Jakob Ullmann - Müntzers stern; Solo II gespielt von Dafne Vicente-Sandoval
Im Jahr 2014 wurde Jakob Ullmann, Professor für Komposition, Notationskunde und Musiktheorie an der Musikakademie der Stadt Basel, angefragt, um ein Stück für das Basler Münster zu schreiben. Es sollte möglichst einen Bezug zu Basel bzw. dem Münster habe, was Jakob Ullman zum Reformator Thomas Müntzer brachte.
Dieser war im 16 Jahrhundert in Basel unterwegs und hat ein Lied übersetzt, welches auch noch heute in manchen Kirchen gesungen wird.
Gott, heilger Schöpfer aller Stern heisst dieses Lied, welches auch als Grundbaustein des Stückes Müntzers Stern basiert. Alle töne im Stück basieren auf Tönen aus dem original, auch wenn sie so stark abgewandelt wurden, dass sie kaum mehr zu erkennen sind.
Weiter wird auf dem ersten Sück ein Text von Müntzer, zwei mal gelesen von der Interpretin und die Aufnahmen übereinander gespielt, im Hintergrund des Stückes zu gewissen Zeitpunkten hörbar abgespielt. Da die Aufnahmen übereonander gespielt werden, kann man zwar hören, dass etwas gesagt wird, die einzelnen Worte sind jedoch kaum auszumachen. Dies sei, so Ullmann, ein Symbol dafür, dass Müntzer zu seiner Zeit zwar gehört aber nicht verstanden wurde.
Ullmann hat hier Stücke geschrieben, die paradoxe Elemente enthalten, Stücke, die so von ihrer Umwelt und Umstände abhängen, dass keines der Stücke wirklich jemals reproduziert werden kann, da die Temperatur, der Raum und weitere Faktoren eine grosse Rolle spielen.
Wie zu erwarten ist die Lautstärke des Stückes sehr tief. Klassisch im Sinne des Reduktionismus wird oft mit der Stille gspielt, sie wird auch Teil des Stücks. Dafne meistert die ihr von Ullmann gegebenen Herausforderungen wunderbar und kreiert eine wunderbare Atmosphäre. Die Töne sind so sanft und speziell gepielt, dass man immer das Gefühl hat, sie könnten auseinander fallen, was sie auch mehrmals tun. Allgemein herrscht ein Gefühl der Unberechenbarkeit, die Töne fangen oft gleich an aber entwickeln sich scheinbar zufällig in etwas Neues. Auch fühlt man sich ein wenig distanziert vom Ganzen, man ist eindeutig ein Betrachter der Musik, es wird nicht versucht dem Hörer die Illusion zu geben, dass man in der Musik sei. Dies hat bestimmt auch mit der Art zu tun, in welcher die Stille in dieses Werk eingebunden wurde.
Es ist eine sehr schöne aber auch ein wenig düstere Klangwelt, die einem präsentiert wird. Es ist aber auf jeden Fall einfach, sich in dieser Welt zu verlieren und sie zu geniessen.












