Tag 1107 / Im dritten trockenen Urlaub brauchte ich den Dildo nicht
Im ersten habe ich, im zweiten hätte ich, im dritten nicht.
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Tag 1107 / Im dritten trockenen Urlaub brauchte ich den Dildo nicht
Im ersten habe ich, im zweiten hätte ich, im dritten nicht.
Tag 1028 / Nicht vom Abstinenzkalender erzählt
Auch, weil ich das gar nicht mehr sagen kann: “Ich mache jeden Tag einen Aufkleber auf ..." Weil ich das im Moment nicht sagen kann. Ich hinke hinterher mit den Aufklebern, mit dem Blog.
Nicht vom Abstinenzkalender, vom Pusten erzählt. Dass ich freiwillig jeden Tag pusten gegangen bin in meinen ersten Tagen und Wochen und Monaten.
Bis zum Antritt der Entwöhnungstherapie bin ich über fünf Monate lang pusten gegangen. Drum gebeten hatte ich. Weil ich das kenne wie der eine Neue heute sagt, dass die Kontrolle von außen, der Druck, die Verpflichtung hilft. Dass ich durchs Pusten ja auch vor die Tür gegangen bin. Dass das ja auch ein Erfolgserlebnis war: Jeden Tag 0,00. Alles richtig gemacht. Trocken geblieben. Menschlichen Kontakt gehabt, mich in der Trockenheit, Selbstwirksamkeit, in meinem Abstinenzprojekt bestätigt.
Geweint heute Nachmittag. Wieder beim Fotos Löschen. Ich werde meiner Nichte als Kleinkind keine trockene Tante mehr sein können. Halb irre sehe ich auf so vielen Fotos aus. Abends Saufselfies, am nächsten Tag mit ihr gespielt, am Abend wieder Saufselfies. Der Alkohol war noch in mir. Nicht unbedingt mit Alkoholfahne. Aber der hat auch Denken und Handeln gegenüber meiner Nichte beeinflusst. Ich werde das nicht wieder gut machen können. Ich kann es nur jetzt besser machen. Ich kann irgendwann, wenn ich hoffentlich noch Agatha Abstinent bin, erzählen, wie der Alkohol meine Persönlichkeit verändert hat. Heute an diesem 1028. Tag denke ich, dass ich nicht dem Tod gerade mal so von der Schippe gesprungen bin, wohl aber dem Wahnsinn. Mein Blick, mein Lächeln, meine Gesten, Mimik, mein Drehen um mich und um die Flaschen, die Gläser, die Schlucke,... Ausflug mit Leah nach Leipzig, abends wieder alleine Saufen, Ausflug mit Leah an den Weißensee, abends wieder alleine Saufen, diese ganzen Arbeitstage 2012, 2013, Anfang 2014 - wirklich fast jeden Abend in den Rausch getrunken, im Halbrausch aufgewacht,...
Und dann brauchte ich was, brauchte ich ganz viel Neues, um das ich mich drehen konnte, was die Tage und Abende und Nächte füllt, ich brauchte anderes, das ich täglich tun konnte, täglich tun statt trinken. Und das waren die Abstinenzaufkleber, das Pusten, das Bloggen, die Meetings, das war über lange Zeit hinweg auch Handy- und Computerspiele spielen, Naschen, ... und das, was ich wirklich exakt jeden Tag gemacht habe, was nie ausfiel, weil ich zu müde oder Wochenende war oder weil mir der Antrieb fehlte oder weil ich das Klinikgelände nicht verlassen durfte oder weil ich den Abstinenzkalender noch nicht ausgepackt hatte oder weil ich krank war, Kopfschmerzen hatte... das einzige von all meinen Abstinenztools, was ich wirklich, tatsächlich, konsequent und ausnahmslos jeden Tag gemacht habe, war trocken zu bleiben, täglich keinen Alkohol zu trinken, jede 24 Stunden.
Tag 909 / Drüsch in Düsseldorf
Tag 796 / Triggertag(e)
Tag 795 / Lavazza, illy oder Segafredo
Tag 777 / Sind Kneipen und Bars Alkoholerlebniswelten?
Als ich mit mir schimpfen wollte, was ich denn mit so vielen Fotos aus dem Schokoladenladen will, habe ich mich erinnert, dass ich früher, wenn ich Besuch hatte oder wenn ich zu Besuch war "The oldest pub in town", "Die längste Theke der Welt", Blumen auf Bieren, bunte Dekorationen am Cocktailglas fotografiert habe.
Und dann fragte ich mich, wieso es so wenige Erlebniszentren alkoholfreier Konsumkultur gibt, warum es nicht in jeder Stadt mindestens eine Ritter Sport Bunte SchokoWelt und Schokowerkstadt, einen Haribo Store, eine Viba Nougat-Welt, eine Halloren Erlebniswelt, ein Naschcafé, eine Süßlounge, ein Zuckerwarenparadies gibt.
Tag 723 / Eine multisensorische Wohlfühl-Waffel-Weile
Tag 627 / McDonald’s saves lives
Nicht nur mit Big Mac und Cola (Tag 222), sondern auch mit Desserts.