Tag 1448 / geschützte Abstinenzanlage
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Tag 1448 / geschützte Abstinenzanlage
Tag 1425 / Jemand hat “du” großgeschrieben in der Betreffzeile eines Newsletters.
Und das ist dann der Auslöser für den ersten Heulanfall. Und der dritte im Bad wird der heftigste, bevor ich losgehe zu der "Leistung zur Aktivierung"-Frau, die mich heute ziemlich nervt mit ihrem "Aha", "ja", "verstehe". Aber aktiviert, aus dem Haus zu gehen, hat mich der Termin. Er hat mich aktiviert, Infos rauszusuchen für die Vorstellungsgespräche, die ich am liebsten absagen würde. Denn, wer rosa Blümchensocken mit schwarz-grauer Tierfellimitatleggins kombiniert, der passt weder zu der einen, noch zu der anderen Stelle. Der passt nicht zu Männern, deren Horizont über das Flachdach eines Bungalow-Einfamilienhauses nicht hinausgeht. Das Haus seiner Schwägerin ist bei Google Street View. Das seiner Eltern nicht. Aber das andere, wo er sich viel aufhält, aufhielt, schon. Ich muss da jetzt nicht hinfahren. Eine Stunde. Wieder so eine Straße ohne Durchgangsverkehr. Pina ist fünf Jahre, schwarz-weiß und hat ein nicht optimal geführtes Impfbuch. Jim und John sind drei und ihr Besitzer hat zu wenig Zeit für sie. Ich würde mir lieber Zeit für eine oder zwei Katzen nehmen als für Arbeit. Und doch denkt ein Teil von mir: Es soll im ersten Quartal klappen. Reintegration in den Arbeitsmarkt. Und wenn ich einen Minijob anfange. Ich muss jetzt wieder mehr unter Menschen, brauche Bestätigung durch Produktivität. Bin ich müde, weil mir das Nikotin fehlt oder weil Heulen müde macht, weil Enttäuschung müde macht, Bewerben, Vorbereiten auf Gespräche auch? Ich bin nicht die einzige mit Pickeln im Gesicht. Nicht wohl in meiner Haut fühlen, in meinem Leben. Darf ich mir Wohlfühlen durch eine Katze "zurück"holen? Da steht gerade Ludwig an der Kasse des Cafés, kenne ich aus der stationären Entgiftung. Das war seine 11., 12. oder 13., der war schon trocken, aber gerade auf Schmerzmittelentzug wegen seiner Alkoholkonsum bedingten chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Jetzt sitzt er da mit seinem Heißgetränk, ganz nah. Vielleicht soll ich genau jetzt hier sein, damit ich den sehe. Damit ich mich erinnere, wo mir der Name Ludwig schon mal begegnet ist. Es gibt nicht nur diesen einen Ludwig, der nach acht Jahren, der erste Mann in meiner Wohnung war. Es wird noch weitere Ludwigs geben. Heißt der Abteilungsleiter vom Vorstellungsgespräch nicht auch so? "Florian, Philipp, Sebastian, Matthias - ich habe so viel durch!" Mitte Dezember, knapp zwei Wochen verliebt, aber mir den Namen nicht merken können. Ich hatte so viel durch. Und es war richtig, "aus dem Kontakt zu gehen". Es ist richtig, den Impulsen, verheult anzurufen, nicht nachzugeben. Notizbuch vergessen, Ladekabel vergessen. Doch ins Meeting fahren, obwohl ich nicht wollte. Zeit totschlagen hier im Café oder Zeit gewinnen? Trockene Lebenszeit im Café, im Meeting. Losgehen jetzt oder fahren? In die Spur kommen oder die Spur halten?
Tag 795 / Lavazza, illy oder Segafredo
Tag 795 / Lavazza, illy oder Segafredo
Ich habe nicht an Dumm-Bräu, Betrübt-Pilsener oder Hässlich-Bacher gedacht.
Ein Indiz erfolgreicher Gehirnumschreibung.
Doppelter Espresso von Steinecke kickt auch.