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Januar 2021
39 Gäste zum 37. Geburtstag
Im Verlauf der Pandemie feiere ich viele Onlinepartys, von den ersten, wackligen Versuchen einer Überraschungsparty bei Jitsi im März 2020 (Überraschung glückt, Technik ist suboptimal) über verschiedene Zoom-Treffen hin zu einer Big-Blue-Button-Feier, die in kollektivem Herummalen auf geteilten Fotos endet. Immer macht es Spaß, aber immer bleiben am Ende doch alle im gleichen Raum, selbst wenn mehrere parallele Räume eröffnet werden. Die Hürde, jemanden zu fragen, ob man nicht gemeinsam in einen anderen Raum gehen will, scheint zwar von außen betrachtet gering (geht ja auch über Privatchatnachrichten), ist aber in der Praxis doch einfach zu hoch. Besonders wenn mehr als fünf Leute dabei sind, ist das dann sehr anstrengend, weil man sich dauernd ungewollt ins Wort fällt und auch uninteressantere Themen ertragen muss.
Im Dezember 2020 lerne ich schließlich Gather.town kennen. Name und Konzept habe ich zwar schon vor Monaten gehört, es aber nie ausprobiert. Nun haben Freunde damit gute Erfahrungen gemacht und nach einem kurzen Test bin ich auch davon überzeugt. Gather.town eröffnet Videochats, wie die anderen Programme auch, aber es hat keine hart abgegrenzten Räume: Man hat einen Avatar, mit dem man sich auf einer Karte bewegt, und wenn man nah genug an anderen Avataren ist, sieht und hört man sich gegenseitig. Das Außer-Hörweite-Geraten wird durch ein transparent werdendes Videobild simuliert.
Die Karte kann man selbst gestalten, die standardmäßig zur Verfügung gestellten Varianten stellen meistens Räume dar, die visuell alten Computerspielen ähneln. In einem Bearbeitungsmodus kann man definieren, welche Bereiche nicht betreten werden können, sodass auch Wände simulierbar sind.
Ich beschließe kurz vor Weihnachten, meinen Geburtstag bei Gather.town zu feiern, erstelle eine Facebookveranstaltung, mit der ich die meisten Gäste einlade, und schreibe an die facebooklosen Leute eine Mail. Ab 26 Teilnehmenden kostet Gather.town was, ich lade trotzdem mal rund 60 Leute ein, es werden ja schon nicht alle Zeit haben. Dann habe ich Urlaub und kümmere mich mehrere Tage lang darum, den Partyraum hübsch zu machen. Dazu lade ich die verschiedenen Standardräume als Grafiken herunter und schneide mir mit Gimp heraus, was ich haben will. Aus zwei Sofas und einem Kissen bastle ich ein Bett. Ein Teil einer Topfpflanze wird zu Salat. Die Badewanne war vorher ein Tisch und ein Waschbecken. (Eigentlich gibt es ein empfohlenes Programm, Tiles, aber das finde ich erst später heraus.) So entsteht schließlich eine Karte mit einem größeren Haus, einem kleineren Gartenhaus, einem Spielplatz und einem Springbrunnen. Außerdem richte ich zwei Unterräume ein, die man betritt, wenn man sich auf der Hauptkarte an eine bestimmte Stelle bewegt: Wenn man ins Bett geht, fällt man in eine Art Traumwelt und muss dort ins Lagerfeuer laufen, um zurückzukehren, und in der Küche gibt es eine Stelle, wo man in einen unterirdischen Gang fällt, an dessen Ende man dann im Sandkasten wieder herauskommt.
Kurz vor der Feier haben 45 Leute zugesagt. Ich erkenne, dass es riskant war, aus vorpandemischem Präsenzpartyverhalten auf Dieaktuellesituation zu schließen. Schlimm ist das aber nicht, bei einer echten Party hätte ich Geld für Getränke ausgegeben, hier kostet die Nutzung jetzt für zwei Stunden je einen Dollar pro Person.
Weil ich nicht weiß und nicht testen kann, was passieren wird, wenn so viele Leute auf einmal teilnehmen, erstelle ich einen Notfall-Zoom-Link, den ich im Vorfeld teile, sodass wir schnell umziehen können, falls es größere Probleme gibt. Das wird am Ende nicht nötig sein. Außerdem lade ich die Gäste dazu ein, was mitzubringen: Wenn man es erlaubt, können Teilnehmende selbst Objekte im Raum platzieren. Das können vorgefertigte sein, zum Beispiel Pflanzen und Möbel, aber auch selbst erstellte Grafiken.
Am Partyabend um 19 Uhr rufen die Gäste den Link auf, können dem Browser Zugriff auf Kamera und Mikro erlauben, sich einen Namen geben und dann erscheinen sie auf der Karte an einer Stelle, die ich vorher festgelegt habe. (Nämlich an der Eingangstür.) Mit den Pfeiltasten der Tastatur können sie dann ihren Avatar weiterbewegen. Das ist aber gar nicht so selbstverständlich, sodass ich, wie bei einer echten Party, die erste halbe Stunde am Eingang verbringe, die Leute willkommen heiße und ihnen erkläre, wie sie ins Haus kommen.
Ab dann ist es eigentlich wie bei einer echten Party: Wo sonst die Gäste, die schon mal da waren, den anderen den Weg zum Klo oder in die Küche erklären, erzählen sie ihnen jetzt, wie man seinen Avatar anpassen kann, Leute auf der Karte findet, eigene Objekte platziert und all sowas. Manche sehen sich neugierig die ganze Karte an und erzählen anderen dann, welche Räume es noch so gibt. In der Küche entwickelt sich eine Tanzparty (dazu muss man die z-Taste gedrückt halten), im Wohnzimmer tauscht man Silvesteranekdoten aus, im Kaminzimmer werden Regale, Sessel und Girlanden mitten im Raum platziert. Die Gäste bringen so einiges mit, Fußmatten, Cocktails, Bowle, Flamingos, Torten, Bier, Wein, ein Trampolin, Raclette, Baklava und einer, der die friedlich im Garten grasenden Schafe nicht mag, ein blutiges Messer. Esther hat sich ein Quiz ausgedacht. Dazu stellt sie überall Hinweisschild-Objekte auf. Wenn man sich ihnen nähert, erscheint die Frage, für die Antwort ist die Buchstabenzahl angegeben. Im Verlauf des Abends stellt sich aber heraus, dass die Leute lieber möglichst falsche Antworten dafür sammeln als die richtigen ("Das Objekt in der echten Welt, auf das sich eine bestimmte sprachliche Bezeichnung bezieht (wie z.B. "die Gastgeberin dieser Party"), nennt man... “ -- ECHTLING, OFFLINER).
Irgendwann bemerke ich, dass ich einige Gäste schon lange nicht mehr gesehen habe. Mit einem Feature, das einem den kürzesten Weg zu einer Person anzeigt, die man aus einer Teilnehmerliste auswählen kann, finde ich heraus, dass eine kleine Gruppe es sich in der Traumwelt-Karte gemütlich gemacht hat: Unter den vordefinierten Objekten gibt es auch solche, die mit Spielen verknüpft sind. Wenn man sich ihnen nähert und “x” drückt, öffnet sich das Spiel. Die Traumrunde spielt sehr ausdauernd eine Art Montagsmaler.
Aus der Küche dringen mittlerweile vermehrt Beschwerden über das Loch, das in den unterirdischen Gang führt, angeblich würde es wandern und man könne gar nicht vorhersehen, wo es sei. Das ist natürlich Unsinn, aber trotzdem wird oft versehentlich reingefallen. (Ich selbst weiß sehr genau, wo es ist, und mir passiert das zu fortgeschrittener Stunde gleich dreimal.)
Die Gäste verhalten sich wie Gäste eben: Manche verziehen sich mit Bekannten in kleinen Gruppen in eine Ecke, andere laufen herum und wollen neue Leute kennenlernen, einige spielen, wieder andere sind kreativ, platzieren Objekte oder malen was auf eingebundenen Whiteboards. Irgendwann befinden sich im Flur ziemlich viele Bildschirme, die beim Vorübergehen Rick Astleys “Never gonna give you up” abspielen, das als Youtubelink eingebunden ist. Im Wohnzimmer entsteht ein Wald aus Topfpflanzen.
Im Gegensatz zu einer physischen Party können problemlos mehrere Eltern teilnehmen, deren Kleinkinder in Nebenzimmern schlafen. Zu Spitzenzeiten sind 39 Leute gleichzeitig da. Ich fühle mich wie immer, wenn ich Gastgeberin bin: In den ersten vier Stunden komme ich kaum dazu, längere Gespräche zu führen, danach dünnt es etwas aus und ich verspüre nicht mehr so den Impuls, herumzulaufen und zu gucken, wie es allen geht.
Nach zwei Stunden läuft die gebuchte Reservierung aus. Weil immer noch mehr als 25 Leute da sind, was das Maximum für die Gratisnutzung des Angebots ist, muss eine Anschlussbuchung getätigt werden. Meine Freundin S., deren Kreditkarte wir dazu benutzen, weil ich keine habe, bezeichnet das als “Parkuhr füttern”, und so fühlt es sich auch an: Kurz von der Party wegrennen in ein anderes Browserfenster, dort die gewünschte Dauer und Gästezahl auswählen, weiterklicken, buchen, und dann in Ruhe weiterfeiern. Ein zweites Mal nachlegen müssen wir später nicht, denn um 23 Uhr ist die Teilnehmerzahl nur noch bei knapp 20. (Am Ende habe ich umgerechnet 78 Euro investiert und bereue nichts.)
Wer die Party verlässt, tut das auf ganz verschiedene Weisen: Manche suchen mich, warten auf eine Gesprächspause und verabschieden sich dann. Andere schreiben über den Chat, dass sie gehen, aber nicht stören wollen. Wieder andere verschwinden einfach so. Manche steuern ihren Avatar wieder zurück zur Eingangstür und schließen das Browserfenster erst dann, andere verschwinden einfach von dort, wo sie grade sind.
Am Ende sind wir zu viert in der ziemlich verwüsteten Küche. Da plaudern wir noch, bis wir uns gegen 3 eingestehen, dass wir doch alle ziemlich müde sind und uns auf den kurzen Weg ins Bett freuen.
(Kristin Kopf)
Tabby’s Birthday Bash
On June 1st, my dear friend and very much loved member of the SPN family @winchest09, turns 30! Now, we can not let that milestone pass by without one hell of a party, can we?
So after four amazing virtual lockdown parties, next Friday we will have a special edition. Come and join us for Tabby’s Birthday Bash! Going LIVE this Friday (May 29th, 2020) at 8PM (GMT) on Jitsi!
You can participate in the lockdown party in all manner of ways. Video, audio or just using the chat function! If you wish to remain anonymous, that option is available too! You pick your name when you enter. We will provide the link details on the night!
We’re cool with whatever you’re comfortable with!
Have a slice of pie, throw your confetti, bring presents. Let’s raise a glass to this wonderful woman, because we all know she deserves the love.
How to join?
If you’re using your phone, you will need to download the free app to join us.
If you’re using your laptop or PC, just use the link provided on the night!
It’s that simple!
Timezone Information:
Los Angeles: Friday 29th @ 12PM New York: Friday 29th @ 3PM London: Friday 29th @ 8PM Paris: Friday 29th @ 9PM Melbourne: Saturday 30rd @ 5AM
Guidelines:
For many reasons, we’re keeping this chat virus free. Pretty sure we could all use a safe zone from it! Let’s keep it positive!
Please be mindful and respectful of others.
Any questions? Please do not hesitate to get in touch me! Hope to see you there!
Tags below the cut (tagging those who participated last time & forevers. If you could signal boost, that would be fab!)
by jitsi
Computer:... Tal vez jitsi se enoje conmigo... Pero ya que!! >:V! La quiero ver con el atuendo a1 y sin accesorios!! :D
Jitsi: quien diga algo lo mató😤😤😤!!
XDDD está muy avergonzada Jitsi
[4/100] Days of Productivity :: Corona home office day 5002, roughly.
I feel so incredibly unproductive all the time, but a few friends an I have started to have somewhat regular videochats to keep ourselves accountable.
jitsi:not bad for a novice
code:shut up jitsi
code and roce by@kim-studio
jitsi by @countryoffightanddarkdream
5. Mai 2020
Videokonferenz mit dem Jenseits
Meine Mutter zeigt mir die Todesanzeigenseite der Lokalzeitung. Die Kramladeninhaberin meiner Kindheit hat also bis jetzt gelebt. Dabei ist sie schon sehr alt gewesen, als ich noch bei ihr Bonbons und Rubbelbilder gekauft habe. Wie ich der Anzeige entnehme, war sie damals jünger als ich jetzt.
Dann sehe ich mir noch die anderen Anzeigen auf der Seite an, um die Coronaformulierungen zu vergleichen: “Aufgrund der aktuellen Situation”, “Auf Grund der aktuellen Situation”, “Auf Grund der aktuellen Lage” finden die Beisetzungen im engsten Familienkreis statt.
Ich hebe den Finger, um in der Nase zu bohren. Ich darf das, ich war seit zwei Monaten nur zum Einkaufen unter fremden Menschen, das letzte Mal liegt schon wieder mehrere Tage zurück und ich habe mir seitdem oft die Hände gewaschen.
Mein Finger verharrt auf halbem Weg.
Jede Todesanzeige enthält ein Porträtfoto. Mein Kopf hat aus den Zoom- und Jitsi-Erfahrungen der letzten Wochen offenbar nicht das gelernt, was er eigentlich lernen sollte, nämlich “auch wenn niemand physisch anwesend ist, vor dem Nasebohren überprüfen, ob Leute zugucken”, sondern eine Abkürzung genommen: Vor dem Nasebohren überprüfen, ob kleine Bilder von Köpfen zu sehen sind.
(Kathrin Passig)