Julia Mann (17) vanished from her family's home in Watkinsville, Georgia on February 20th, 2020. She was last seen at in an area near Rocky Branch Road in the Rowan Oak Subdivision. Authorities believe that Julia left home on her own accord, however there are still significant concerns for her safety.
Investigators have conducted both ground and air searches for the teen, and K9 units have been used as well. Unfortunately, all of the searches have come up empty thus far. Julia also vanished with both a cell phone and a laptop computer, but neither have been used since the day she disappeared. The FBI is now involved in the search, and a reward of $20,000 has been put in place for anyone with information that could lead to her whereabouts.
Julia is described as being 5 foot 3 inches tall and approximately 100 pounds. If you have any information that could help the investigation, please contact the Oconee County Sheriff's Office at 706-769-3945.
Rich has set his eyes on that fourth baby of Junior and Mary. So far she wasn’t able to give him a proper heir, none of his granddaughters even looks much like a Mann. But that last kid, will be his heir for sure! He can’t wait to meet him.
Rich Mann:
Gemini (5/10/9/1/0)
Fortune - Become Criminal Mastermind
Criminal Career
OTH: Fitness
+Fatness, Glasses, -Mechanical
Junior Mann:
Sagittarius (0/6/7/5/7)
Fortune - Reach Golden Anniversary
unemployed (freelance Artist)
OTH: Arts and Craft
+custom Hair, gray Hair, -Underwear
Mary Mann:
Pisces (4/1/6/5/9)
Family - 2 Children graduate University
Gamer Career
OTH: Tinkering
+Cologne, Body, -Jewelry
Ira Land:
Gemini (2/9/9/6/9)
Grow up
OTH: Fitness
Anita Mann:
Sagittarius (0/10/9/10/1)
Grow up
OTH: Nature
Julia Mann:
Virgo (10/2/6/5/7)
Grow up
OTH: Science
Julia Mann mit ihren drei ältesten Kindern. Von rechts: Thomas, Heinrich und Julia
Julia da Silva-Bruhns verheiratete Mann, genannt Dodo (* 14. August 1851 in Paraty, Brasilien; † 11. März 1923 in Weßling) war die Ehefrau des Lübecker Senators und Kaufmanns Thomas Johann Heinrich Mann und die Mutter der beiden Schriftsteller Thomas Mann und Heinrich Mann.
Leben
Julia Mann war eine Tochter des 1837 nach Brasilien ausgewanderten Lübecker Farmers Johann Ludwig Hermann Bruhns (1821–1893) und der Brasilianerin Maria Luísa da Silva († 1856), Tochter eines Großgrundbesitzers portugiesischer Herkunft. Sie hatte mehrere Geschwister.
Ihr Vater besaß einige Zuckerrohrplantagen zwischen Santos und Rio de Janeiro, die er, wie damals in Brasilien bis 1888 erlaubt, mit Sklaven bewirtschaftete[1]. Sie wurde in der Nähe der Villa Boa Vista in Paraty geboren und verbrachte hier die ersten Jahre ihres Lebens in wohlhabenden Verhältnissen. Ihre Mutter starb, als Julia da Silva-Bruhns fünf Jahre alt war, bei der Geburt ihres sechsten Kindes. Die Kinder kamen zunächst zu den Eltern der Mutter im selben Ort. Ein Jahr nach dem Tod der Mutter entschied ihr Vater, seine Kinder nach Deutschland zu schicken. Julia sprach zu diesem Zeitpunkt noch kein Wort Deutsch. Bis sie vierzehn Jahre alt war, lebte sie in einem Internat in Lübeck unter der Leitung von Therese Bousset. Ihr Vater kümmerte sich währenddessen in Brasilien um die Plantagen und versorgte sie finanziell.
1869 heiratete sie den elf Jahre älteren späteren Senator Thomas Johann Heinrich Mann (1840–1891). Zusammen hatten sie fünf Kinder Heinrich (1871–1950), Thomas (1875–1955), Julia „Lula“ (1877–1927), Carla (1881–1910) und Viktor (1890–1949).
Julia Manns Ehemann starb 1891 an Blasenkrebs. Seine Firma wurde aufgrund seiner testamentarischen Verfügung aufgelöst und das Wohnhaus verkauft, denn er schätzte seine Söhne als für die Weiterführung des Unternehmens nicht geeignet ein. Die Erlöse wurden durch den Testamentsvollstrecker Krafft Tesdorpf angelegt. Julia Mann lebte nach dem Tod ihres Mannes vor den Toren Lübecks in einem Sommerhaus in der Roeckstraße. 1893 zog sie, allgemein „Frau Senator Mann“ genannt, mit ihren Kindern nach München, später mit dem jüngstgeborenen Viktor weiter nach Augsburg in die Nibelungenstraße.[2] Dort lebte sie von 1903 bis 1906 von den Zinserträgen, woraus auch Heinrich und Thomas Mann eine geringe Rente erhielten.
Julia da Silva-Bruhns als junge Frau
„Sie war von einem ausgesprochen romantischen Typus, in ihrer Jugend eine vielbewunderte Schönheit und außerordentlich musikalisch“, schildert Thomas Mann seine Mutter. „Frag ich mich nach der Herkunft meiner Anlagen, so muß ich feststellen, daß auch ich 'des Lebens ernstes Führen' vom Vater, die 'Frohnatur' aber, das ist die künstlerisch sinnliche Richtung und - im weitesten Sinne des Wortes - die Lust zu fabulieren', von der Mutter habe“, schreibt er, Goethe zitierend, 1936.
Julia Mann schrieb 1903 ihre Erinnerungen an ihre Kindheit in Brasilien bis zur Verheiratung in Lübeck für private Zwecke nieder. Viktor Mann bereitete die Veröffentlichung vor, jedoch erschienen sie unter dem Titel Aus Dodos Kindheit erst 1958.
Ihr Sohn Thomas Mann hat zahlreiche Romanfiguren geschaffen, die von ihr inspiriert sind. In Buddenbrooks - Verfall einer Familie war sie die Vorlage für Gerda Arnoldsen. Im Doktor Faustus basiert die Figur der Frau Senatorin Rodde, im Tod in Venedig die der Mutter des Protagonisten von Aschenbach und in Tonio Kröger die der Mutter Consuelo auf ihrer Person. Im Willen zum Glück spielt ihre exotische Herkunft bei der Gestaltung einer der Figuren eine Rolle.
Julia Mann wechselte im Alter häufig den Wohnsitz. Die Inflation hatte das hinterlassene Vermögen aufgezehrt, und sie musste sich immer preiswertere Unterkünfte suchen. Die angebotene Unterstützung ihrer Söhne nahm sie aus Stolz nicht an. Sie starb 71-jährig in einem Hotelzimmer in Weßling, südlich von München, im Kreise ihrer Familie und wurde im Grab ihrer Tochter Carla Mann, die sich 1910 das Leben genommen hatte, auf dem Waldfriedhof München beigesetzt.
Ihr Urenkel Frido Mann setzt sich mit dem brasilianischen Erbe seiner Urgroßmutter auseinander. So gründete er den Verein Casa Mann, der in ihrem noch erhaltenen Geburtshaus, der Villa Boa Vista in Paraty, ein eurobrasilianisches Kulturzentrum errichten will.
Julia Elisabeth Therese Löhr (geborene Mann, genannt Lula; * 13. August 1877 in Lübeck; † 10. Mai 1927 in München-Schwabing) war eine Schwester von Heinrich und Thomas Mann. Sie war das Urbild der Romanfigur Ines Institoris in Thomas Manns Roman Doktor Faustus.
Leben
Julia Mann wuchs wie ihre Geschwister Heinrich Mann, Thomas Mann, Carla Mann und Viktor Mann in großbürgerlichen Verhältnissen in Lübeck auf, 1893 zog die Familie nach München um. Julia Mann heiratete 1900, als erste von ihren Geschwistern, den fünfzehn Jahre älteren Bankdirektor Josef Löhr, der von der Familie Mann mit Vorbehalten betrachtet wurde, obwohl er seiner Frau eine finanziell gesicherte Position bot. Mit ihm hatte sie drei Töchter, 1901 wurde die Tochter Eva Maria geboren, die Zwillinge Ilsemarie und Rosemarie kamen 1907 zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Julia Mann vermutlich schon mehrere außereheliche Beziehungen, zudem galt sie als morphiumabhängig. Golo Mann schrieb dieses Abgleiten in die Drogensucht dem Ekel zu, den seine Tante vor ihrem Gatten und dessen Ansprüchen gehabt habe. Nach dessen Tod 1922 verlor sie durch die Inflation ihren Lebensunterhalt und erhängte sich 1927 in ihrer Wohnung in der Leopoldstraße 27 in Schwabing.
Seiner Schwester Julia verdankte Thomas Mann vermutlich einen ausführlichen schriftlichen Bericht über die gemeinsame Tante Elisabeth, das Urbild der Tony Buddenbrook. Offensichtlich hatte Julia Talent zum Schreiben, konnte aber keinen Beruf daraus machen. Ihre Flucht ins bürgerliche Eheleben befriedigte ihre Ansprüche vermutlich nicht, was für viele als Grund für ihren Selbstmord betrachtet wird. Thomas Mann äußerte sich bereits 1908 seinem Bruder Heinrich gegenüber, dass Julia „viel Mitleid“ verdiene, und fühlte sich durch ihren Freitod tiefer berührt als durch den Selbstmord der jüngeren Schwester Carla Mann im Jahr 1910. Auch sein Sohn Klaus Mann zollt in seiner Autobiografie Der Wendepunkt der tragisch gestorbenen Tante Respekt.
Abgesehen von dem Bericht über Elisabeth Mann scheint Julia Mann keine größeren zusammenhängenden Texte verfasst zu haben. Mittelbar lieferte sie ihrem Bruder vermutlich auch die Grundkonzeption zu dem Mord in der Straßenbahn, den er im Doktor Faustus verwendete. Ein solcher Mord an dem 35-jährigen Musiker Gustav Adolf Gunkel hatte sich 1901 in Dresden zugetragen. Dort in der Johannstraße 15, der heutigen Regerstraße 27, lebte nach ihrer zweiten Scheidung ihre Tante Elisabeth mit ihren Kindern Alice und Henry. Als Julia Mann sie besuchte, lernte sie die weitläufig verwandte Familie Distel, die in der Nähe wohnte, kennen. Später vermittelte sie wohl auch die Bekanntschaft der Familie des Staatsarchivars Theodor Distel,[2] in der auch die Brüder Carl und Paul Ehrenberg lebten, mit ihrem Bruder. Infolgedessen konnte sich Thomas Mann 1902 bei der Sängerin Hilde Distel (1880–1917) nach den Einzelheiten des Mordes in der Trambahn erkundigen, die er dann Jahrzehnte später im Doktor Faustus verwertete; auch Thomas Manns Korrespondenz mit ihrer Schwester Lilly Dieckmann geb. Distel findet so seine Einordnung.
Über die beiden Schwestern von Heinrich und Thomas Mann, Julia (1877-1927) und Carla (1881-1910), weiß man nicht viel - außer dem, was die Brüder über sie geschrieben haben: in Tagebucheintragungen, in Briefen und in ihren literarischen Werken. Wie die meisten Familienmitglieder wurden auch Julia und Carla Mann zum "Material" - und das in ganz besonderer Weise, denn fast bestanden so etwas wie Wahlverwandtschaften: Julia war für Thomas Mann das "weibliche Neben-Ich", Heinrich Mann nannte Carla seine "Schwesterseele".
Nach dem Tod ihres Mannes zieht die Mutter 1893 mit Julia, Carla und dem dreijährigen Viktor Mann nach München. In der Künstlerfamilie werden beide Schwestern mit ähnlichen Ansprüchen groß wie die Brüder. Aber beide sollten daran in dramatischer Weise scheitern.
Die Ehehölle der Julia Mann
In Lübeck hatte die Familie Mann eines der ersten Häuser der Stadt bewohnt. Zum Zeitpunkt des Umzugs war Julia Mann, genannt Lula, 16 Jahre alt, brachte aber bereits in jungen Jahren aus dem hohen Norden einen "Hang zur Repräsentation" mit, wie der jüngste Bruder Viktor in seinen Erinnerungen "Wir waren fünf" mitteilt. Obwohl die Familie in München immer noch wohlhabend ist, empfindet Julia das neue Domizil in der Schwabinger Rambergstraße mit "nur" noch acht Zimmern als gesellschaftlichen Abstieg.
Bürgerliche Fassade
Der musste aber unbedingt vermieden werden: Die attraktive 23-Jährige sucht sich einen "standesgemäßen" Partner, sie verlobt sich mit dem um 15 Jahren älteren Münchner Bankdirektor Josef Löhr. Thomas Mann kommentiert das in einem Brief: "Lula und Löhr haben sich in der erfreulichsten Weise befreundet". Es sollte sich später herausstellen, dass die Verbindung mit dem Hofrat keineswegs erfreulich war.
Doch zunächst hat sie ihren gewünschten Auftritt: 1900 heiratet sie mit allem Pomp den Bankier, der übrigens lange geschwankt hat, ob er Julia oder ihre Mutter, die Senatorwitwe, ehelichen sollte. Doch von großer Liebe spricht ohnehin niemand. Wichtig ist, dass der Wunsch der Tochter nach äußerer bürgerlicher Wohlanständigkeit befriedigt ist - eine Kategorie, die auch Bruder Thomas sehr wichtig ist.
Verlorene Repräsentation
Die großbürgerliche Familie bekommt schnell Zuwachs. 1901 wird die Tochter Eva Maria geboren, sechs Jahre später kommen die Zwillinge Ilsemarie und Rosemarie zur Welt. In dieser Zeit vermittelt Julia Löhr-Mann das Bild einer untadeligen Dame der Gesellschaft, doch hinter der Fassade bröckelt der Putz. Der Plan mit der Vernunftehe geht nicht auf, sie entwickelt einen regelrechten Widerwillen gegen ihren Mann, die Ehe gerät zur Hölle. Thomas Mann schreibt 1908 an Heinrich über Julia: "Sie soll erschöpft und gealtert sein, woran zu einem großen Teil, wie ich jetzt erst sehe, ihr mesquines Männchen schuld, dessen Lieblingsthemata bekanntlich Krieg, Krebs und Hungertuch sind." Später notiert Thomas Mann in sein Tagebuch "trostloses Ehe-Elend". Seine Schwester flüchtet sich daraus in ebenso trostlose Liebschaften und wird morphiumsüchtig. Auch der Tod ihres Mannes 1922 lindert ihr Unglück nicht - im Gegenteil: Die daraus folgende Einschränkung des großbürgerlichen Lebensstils empfindet sie als demütigend. Sie findet keinen Ausweg. 1927 nimmt sie sich im Alter von 49 Jahren das Leben.
Thomas Manns Neben-Ich
In der Literatur lebt Julia Mann weiter - als Ines Institoris, Tochter der Senatorenwitwe Rodde, in Thomas Manns "Doktor Faustus". Der Schriftsteller stand dieser Schwester Julia wesentlich näher als der Bohème-haften Carla. Beide hatten sie den Drang, innere Gefährdungen durch bürgerliche Repräsentation abzuwehren. Thomas Manns Sohn Golo in seinen Erinnerungen: "[In Thomas Manns] Roman 'Lotte in Weimar' ... läßt er Goethe von seiner Schwester als von 'meinem weiblichen Neben-Ich' sprechen. Da dachte er ganz sicher an Julia. Wenn im inneren Monolog Goethes die Schwester Cornelia an 'Gattenekel' leidet, so litt Julia auch daran, und wer den Hofrat Löhr kannte, mag es begreifen. Ihre Neigung zum Morphium ... kam von daher; was der Bankier nur zu oft von ihr wollte, konnte sie ohne das erlösende Gift nicht prästieren." Golo Mann liefert eine Interpretation hinterher, warum Julias Selbstmord für Thomas Mann erschütternd war, "nicht weil der Tod der längst peinlich gewordenen Verwandten einen Verlust bedeutet hätte, sondern, so hörte ich ihn zu meiner Mutter sagen, weil er ihn als einen Blitz empfand, der dicht neben ihm niedergegangen war (...) Kurzum, sein weibliches Neben-Ich war jammervoll gescheitert, und damit ein selbständig gewordener Splitter seiner eigenen Seele."
Das tragisch-kurze Leben der Carla Mann
Carla Mann ist sich früh ihrer Schönheit bewusst, liebt das Drama und "hat sich neuerdings in den Kopf gesetzt, Schauspielerin zu werden. Aber das ist normal in ihrem Alter ...", schreibt Thomas Mann 1900 in einem Brief über seine 19-jährige Schwester. Die in diesen Zeilen mitschwingende Hoffnung, dass sich solche "Flausen" mit der Zeit schon geben werden, sollte sich nicht erfüllen.
Theater-Träume
Auch die meisten anderen Familienmitglieder sind nicht restlos davon überzeugt, dass Carla Mann eine große Schauspiel-Karriere vor sich habe. Unbeeindruckt davon nimmt sie Unterricht am Theater. Es folgen erste Engagements in entfernten Provinzstädten. Verständnis findet sie bei ihrem um zehn Jahre ältern Bruder Heinrich, der auch keinen bürgerlichen Lebenswandel bevorzugt. Er tritt zwar als korrekter Herr im Gehrock auf, schreibt aber provokante Literatur und ist Dauergast in lockeren Etablissements mit käuflichen Damen. Sein Bohème-Leben befindet Carla Mann für nachahmenswert. Das Problem zu jener Zeit: Es schickt sich nicht für eine "höhere" Tochter.
Die Schwesterseele
Aber auch Heinrich Mann ist von seiner schönen Schwester beeindruckt - und wohl mehr als das. Dass Liebe im Spiel ist, dafür sprechen verschiedene Hinweise, auch literarische. Im Roman "Die Jagd nach Liebe" von 1903 schildert er die Beziehung zwischen Claude Marehn und Ute Ende. Die Figur dieser Schauspielerin ist so angelegt, dass dahinter Carla Mann vermutet werden darf. Der Autor stilisiert sie zum eiskalten Engel, nur der Kunst verpflichtet. Eigentlich ist eine solche Konstruktion innerhalb der Handlung nicht ganz stringent, außer diese Liebe wäre eine verbotene: Inzest. Carla Manns Reaktion auf die Lektüre des Romans in einem Brief an den Bruder: "Die Ute hat mich außerordentlich interessiert, besonders da ich künstlerisch mehr Ähnlichkeit mit ihr habe, als Du glaubst". Eine dieser Ähnlichkeiten ist ein Totenschädel als Attribut von Ute Ende. Das makabre Requisit führt auch Carla Mann immer mit sich und sollte bei ihrem Tod eine Rolle spielen. Fast unheimlich liest sich aus späterer Betrachtung folgender Ausspruch, den der Autor Ute Ende sagen lässt: "Ich aber werde eine große und berühmte Schauspielerin - oder ich ende übel." Was für ein prophetischer Satz!
Lizenz zur Verwertung
Carla Mann wird keine große und berühmte Schauspielerin, sondern muss weiterhin vor allem auf Provinzbühnen tingeln. Karriere macht sie allerdings als "Material" für die Literatur ihres Bruders. Nach einer kurzen - und wie man aus einem Brief an Heinrich Mann schließen darf - asexuellen "Seelenfreundschaft" in Düsseldorf hat sie eine noch kürzere, aber leidenschaftliche Liebesaffäre in Schlesien. Sie schildert sie nicht nur in einem weiteren Brief an den Bruder, sondern erteilt ihm ausdrücklich die Erlaubnis, das Erlebte literarisch zu verarbeiten. Der Bruder verwendet das Mitgeteilte für "Die Schauspielerin" (1906), in der Carla zu Leonie wird. Über sie heißt es in der Novelle: "Wenn es eine Frau war, dann war sie viel mehr als eine Geliebte. Ihr gehörte die Schwesterseele - und der Zauber ihres Geschlechtes war enthalten in einem Fleisch, das eine namenlose Verwandtschaft zu weihen schien." Das Inzest-Thema verarbeitet auch Thomas Mann in "Wälsungenblut", ebenfalls von 1906. In dieser Erzählung benutzt er zwar keine Vorbilder aus der eigenen Familie, auch nicht seine Schwester Carla. Aber etwa 40 Jahre später taucht sie dann doch auch in Thomas Manns Werk auf - als Clarissa Rodde im "Doktor Faustus". Über sie heißt es im Roman: "Sie hielt, wie ich längst mit Bedauern bemerkt hatte, Bühne und Leben nicht wohl auseinander; sie war Schauspielerin und betonte die Schauspielerin, vielleicht eben, weil sie keine rechte war ..." Zu diesem Zeitpunkt war Carla Mann längst tot. Sie vergiftete sich am 30. Juli 1910 mit einer tödlichen Dosis Zyankali, das sie seit ihrer Jugend im Totenschädel bereit gehalten hatte. Kurz vor ihrem Freitod durchlitt sie eine ausgesprochen unglückliche Liebesbeziehung. Sie mag daran gestorben sein oder an der Tragik, dass sie "keine rechte" Schauspielerin war. Fünf Tage nach Carla Manns Selbstmord schreibt Thomas an Heinrich: "Mein geschwisterliches Solidaritätsgefühl läßt es mir so erscheinen, daß durch Carlas That unsere Existenz mit in Frage gestellt [...] Sie handelte sozusagen gegen eine stillschweigende Abrede."