27. März 2017
Digitale Feuerstättenschau unter Zuhilfenahme von Hokuspokusmathematik
Im Treppenhaus hängen seit Wochen zwei Zettel. Der eine kündigt die “Feuerstättenschau” an, der andere die Immissionsschutzmessung und CO2-Messung, mit freundlichem Gruß von meinem bevollm. Bezirksschornsteinfeger, Adresse, Festnetznummer.
Und dann wird die Feuerstätte beschaut:
Das Gerät ist magnetisch und hält sich selbstständig an der Metallhülle meiner Gastherme fest. Oben steckt ein Fühler im Rohr. Ich frage den Mitarbeiter meines bevollm. Bezirksschornsteinfegers, wie man diese Messung denn früher durchgeführt hat, bevor es solche Geräte gab.
"Na ganz früher gar nicht. Später hatte man dann so ne Flasche, da war irgendwas drinne, dann hat man das geschüttelt, und dann konnte man da so ungefähr das Kohlenmonoxid ablesen.”
In den achtziger Jahren sei das wahrscheinlich gewesen. Mehr wisse er dazu auch nicht, es sei in seiner Ausbildung nicht vorgekommen, er habe nur mal davon gehört.
Ich frage, wie das Gerät funktioniert. Wie zählt der Fühler die 60 ppm Kohlenmonoxid ab, die er gerade anzeigt? – Gar nicht. Da sind so Messzellen drin und die erkennen irgendwie “anhand der Veränderung von Spannung etcetera, wie viel Kohlenmonoxid da aufschlägt. Temperaturfühler, pipapo, und dann Hokuspokus, Mathematik, sagt er einem das”. Die Messzellen muss man regelmäßig tauschen, sie verbrauchen sich. Und zweimal jährlich müssen die Geräte an eine Messstelle abgegeben werden, ob sie auch ordentlich geeicht sind.
Nach fünf Minuten ist die Feuerstelle fertig beschaut.
Er: So, Sie haben da 64 ppm Kohlenmonoxid und Sie dürfen 1000, also selbst wenn Sie sich damit umbringen wollten, würdet nich jehn, das ist ja schon mal gut ... Außer natürlich Sie wollen. Dann ist es weniger gut.
Ich: Ich wollt grad sagen!
Er: Naja, da gibt es ja noch genügend andere Möglichkeiten.
Ich: Beratung durch den Fachmann, immer eine schöne Sache.
Er: Dann wünsch ich einen schönen Tag noch!
(Kathrin Passig)















