März 2026
Radiohören war früher auch einfacher
Ein ganz normaler Tag ... Ich komme nach Hause und habe Lust, Musik zu hören, während ich meine Sachen verräume. Also schalte ich in meinem Zimmer die Stereoanlage ein. Angeschlossen ist ein Kästchen, das Audio per Bluetooth empfangen kann, dazu DAB-Radio, Internetradio und noch manches mehr. Das Kästchen bekommt Strom aus dem Verstärker, fährt also nach Einschalten des Verstärkers mit hoch. Der Verstärker ist nach wenigen Sekunden bereit, das Kästchen braucht leider länger. Etwa eine halbe Minute. Ich schmunzle, weil das Projekt "Musik hören" sehr oft an dieser Stelle abbricht. Ich bin viel zu ungeduldig, eine halbe Minute vor der Anlage stehenzubleiben. Mache ich in der Zwischenzeit aber etwas anderes, vergesse ich das Vorhaben in den allermeisten Fällen und wundere mich Stunden später über den sanft brummenden Verstärker.
Es ist nämlich so, dass das Kästchen nach dem Hochfahren nicht einfach anfängt loszuspielen, man muss es dann noch aus dem Standby wecken. An den wenigen Tagen, wo ich das schaffe, beginnt danach der Bluetooth-Verbindungsaufbau. Habe ich Glück, klappt das nach wenigen Sekunden. Habe ich Pech, koppelt sich statt des Smartphones der Laptop, oder die beiden finden sich aus anderen Gründen nicht. Dann folgt eine weitere halbe Minute Herumgeklicker: Verbindung mit dem falschen Gerät trennen, das Smartphone explizit um Verbindungsaufbau mit diesem Ziel bitten...
DAB ist nach dem Einschalten relativ unkritisch - nach wenigen Sekunden Puffern spielt es los. Leider sind die Sender, die ich mag, nur mäßig zu empfangen, daher nutze ich in letzter Zeit häufiger Internetradio. Lästig daran ist, dass ich mich mit der fummeligen Fernbedienung durch Tausende Sender klicken muss, aber mit der Zeit habe ich Favoriten gespeichert. Einfacher geht das mit der generischen UNDOK-App, mit der sich viele Internetradios per WLAN fernsteuern lassen. Aber ach, WLAN ...
In meinem Zimmer bleibt es heute trotz intensivsten Vorsatzes also bei Einschalten, Schmunzeln, Weglaufen, Vergessen. Als ich den Verstärker das nächste Mal sehe, bin ich im Grunde auch fertig und auf dem Weg ins Wohnzimmer, wo noch mehr Zeug verräumt werden will.
Weil ich das Bluetooth-DAB-Internetradio-Kästchen anfangs ziemlich gut fand, habe ich für die Stereoanlage dort gleich noch mal dasselbe gekauft. Es hat einen minimal anderen Firmwarestand als das andere und exakt dieselben Macken. Also schalte ich auch im Wohnzimmer den Verstärker ein, das Kästchen fährt hoch. Kurz darauf erinnere ich mich tatsächlich an den Vorsatz, schalte das Kästchen ein und sehe, dass Internetradio ausgewählt ist. Das passt mir gut. Jetzt fehlt nur noch der WLAN-Verbindungsaufbau, dann Puffern, dann ein wenig durch die Sender klicken, bis mir etwas zusagt.
Leider haben die Kästchen immer wieder Probleme, sich mit dem WLAN zu verbinden, obwohl sich da nichts ändert. Dann kreiselt ein paar Minuten "Verbindungsaufbau ..." vor sich hin, anschließend wird mir eine Liste der WLANs der Umgebung angezeigt. So auch heute. Ich müsste jetzt unseren Netzwerknamen auswählen, mit dem Vier-Wege-Steuerkreuz der Fernbedienung das Passwort eingeben ... An der Stelle breche ich dann auch diesen Anlauf ab, denn die Wohnzimmersachen sind zwischenzeitlich auch verräumt und ich muss weiter.
Ich denke in letzter Zeit zunehmend nostalgisch an das Küchenradio meiner Mutter – ungefähr aus den 1970er Jahren oder noch älter. Es kracht und knarzt böse, wenn man es einschaltet, aber dann folgt ohne weitere Verzögerung Musik. Zuverlässig. Bei mir dagegen wird es für den Rest des Tages still bleiben.
(Lennart Schütz)















