshop zur Verfügung. Zur Einwahl mit Ortsgebühr (auf Telefonrechnung der Schule) benutze ich meinen Compuserve-Internet-Zugang, der weltweit funktioniert.
Nachdem die Infrastruktur innerhalb von zwei Tagen fertig aufgebaut ist, nehmen mein Kollege Alfons und ich uns ein Mietauto (inklusive Fahrer) und fahren für drei Tage zu der schwer beeindruckenden Sehenswürdigkeit “Great Zimbabwe”. Die Digitalkamera Kodak DC25, die mir ein Freund aus Berlin für den Afrika-Workshop zur Verfügung gestellt hat, hat eine Auflösung von 493 x 373 Pixeln (0,18 Megapixel). Entsprechend sehen die Bilder aus – allerdings trägt diese Bildqualität auch zur Romantisierung der Erinnerungen bei.
Hinten am Strand vom Lake Mutirikwi war wirklich eine Elefantenfamilie zu sehen
Nach diesem touristischen Highlight beginnt am Montag der Workshop. Angemeldet haben sich 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus fast genauso vielen afrikanischen Ländern.
Nach den Vorstellungsrunden und der Bildung der Arbeitsgruppen am ersten Tag ist der Dienstag komplett für mich und die technischen Aspekte reserviert. Ich habe ein Gewaltprogramm vorbereitet: Geschichte des Internets, prinzipielle Funktionsweise, Internet-Dienste (E-Mail, Usenet, FTP, Webseiten ... soziale Netzwerke gibt es noch nicht wirklich). Interessant auch ein Block zur Benutzung von Suchmaschinen: es gibt noch kein Google, deswegen am Beispiel AltaVista und Yahoo. Beispiel zur Benutzung von logischen Operatoren in Suchanfragen: “Kenya” (80278 Treffer), “+Kenya+Kiswahili” (9000 Treffer), “+Kenya+Kiswahili-Nairobi” (10 Treffer). Und natürlich ein Webseiten/HTML-Crashkurs (Titel “<body></body>”). Das Ganze an einem Tag in vier Sessions.
Ich bin mit meiner Performance nicht wirklich zufrieden und das wird auch vom Protokoll einer Teilnehmerin bestätigt:
“... Peter was extremely divided, shared and therefore failed to be well concentrated on solving some problems.” (*seufz*, recht hat sie)
Allerdings gibt es auch eine positive Zusammenfassung in der mein Schlafzimmer vorkommt.
“... Suddenly there was a maddening clicking on keyboards as all participants embarked to set their e-mail addresses in their respective computer with the expert assistance from Peter, Tevie, Jim and Thandi.
E-mail addresses set, participants started sending messages across the globe - but always through Peter's bedroom in Berlin where the Server is sitting!!
At this stage it was time to go for a grand Italian lunch.”
Aus dramaturgischen Gründen hatte ich den Leuten erzählt, dass der Server zu Hause in meinem Schlafzimmer und nicht im Wohnungseingang installiert ist.
Abgesehen von meiner mittelmäßigen didaktischen Performance denke ich, dass der Workshop, gerade wegen der eigentlichen Kommunikationsthemen, recht gut verlaufen ist.
Sehr visionäres Gruppenergebnis: “Use IT more widely to get quick global answers to global environmental problems”
Zum Abschluss am Freitag werden alle Teilnehmer zum Reden-Anhören, Häppchen-Essen und Anstoßen in die deutsche Botschaft eingeladen. Nach dem offiziellen Akt beschließen wir in eine nahe gelegene Disko zum Chill-out zu gehen. Ich werde mangels Krawatte nicht in die Disko reingelassen. Ein Workshop-Teilnehmer, der schnell in sein Hotel um die Ecke gelaufen ist, hilft mit seiner Zweitkrawatte aus.
Nach meinen Erfahrungen dieser Wochen in Simbabwe und mit den Leuten, denen ich begegnet bin, ist es ziemlich bedrückend zu wissen, dass dieses Land in den nächsten 20+ Jahren vom verbitterten, senilen Despoten wirtschaftlich, kulturell und intellektuell ziemlich zugerichtet wird.
(Peter Witzel)
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The Future Sound Of London - Amoeba (ISDN, 1995)
Ca. 1996–2001, 2014
Dateiaustausch Prä-DSL und mobiler Dateiaustausch Prä-3G
1996-2001, das ist ungefähr der Zeitraum, in dem ich bereits mit Mitschüler*n elektronische Dateien austauschte (Texte, Bilder, kurze Videos etc.), aber noch gar keinen Internetzugang bzw. nur ISDN zu Hause hatte. Ich weiß noch ziemlich genau, wie das vor sich ging: Die zu überbringenden Dateien wurden mit einem ZIP-Programm in ein ZIP-Archiv verpackt. War dieses kleiner als 1,39 MiB, wurde es einfach auf eine 3,5"-Diskette kopiert. Ansonsten wurde es mit Hilfe desselben ZIP-Programms über mehrere solcher Disketten verteilt. Das war eine langwierige Prozedur, in der man immer wartete, bis das Programm mit der aktuellen Diskette fertig war und einen aufforderte, die nächste in den PC einzulegen. Am nächsten Tag trug man die Disketten im Schulranzen in die Schule – ich hatte, um das beschädigungs- und verschmutzungsfrei hinzukriegen, eine Anzahl von Hüllen aus transluzentem Hartplastik, in denen jeweils eine Diskette Platz fand – und händigte sie jemandem aus, der*die dann zu Hause eine ähnliche Prozedur zu absolvieren hatte, um die Dateien auf der heimischen Festplatte zusammenzusetzen und zu dekomprimieren.
Einmal im Leben habe ich auch jemandem eine Datei, genauer gesagt ein Handyfoto, gebluetootht, oder das zumindest versucht. Das war 2014, als mein Bruder bereits ein Smartphone, aber noch keinen mobilen Internetzugang hatte.
(Kilian Evang)
Enjoying a pre-session snack, trying not to get any Cheeto dust on the console... don't tell the boss 🤫
Seit 1976
Technische Entwicklung der Telefonie zu Hause
1976: Elterliche Wohnung. Das Fernmeldeanlagengesetz verbietet jegliche Telefonapparate, die nicht von der damals-noch-Deutschen-Bundespost-Fernmeldedienst ausgegeben wurden. Der Anschluss eigener Hardware steht unter Strafe. Wir haben den FeTAp 611 in Farngrün.
1989: Erste eigene Wohnung. Inzwischen gibt es die ersten zugelassenen Geräte auf dem freien Markt. Ich habe (offiziell) einen FeTAp 71 und einen zugelassenen (gleichwohl sündhaft teuren) Anrufbeantworter mit zwei Cassetten, nutze jedoch als Telefon tatsächlich ein Gerät ohne Zulassung mit Freisprecheinrichtung und Telefonnummernspeicher.
1991: Zweite eigene Wohnung. Die Zulassungsvorschriften der Post, so liest man, dienen der Öffentlichen Sicherheit. Angenommen, ein Telefon würde durch einen falschen Anschlusswert einen Brand in einer Vermittlungsstelle auslösen, so könnten abertausende Telefonnutzer weder Polizei noch Feuerwehr zur Hilfe rufen. Wir kaufen ein Beocom 1000, das Designtelefon von Bang & Olufsen. Um den strengen sicherheitstechnischen Anforderungen für den deutschen Markt zu genügen, musste bei der deutschen Version in den Höhrer eine Stahlplatte eingebaut werden, da er ansonsten zu leicht gewesen wäre. Was tut man nicht alles für die Sicherheit.
2005: Eigenes Haus. Um Anrufe mehrerer beruflicher Identitäten der zwei Bewohner sauber trennen zu können, haben wir ISDN und für das Internet DSL. Ab und zu fällt das DSL aus, aber ISDN ist so stabil, dass man die Hotline des Providers zuverlässig erreichen kann.
2015: Die ISDN-Telefone sind immer öfter gestört. Anrufer erhalten eine Art Besetztzeichen, ausgehende Telefonate bekommen kein Freizeichen. Störungsmeldungen machen wir meist per Internet. Ergebnis: Beim Durchmessen der Leitung wird zuverlässig kein Fehler gefunden, der Fehler ist aber zeitgleich mit dem Durchmessen auch weg. DSL ist inzwischen etwas stabiler als ISDN, was aber an der Fehlerzunahme bei ISDN liegt.
2016: Umstellung auf Voice over IP. Kollegen hatten ihre Büros vor Jahresfrist beim selben Provider umgestellt und hatten zusätzlich zu den weiterhin auftretenden DSL-Ausfällen nun auch Ausfälle der VoIP-Anbindung. Zudem schaffte es niemand, beim Router, den der Provider lieferte, ein Besetztzeichen zu aktivieren, wenn das Telefon besetzt war. Anrufer hörten das Tuten, das bei klingelndem Telefon zu hören ist. Daher kaufen wir einen (teuren) eigenen Router, der zudem die bewährten ISDN-Geräte unterstützt. Störungen werden wir aber künftig per Handy melden müssen. Falls das Mobilfunknetz uns lässt.
(Volker König)