Als vor etwa vier Jahren das gut gemeinte Unheil seinen Anfang nahm, sah ich die Welt noch mit anderen Augen. Mir fehlte es an nichts und ich folgte dem naiven Glauben, Worte könnten Probleme lösen. Das können sie auch, wenn man sie lässt. Die großen Medienhäuser waren sich ebenso einig, weshalb ich kaum etwas in Frage gestellt habe. Bis dahin standen sie auch nicht unter dem Verdacht, dass sie unterschwellig Leute in eine bestimmte Richtung drängen wollen und Abtrünnige inquisitorisch verfolgen. Aus heutiger Sicht wirkt es fast wie eine andere Epoche. Mit dem nötigen Abstand erfolgte von meiner Seite aus eine Art Bruch mit dem gängigen Weltbild. Wie im Film Matrix, als Neo sich zwischen der roten und blauen Pille entscheiden musste. Ich begann mich zurückzuziehen, da mein Umfeld mich immer mehr befremdete. Das war keine leichte Zeit. Ich versuchte private Ansichten so gut es ging rauszuhalten, doch gelang mir dies nur schwerlich. Ich bin ich ein sehr kopflastiger Mensch und merke schnell wenn etwas nicht zusammenpasst, sich unecht anfühlt. Das wollte ich mir und anderen nicht zumuten. Es zeigt sich zudem, auf wen man sich verlassen kann und mit wem man wirklich ernsthafte und zielorientierte Gespräche führen kann.
Ein Mensch hat Bedürfnisse, die er in allen gesellschaftlichen Systemen auslebt, so gut er kann. Mein Freundeskreis verstand nicht, warum ich mich nur noch selten blicken ließ. In jenem besagten Jahr feierte ich auch einen runden Geburtstag. Rückblickend war es ein Abschied von der Unbeschwertheit einer einst frei geglaubten Welt. Es war keine Seltenheit, dass man nach durchzechter Nacht, auch mal alleine nach Hause ging. Ein Zeichen dafür, dass es eben doch eine befriedete Gesellschaft war. Sie war nicht frei von Gewaltexzessen, jedoch kamen bestimmte Vorfälle in großer Anzahl einfach nicht vor. Ich vermisse diese Zeit sehr. Es geht hierbei um mehr als die Bedürfnisse eines Einzelnen. Ich bedauere, dass dem kommenden Nachwuchs dieses Mindestmaß an Sicherheit nicht mehr vergönnt sein wird. Eine funktionale Gesellschaft wurde systematisch zerstört. Nebenher werden viele alte Rechnungen aufgemacht. Ein reinigendes Gewitter? Mitnichten! Es wirkt eher als würde man sich immer weiter voneinander entfernen. Dabei reden wir hier vom selben Stamm. Ich sehe auch keine einende Vision, welche für mich erstrebenswert scheint. Für mich muss für kulturelle Gepflogenheiten immer ein Platz da sein. Damit ist gemeint, dass ein Mitspracherecht für alle gleichermaßen gilt und man verschiedene Traditionen und Gebräuche bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt. Eine rein ökonomische Union wird auf langer Sicht keinen Erfolg haben. Zudem stelle ich mir mittlerweile die Frage, ob die Abkehr von einer verbindenden Religion ein Erfolgsmodell war. Es sollte jedoch keine sein, die die Europäer immer wieder vertreiben mussten.
Ich kann die heutige Gesellschaft kritisch von außen betrachten. Wenn man so will habe ich sie in Form der blauen und der roten Pille kennengelernt. Ich weiß ganz genau warum die Menschen sehr schnell die Schubladen aufmachen und Probleme wittern wo gar keine sind. Zudem ermöglicht mir mein Beruf alles im Blick zu haben. Das Bild, welches renomierte Medien zeichnen, spiegelt sich in meiner Realität nicht wider. Früher wusste ich, wie heute die meisten, von allem ein bisschen, jedoch insgesamt zu wenig, um die Zusammenhänge wirklich verstanden zu haben. Was die eine Seite heute der anderen vorwirft, kann man andersrum genauso machen. Beide nehmen sich bei ihren Anschuldigungen überhaupt nichts. Nur dass eine Seite deutlich überrepräsentiert wird. Ich war konform mit der Masse, weil das bequem war. Heute denken zu viele, sie würden revolutionär handeln, während sie über die Hintertür Vorstellungen der Regierenden einfordern. Sie fragen sich nicht woher Banner, Shirts, Mützen und Fahnen kommen. Nebenbei werden noch alte Revolutionäre entweiht und fertig ist der Retortenpunk. Es wird übrigens zumeist nur über genehme Kundgebungen berichtet. Sehen kann man das auch im internationalen Vergleich. Dem Internet sei Dank. Scheinbar sind doch nicht alle mit dem vermeintlichen Fortschritt einverstanden. Der Deutsche krankt daran, dass er nur seinen Horizont sieht. So verzettelt er sich in Feindbilder, die so garnicht mehr existieren. Ich lief da auch öfter Gefahr. Unsere alten Feindbilder haben jedoch die selben Probleme wie wir. Es sind unsere Brüder und Schwestern. Bei sogenannten Rahmenbegriffen (Framing) merkt man zudem immer häufiger, wie Journalisten auf der einen Seite von Kundgebungen und friedlichem Aktivismus sprechen, während sie auf der anderen Seite schnell einen zusammengerotteter Mob herbeischreiben. Das passiert wenn Journalismus mit der Politik unter einer Decke kuschelt. Geld korrumpiert, Macht sowieso. In der untergegangenen DDR wurde mit solchen Begrifflichkeit nie gegeizt. Man wollte bewusst ausgrenzen und eine kollektive Unmutsäußerung gleich im Keim ersticken. Der gemeine Westdeutsche weiß dies leider bis heute nicht. Er ist der Bruder, den man in der Kindheit verlor. Wie ein Weise, der nach Jahrzehnten auf seine leiblichen Eltern trifft. Ihm fehlte es in seiner Gastfamilie an nichts, doch er hat vergessen wer er ist und woher er kommt. Er ist eine leere, mit Konsumgütern gefüllte Hülle. Das Leben besteht aus mehr als Schlaf und Kauf.
Vor unser aller Augen zerfällt die Freiheit und Unbeschwertheit in ihre Einzelteile und trotzdem kommen da arrogante Jünglinge daher, die dir die Welt erklären wollen und dir zudem absprechen, was du selber für eine Wahrnehmung hast. Es wirkt fast wie ein Programm was denen auf die Festplatte gespielt wurde. Leider sind auch ältere Semester davon betroffen. Sie wähnen sich auf der guten und richtigen Seite und würden die anderen am liebsten wegsperren oder gleich ausradieren. Selbstgerecht wird sich dann gerne auf das Grundgesetz bezogen und von Demokratie gefaselt. Sie bekommen dabei garnicht mit, wie sie sich selber widersprechen. Der Begriff Demokratie lässt nämlich andere Meinungen zu. Im Grundgesetz sind zudem weitere Sachen enthalten, die nicht minder wertvoll sind, wie die Artikel, die man gern für seine Zwecke missbraucht. Das Grundgesetz an sich ist moralisch. Es entscheidet nicht in gut oder böse, weil es den Staat repräsentiert und was für ihn zuträglich ist. Es hat das Ganze im Blick, in seinen gegenwärtigen Grenzen. Was die Franzosen oder Polen entscheiden, liegt nicht in unserem Ermessen. Diplomatische Beziehungen sollten daher immer gepflegt werden. Dazu gehört auch eine andere Sicht zu vertreten. Zu jeder Zeit hatten Menschen Nöte, Ängste und Erwartungen. In der heutigen Zeit kommt eine Sache hinzu, die selbst zu DDR-Zeiten undenkbar war: du kannst deine Anstellung und Lebensgrundlage verlieren, fällst du aus der Reihe. Mit entsprechendem Vermerk in der polizeilichen Akte ist auch die persönliche Zukunft hierzulande ungewiss. Keinen Widerspruch bei der verordneten Agenda zu leisten, ist also schlussendlich die logische Konsequenz um seinen Job nicht zu gefährden. Wenn sich das jedoch durchsetzen sollte, kann man getrost auch jedes Unrecht als Demokratie bezeichnen. Sie erkennen dabei noch immer nicht, dass so Tyrannei so Tür und Tor geöffnet wird. Viele sind so betrunken davon an jeder Ecke ein Braunhemd zu vermuten, dass ihre Methoden sich kaum von denen unterscheiden. Es gibt viele Widersprüche in unserer freiesten und sichersten Gesellschaft aller Zeiten.
Zusammengefasst habe in diesem Land das Gefühl abgehängt worden zu sein. Es werden hochtrabende Debatten über alles mögliche geführt, während andere mit Pauken und Trompeten an uns vorbeigezogen sind. Altbewährtes wurde nicht etwa modernisiert, sondern gänzlich abgewickelt. Familien sind zerrüttet und geben fragwürdige Werte an ihren Nachwuchs weiter. Und zu alledem gesellen sich weitere interkulturelle Probleme hinzu, die nicht ewig mit Geldmitteln gelöst werden können. Und keiner geht voran oder pocht auf Einhaltung bestimmter Normen. Sogar die staatlichen Institutionen hintertreiben solche Vorhaben. Man ist geneigt von einem kollektiven Staatsversagen zu sprechen. Der vorgelebte Irrsinn strahlt immer auf die Untergebenen ab. So richtig untergeben sind wir eigentlich garnicht. Die Alten haben Bürgerrechte für uns erkämpft. Nur nutzen wir diese lediglich bei esoterischen Einzelthemen, wo eine Gruppe mehr Beteiligung verlangt oder sich Benachteiligung einbildet. Wir sehen es an allen Ecken und Enden, dass hier etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Ich wundere mich eher über die Leute, die diesen Umstand nicht erkennen. Ist bei denen Irrsinn zur Normalität geworden? Wie schlimm muss deren Leben gewesen sein, dass sie Gewaltexzesse, die wir bereits seit 500 Jahren hinter uns gelassen glaubten als Normalität abtun? Europa ist eine Zivilisation, die es nicht nötig hat, sich mit solch einem Unsinn abzugeben. Wer solche Vorgehen für sein Leben als sinnvoll erachtet ist hier definitiv falsch. Auch gehört eine geschichtsvergessene dekadente Oberschicht rigoros entsorgt. Sie sind ebenfalls keine wirklichen Europäer. Das Leben in diesem Land ist nicht mehr lebenswert und Anlass für Optimismus gibt es gegenwärtig auch keinen. Es ist nicht so, dass ich uns nicht zutraue einen anderen Weg einzuschlagen, doch dafür braucht es Reformen und glücklichere Bürger. Bevormundete Bürger verlieren den Glauben. Und geht dieser verloren, stirbt auch die Moral, Anstand und der Respekt voreinander. Balkanisierung und ein Rückfall in Stammeskriege wären die Folge. Der vermeintliche Fortschritt würde uns direkt ins Mittelalter zurück führen. Somit würden nach und nach auch alle erkämpfen Bürgerrechte verschwinden. Alle die sich in diesem Wohlstand als unterdrückt empfinden, kennen keine wirkliche Unterdrückung.
Was wäre ein zukunftsfähiges Projekt? Unter Einbeziehung der gegenwärtigen Weltpolitik und ihrer Grenzen, kann ich mir nur anmaßen über Europa zu sprechen. Ich unterliege keiner Utopie, dass die Welt sich vereinen wird. Ich hoffe, dass die merkwürdige Gegenwart nur ein kurzes Intermezzo in der ruhmreichen Geschichte Europas darstellt. Mit den vergangenen Jahren habe ich meine Zuneigung für unsere Ahnengalerie wiederentdeckt. Bevor geneigte Leser nun in Schockstarre verfallen, möchte ich anmerken, dass ich die richtigen Schlüsse daraus gezogen habe. Die europäischen Völker sind sehr eigen, starrköpfig und stolz. Jede Region hat ihre eigene Geschichte und Lebensphilosophie. Dies führte mitunter zu den Grenzen von heute. Wenn man die Binnenunion wirklich aufrecht erhalten will, gar verfestigen, braucht es mehr als seelenlosen Freihandel. Die Streitigkeiten in Europa gingen immer um die Vormacht auf dem Kontinent. Frankreich sieht sich als Erbe Roms, die Deutschen wollen sich Rom nicht unterwerfen, zudem permanent die Welt retten, die Skandinavier bilden eine abschüssige Insel und wagen nur soviel Europa wie nötig, während sich die slawischen Völker heute noch untereinander nicht grün sind, aber einig darin, dass der Deutsche sie unterdrückt. Ich fühle mich ja selber unterdrückt durch unsere moralbesoffene Regierung, sowie die Lügner in Brüssel und Strasbourg. Sie sind die wahren Feinde Europas und stoßen sich am Leid der Bürger gesund.
Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass wir nicht arrogant über den anderen urteilen, sondern zusammenwachsen. Die europäischen Völker sind sich nicht total unähnlich. Stämme in der Vergangenheit fanden an einem bestimmten, geschichtsträchtigen Moment zusammen und bildeten ein Volk daraus. Ich würde gern genauso viel über die slawische Kultur lernen, wie über die französische, baltische oder skandinavische. Ich möchte zudem bekennen, dass Russland für mich zu Europa gehört. Es ist absurd, dass man mit der Türkei über einen Beitritt verhandelt. Zukunftsfähig ist nicht, die einen als Zahlmeister zu missbrauchen, die anderen als atomares Schutzschild und die nächsten als Kanonenfutter und Lohnsklaven. Es müsste also eine selbstbestimmte Einheit erfolgen und sehr viel Austausch und gemeinsame Projekte. Viele Menschen wandern sowieso aus dem Osten ab. Doch sie ziehen es eher vor ganz woanders hinzugehen, als in Europa zu bleiben. Sie wandern ab, weil sie dort nichts hält. Es braucht also Anreize, dass das dortige Umfeld sicherer wird. Man muss dafür die Menschen einbeziehen und nicht bloß rekrutieren. Sie müssen das Gefühl haben an etwas beteiligt zu sein. Zudem wäre eine einheitliche Sprache von Vorteil. Nicht zwingend muss es den Verlust der regionalen Sprache bedeuten. Es mutet merkwürdig an, dass die Briten ausscheiden und wir uns in englisch austauschen, obwohl keines der Mitgliedsländer hauptamtlich englisch spricht. Europa besteht aus einzelnen Staaten mit eigner Geschichte. Es ist kein Siedlungsgebiet. Die Menschen und ihre Gebräuche sind nun mal da und so lange Europa keine Naturkatastrophe biblischen Ausmaßes ereilt, wird sich daran auch nichts ändern. Ich habe nicht das Gefühl, dass die EU in ihrer heutigen Form, meine Vorstellungen in sich trägt. Sie wirkt auf mich wie ein bürokratisches Monster, welches Redeverbote erteilt und in Gutsherren-Manier über die kleinen Leute herfällt. Zudem trägt sie eher zur Spaltung bei, als lösungsorientiert zu arbeiten.
In diesem Sinne
спасибо