[Luna, ich spreche Dich direkt an. Ich vermute es ist falsch, aber ich habe das Gefühl Dich zu kennen und zu einer Freundin zu reden. Du hast gesprochen. Nun höre, was ich zu sagen habe.] @mermaidmind Ich brauche eine Pause. Luna ich muss rekapitulieren, was ich gerade gelesen habe. Ich habe gerade so viele Gute Gründe gehört, die Welt zu verachten, so viele negativen Vibes, dass ich Toms und Pias Alltag gerade nicht weiter verfolgen kann. Pia hat eine sehr negative Wahrnehmung von Menschen und von der Welt. Was sie unter Anderem darauf zurückführt, dass nichts einen Sinn hat. Und es stimmt. Nichts hat einen naturgegebenen Sinn. Der Sinn von allem und jedem wird vom Menschen gegeben. Von Menschen, Tieren und allem, das genug Bewusstsein hat um einen Gegenstand oder ein Lebewesen als solchen (/-s) wahrzunehmen. Genau wie werte. Ein Kilo Gold bedeutet mir persönlich so wenig wie ein halbes, ich habe keines, dass ich horten könnte, ich habe keine Verwendung dafür und ich weiß nicht wo sein Marktwert liegt. Ich würde es im Augenblick gerne gegen einen Opal oder Smaragd eintauschen ohne zu wissen, was wertvoller ist. Ich finde es eher schön, brauche es aber für nichts. Ich habe das gelesen und fand in erster Linie die Musik stimmig. Die Gedankengänge erschreckend nachvollziehbar und ich wüsste keine Autorität, die hier von Anfang an eine gute Chance hat. Ich hatte auch das Bedürfnis Pia ein Freund zu sein. Sie zu umarmen, ins Auto zu nehmen und mit ihr die ganze Nacht Lithium von Evanescence hörend über die Autobahn zu fahren, die bekannte Welt hinter uns lassend und erst anzuhalten, wenn sie den Ozean anschreien könnte. Irgendwo in der Bretagne. In der Normandie. An der Nordsee. Oder der Ostsee. Egal. Hauptsache großer leerer Strand, früh morgens, bewölkt, Möwen hier und da, vielleicht Dünen oder Felsen und die Weite des Ozeans. Und ich möchte ihr sagen, nein ich möchte sie anschreien um den Wind zu übertönen, der unsere Anoraks vom Ozean wegzerrt: "SIEH! SIEH WIE KLEIN DU BIST! DAS SIND DEINE PROBLEME GEGEN DEN OZEAN! DAS SIND ALLE PROBLEME GEGEN DEN OZEAN! SAG IHM- SAG IHM WAS DU WILLST, SCHREI IHN AN! UND HÖR, WAS ER DIR ZU SAGEN HAT! NICHTS, HÖRST DU? ER FRISTET SEIN EIGENES DASEIN! ER IST GRÖSSER ALS DU! GRÖSSER ALS LUKAS UND ALLES ANDERE! ER IST JEDEM MENSCHEN ÜBERLEGEN! UND JETZT SCHREI! SCHREI IHM ALLE PROBLEME ZU! ES WIRD IHN NICHT BELASTEN! ER KANN ALLE DEINE PROBLEME AUFNEHMEN, DENN NICHTS WAS DEN MENSCHEN BELASTET BEWEGT DEN OZEAN! NICHTS HÖRST DU?" "Komm ins Auto." "Gibt es nichts auf dieser Erden, dass Du vermissen würdest? Nichts? Auch wenn Du jemandem gegenüber stehst, der unendlich viel größer ist, als alle Deine Probleme?" Ich möchte Pia umarmen und ich möchte sie in den Armen halten, mit ihr weinen, erschöpft einschlafen und sie erst wieder loslassen um mit ihr essen zu fahren. In irgend einem Nahegelegenen Fischerdorf. Und dann möchte ich heimfahren. Und während wir auf der Hinfahrt beobachtet haben, wie alles, das wir mit negativen Emotionen und Erinnerungen verknüpft hatten an uns vorbei zog, möchte ich auf der Heimfahrt sehen, wie uns auf dem Streckenabschnitt all die Dinge und Orte entgegenkommen, die wir unser Zuhause nennen. Tja, Luna, das hast Du mit meinem Armen Gehirn angestellt. Das schlimmste ist, dass ich das nicht machen kann. Und falls Du das, was auf diesen Seiten stand- was ich wirklich nicht hoffe und zugleich deutlich befürchte- falls Du das wirklich einmal gedacht, gesagt, oder geschrieben hast (aufrichtig), falls Du es in Zukunft wieder einmal hören solltest, so fahr mit Ardy ans Meer oder mit T oder mit wem auch immer Du vertraust. Fahr ohne anzuhalten, damit Du fühlst, was Freiheit ist. Fahr zum Ozean, an einen großen weiten Sandstrand, damit Du fühlst, was Einsamkeit ist, und stell Dich jemandem, der größer und stärker ist, als all Deine Probleme. Und wenn es regnet, zieh die Schuhe und die Jacke aus, lass es an der abperlen, lass es Dir ins Gesicht peitschen oder direkt ins Herz. Wenn die Sonne scheint, stell Dich ihr und sag ihr, dass Du kein Vampir bist, der sich im Dunkeln vor ihr verkriecht und wenn Du ihr nicht mehr böse sein kannst, weil sie dich unentwegt anlächelt, lass sie herein und nimm ihre Wärme auf. Wenn es dämmert oder dunkel ist, sieh nach Mond und Sternen, sieh dass da keine Linien sind, wenn man sie nicht selbst verbindet. Wenn Wolken vor dem freien Himmel hängen, versuch doch mal sie zu durchdringen, Schrei und sieh, dass sie dich nicht fürchten, aber vergiss nicht, dass sie bald von selbst weiterziehen. Luna, wenn Du Vögel siehst, weißt Du was Freiheit ist, wenn Möwen Dich auslachen, sag ihnen, dass sie selbstgerechten Zyniker sich was schämen sollten, vom Himmel auf die Welt zu scheißen und sag es ihnen lächelnd, und erkenne, dass Du auch eine Möwe bist. Oder fahr nicht zum Ozean, geh nur zu einem Freund und lass Dich umarmen, bis der Hunger über Deine Trauer siegt.