Ich fühl‘ mir auf den Zahn - hab‘ tausend Lanzen gebrochen.
Hab‘ mein Karma gefickt - doch nie zu Kreuze gekrochen.
Böhse Onkelz - wer schön sein will muss lachen

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Ich fühl‘ mir auf den Zahn - hab‘ tausend Lanzen gebrochen.
Hab‘ mein Karma gefickt - doch nie zu Kreuze gekrochen.
Böhse Onkelz - wer schön sein will muss lachen
Lanzen/ lancieren/ to launch/ letter
1.
Lancieren ist eine juridische Kulturtechnik: Man rammt eine Lanze in ein Operationsfeld oder zieht eine kleine Lanze/ einen Stab/ einen Griffel über eine Tafel. Aby Warburg führt auf Tafel 78 und 79 das Lancieren als eine Technik des Trahierens/ Traktierens/ Trainierens vor. Es ist bei Warburg Teil der juridischen Kulturtechniken, die man braucht, wenn man Lateranverträge schließt, um damit wiederum römische Fragen zu lösen. Auf Tafel 78 zeigt Warburg das Lancieren im Rahmen einen diplomatischen Protokolls: Er zeigt zum Beispiel Fotos von Diplomaten, die mit Stiften einen Vertrag unterzeichnen, er zeigt auch Unterschriften. Auf Tafel 78 zeigt er also Fotos von Graphien/ Choreographien, die etwas lancieren, nämlich einen neuen römischen Staat und die Restitution einer antiken Idee, nämlich die Restitution der Idee einer Gruppe von Menschen als Gemeinde, als Kurie/Kirche, als Körperschaft, als Person und als Staat. Auf Tafel 79 wendet er die Betrachtung reflexiv in einem Kommentar um: Er setzt dort selbst einen Stab/ eine Lanze auf Tafel 79, die die Form eine iotas (des kleinsten Buchstaben des hebräischen Alphabetes) hat. Er übersetzt den Stab und die Lanze in einen Letter und in einen Trakt. Dieser Stab/Letter/Trakt und diese Lanze wiederum besteht aus sieben kleinen Täfelchen, die Fotos von Zügen zeigen, beginnend mit einem Samurai, der ein Schwert zieht (die Übersetzung führt also weiter Lanze->Stab->Trakt->Schwert) und dann zu liturgischen Zügen und den Zügen von Soldaten führend.
2.
Das Lancieren lässt etwas erscheinen: Zum Beispiel Zeit oder Raum, ein Wort oder ein Bild, eine Person, ein Ding oder eine Handlung. Raum und Zeit erscheinen, in dem etwas davon eine zügige Form, eine attraktive oder schlicht traktierbare, betrachtbare und händelbare Form gegeben wird. Das Lancieren lässt ein Recht erscheinen, lässt Gewalt erscheinen, lässt Sinn erscheinen. Lancieren ist älter als die Schrift, älter als jene Bilder, um die in den monotheistischen Kosmologien ein Bilderstreit gerührt wird. Lancieren ist eine elementare Graphie/ Choreographie, nach Descola ist es eine dämmernde Technik, man kann das wie folgt übersetzen: es ist eine kerbende, also dämmernde und dämmende, Technik.
Was Yan Thomas mit legaler Technik gemacht hat und was Marta Madero mit legaler Technik macht (also was beide durch eine formale, strukturalistische Analyse von Semantik machen), das versuchen wirmit juridischen Kulturtechniken zu machen: Das heißt, dass wir die Operationen und Elemente (seien es jetzt Objekte, Medien, Instrumente oder Symbole) analysieren, mit denen Recht geteilt wird.
Wozu Lanze?
Eine Lanze ist ein Stab, ein kosmographisches Objekt. Das Handy/ Mobile ist Lanze/ Stab und Tafel in einem: ein kosmographisches Objekt, mit dessen Hilfe Worte gegeben und genommen werden können, Bilder gegeben und genommen werden können, man sich und andere orientieren, händeln und handeln kann. Die Lanze ist ein Stab, ein Stock, ein Griffel, ein Stift und ein Speer. Die Lanze lanciert Graphien und Choreographien; sie balanciert Graphien und Choreographien. Wer mehr über Lanzen wissen möchte, vor allem auch, welche Rolle sie in juridischen Kulturtechniken spielen sollte Bianca Lanz aka Cornelia Vismann lesen: alle Passagen, in denen es um gründliche Linien wie etwa das pomerium geht. Es gibt auch ein schönstes Buch zu Lanzen, von einem Autor, den aus Rechtstheorie nur Karl-Heinz Ladeur mit seinem Sinn für den l'odeur des fauves empfiehlt: Philippe Descolas Lanzen der Dämmerung, ein Buch über Leben und Sterben am Amazonas: Les lances du crépuscule. Relations Jivaros, Haute Amazonie.