29.05.1937 - Einführung des Führerprinzips bei der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft
Carl Bosch, Nobelpreisträger und Generaldirektor der IG-Farben, wird durch den Senat der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zum Präsident derselben gewählt. In derselben Sitzung beschließt der Senat, das Führerprinzip in die Satzung der Gesellschaft aufzunehmen. Gleichzeitig werden durch die neue Satzung dem Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung massive Eingriffsrechte in die KWG gewährt.
Durch die Einführung des Führerprinzips und die Zuweisung von Eingriffsrechten an den Reichsminister ordneten sich die Wissenschaftler der KWG der nationalsozialistischen Politik unter. Während frühere Maßnahmen der NS-Politik – etwa der Ausschluss von jüdischen Wissenschaftler*innen – zu Kritik in der Gesellschaft geführt hatten, wurden die Neuerungen vom 29.05.1937 nicht aufgrund staatlichen Drucks beschlossen, sondern gingen von den Mitgliedern aus. Durch diesen Vorgang ging die KWG aus eigenem Antrieb heraus einen Schritt in einem Prozess, der als „Gleichschaltung“ bezeichnet wird.
Carl Bosch war einer der wenigen Forscher, der Hitlers Politik noch Jahre später kritisierte. Viele Wissenschaftler*innen kooperierten nicht nur jahrelang mit dem NS-Staat, sondern betrieben gezielte Forschung für diesen. Dieses Verhalten ist weder auf deutsche Forscher*innen, noch auf die NS-Zeit beschränkt. Damals wie heute stellt sich deshalb die Frage:
Wie übernehmen wir – wir sind nicht nur Leute in Führungspositionen – Verantwortung für unser (Nicht-) Tun?
AB













