Jim #24 - Martha
Als wir an der Tankstelle aufschlagen, steht der Alte bereits am Eingang und winkt uns herein. Er wirft einen in der Ecke stehenden Generator an und macht sich daran, etwas zu kochen, was im Anschluss (wie es während dem Kochen ist, ist nicht ohne unangenehme Begleiterscheinungen in Erfahrung zu bringen) ein bisschen (aber eben nicht ganz) anders als Tee schmeckt. Nachdem er die Flüssigkeit, die ein bisschen (aber eben nicht ganz) anders als Tee schmeckt, serviert hat, setzt sich der alte Mann, der in der Tankstelle wohnt, uns gegenüber und sieht uns freundlich an. Ein paar Minuten lang geschieht nichts weiter. Artur niest einmal, weil er Sand in die Schnauze bekommen hat. Dann räuspert sich Jim und sagt: „Ähm. Weißt du, wir haben eine Tankstelle gesucht, weil uns der Sprit für unser Raumschiff ausgegangen ist.“ „Ich verstehe.“ erwidert der Mann. Wieder passiert eine Weile nichts. Ich kratze mich an der Augenbraue und nehme noch einen Schluck von der Flüssigkeit die ein bisschen (naja, und so weiter). „Wäre es also möglich, hier aufzutanken?“ Der Alte schreckt auf. „Wie? Oh. Ja natürlich. Ich meine: Nein, tut mir Leid. An dieser Tankstelle gibt es keinen Treibstoff mehr. Weißt du, wir warten schon seit einer Weile auf den Tanker, aber vermutlich steckt er im Stau oder so. Ist ja heut' zu Tage unberechenbar, der Verkehr.“ Jim und ich tauschen einen Blick aus. „Und ...“, fragt Jim, „Wie lange wartest du schon?“ „Ich? Ach so, ja. Wir. Wir warten... einen Moment, ich hab's aufgeschrieben.“ Während der Alte hinter der Theke verschwindet, plappert er fröhlich weiter. „Wir müssen ja schließlich Buch führen, ohne Ordnung würde alles verschütt gehen, alles würde zusammenbrechen. Ah ja, hier! Seit … moment … zehn … zwölf … Seit exakt 40 Jahren, 10 Monaten und 12 Tagen. Er sollte also jeden Augenblick eintreffen. In der Zwischenzeit. Martha! Marhta, kommst du mal? Wir haben Besuch!“ Jim vergräbt den Kopf zwischen den Händen. „Sie wird oben beschäftigt sein.“ Er beginnt, unsere Tassen einzusammeln und sie abzuwaschen. Jim, Artur und ich stehen auf und gehen zur Tür. „NEIN!“, brüllt da plötzlich der Alte hinter uns. Wir fahren herum. Der Alte ist auf die Theke gesprungen. Jetzt steht er da, unschlüssig was er tun soll und klettert dann langsam wieder herunter. „Ich meine … Es … Es tut mir Leid. Ich … Es ist so einsam hier.“ Ich mache einen Schritt zurück in den Raum. „D... Der Sand.“ Er setzt sich auf den Tresen und sieht mich an. Seine Augen schimmern. „Er hat alles zerstört. Alle Träume, die diese Welt bewohnt haben. Die Hoffnungen, die Wünsche wurden langsam und quälend zerrieben. Er hat mir alles genommen.“ Zitternd kommt er wieder auf die Beine. „Die ganzen Leute. Die Dörfer. Die Städte. Die Wälder.“ Er macht einen Schritt auf uns zu. „Martha.“ Er seufzt tief und schluckt die Tränen herunter. „Ich habe im Keller noch Vorräte. Sprit und Nahrungsmittel. Aber die brauche ich für den Generator.“ Jim kommt jetzt auch wieder näher und Artur stapft hinterher. „Ich habe nichts mehr, was mich auf dieser Welt hält. Wenn ihr mich mitnehmt und irgendwo hinbringt, wo ich bleiben kann, dann könnt ihr alles haben. Aber bitte. Nehmt mich mit.“














