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Polizist: Wir haben den Browser verlauf an seinem Arbeitsplatz gecheckt.
Jack: Will ich wissen, was ihr gefunden habt?
Polizist: Nein.. oder ja, aber lieber nicht.
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„Der klare Vorsatz war, den Körper zu zerlegen“, heißt es im Bericht der Anthropologen.
Anthropologie
Kaum in Amerika, wurden Engländer zu Kannibalen
Von Berthold Seewald. Veröffentlicht am 11.04.2022
Der 13. Mai 1607 gilt als „Der erste Tag in Jamestown“. Die Siedlung auf einer Insel im James River wurde zur Keimzelle des britischen Kolonialreiches in Nordamerika. Von Anfang an drohten Hunger und Krankheiten. Und es kam offenbar zu Fällen von Kannibalismus.
Jamestown gilt als „Wiege der USA“. Bei Ausgrabungen kamen Knochen eines Mädchens aus dem 17. Jahrhundert ans Licht. Forensische Studien zeigen, dass ihr Fleisch von ihren Nachbarn verspeist wurde.
Als der weiße Mann daran ging, sich in der Neuen Welt einzurichten, hatten ihre Bewohner wenig Grund, darin ein zukunftsträchtiges Unternehmen zu sehen. Die Neuankömmlinge stanken, hungerten, waren uneins und konfus. Bald verhielt sich ihr Zustand geradezu umgekehrt proportional zu ihren hochtrabenden Zielen wie der Suche nach Goldschätzen, einem Weg nach Indien oder dem Gewinn des riesigen Landes für das Christentum. Doch das war noch nicht alles. Offenbar hatten die Weißen, die sich da als Zivilisationsbringer aufspielten, keine Probleme, einander aufzuessen.
Zu diesem forensischen Ergebnis ist as renommierte Smithsonian-Institute in Washington 2013 gekommen. Dort wurden mit modernsten kriminaltechnischen Methoden die Knochen eines etwas 14 Jahre alten Mädchen untersucht, die 2012 auf dem Gelände von Jamestown (Virginia) gefunden worden waren, der 1607 gegründeten ersten dauerhaften englischen Siedlung in Nordamerika. Was die Todesursache angeht, wollen sich die Forscher nicht festlegen.
So stellen sich die Wissenschaftler vom Smithsonian Institute in Washington den Kopf der Siedlerin „Jane“ vor, die im Hungerwinter 1609/1610 von anderen Siedlern gegessen wurde.
Aber was dann mit dem Körper geschah, sind sich die Anthropologen ziemlich sicher: „Die freigelegten Knochen haben ungewöhnliche Spuren von Schnitten und Hieben, die Versuche, Unsicherheit und den völligen Mangel an Erfahrung beim Schlachten von Tieren zeigen“, sagt Douglas Owsley vom Smithsonian-Team. „Der klare Vorsatz war aber, den Körper zu zerlegen, das Gehirn zu entnehmen und das Fleisch vom Gesicht zu entfernen und zu essen.“
Entsprechende Erzählungen über die Zustände in Jamestown gibt es. So schrieb der Zeitzeuge John Smith, der zeitweise als „Präsident“ der Siedlung amtierte und der durch seine Expeditionen ins Indianerland den Überlebenden schließlich eine Existenzgrundlage schuf, von den Zuständen bei seiner Rückkehr. Die Siedler seien „alle krank, von den Übrigen einige lahm, andere verletzt – alle unfähig, irgendetwas zu tun außer sich zu beklagen … viele tot, die Ernte verfaulend und nichts getan.“ Dass sie sich mit Menschenfleisch über Wasser hielten, darf nun als gesichert gelten.
Deutliche Schnittspuren sind am Schädel von „Jane“ zu sehen.
Die Inselsiedlung im James River
Man darf davon ausgehen, dass die Zustände, die Smith beschreibt, kein Einzelfall waren. Schon zu der Zeit, als Francis Drake und andere Piraten im Dienst Königin Elisabeth I. die spanischen Schatzflotten dezimierten, hatte es Versuche gegeben, an der nordamerikanischen Küste Stützpunkte zu gründen. Sie wurden aber alle Opfer von Klima, Hunger, Inkompetenz und der Wehrhaftigkeit der Indianer.
Zwar waren die Todeszahlen in Jamestown hoch. Aber immer wieder sandte die Virginia Company neue Pioniere über den Atlantik.
Dennoch war die Expedition, die 1607 im Dienst der Virginia Company of London in See stechen sollte, zuversichtlich. Drei Schiffe hatte die von König Jakob I. konzessionierte Aktiengesellschaft ausgerüstet. Entsprechend gut war offenbar ihr Leumund. Fast jeder zweite der 144 Männer, die sich zu dem Abenteuer einschifften, sollen Gentlemen gewesen sein, also dem höheren Bürgertum oder dem niederen Adel entstammt sein. Hinzu kamen Handwerker und ehemalige Soldaten. Frauen sollten erst nachgeholt werden, wenn die Siedlung aufgebaut und gesichert sei.
Im Frühjahr 1607 kamen die Schiffe wohlbehalten in der Chesapeake Bay an, und ihre Passagiere machten sich daran, das Geschäftsmodell der Company in die Tat umzusetzen: die Gründung einer Kolonie. Einen geeigneten Siedlungsort fanden sie auf einer Insel im James River, rund 50 Kilometer von der Küste und spanischen Kriegsschiffen entfernt. Nicht einmal einen Monat dauerte es, um ein dreieckiges Fort in den Sumpf zu stellen, umgeben von einer Palisadenwand und gesichert mit Kanonen.
Obwohl die Expedition auch über weniger martialische Gerätschaften etwa zum Goldschürfen verfügte, mussten die Siedler und ihre Auftraggeber in London bald feststellen, dass die „Edelsteine nicht auf den Bäumen wuchsen“. Das Wild in den umliegenden Wäldern war bald aufgegessen, und das brackige Wasser erwies sich als höchst ungesund, so dass bis Ende September bereits die Hälfte der Männer gestorben war.
Am Ufer des James steht das Denkmal für John Smith, der die Gründung durch die ersten schweren Jahre führte.
Nur weil es John Smith gelang, Teile der Ausrüstung bei den Indianern gegen Lebensmittel einzutauschen, erlebte Jamestown den ersten Jahrestag seiner Gründung. Unter Smith’ Führung fassten die Siedler wieder Mut. Der ehemalige Söldner, der auf zahlreichen Kriegsschauplätzen gekämpft hatte, verordnete seiner Truppe modernen Drill. Wer nicht arbeitete, sollte auch nicht essen. Mit derartigen Methoden überlebten die Siedler die nächsten Jahre.
Beim Handel mit den Indianern soll Smith von der Häuptlings-Tochter Pocahontas vor dem Tode gerettet worden sein.
Nur 60 Männer überlebten den Winter
Der Winter 1609/1610 ist als „starving time“ (Hungerzeit) in die Annalen der Kolonie eingegangen. Vielleicht, weil sich durch Zuzug aus England die Einwohnerschaft mittlerweile auf 214 Männer sowie eine unbekannte Zahl von Frauen und Kindern erhöht hatte, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit den eingeborenen Nachbarn, die die Nahrungslieferungen einstellten. Nur 60 Männer überlebten den Winter. Die 14-Jährige, deren Knochen jetzt untersucht wurden, wurde wahrscheinlich ein Opfer dieses Winters.
Seit 1994 wird auf dem Gelände von Jamestown archäologisch gegraben. Mehr als eine Million Fundstücke wurden bislang entdeckt, darunter Münzen, Keramik und Werkzeuge. Dass Jamestown schließlich doch noch zum Nukleus einer blühenden Kolonie und zur „Wiege der USA“ wurde, verdankte sie dem Landwirt John Rolfe, der 1610 in Virginia an Land ging. Damals stand die Virginia Company vor dem Bankrott, weil sich sowohl die Träume von reichen Goldvorkommen als auch die preiswerten Manufakturen für Teer oder Glas als Luftblasen entpuppt hatten.
Rolfe erkannte, dass in Virginia das Luxusgut Tabak wuchs. Da seine Wildform für europäische Konsumenten zu streng war, kreuzte er Sorten von den Antillen ein. Die Company hatte endlich ihre Geschäftsgrundlage gefunden. 1624 wandelte Jakob I. ihren Besitz in eine Kronkolonie um.
Später heiratete sie den Pflanzer John Rolfe, der den Tabakanbau nach Virginia brachte. Kurz darauf wurde sie als Botschafterin König Jacob I. in London vorgestellt.
Dem Tabak-Pflanzer Rolfe verdankt Virginia auch eine Liebesgeschichte, die die kannibalistischen Ursprünge der Siedlung bald verdeckte. 1614 heiratete Rolfe „zum Wohl der Pflanzung, zur Ehre meines Landes und zum Ruhme Gottes“ Pocahontas, Tochter eines Häuptlings der Powhatan-Sachem. Schon John Smith soll ihrem Beistand sein Leben verdankt haben.
Nicht erst Hollywood sorgte dafür, dass Pocahontas zum Symbol rot-weißen Zusammenlebens avancierte. Als Botschafterin durfte sie sogar vor dem König erscheinen, bevor sie im englischen Nebel starb. Vermutlich im gleichen Jahr wie das namenlose Kannibalismus-Opfer aus Jamestown geboren, wurde Pocahontas 21 Jahre alt.
Jamestown: Kaum in Amerika, wurden aus Engländern Kannibalen - WELT
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