Dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sind in diesem Jahr noch keine Schäden durch die bei Obst- und Weinbauern gefürchtete Kirschessigfliege bekannt. Obwohl bei Fruchtkontrollen befallenes Obst entdeckt wurde, habe dies nur die jeweils zuletzt gereiften Früchte betroffen, hieß es auf Anfrage. Im vergangenen Jahr hatte die Behörde nach der Ausbreitung des aus dem asiatischen Raum eingewanderten Schädlings in Sachsen vor möglichen Ernteverlusten gewarnt. Die winzige Fliege befällt vor allem reifes Obst, legt dort ihre Eier ab. Nach Angaben des Landesamtes ist die Kirschessigfliege zwar in ganz Sachsen verbreitet, allerdings nicht überall in einer Dichte, die auch zu Schäden führt.
Männliche Kirschessigfliege auf einer Traube. - Foto: Staatliches Weinbauinstitut Freiburg
Seit vergangenem Jahr führt das Amt ein sogenanntes Monitoring durch, um die Verbreitung der Insekten zu beobachten und zu dokumentierten. Referent Alfred Trapp sagte, auf auswählten Obstanlagen und Weinbergen zwischen Delitzsch, Leipzig, Meißen, Dresden und der Oberlausitz seien 15 Fallen aufgehängt worden, von denen fünf ganzjährig geprüft würden. In Pillnitz, Radebeul, Meißen und Zadel würden gegenwärtig mit acht Fallen die sächsischen Weinberge überwacht. Dabei scheut das Landesamt keine Mühe, um detaillierte Daten zu erhalten: „In der Vegetationsperiode werden die Fallen wöchentlich kontrolliert. Dabei wird eine Fahrtstrecke von mehr als 700 Kilometern zurückgelegt“, betonte Trapp.
Fänge nehmen zu
Nach erheblichen Fängen im milden Januar waren bis Ende des Winters nur einzelne Fliegen gefangen worden. „Ab Juni setzten erwartungsgemäß die Fänge wieder ein“, so Trapp. Seit der zweiten Juli-Hälfte sei ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen gewesen. In einigen Fallen wurden 300 Fliegen pro Woche gezählt, mehr als in der Hauptsaison im vergangenen Spätherbst. Derzeit werde die Kirschessigfliege insbesondere in Weinbergen festgestellt, besonders wenn es Obstplantagen in der Nachbarschaft gibt. Trapp erklärte, es lasse sich nicht automatisch daraus eine Notwendigkeit zur Bekämpfung der Schädlinge ableiten. „Hierfür ist nur die Feststellung der Eiablage oder der Larvenbefall in den Früchten geeignet.“ Die Fliegen legen ihre Eier in reife Früchte, soweit ist der Wein in Sachsen allerdings noch nicht. Deshalb sei auch noch keine zuverlässige Prognose möglich, da Vergleichszahlen fehlten. Generell sei aber eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr festzustellen. Das Weingut Schloss Proschwitz in Meißen untersucht gemeinsam mit der Hochschule Anhalt die Verbreitung der Kirschessigfliege in seinen Rebflächen.
Bisher hätten die Fallen allerdings noch keine markante Verbreitung der Kirschessigfliege ergeben, hieß es auf Anfrage aus dem Weingut.
Ines Fehrmann von Weinbau Fehrmann in Cossenbaude sagte, in den heißen Wochen vor dem Regen habe sie keine Kirschessigfliegen in der Falle gehabt, davor nur sehr wenige. Die aktuelle Auswertung stehe noch aus.
Diese Falle hängt in Cossenbaude. Sie eignet sich nach Angaben des Herstellers auch für den Massenfang. - Foto: Ines Fehrmann
2014 hat es den studierten Weinfachmann Hendrik Weber aus Meißen getroffen. Die Hälfte seines Cabernet Dorsa am Meißner Kapitelberg fiel der Kirschessigfliege zum Opfer. „Das ging alles sehr schnell, innerhalb weniger Tage“, erinnert sich der Winzer. In diesem Jahr hat er alte Brombeersträucher gerodet und will die rote Rebsorte früher für Rosé oder für Sektgrundwein ernten. In den Brombeeren hatten sich die Schädlinge vermehrt. „Wichtig sind auch erfahrene Erntehelfer, die von den Larven befallene Essigbeeren zuverlässig aussortieren.“ Gerade bei roten Trauben sei das schwierig, teilweise müsse man daran riechen.
Obwohl die Insekten große Hitze nicht mögen, rechnet das Landwirtschaftsamt nicht damit, dass die vergangenen Wochen mit teilweise knapp 40 Grad den Schädlingen wirklich etwas anhaben konnten. Die Vermehrung sei zwar verringert worden, allerdings leben weibliche Fliegen länger als vier Wochen. So wurde der Befall zunächst nur in den Kulturen gestoppt, die während der Hitzeperiode gerade reiften. „In Lebensräumen mit günstigen kleinklimatischen Bedingungen wird es auch in Hitzeperioden zu einer Vermehrung kommen“, vermutete Trapp.
Zwei wirksame Mittel zugelassen
In Deutschland sind zwei wirksame Insektizide gegen die Kirschessigfliege zugelassen, wobei in Weinbergen vor allem das Mittel Spintor zum Einsatz kommt. Viele herkömmliche Insektizide hätten eine nur unzureichende Wirkung auf die Kirschessigfliege, hieß es vom Landesamt. Es gelten als besonders gefährdet früh, rote reifende Rebsorten, so etwa Acolon, Regent, Cabernet Dorsa, Dornfelder, Portugieser, Roter Muskateller oder Trollinger.
„Eine besondere Gefährdung von Trauben wurde in einigen Regionen beobachtet, wenn die Reben neben stark befallenen Kirschen standen“, betonte Trapp. Zudem gefährdet sind nach Einschätzung des Fachmanns auch Weinberge neben Brombeeren, Heidelbeeren, Sauerkirschen oder auch beerentragende Wildsträucher. Dort vermehren sich die Schädlinge massenhaft und wandern dann in den Wein, wenn die Trauben reifen. Allerdings empfiehlt das Landesamt den Winzer schon jetzt, die bei der Ertragsreduzierung abgeschnittenen Trauben unterzumulchen. Diese könnten auf dem Boden nachreifen und die Schädlinge anlocken.
Mit diesen Becherfallen überwacht der LULG die Ausbreitung der Kirschessigfliege in Sachsen - Foto: LfULG
Das Landesamt rät den Winzern generell zur pflanzenbaulichen Vorsorge. Die Früchte sollten trocken, luftig und in den Sonne hängen. Das verringere die Gefahr, dass Kirschessigfliegen ihre Eier ablegten. „Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt die Unkrautbekämpfung einen neuen Aspekt. Als wirkungsvolle Maßnahme hat sich ferner das Entblättern der Traubenzone erwiesen“, sagte Trapp. Zudem sollten die Beeren intakt bleiben, dazu können bei kompakten Sorten die Trauben geteilt werden. Das wird von sächsischen Winzern schon seit Jahren zur Qualitätssteigerung praktiziert. Zur Lese sollten die Bestände vollständig abgeerntet werden, um Massenvermehrungen in hängengebliebenen Früchten zu vermeiden. „Das ist besonders dann wichtig, wenn Sorten oder Obstarten mit verschiedenen Reifezeiten nebeneinander stehen“, unterstrich Trapp.
Ein Bericht von Bernd Minges, Wiesbadener Kurier, 29.07.2015
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Workshop Kirschessigfliege
am Mittwoch, dem 15.07.2015 um 11:30 Uhr
im Gerd-Erbslöh-Hörsaal der Hochschule Geisenheim, Von-Lade-Str.1, Mensa-Gebäude
in Kooperation mit dem Regierungspräsidium Darmstadt, Dezernat Weinbau
Das erstmalige massenhafte Auftreten der Kirschessigfliege Drosophila suzukii hat im Jahr 2014 erhebliche Schäden im deutschen Obst- und Weinbau verursacht. Hiervon waren auch die…
Neuer Schädling: Kirschessigfliege sorgt für Ernteausfall
Neuer Schädling: Kirschessigfliege sorgt für Ernteausfall. Phlora-Tipp: Ohne Insektizide bekämpfen.
Die hungrigen Larven der Kirschessigfliege können die gesamte Obsternte im Garten zunichte machen. Dabei sind die Fruchtfliegen nicht nur auf Kirschen spezialisiert, sondern stürzen sich auf alle Steinobst-Arten sowie auf Beeren und Trauben. Die gute Nachricht: Auf Insektizide kann man bei der Bekämpfung verzichten. (more…)