Neben Gramscis Überlegungen zur Herrschaftssicherung in liberalen Gesellschaften können auch Foucaults Überlegungen zum Neoliberalismus uns dabei helfen zu verstehen, wie kapitalistische Gesellschaften Menschen hervorbringen, die sich vor allem als ökonomische Wesen begreifen. Michel Foucault, den vielleicht einige von euch bereits durch seine historischen Untersuchung der Machtformen oder durch das Schlagwort “Diskurs” kennen, hatte sich in seiner Vorlesung Ende der 70er Jahre damit beschäftigt wie Menschen geführt werden.
Zuerst gehen wir allerdings auf den Liberalismus selbst ein. Der Liberalismus ist eine Weltanschauung, die Freiheit und freie Entfaltung der einzelnen Menschen in den Mittelpunkt rückt. Den zentralen Bezugspunkt bildet hier also nicht die Gesellschaft, sondern die einzelnen Menschen. Der Gesellschaft selbst wird besonders im Frühliberalismus auch nicht zugesprochen, dass sie als eigenes Subjekt mit Dynamiken und Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen funktioniert wie man es heute beispielsweise aus soziologischer Sicht sagen würde. Vielmehr wird sie als ein Objekt angesehen, das durch die Vielzahl und Vielfältigkeit von ökonomischen Einzelinteressen der Menschen und deren politischen Einstellungen produziert wird. Eine Gesellschaft ist hier zunächst nicht mehr als die Summe der Individuen.