Weihnachten 2016 bis Februar 2017
Smartphones und Zuckerzeug bei Schülern, die Welt könnte ein besserer Ort werden
Der 11-jährige N., 5. Klasse, hat zu Weihnachten ein Smartphone bekommen (das TT berichtete bereits hier und hier). Seine Hauptnutzung ist WhatsApp, gelegentlich auch Youtube Videos (im heimischen WLAN) und Internetseiten über z.B. Harry Potter.
In der Schulklasse gibt es etwa drei WhatsApp Gruppen, ich habe den Überblick verloren. Ungefähr alle Kinder aus der Klasse besitzen ein Smartphone, die meisten sind in mehreren der Klassen-WhatsApp-Gruppen beteiligt.
In der einen Gruppe, in der wohl fast alle Klassenkameraden Mitglied sind, fragt eine Klassenkameradin: “Wen aus der Klasse findest du eklig?“ Etwas später wird ein Bild von einem angeblich blinden Kind in der Gruppe geteilt, und dazu die Aufforderung, das Bild an mindestens 10 andere Kinder zu senden, sonst würde WhatsApp die Operation nicht bezahlen. Ich stelle fest, dass es eine ziemliche Herausforderung für einen 11-jährigen ist, Medien- und Sozialkompetenz parallel zu erlernen. Andererseits kommentiert Kathrin: Wenn er das jetzt mit 11 Jahren lernt, vielleicht schickt er dann als Erwachsener keine Kettenbriefe und Hoaxes mehr weiter und die Welt wird ein etwas besserer Ort.
Wenige Kinder sind sehr aktiv in den Gruppen. Manchmal nimmt N. sein Smartphone Abends das erste Mal zur Hand und in einer Klassengruppe sind deutlich über hundert neue Nachrichten eingegangen, häufig nur von wenigen Kindern geschrieben, oft nur Smileys. Außerdem fällt mir auf: die Kinder nutzen sehr viel die Tonaufnahme-Funktion in WhatsApp, senden also kurze Sprachnachrichten. Dies kenne ich tatsächlich nur von Kindern.
In der WhatsApp Gruppe werden außerdem recht viele kurze musical.ly Schnipsel geteilt, das nutzen wohl viele aus der Klasse: “Ja, das machen alle!!” – “Und was macht ihr sonst so mit dem Smartphone? Außer WhatsApp, Youtube und musical.ly? Haben einige von euch Facebook?” – “Das weiß ich nicht, das kenne ich nicht.” – “Und sonst?” – “Instagram haben voll viele. Das machen fast alle!” – “Auch Snapchat?” – “Nein, das kenne ich nicht.”
Der Lehrer hat sich zum Thema WhatsApp und Smartphones auf dem Elternabend eher hilflos geäußert. Er kennt die Probleme mit Kettenbriefen und Cypermobbing, er will nichts zu tun haben mit WhatsApp bei den Schülern, außerdem ist WhatsApp offiziell erst ab 13 oder 16 Jahren, die Schüler dürfen das also alle sowieso noch nicht nutzen. Eigentlich. Das Smartphone-Verbot in der Schule wird weitestgehend eingehalten, außer manchmal: Da wollen die Lehrer, dass Hausaufgaben doch noch über die Klassen-WhatsApp-Gruppen verteilt werden.
Aus einem Schreiben des Klassenlehrers an die Eltern der 5. Klasse für eine bevorstehende Klassenfahrt:
Es ist vielleicht nicht so ganz untypisch, dass “Handys, iPods, Spielkonsolen und andere elektronische Unterhaltungsmedien” in einem Punkt mit “Knabber- und Zuckerzeug” behandelt werden.
(Molinarius)












