Die Angst, nicht mehr allein zu recht zu kommen, war zeitlebens ihr Begleiter. Eigentlich kein Wunder, hatte sie doch in der frühesten Kindheit erlebt, wie abhängig ihre alleinerziehende Mutter von der Gnade anderer war, insbesondere im Rahmen der Kinderlandverschickung und der Rückkehr in die kriegszerstörte Heimatstadt. Und auch die emotionale Hilflosigkeit hatte schon meine ansonsten sehr zugeneigte und immer hilfsbereite Oma an den Tag gelegt. Ich weiß nicht, wie oft ich den Spruch „Wir brauchen niemanden“ und „Das braucht keiner zu wissen“ in meiner Kindheit gehört habe. Klar war, dass wir weder mit ihr noch mit anderen darüber sprechen durften, dass sie allein nicht mehr zu recht kam.
Von Andreas Umgang mit Trauer nach dem Tod ihres Vaters, der Hilfsbedürftigkeit ihrer Mutter, und der Erkenntnis, plötzlich erwachsen zu sein. Teil 2 von 7 über die Erkrankung Andreas Mutter an Lewy-Body-Demenz.