Schätzen und messen Sie erreichbare Ziele mit diesen 3 Metriken
Schätzen und messen Sie erreichbare Ziele mit diesen 3 Metriken
Ein erfolgreicher Ansatz, um erreichbare Ziele zu erreichen, beginnt mit einer sorgfältigen Planung. Ganz gleich, ob Sie einen Karriere- oder Geschäftsplan erstellen oder ein bedeutendes Ereignis im Leben planen, es ist wichtig, Ihre Ziele anhand bestimmter Kennzahlen messen zu können.
Die wichtigsten Kennzahlen zur Messung erreichbarer Ziele
In meinem Beruf bin ich vielen Menschen mit brillanten…
Soziale Medien - Ihr Einfluss auf Gesundheit und Gesellschaft
Das Medium Smartphone hat bedeutenden Anteil daran, dass soziale Medien aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Ihn geradezu bestimmen. Mit der Einführung des iPhone durch Apple (†Steve Jobs) im Jahr 2007 und dem sich daran anschließenden Boom sozialer Netzwerke können wir nahezu zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt Informationen senden, empfangen und soziotechnisch vernetzt sein. Was aber auch bedeutet überall und zu jeder Zeit erreichbar und abrufbereit zu sein. Wir tauschen Meinungen und Erfahrungen aus, pflegen interkulturelle Beziehungen. Einander fremde und weit entfernt lebende Menschen haben es mittels sozialer Medien so einfach wie nie zuvor sich kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Soziale Medien haben nicht nur das Potenzial die Welt zu verändern, sie gestalten bereits unsere Lebenswirklichkeit.
Klassische und moderne Medien
Wenn wir über soziale Medien sprechen, sollten wir uns zunächst einen Überblick zu den Arten von Medien verschaffen. Es gibt vier Dimensionen von Medien: Technizität, Funktionalität, Sozialität und Kognitivität.
Abbildung 1: Dimensionen von Medien (Quelle: Rusch (Hrsg.) 2002)
Die Dimension der Technizität beschäftigt sich mit der Materialität eines Apperates und dem Verhältnis zur eigenen Körperlichkeit. Vor diesen Hintergrund gibt es klasssiche und moderne Medien. Während klassische Medien bereits sehr lange existieren, sind moderne Medien noch nicht allzu lange auf dem Markt. Zu den klassischen Medien zählen Zeitung, Radio, TV, Kino, Print und Plakat. Moderne Medien sind Computer, Smartphone, Notebook, Tablet.
In der Dimension der Funktionalität ist den genannten klassischen Medien die One Way Road und Zeitgebundenheit gemein. Sie sind entweder Sender oder Empfänger, entweder Speicher- oder Übertragungsmedium. Moderne Medien sind dagegen interaktiv. Sie sind zugleich Sender und Empfänger, orts- wie zeitunabhängig, Speicher- und Übertragungsmedium.
Diese Eigenschaften hinsichtlich ihrer Funktionionalität sind jedoch kein allgemeingültig zeitloses Kriterium für die Kategorisierung in ein klassisches oder modernes Medium. Einzig die mittel- bis langfristige Aktualität kategorisiert Medien in klassisch und modern. Heutige moderne Medien werden in der Zukunft als klassisch gelten, sobald neue mediale Innovationen auf den Markt gelangen.
Marketing und Metriken
Blicken wir auf Unternehmens- und Marketing-Strategien der Plattformbetreiber sozialer Medien begegnen uns Algorithmen, die auf Gewinnorientierung getrimmt sind. Dank umfangreicher Daten über Nutzerverhalten können Plattformbetreiber ein gewinnbringendes und zugleich kostengünstiges personalisiertes Marketing mittels Internetwerbung schalten. Werbeposts in sozialen Medien laden zum Retweeten und Weiterleiten ein. Im Gegensatz zu Print, TV oder Radio kennt Internetwerbung weder regionale noch nationale Grenzen. Mittels Metriken kann der Erfolg eines Werbespots oder einer Onlinewerbung analysiert und notfalls justiert werden (HYGH AG 2022).
Unter den Metriken gibt es Key Performance Indicators (KPI). Das sind Leistungskennzahlen, die den Erfolg einer Werbekampagne sichtbar machen. Key Performance Indicators im Social-Media-Marketing sind Impressions, Reichweite, Click-through-Rate (CTR) und Share of Voices (SoV). Impressions bezeichnet im Social-Media-Bereich wie oft eine Anzeige oder ein Posting auf einem Screen angezeigt wird. Impressions können mehrfach für ein und denselben Nutzer gezählt werden. Bei der Reichweite geht es um die Gesamtzahl der User, die eine Anzeige oder ein Posting gesehen haben. CTR ist das Verhältnis von Klicks auf eine Anzeige zur Anzahl der Impressions. Man misst so die Effektivität einer Werbeanzeige oder -maßnahme. SoV gibt an, wie häufig die eigene Marke in den sozialen Medien im Vergleich mit der Konkurrenz erwähnt wird (Kuhnert 2022).
Das Prinzip Filterblase
Auf Basis dieser Leistungskennzahlen und den Daten zum Nutzerverhalten wird nicht nur Werbung personalisiert und justiert, auch Themenbereiche werden, abgestimmt auf bisherige Präferenzen, priorisiert und personalisiert angeboten. In diesem Zusammenhang sprechen wir von der berüchtigten Filterblase. Plötzlich ist das World Wide Web ein personifiziert abgesteckter Bereich über deren Grenzen wir immer seltener hinauskommen, wenn wir uns von den Algorithmen leiten lassen.
Die Gelegenheit unbekannte und weit entfernt lebende Menschen kennenzulernen besteht weiterhin, wird aber unwahrscheinlicher insofern wir Gewohnheiten nachgehen, die bisher kein Interesse an anderen Kulturen offenbarten.
Im Sinne der Gewinnorientierung nähren Algorithmen Gewohnheiten. Sie bieten an was wir mögen, um uns auf die Plattformen der Betreiber zu ziehen und zu halten. Je länger wir verweilen, stöbern, umso mehr wir klicken, desto mehr Daten geben wir preis. Diese Daten generieren für die jeweiligen Plattformbetreiber Gewinn. Sie sind reinstes Gold. Datenschutz hin oder her. Ihr Wert ist beständig. Sie füttern die Algorithmen, die daraufhin stetig feinere auf uns zugeschnittene Angebote präsentieren.
Bewegen wir uns in sozialen Medien, drehen wir uns im Kreis mit vielen Gleichgesinnten. Es ist nicht minder gesagt ein El Dorado für Populisten, Demagogen und dergleichen. Abgekapselt in der Filterblase füttern wir und werden gefüttert. Wir erfahren Zustimmung, identisches Gedankengut. Sichtweisen bilden sich aus, verhärten: Zugehörigkeit, Akzeptanz und Applaus. Wir schwimmen auf einer Welle, fühlen uns gut, angekommen, verstanden. Kehren immer wieder zurück, um mehr davon zu haben. Sind süchtig nach jeden Klick, jeden Post, jedes Like. Richten uns aus, können nicht mehr ohne sein. Wollen immer wieder Akzeptanz und Applaus, um den Dopaminspiegel in die Höhe zu treiben (Kolonko 2019; ZAPP 2022).
Nachdem wir in den Dimensionen der Technizität und Funktionalität gestartet sind, haben wir nun die Brücke zur Sozialität und Kognitivität geschlagen. Die Dimension der Sozialität beschäftigt sich mit den Folgen tatsächlicher Gebrauchsweisen. Die Dimension der Kognitivität geht auf Intentionen, Denkstile und subjektive Sinnzuschreibungen ein. Die folgenden Kapitel bewegen sich schwerpunktmäßig in den Dimensionen der Sozialität und Kognitivität.
Fake News und Hetze
Eine Medaille hat immer zwei Seiten. Treffen wir auf andere Meinungen, kann es passieren, dass unbedacht Posts abgesendet und empfangen werden, die nicht sachlich, sondern persönlich und beleidigend sind. Nicht selten kommt es zu einer Gruppendynamik in dem weitere Posts dieser Art abgesendet werden. Die schöne heile Welt wandelt sich in ein Martyrium.
Fake News, die unschuldige Menschen einer Straftat bezichtigen, können schwere Folgen für die zu Unrecht Beschuldigten haben. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt, nicht selten werden sie gemieden und geächtet. Soziale Medien nehmen unverkennbar Einfluss auf unser Leben, unseren Gemütszustand, unsere Wahrnehmung, unsere Gesundheit.
Ungesunde Scheinwelt
Eine geringe Medienkompetenz begleitet die Nutzung sozialer Medien. Das gelesene Wort wird zumeist, ohne zu hinterfragen für bare Münze genommen. Verbreitete Gedanken, Ideen, Geschichten, Märchen lassen Scheinwelten erblühen. Wir zeigen gerne was wir haben und was wir nicht haben pimpen wir auf. Bilder sind zumeist überzeichnet und surreal. Mit ihnen entsteht ein Ideal, das in der Realität nur sehr schwer erreichbar ist. Doch immer wieder sehen wir makellose Körper, perfekte Welten, ein Lächeln auf den Lippen.
Wir haben die Angewohnheit uns ständig mit anderen zu vergleichen. Warum hat der was ich nicht habe? Was der kann, kann ich schon lange. Wenn wir es jedoch nicht schaffen, den gleichen makellosen Körper zu bekommen, in der gleichen schönen heilen Welt stets mit einem Lächeln aufzuwachen. Was dann?
Der dänische Philosoph und Schriftsteller Søren Kierkegaard schrieb einst: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“ (Hornert 2012).
In dem vermeintlichen Wissen, dass das eigene Leben besser sein könnte, weil wir es täglich wahrnehmen und serviert bekommen, entstehen Gedanken und Gemütszustände, die auf dunklen Pfaden wandeln. Wir genügen uns nicht mehr, werden unzufrieden. Unser Selbstwertgefühl leidet, wir verlieren den glauben etwas bewirken zu können. Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Wir verfallen gar, Im Falle niedriger Resilienz, in Depression.
Wissenschaftler der University of Pennsylvania empfehlen maximal 30 Minuten am Tag sich in sozialen Medien aufzuhalten. Je mehr Zeit in sozialen Medien verbracht wird, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit depressive Symptome zu bekommen. Besonders vor dem Hintergrund ständig unerreichbaren Idealen ausgesetzt zu sein, weil wir, obwohl es uns nicht gut tut, in der Angst etwas zu verpassen nicht davon los kommen (Hunt et al. 2018; Ozimek/Bierhoff 2019; Taylor-Jackson/Moustafa 2021).
Darüber hinaus rauben uns soziale Medien Lebenszeit und verursachen Gelenkbeschwerden in dem wir nicht mehr selbstbestimmt, sondern ganz automatisch Social-Media-Kanäle aufsuchen. Wie von Geisterhand landen wir immer wieder bei ihnen. Können den Blick nicht aufrichten, weil wir im Bann von Social Media sind. Der Kopf ist ständig nach vorn geneigt und zieht die Halswirbelsäule in Mitleidenschaft (NDR 2017).
Resilienzfaktor Medienkompetenz
Kierkegaard machte im 19. Jahrhundert auch die Aussage: „Je mehr Leute es sind, die eine Sache glauben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß [sic!] die Ansicht falsch ist. Menschen, die recht haben, stehen meistens allein.“ und stellte damit eine für unsere Gegenwart interessante Hypothese auf (Schefter 2022).
Vor dem Hintergrund sozialer Medien suggeriert die Aussage eine unzureichende Medienkompetenz. Hinzu kommt, dass Plattformbetreiber und Influencer sozialer Medien fokussiert Emotionen triggern, die den Nutzern schöne Gefühle bescheren sollen. Der Wahrheitsgehalt in Posts, Vlogs wie Blogs ist eher sekundär. Likes, Anzahl der Aufrufe und Follower sind das Nonplusultra. In diesem Gefüge kann es durchaus passieren, dass viele Menschen etwas glauben, das nicht wahr ist. Wir geraten in diesem Fall an die Plausibilitätsgrenzen der Demokratie, wenn Entscheidungen aufgrund von Mehrheiten gefällt werden, deren Wissen auf emotional getriggerte Unwahrheiten beruhen und diese Entscheidungen gleichzeitig folgenschwer sind.
Das Phänomen Filterblase zeigt Tendenzen von abgeschotteten Parallelwelten, in denen sich Gedankengut ausreift und fundamentiert. Vor neutralen Hintergrund wäre das zunächst nichts Beunruhigendes. Doch in Anbetracht unzureichender Medienkompetenz in Kombination mit einer Fülle von Informationen, deren Wahrheitsgehalt nicht verifiziert ist, wird das Phänomen Filterblase zu einem Risikofaktor für bestehende Verhältnisse.
Hetze und Indoktrination in den sozialen Medien schüren Hass und Gewalt bis hin zu Attentate und Terroranschläge. Medienkompetenz wird damit neben einem Resilienzfaktor für ein selbstbestimmtes Leben auf Individualebene zum Resilienzfaktor auf Systemebene.
Entsprechend verleihen soziale Medien auch die partizipative Möglichkeit sich gegen Missstände zu organisieren, aufzulehnen und die Gesellschaft mitzugestalten. Der Arabische Frühling entwickelte sich im Fahrwasser sozialer Medien. Autoritäre Machthaber fürchten dieses Potenzial. Ihre Antwort ist Überwachung und Zensur, während sie gleichzeitig ihre Staatspropaganda einer unmündigen und geringfügig medienkompetenten Bevölkerung präsentieren.
Technoider Neokommunismus
Die heutigen technischen Mittel erlauben es jeden Bürger zu überwachen, zu steuern und zu kontrollieren. Vornehmlich autoritäre Staaten machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Bürger, die aus der Reihe tanzen, werden sanktioniert, verleumdet, geächtet und verbannt. Den Überwachungsstaat im Nacken sitzend, sind sie dazu angehalten soziale Normen zu hegen und zu pflegen. Jeder Schritt kann eine Sanktion zur Folge haben. Klarheit in Form sozialer Normen kann zu einem Sicherheitsempfinden führen. Andererseits neigt diese Art der Staatsführung dazu Angst und Schrecken zu verbreiten. Die freie persönliche Entfaltung und selbstbestimmtes Handeln sind eingeschränkt. Jede Offenbarung wird registriert und bewertet. Gedanken bleiben unausgesprochen und Gefühle werden möglichst kaschiert. Kalte Herzen frösteln aparte Seelen.
Aus der Angst ins Glück
Die sozialen Medien sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. So wie wir Raubbau auf der Erde begehen, so unersättlich sind wir nach Likes und Follower. Gleichzeitig haben wir Angst Besitztümer zu verlieren. Wir sind unsicher, wissen nicht wie die Zukunft aussieht. Wir quantifizieren unsere Welt, um Sicherheit zu gewinnen und bewegen uns doch nicht mehr als im Hamsterrad. Wir sollten unsere Werte und Intentionen hinterfragen: Welchen Wert hat es, dass wir uns nach Metriken beurteilen lassen? Erfahren wir dadurch Glück oder ist es nicht mehr als das Junk-Food für den schnellen Kick?
Inneres Glück ist fern jeglicher Profitorientierung. Aus diesem Grund ist es von enormer Bedeutung weltweit ethische wie gemeinwohlorientierte Algorithmen einzuführen, die keiner profitorientierten Marketing-Strategie folgen. Darüber hinaus ist es wichtig weltweit in Bildungseinrichtungen ein Fach zur Erlangung von Medienkompetenzen zu etablieren, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
In der Gewissheit inneres Glück in Kombination mit Gemeinwohl zu erfahren, kann die Transformation von einer profitorientierten zu einer gemeinwohlorientierten Gesellschaft vollzogen werden. Auf der Grundlage gesunder wie friedlicher soziokultureller und ökonomischer Bedingungen können wir einen positiven Einfluss auf unsere Umwelt und unsere Umwelt auf uns ausüben. In einer Gesellschaft, die nicht aus Gewinnern und Verlierern besteht, sondern jeder Mensch zufrieden und glücklich ist, niemand fürchten muss Hunger und Durst zu leiden, wird Verlustangst weichen und Neid, Missgunst, Habgier als Geißel der Menschheit schwinden.
Soziale Medien können dazu beitragen. Sie haben die Macht Menschen zu verbinden, Gesellschaften partizipativ zu wandeln und zu gestalten, Weltbilder auszureifen und Frieden zu bringen. Was wir daraus machen liegt bei uns.
Autor: Christoph Ahlfeld
Literaturverzeichnis
Hornert, M. (2012): Macht Facebook unglücklich? Online verfügbar unter: Der Tagesspiegel: URL: https://www.tagesspiegel.de/themen/digitalisierung-ki/neid-im-netzwerk-was-philosophen-und-psychologen-vom-vergleichen-halten/7431028-2.html. Letzter Zugriff: 01. Juni 2022
Hunt, M. G.; Marx, R.; Lipson, C.; Young, J. (2018): No More FOMO: Limiting Social Media Decreases Loneliness and Depression. Journal of Social and Clinical Psychology, 37(10), 751.
HYGH AG (2022): Klassische Medien – Welche Medien gelten als Traditionell und wo ist der Unterschied zu den neuen Medien? Online verfügbar unter: HYGH: URL: https://hygh.tech/en/klassische-medien/. Letzter Zugriff 22. Mai 2022
Kolonko, S. (2019): Wie uns Social Media abhängig macht. Online verfügbar unter: YouTube: URL: https://www.youtube.com/watch?v=Wj0kROaA4s4. Letzter Zugriff: 29. Mai 2022
Kuhnert, E. (2022): KPIs und Metriken in Social Media – einfach erklärt. Online verfügbar unter: rheindigital: URL: https://rheindigital.de/blog/2022/kpis-und-metriken-in-social-media-einfach-erklaert-rheindigital/. Letzter Zugriff 22. Mai 2022
NDR (2017): Smartphone-Nacken: Was bei Schmerzen hilft. Online verfügbar unter: NDR: URL: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Smartphone-Nacken-Was-hilft-bei-Schmerzen,nackenschmerzen120.html. Letzter Zugriff 16. Juni 2022
Ozimek, P.; Bierhoff, H. W. (2019): All my online-friends are better than me – three studies about ability-based comparative social media use, self-esteem, and depressive tendencies. Behaviour & Information Technology, 39(10), 1110–1123. https://doi.org/10.1080/0144929x.2019.1642385
Schefter, T. (2022): Rechthaben. Online verfügbar unter: Aphorismen.de: URL: https://www.aphorismen.de/zitat/16308. Letzter Zugriff 28. Juni 2022
Taylor-Jackson, J.; Moustafa, A. A. (2021): The relationships between social media use and factors relating to depression. The Nature of Depression, 171–182. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-817676-4.00010-9
ZAPP (2022): Tik Tok: Mit diesen Tricks raubt die App unsere Zeit. Online verfügbar unter: NDR: URL: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/TikTok-Mit-diesen-Tricks-raubt-die-App-unsere-Zeit,zapp13762.html. Letzter Zugriff 16. Juni 2022
Schneller, höher, stärker - Wie Metriken den Leistungssport verändern
Sportpraktiken waren bereits seit den Anfängen der Menschheit präsent. Dokumentationen in alten Zivilisationen wie bei den Ägyptern, Azteken und auch Griechen, die zu Ehren des Gottes Zeus, die olympischen Spiele ausgetragen haben, unterstreichen diese Aussage. Im Laufe der Zeit wurde der Sport professionalisiert und verlangte dem Körper des Athleten mehr und mehr ab, wodurch der Wettbewerb zunahm. Ein Beweis dafür ist der Zeitunterschied zwischen dem ersten und zweiten Platz.
Früher betrug dieser Zeitunterschied einige Sekunden und in manchen Sportarten sogar Minuten. Heute liegt der Unterschied in der Größenordnung von Zehntelsekunden. Daher wird jedes einzelne Detail berücksichtigt, um diesen Bruchteil einer Sekunde gegenüber der bisherigen Leistung zu verbessern. Doch auch bei allen Bemühungen der Sportler hat jeder Körper seine individuelle physische Grenze. Um dennoch den ersten Platzt erreichen zu können, genügt es nicht lediglich seinen Körper zu trainieren, auch die Technik der Bewegungsausführung und die Strategie des Sports müssen perfektioniert werden. Diese Optimierungsversuche überschreiten teilweise die Grenze zwischen Leistungssport und dem privaten Lebensstil, wie zum Beispiel bei der Ernährung oder Alkoholkonsum.
Aus diesem Grund setzt sich dieser Blogbeitrag mit der Problematik: „Wie weit darf Leistungsvermessung im Leistungssport gehen und wurden die Grenzen der Vermessung bereits überschritten?“ auseinander.
Was ist Leistung?
Als Grundlage für die nachfolgenden Aspekte muss zunächst auf die Frage, was Leistung ist eingegangen werden: Leistung kann in drei Kategorien eingeteilt werden, dennoch ist es schwierig eine konkrete Definition festzulegen, da Epoche und Setting beachtet werden müssen.
Das Ziel der Wirtschaft ist es, immer mehr Arbeit in immer weniger Zeit des Menschen zu pressen, wodurch Leistung in alle Lebensbereiche übergreift. Auswirkungen von dieser ständigen Belastung sind beispielweise Depressionen, Burnout und Ungerechtigkeit. Trotz dieser negativen Aspekte leben wir in einer Leistungsgesellschaft. In dem Bereich Ökonomie verhält sich Leistung ähnlich. Der Leistungsgedanke hat sich zunehmend in jeden Winkel unseres Lebens geschlichen. Eine starke Identifikation mit dem Beruf und das Arbeiten an freien Tagen oder von zu Hause sind Resultate davon. Ebenfalls werden in privaten Lebensbereichen wie Sport oder Partnerschaft Effizienzberechnungen, Nützlichkeitsdenken und Kosten-Nutzenanalysen angewendet. Das „Abschalten“ nach Feierabend ist dadurch nicht mehr gegeben, wodurch sich die Gesellschaft zu einer ständig erreichbaren, viel arbeitenden, perfektionistischen Kultur, in der jeder den ersten Platz erreichen möchte, entwickelt.
Umgangssprachlich kann festgehalten werden, wenn eine Person sich anstrengt, leistet sie etwas. Leistung kann in Trias aufgeteilt werden, darin enthalten ist eine zielgerichtete Handlung, eine Leistungsvermessung und Anstrengung. Der Unterschied zwischen qualifizierenden Leistungen und welchen die nur als Unterhaltungsfaktor dienen, muss auch beachtet werden. Ebenfalls gilt es zu untersuchen, ob die Leistung qualitativ oder quantitativ vermessen werden soll.
Abschließend zu diesem Punkt ist es wichtig hervorzuheben, dass Leistung keine natürliche Kraft ist und keine gerechte Gesellschaftsordnung existiert. Damit dies der Fall sein könnte, müsste die Person, die am meisten leistet, mehr bekommen, als jemand der wenig oder weniger leistet (Distelhorst, 2014).
Leistungsmessung im Leistungssport
Da nun die Thematik der Leistung besser bekannt ist, beziehen wir uns nun auf die Leistungsmessung im Leistungssport.
Bevor Technologien eingesetzt werden können, muss zunächst der Prozess der Leistungserbringung verstanden werden. Viele Faktoren wirken auf den Prozess der Leistungserbringung ein.
Am Anfang stehen die Leistungsvoraussetzungen, das heißt Anforderungen, Motive und Fähigkeiten eines Sportlers. Die Leistungsvoraussetzungen kommen dann im Leistungsvollzug zu einem Ergebnis. Dieses Ergebnis wird dann möglichst objektiv bewertet. Die Leistungserbringung kann jedoch auch in einem Leistungsversagen enden. Nach der Leistungsbewertung kann es zu Optimierungsmaßnahmen kommen, auf legalem, aber auch illegalem Wege. Genau bei dem Schritt der legalen Leistungsoptimierung können Daten eine Hilfe sein (Lobinger and Stoll, 2019).
Auszugsweise wird die Leistungsmessung mit Hilfe von Kamera- sowie Sensordaten vorgestellt. Jedoch gibt es noch Unmengen anderer Möglichkeiten, um Erfolg zu messen, wie etwa durch Fitness Tracker oder auch über Profile in den Sozialen Medien. Dazu im nächsten Abschnitt mehr.
Zu Beginn wird die Leistungsmessung mit Hilfe von Kameradaten betrachtet. Diese spielen zum einen während Wettkämpfen eine Rolle, da schnelle Ereignisse und deren korrekte Erkennung einen wichtigen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Spiels. Dementsprechend betrachten Hochgeschwindigkeitskameras das Spielgeschehen aus mehreren Winkeln, sodass beispielsweise im Fußball, die Position des Balles berechnet werden kann. Diese Informationen werden unter anderen im Videobeweis verwendet oder auch für automatische Aufwertungen, wie gelaufene Gesamtdistanz. Dadurch kommt es seltener zu umstrittenen Situationen.
Außerdem können die Bilddateien auch mit Zusatzinformationen versehen werden, wie Geschwindigkeitsangeben bei Schmetterbällen im Badminton. Diese Informationen führen zur Attraktivitätssteigerung vieler Sportarten(Stamm, 2013).
Neben der Verwendung im Wettkampf werden auch Kameras im Trainingsalltag verwendet, wie man am Beispiel des Trampolinturnens sehen kann. Dort zeichnen Kameras ein dreidimensionales Bild der Athletin bzw. des Athleten und ihrer/seiner Sprünge auf, liefern somit viele Ansatzpunkte für Verbesserungen.
Wie bereits angedeutet, werden auch diverse Sensoren zur Leistungsmessung verwendet. Diese können die Leistung ohne Beeinträchtigung und ohne Platzbeschränkung oder umständliche Aufbauverfahren überwachen. Dadurch kann die Leistungsfähigkeit von Spielern und die Belastung im Spiel bewertet werden (Camomilla et al., 2018).
Unter anderem wird die Radiofrequenz-Identifikationstechnologie in Verbindung mit einer Software verwendet, um Spieler zu analysieren. In Mannschaftsspielen wird die Technologie zur Bewegungsanalyse der Spieler verwendet. Mit Hilfe einer 2D-Ortung auf dem Spielfeld, kann die Feldansicht modelliert werden, worauf man die genauen Positionen der Spieler erkennen kann. Dies ist auf nachfolgender Graphik zu erkennen:
Abbildung 1 : 2D-Ortung auf dem Spielfeld
Dabei veranschaulichen die schwarzen Kreise die Positionen der Spieler.
Bei Einzelsportarten werden die Biomechanik und die Bewegungen des Spielers untersucht. Dabei hilft der 3D-Modus, um die Bewegungen zu erfassen. Diese Ausführungsweisen werden dann modelliert, wie in Graphik 2 zu erkennen ist:
Abbildung 2: 3D-Modus
Mit jedem Knoten wird ein bestimmtes Körperteil dargestellt.
Die erfassten Daten können in zwei verschiedenen Berichtsmodi abgebildet werden. Zum einen in Echtzeit und zum anderen können nach der Datenerfassung Berichte mit Statistiken, wie zurückgelegte Distanz erstellt werden (Gomide Foina et al., 2010).
Egal welche Unterstützungsmöglichkeiten verwendet werden, muss ein Kompromiss zwischen dem Potenzial der Technologie und der praktischen Anwendbarkeit im Feld gefunden werden.
Denn neben den bereits genannten Vorteilen, lassen sich auch Probleme bei dem Einsatz von Technologien finden. Zum einen sagen Daten nichts über die Gründe von Leistung beziehungsweise Leistungsversagen aus. Es ist immer eine Interpretation der Daten notwendig. Außerdem muss in der jeweiligen Situation beachtet werden, dass die Datenerfassungsgeräte das Spiel in keinerlei Hinsicht beeinträchtigen dürfen. Außerdem kann Technik nur als Ergänzung zum Trainerteam gesehen werden, denn welche Technologie ist in der Lage aktive Hilfe zu leisten? Des Weiteren besteht immer eine Verletzungsgefahr durch die verwendeten Hilfsmittel, auf wenn diese in der Regel minimal ist.
Metriken im Leistungssport und ihre Auswirkungen
Doch wie wirken sich diese Metriken auf das Individuum, die Gesellschaft, sowie die Wirtschaft aus?
Aus Anthropologischer Sicht, ist der Drang das eigene Leben zu dokumentieren oder zu vermessen auf die Natur des menschlichen Wesens und dem über Generationen erlernten Verhalten zurückzuführen. Der Mensch als soziales Wesen, welches immer in einem System von Beziehungen besteht, sehnt sich nach Anerkennung und Wertschätzung durch sein soziales Umfeld aber auch durch sich selbst. Um unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen zu bewerten, ziehen wir uns, sowohl als Gesellschaft aber auch als Individuum externe Bewertungsinstanzen zur Hilfe. Um unseren Wert innerhalb einer Gesellschaft mit dem Ziel der stetigen Selbstoptimierung zu definieren, können Zahlen, vor allem im Leistungssport einen idealen Bewertungsmaßstab bilden (Eidemüller, 2016).
Wir leben in einer Selbstoptimierungsgesellschaft! Es besteht ein Trieb zur stetigen Selbsteffektivierung und Selbststeigerung. Dieser wird durch Zahlen greifbar und führt dazu, dass sich viele Menschen, anhand von Zahlen, ihren persönlichen Wert zuschreiben. Dieser Wert wiederum nimmt Einfluss auf das eigene Selbstbild und kann Handlungen, sowie Denkweisen maßgeblich bestimmen. So wird die sportliche Leistung oftmals als Indikator für Leistungsfähigkeit und Selbstdisziplin gesehen. Der daraus resultierende sportlich aussehender Körper symbolisiert wiederum Macht und Kontrolle.
Doch was macht die Zuschreibung des persönlichen Wertes und des eigenen Körpers durch Zahlen und Statistiken mit der Dynamik der Gesellschaft und ihren Individualakteuren?
Anders als die soziale Stellung als Mitglied einer Gesellschaft kannst du deine körperliche Leistung und äußerliches Erscheinungsbild unabhängig von externen Faktoren beeinflussen. Die Steigerung der Leistungsfähigkeit tritt oftmals zeitnah ein und somit auch die Steigerung deines Selbstwertes. Dies lässt sich durch Metriken sehr gut festhalten. Daher liegt es nahe, für eine schnelle Steigerung unseres Selbstwertes eine körperliche Veränderung anzustreben. Berücksichtigen wir allerdings die Tatsache, dass ein sportlich geformter Körper mittlerweile für jeden mit Hilfe einer Schönheits-OP zugänglich ist, kann dieser nicht mehr als Indikator für Leistungsfähigkeit gesehen werden. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor stellt die Verfügbarkeit leistungssteigernde Präparate wie Schmerzmittel oder illegale Substanzen dar. Diese sind überall erhältlich und mindern somit den Wert einer “guten Leistung” (Fausten, 2020).
Im Leistungssport gibt es daher klare Verordnungen und regelmäßige Dopingtests, um einen fairen Wettkampf unter gleichen Bedingungen zu gewährleisten. Anders sieht es allerdings im privaten Fitness-Bereich aus. Nach zwei Jahren Pandemie findet wir in den Sozialen Medien ein Übermaß an Trainingsplänen und Angeboten, die man zu Hause ohne Geräte nach machen kann. Dazu gibt es Ernährungspläne und extra Shakes, um „deinen Körper in Form zu bringen“. Es wird uns als Konsumenten suggeriert, dass wir nur Pläne befolgen und bestimmte Produkte zu uns nehmen müssen, um unseren Traumkörper ganz einfach zu erreichen. Und wenn das nicht funktioniert, müssen wir wohl was falsch gemacht haben. Sind wir dann etwa weniger Leistungsfähig als andere? Sind wir dann weniger wert? Oder haben wir vielleicht doch auf fehlerhafte Informationen vertraut?
Metriken können bei der Einordnung von “richtigen” und “falschen” Informationen eine Hilfe sein und somit gesundheitsfördernd eingesetzt werden. Beispielsweise bei der Erkennung von Anorexie hilft ein Tracking von Kalorien, der Nährstoffaufnahme und des Energiebedarfes.
Doch selbst wenn wir über die Fähigkeit verfügen, Informationen über sportliche Leistungen einzuordnen oder zu bewerten. Dabei besteht eine zweite Gefahr durch Fitness-Influencer und “Sportstars”. Fitness-Influencer gewähren uns intime und private Einblicke in ihr Leben, wodurch wir ihnen Vertrauen und Empathie entgegenbringen. Doch was für uns nur eine Art Freizeit Unterhaltung ist, liefert erfolgreichen Influencern eine Plattform und die nötige Reichweite. Es wird Werbung geschaltet und Produkte vermarktet - ohne dass wir als Konsumenten es merken. Durch die Vermischung von privaten und geschäftlichen Inhalten wird es immer schwerer zwischen Werbung und „normalen“ Beiträgen zu unterscheiden, geschweige denn Werbung zu vermeiden. Auch immer mehr Unternehmen machen sich den neuen Wirtschaftszweig zugute und lassen Stars und Influencer ihre Produkte über zweite Hand vermarken (Romanin, 2021).
An der Stelle können wir allerdings nur abwarten und beobachten wie sich der neu Wirtschaftsmarkt entwickelt und was das alles für uns als Konsumenten bedeutet.
Exitstrategien
Da wir dauernd mit Metriken zur Leistungsmessung konfrontiert sind, müssen wir schauen, ob und wie wir diesem Einflussfaktor entgegenwirken können. Dabei gibt es verschiedene Ansätze, die verfolgt werden müssen.
Zum einen sollten nicht alle Bereiche im Sport getrackt werden, nur jene bei denen eine Sinnhaftigkeit besteht. Ebenfalls muss den Athleten bewusst sein, dass eine verbesserte Leistung nicht direkt Erfolg bedeutet, aber dennoch ein Fortschritt besteht, selbst wenn dieser nicht vermessen werden kann. Im Leistungssport wie zum Beispiel beim Bobfahren sollte öfter hinterfragt werden, ob die Daten überhaupt aussagekräftig sind, da die Technik bei so geringen Zeitunterschieden versagen kann. Zusammenfassend gesagt: wie hoch ist die Granularität, wie genau ist die Messung und ist es Schlussendlich ein Leistungsunterschied oder ein Messunterschied?
Das Vermessen der Leitung ist in vielen Sportbereichen vorteilhaft, jedoch sollte ein gesunder Bezug zu den Daten hergestellt werden und anstatt auf diese blind zu vertrauen sollten Athleten ebenfalls auf ihren Körper hören. Jedoch können wir als Gesellschaft der Leistungsvermessung nicht komplett entfliehen, aber das Denken diesbezüglich können wir verändern und verbessern.
Verfasst von: Nina Stehle, Rahel Barkat, Anne Mangold
Literaturverzeichnis
Bohl, N. (2021) Künstliche Intelligenz im Trampolinturnen: Sprossenwand. Available at: https://sprossenwand.dtb.de/turn-team-deutschland/kuenstliche-intelligenz-im-trampolinturnen (Accessed: 18 May 2022).
Camomilla, V. et al. (2018) ‘Trends Supporting the In-Field Use of Wearable Inertial Sensors for Sport Performance Evaluation: A Systematic Review’, Sensors, 18(3), p. 873. doi:10.3390/s18030873.
Distelhorst, L. (2014) Leistung: das Endstadium der Ideologie. Bielefeld: Transcript (Edition Politik, Band 18).
Eidemüller, D. (2016) Der Drang nach dem perfekten Sein, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Available at: https://www.helmholtz.de/newsroom/artikel/der-drang-nach-dem-perfekten-sein/ (Accessed: 28 June 2022).
Fausten, L. (2020) ‘Fitnessinhalte auf Instagram und ihre Auswirkungen auf das Körperbild von Schülerinnen’. Available at: https://www.medienpaedagogik.uni-mainz.de/files/2021/01/Bachelorarbeit_Fausten.pdf (Accessed: 28 June 2022).
Gomide Foina, A. et al. (2010) ‘Player Tracker - a tool to analyze sport players using RFID’, in 2010 8th IEEE International Conference on Pervasive Computing and Communications Workshops (PERCOM Workshops). 2010 8th IEEE International Conference on Pervasive Computing and Communications Workshops (PERCOM Workshops), pp. 772–775. doi:10.1109/PERCOMW.2010.5470538.
Lobinger, B.H. and Stoll, O. (2019) ‘Leistung beschreiben, erklären, vorhersagen und optimieren’, Zeitschrift für Sportpsychologie, 26(2), pp. 58–70. doi:10.1026/1612-5010/a000260.
Prandl, H. and Thaller, A. (2022) Kuriose Verletzung von Rapids Stojkovic. Available at: https://www.laola1.at/de/red/fussball/bundesliga/news/kuriose-verletzung-von-rapid-verteidiger-filip-stojkovic/ (Accessed: 12 May 2022).
Romanin, J. (2021) ‘„Gute Freund*innen“ gegen Bezahlung? Wie Influencer*innen ihre Community beeinflussen’. Available at: https://eplus.uni-salzburg.at/obvusbhs/content/titleinfo/7309727/full.pdf.
Stamm, C. (2013) ‘Hochgeschwindigkeitsvideoverarbeitung im Sport’, Informatik-Spektrum, 36(5), pp. 431–439. doi:10.1007/s00287-013-0725-9.
Arbeitsplatz der Zukunft
– Können moderne Technologien die Arbeit messbar optimieren?
Abb. 1: Arbeit 4.0
Wir befinden uns in einem stetigen Veränderungsprozess, wenn es um das Thema „Arbeit“ geht. Derzeit geht es vor allem um eine Verschiebung der analogen zur digitalen Welt.
„Arbeit 4.0“ beschreibt genau diesen Wandel. Es geht um neue Perspektiven, diverse zentrale Trends und Entwicklungen zu einer digitalisierten Arbeitswelt hin, wobei Stichwörter wie „People Analytics“ und Metriken eine bedeutende Rolle spielen (Mütze-Niewöhner and Nitsch, 2020). Der Begriff „Arbeit 4.0“ leitet sich in gewissem Maße von der aktuellen Diskussion über die vierte industrielle Revolution „Industrie 4.0“ ab, rückt jedoch Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse in den Mittelpunkt der Thematik und umfasst somit nicht nur den industriellen Sektor, sondern die gesamte Arbeitswelt (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2015). Der Fokus wird stärker auf den arbeitenden Menschen, die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Technik und die Organisation von Arbeit gelegt (Mütze-Niewöhner and Nitsch, 2020). Diese digitale Transformation wird zudem von einer Alterung der Gesellschaft und der Belegschaft sowie einem Hinblick auf das Erwerbspotenzial begleitet (Rump and Eilers, 2017, p. 0). Da wir uns inmitten dieser Phase befinden, sind die Bedeutungen für die Arbeitswelt und den individuellen Menschen bisher nicht in Gänze zu erfassen. Es lassen sich somit keine endgültigen Antworten auf zukünftige Resultate treffen, sondern nur Entwicklungsperspektiven aufzeigen (Mütze-Niewöhner and Nitsch, 2020).
Abb. 2: Entwicklungsschritte zur digitalisierten Arbeitswelt
Betrachtet man nun die letzten Jahre lassen sich folgende Aspekte im Entwicklungsprozess festhalten:
Eine stetige Digitalisierung und Technisierung sowie Entwicklungen in Wissensökonomie und Innovationsökonomie, eine zunehmende Individualisierung und ein gewisser Wertewandel in der Arbeitnehmerwelt (Rump and Eilers, 2017).
Dieser dynamische Prozess führt letztendlich zu Veränderungen in der Arbeitswelt, man kann diese auch als „moderne Arbeitswelt“ bezeichnen, in der sich Aufgabenprofile, Abläufe, Arbeitsformen und Arbeitsbeziehungen, bis hin zu Berufsbildern verändern (Mütze-Niewöhner and Nitsch, 2020).
Diese „Umbruchphase“ wirft für jeden Arbeitnehmer*in Fragen auf. So auch die Überlegung, wie sich bestimmte Arbeitsplätze in Zukunft verändern könnten. Beispiele hierzu werden im späteren Verlauf beschrieben.
Digitale Technologien sind in der heutigen Arbeitswelt bereits allgegenwärtig. Hierzu ein paar Fakten, die sich aus unterschiedlicher Sichtweise festhalten lassen.
Stand der Digitalisierung aus Sicht von Beschäftigten:
Ein homogenes Bild
Mehr als 80 % der Beschäftigten nutzen Informations- oder Kommunikationstechnologien bei der Arbeit, zum Beispiel Computer oder Smartphones (BMAS 2016). Vor allem in der Unternehmensorganisation (99%).
18 % der befragten Beschäftigten sind in keiner Weise von Digitalisierung betroffen (DGB-Index „Gute Arbeit“ 2016).
Hohe Anteile digitaler Arbeit finden sich auch, vielleicht anders als vermutet, im Fahrzeugbau (76 %) und Maschinenbau (75 %) wieder (DGB-Index „Gute Arbeit“ 2016).
Die elektronische Kommunikation erfolgt häufig über E-Mail, Smartphone, soziale Netze etc. (63 %)
(DGB-Index „Gute Arbeit“ 2016).
54 % der Befragten arbeiten mit unterstützenden elektronischen Geräten, zum Beispiel Scannern, Datenbrillen oder Diagnosegeräten (DGB-Index „Gute Arbeit“ 2016).
Stand der Digitalisierung aus Sicht von Betrieben:
Ein heterogenes Bild
63,5 % der befragten Produktionsbetriebe gaben an, keine modernen digitalen Technologien einzusetzen (IAB +ZEW, 2016).
Die Bereitschaft für die Industrie 4.0 ist vorhanden:
Der Mittelstand erwies sich jedoch als zurückhaltender als die befragten Großunternehmen (Lerch et al. (2017).
Eine Differenzierung von Betrieben, die sich mit der Nutzung digitaler Technologien noch nicht befasst haben, über Betriebe, in denen der digitale Wandel zugange ist, bis hin zu wenigen Unternehmen, die bereits Digitalisierungstechnologien einsetzen, ist erkennbar (z.B. Marketing und Vertrieb) (Arntz et al. 2016a; Lichtblau et al. 2015; Lerch et al. 2017; Zimmermann 2017).
Stand und Entwicklungsperspektiven aus überbetrieblicher Sicht
In Deutschland arbeiten 42 % der Beschäftigten in Berufen mit hohen Automatisierungswahrscheinlichkeiten. Dies bedeutet nicht, dass sie vollkommen automatisierbar oder substituierbar sind. Vielmehr geht es um Teilbereiche und bestimmte Aufgabenfelder (Bonin et al. 2015).
Unter Berücksichtigung der Tätigkeitsstrukturen reduziert sich der Anteil von 42 %der Beschäftigten, die in durch Automatisierung bedrohten Berufen arbeiten, für Deutschland auf 12 %
(Bonin et al. 2015).
Eine Szenarioanalyse zeigt, dass es somit nur minimale Auswirkungen der Digitalisierung auf das Gesamtniveau der Beschäftigung gibt, jedoch wird erwartet, dass es deutliche Verschiebungen von Arbeitsplätzen zwischen Branchen, Berufen und Anforderungsniveaus geben wird (Zika et al. 2018).
Demografischer Wandel
Auch der demografische Wandel ist im Kontext der Technisierung und Digitalisierung nicht zu vergessen. Die Gesellschaft wird immer älter. Der demografische Wandel spielt in Deutschland mittlerweile eine bedeutende Rolle. Eine sinkende Zahl an Menschen im jüngeren Alter und die zugleich steigende Zahl an Menschen in höherem Alter beeinflussen die Altersstruktur enorm. Jede zweite Person in Deutschland ist derzeit älter als 45 Jahre und jede fünfte Person älter als 66 Jahre (Statistische Bundesamt, o.J.).
Ein Vergleich der Altersstruktur aus dem Jahr 2019 mit dem Jahr 1990 zeigt die Veränderung des demografischen Wandels sehr deutlich:
Abb. 3: Altersaufbau der Bevölkerung 2019 im Vergleich zu 1990
Mit diesem Wandel gehen auch altersassoziierte Problematiken einher, zu denen unter anderem ein Wandel der Leistungskapazität des Arbeitnehmers und eine Zunahme an Ausfällen durch inadäquate Arbeitsbedingungen gehört. Die zunehmende Komplexität auf der Arbeit, aufgrund der Menge an Informationen durch Kommunikationsmittel wie Computer, Smartphones und Internet, führt gleichermaßen auch zu einer Verdichtung der Arbeit (Hermeier, Heupel and Fichtner-Rosada, 2019). Zusätzlicher Druck und Überforderung können resultieren. Auch technische Störungen führen, bei Unerfahrenheit, zu Stress. Besonders der Bereich der „Akzeptanz“ im Betrieb, sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden (Hermeier, Heupel and Fichtner-Rosada, 2019). Denn wo keine Akzeptanz herrscht, fällt es auch schwer, etwas zu implementieren, was anschließend genutzt wird. Konzepte der alters -und alternsgerechten Arbeitsgestaltung rücken somit deutlich in den Vordergrund (Mütze-Niewöhner and Nitsch, 2020). Diese Aspekte betreffen jedoch nicht nur die „ältere Generation“, sondern könne für jede(n) Arbeitnehmer*in eine Herausforderung darstellen.
Gegenüber den Problematiken stehen die Chancen der Technisierung und Digitalisierung. Hierzu zählt unter anderem eine vernetzte und flexible Arbeitswelt, welche „arbeiten“ einfacher und unabhängiger gestalten kann. Zudem gibt es positive Auswirkungen auf die körperliche und seelische Verfassung. Selbstvermessungstechniken, die im späteren Verlauf noch thematisiert werden, können vor allem Motivations- und Produktivitätssteigernd wirken (Hermeier, Heupel and Fichtner-Rosada, 2019).
Halten wir als Zwischenfazit folgendes fest:
Diese technischen/digitalen Veränderungen finden bereits teilweise statt und nehmen stetig zu
Es bieten sich Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume, die über Richtung, Verlauf und Ergebnisse in Zukunft entscheiden. Es gilt den „richtigen“ Umgang zu finden.
Eine Betrachtung der vorliegenden Aspekte ist auf gesamtgesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Ebene nötig
Es entsteht eine gesellschaftliche, individuelle und wirtschaftliche Relevanz des Themas.
Abb. 4: KPI-Darstellungen
Veränderung vermessen
Das Institut „DGB-Index Gute Arbeit“ führt seit 2007 jährlich eine bundesweite repräsentative Befragung von Arbeitnehmern in Deutschland, in Form eines „Computer Assisted Telephone Interview“, kurz „CATI“, durch.
Beim Institut „DGB-Index Gute Arbeit“ handelt es sich um ein Institut des Deutschen Gewerkschaftsbundes (im weiteren DGB), welches eigens für bundesweite Repräsentativerhebungen und deren Auswertung, sowie Kommunikation der Ergebnisse zuständig ist (Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber / Nico Litzel 2019).
Aber warum erlässt ein Gewerkschaftsbund solche Befragungen, gründet gar ein spezialisiertes Institut zur Erhebung?
-Ziele des DGB umfassen laut Satzung, die Vertretung der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen von Arbeitnehmern. Um „Gute Arbeit“, nicht nur aus Sicht des Arbeitnehmers ermitteln zu können bedarf es spezieller Werkzeuge.
Wie sieht eine solche Befragung aus? Welche Kennzahlen sind notwendig, um Interessen, sowie Leistung von Arbeitnehmer, aber auch Arbeitgeber zu ermitteln?
Hier stoßen wir bereits auf einen wichtigen Begriff im Bereich der Metriken am Arbeitsplatz.
„Key Performance Indicators“, kurz KPIs, sind, wie die deutsche Übersetzung bereits Vermuten lässt, nichts anderes als Indikatoren oder Kennzahlen zur Messung der Leistung. KPIs werden verwendet, um die Leistung diverser Aktivitäten einer Organisation oder eines Unternehmens zu messen. Je nach Bereich sind unterschiedliche KPIs relevant. So interessiert sich eine Marketingabteilung für andere Kennzahlen als Logistik oder Management. Wichtige Kennzahlen im Content-Marketing stellen hierbei beispielsweise Besucher beziehungsweise Aufrufzahlen, Verweildauer und Anzahl neuer Nutzer dar (Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber / Nico Litzel 2019).
Abb. 5: KPI-Prozess
„People Analytics” mit dem Personalcontrolling, welches Personaldaten über gewisse Zeiträume hinweg erfasst, als Grundlage, stellen die Analyse von diesen personenbezogenen Daten dar. Dabei liegt das Hauptaugenmerk darauf, mithilfe der erhobenen Daten, kausale Zusammenhänge aufzudecken und diese interpretieren zu können. Eine Art „Ursache-Wirkung Forschung“. Zur Verdeutlichung nehmen wir als Beispiel die im Personalcontrolling gesammelten Daten zur Mitarbeiterzufriedenheit. „Arbeitsklima“, „Zusammenarbeit“, „Verhalten der Vorgesetzten“ und weitere. People Analytics können diese Daten verwenden, um eine Fragestellung zu generieren, die wie folgt lauten kann:
„Wie lässt sich die Mitarbeiterzufriedenheit langfristig steigern?” (Georg Loscher und Stephan Kaiser 2019).
Erhoben werden diese Daten auf verschiedenste Art und Weisen. Dazu zählen unter anderem Umfragen, Human Ressource Softwares, Software zur Produktivitätsmessung oder biometrische Analysen. Letztere sind in Deutschland allerdings nicht zulässig, denn sensible Daten müssen geschützt werden. Das ist auch bei People Analytics nicht anders. Die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) hat dazu strenge Vorschriften verfasst. Siehe: https://dsgvo-gesetz.de/ (v.A Art.5,6,13,22).
In Bezug auf Arbeitszufriedenheit und Motivation bezieht man sich grundsätzliche auf zwei verschiedene Arten von Messverfahren.
Das „BRUGGEMANN-Modell“ (Bruggemann, 1974), als theoriebezogenes Verfahren, geht davon aus, dass das Individuum einen SOLL-IST-Vergleich in Bezug auf seine Arbeitssituation durchführt und die aus diesem Vergleich resultierende (Un- )Zufriedenheit durch psychische Prozesse strukturiert. Es ergeben sich sechs unterschiedliche Formen der Arbeitszufriedenheit. (Fischer, Lorenz, and Andrea Eufinger, 1991). Die Subskalen aus der Skala zur Messung von Arbeitszufriedenheit (SAZ), als theoriefreie Verfahren (Fischer / Lück, 1989) hingegen, geben den Befragten zur Messung der Arbeitszufriedenheit verschiedene Aspekte der Arbeit vor. Als Antwortmöglichkeiten werden hierbei fünfstufige Likert-skalen, das sind graduelle Antwortskalen bspw. von "nicht zufrieden" über "wenig zufrieden" bis "sehr zufrieden", dargestellt.
Abb. 6: Metrischer Arbeitsplatz
Metrische Arbeitsplätze
Es gibt verschiedene Metriken, die man am Arbeitsplatz verwenden kann. Hierzu gehören auch Tools wie „Humanyze“, deren Aufgabe es ist, den Prozess zu unterstützen.
„Humanyze“ beschäftigt sich mit der Arbeitsplatz-Analytik, Geschäftsprozessoptimierung und personenbezogenen Analytik. Ziele von „Humanyze“ sind die Bedürfnisse der Beschäftigten in Einklang mit den Unternehmenszielen zu bringen, durch eine kontinuierliche Überwachung von objektiven Verhaltenskennzahlen. Außerdem sollen Führungskräfte, durch die Analyse dieser Unternehmensdaten, bessere Entscheidungen treffen können.
Diese Ziele werden vom „Organisational Health Score (OHS)" erfasst. Hierbei wird zu einem vermessen, wie die Arbeit erledigt wird, zum anderen werden Verhaltensweisen, Strategien und Prozesse identifiziert. Dadurch soll der Erfolg in einem Unternehmen optimiert werden. Der OHS wird in den drei Hauptkategorien „Engagement“, „Produktivität“ und „Anpassungsfähigkeit“ aufgeteilt (Siehe Abb. 7). Durch umsetzbare Metriken und Indikatoren wird eine Gesamtpunktzahl gemessen, die den Gesamterfolg darstellt.
Abb. 7: Organisational Health Score (OHS)
Generell werden die Metriken in Arbeitsplatzkultur (Krankheitstage oder Länge des Arbeitstages eines Beschäftigten) und umsatzbezogene Indikatoren (monatliche Verkaufszahlen oder abgeschlossene Projekte) unterschieden. Durch verschiedene Daten aus Kollaboration-Tools, Ortungssystemen und Umfragen kann eine Ansicht des Arbeitstages erstellt werden.
„Humanyze“ gewährleistet den Mitarbeiterdatenschutz und die Anonymität der Beschäftigten (DSGVO/CCPA-konform).
Weitere Beispiele für Metriken in anderen Unternehmen(-bereichen) sind die Amazon Performance Metriken und Recruiting Metriken.
Nachdem Beispiele vorgestellt wurden, greifen wir folgende Frage erneut auf:
„Welche Arbeitsplätze werden sich in welcher Weise verändern?“
Metriken können in verschiedenen Bereichen der Arbeitswelt angewendet werden:
Geschlechtergerechtigkeit
„Metriken sollten verwendet werden, um die Anzahl von Frauen in Führungspositionen zu verfolgen, einschließlich Praxispartnern, Bereichs- und Abteilungsleitern, akademischen Dekanen, Führungskräften im Gesundheitswesen und Redaktionsausschüssen und Sprechern.” - Cansino et al. 2021
Vorteile der Metrik in diesem Bereich ist, dass man einen guten Überblick über die Geschlechterstruktur in einem Unternehmen hat. Somit haben sowohl Frauen als auch Männer die gleiche Chance auf eine Position und die Gleichstellung von Frauen und Männer wird gewährleistet.
Allerdings können durch diese Metrik Benachteiligungen der Männer und unfaire Positionseinstellungen entstehen, da man sich nur nach diesem Wert richtet und nicht nach der Qualifikation. In diesem Zusammenhang könnte auch die Kompetenz der eingestellten Mitarbeiterin hinterfragt werden.
Selbstvermessung
Die Selbstvermessung ist eine weitere Methode, um den Arbeitsalltag zu messen. Hierbei wird die Gesundheit der Beschäftigten fokussiert, indem man die Gesundheitsdaten vermisst. Dazu können Tools wie Gesundheitsapps helfen. Auch Wearables wie Smartwatches oder Gamification-Ansätze, wie Wettkämpfe zwischen Kolleg*innen, können die Selbstvermessung unterstützen. Des Weiteren können auch Entspannungstechniken während der Arbeitszeit angewandt werden, indem regelmäßig Push-Benachrichtigungen aufkommen. Die Gesundheitsdaten werden vermessen und in der App dokumentiert.
Durch diese Selbstvermessung hat man mehr Selbstbestimmung und Kontrolle über die eigenen Daten. Man wird nicht von Externen überwacht und es ist jedem selbst überlassen, ob er/sie die App benutzt oder nicht.
Allerdings können die Daten vernachlässigt oder verfälscht werden, indem das Wearable entweder nicht getragen wird oder nicht selbst ausgeführte Bewegungen registriert werden. Des Weiteren kann es sein, dass die Beschäftigten keinen Sinn in der Nutzung der App sehen.
Zum Abschluss eine kurze Diskussion, um weitere Anregungen Ihrerseits zu schaffen:
Die Digitalisierung in Arbeitsplätzen bietet verschiedene Vorteile, dennoch stellt sich die Frage, inwieweit Daten abgesichert sind und eventuell auch fremdentwendet werden. Datenschutz ist ein wichtiger Teil und darf vor allem bei der Metrisierung des Arbeitsplatzes nicht fehlen. Sensible Daten dürfen von Arbeitgeber*innen nicht verwenden werden, deshalb sollen die Persönlichkeitsrechte in der digitalen Arbeitswelt gestärkt werden. Sowohl Aktivitäten in der digitalen Arbeitsumgebung als auch soziale Netzwerke der Mitarbeiter*innen können Datenschatten hinterlassen, die von Arbeitergeber*innen genutzt werden können. Deshalb bedarf es an neuen rechtlichen, technischen und organisatorischen Schutz- und Abwehrmaßnahmen für die Persönlichkeitsrechte der Beschäftigten (Ver.di 2015).
Gerade Datenverarbeitungsskandale, wie Videoüberwachung am Arbeitsplatz oder Leistungskontrollen durch Handscanner, zeigen den Missbrauchspotenzial der Digitalisierung am Arbeitsplatz. Teilweise werden auch Daten von außerbetriebliches Verhalten, wie Leidenschaften oder Kontakte der Beschäftigten, von Arbeitgeber*innen genutzt. Deshalb muss ein Beschäftigungsdatenschutzgesetz geschaffen werden, um sowohl die dienstliche als auch die private Sphäre zu schützen. Das Gesetz soll unter anderem ein grundsätzliches Verbot von anlassloser Beobachtung/Überwachung, Datennutzung auf geregelte Fälle, Festlegung von Löschungsfristen und Regelungen zu Sanktionen bei Datenschutzverstöße beinhalten (Ver.di 2015).
Vor allem der gewerkschaftliche Handel ist zwingend notwendig für den Schutz der Persönlichkeitsrechte.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund
Er setzt sich für eine solidarische Gesellschaft ein. National und international vertritt er die Gewerkschaftsbewegung und ist gleichzeitig die politische Stimmt der Mitgliedsgewerkschaften (Deutscher Gewerkschaftsbund, o.J.).
-Besonders gewerkschaftliche Weiterbildung ist essenziell:
Wie sich die Technisierung, Digitalisierung und Metrisierung auf Arbeitnehmer*innen und deren Arbeitsbedingungen auswirken kann, konnte in den vorherigen Abschnitten dargelegt werden. Die Frage, die offen bleibt, ist, welche weiteren Akteure in dieser digitalen Transformation eine bedeutende Rolle spielen.
Zu nennen sind hier die Betriebsräte*innen, der einzelnen Betriebe/Unternehmen/Konzerne. Ihre Aufgabe ist es, die Interessen der Arbeitnehmer*innen zu vertreten und stellvertretend für sie mit dem Arbeitgeber, über bestimmte Inhalte, zu verhandeln. Hierzu zählen zum Beispiel die Einhaltung von Gesetzen und Verordnungen, die Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern, die Förderung von Arbeitsschutz-Maßnahmen und die Förderung von Beschäftigungen älterer Arbeitnehmer*innen (Deutscher Gewerkschaftsbund, 2022b). Auch bei der digitalen Transformation in einem Betrieb/Unternehmen/Konzern braucht es Betriebsräte*innen, die über den aktuellen Stand von Digitalisierung und Industrie 4.0 Bescheid wissen und als informierte Vertretung fungieren können. Arbeits- und Geschäftsprozesse sowie horizontale und vertikale Abläufe müssen eingeordnet und verstanden werden. Nur so sind kompetente Reaktionen möglich, wenn ein Betrieb/Unternehmen/Konzern umstrukturiert und digitalisiert werden soll (Deutscher Gewerkschaftsbund, 2022a).
Digitale Arbeitswelt: Immer effizienter und messbarer?
Die digitale Transformation lässt sich unter folgenden Gesichtspunkten betrachten: Wo wird Arbeit effizienter gestaltet, wo wird die Qualität von Arbeit erhöht?
Doch hierbei besteht die Gefahr des kapitalistischen Systems, wobei die erst genannte Perspektive dominiert. Produktivitätszugewinne würden hier vor allem der Kapitalseite zugutekommen. Betriebsräte*innen müssen also für beides kämpfen (Deutscher Gewerkschaftsbund, 2019).
"...immer schneller mussten die Erfahrungen der Wirklichkeit als Zahlen darstellbar sein. Wir können zwar zählen, aber wir vergessen immer schneller bei welchen Dingen es überhaupt wichtig ist, dass sie gezählt werden und warum es überhaupt wichtig ist. "
-Josef Weizenbaum Metrische Kulturen-
(Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, 1977)"
Dieses Zitat soll noch einmal verdeutlichen, dass es nicht wichtig ist, Alles zu erfassen und zu messen. In erster Linie müssen die Metriken den Menschen zu Gute kommen. Sind Verfahren, wie die HR Analytics mit der prädiktiven Analytik (Was wird als nächstes passieren?) und der präskriptiven Analytik (Wie soll man sich Verhalten?), welche Mitarbeiter*innen in sogenannten „Scorings” in Schubladen stecken beziehungsweise in Bestenlisten einordnen, neben dem ethischen Aspekt überhaupt wünschenswert? (Jan-Paul Giertz, 2021)
-Entscheidend sind aus Sicht des Autors eine ethische Analyse datengesteuerter algorithmischer Systeme im Personalmanagement, Michele Loi, guter Datenschutz, fachliche Kompetenz, transparente Verfahren und eine sorgfältige Überprüfung der Auswirkungen automatisierter Entscheidungen.
Abb. 8: Bewertung abgeben
Bewertung
Die Leitfrage, ob moderne Technologie die Arbeit messbar optimieren können, kann eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden.
Gerade Tools wie „Humanyze“ zeigen, dass man durch verschiedene Verhaltenskennzahlen oder KPIs, die Arbeit analysieren kann und anhand davon, Maßnahmen zur Optimierung anleiten kann. Jedoch müssen einige Aspekte beachtet werden, bevor eine Metrik am Arbeitsplatz angewendet wird.
Zu einem stellt sich die Frage, ob die Metriken am Arbeitsplatz überhaupt umgesetzt werden können. Im Büro lassen sich Metriken einfacher intergieren als in einem LKW.
Des Weiteren muss entschieden werden, wie sinnvoll eine Metrik in dieser Berufsrichtung ist und ob es nicht doch zu einem Qualitätsmangel kommen würde. Denn wenn man eine Metrik einsetzt, um die Stückzahl eines Produkts, die eine Mitarbeiter*in erzielt hat, zu vermessen, dann zählt für diese Beschäftigten nur die Stückzahl und weniger die Qualität.
Ein weitere wichtiger Punkt ist die Technikakzeptanz. Gerade der obengenannte demografische Wandel zeigt, dass es immer mehr ältere Beschäftigte geben wird. Deshalb ist es umso wichtiger, die Mitarbeiter*innen aufzuklären und zu unterstützen.
Personenbezogene Daten dürfen nicht missbraucht werden, somit muss der Datenschutz gewährleistet sein. Besonders Gewerkschaften, wie der DGB, beschäftigen sich zunehmend mit der digitalen Transformation der Arbeitswelt und dem Datenschutz. Generell muss die Gesellschaft auf einer Metrisierung eingestellt werden und vor allem muss die Transparenz geschaffen werden (Wer hat Zugriff auf welche Daten?).
Auch Datenskandale, wie in der Diskussion genannt, können Beschäftigten ein schlechtes Bild vermitteln.
Metriken können den Arbeitsplatz und viele verknüpfte Bereiche optimieren. Wenn die angemerkten Punkte eingehalten und Daten nicht missbraucht werden, können sowohl Beschäftigte als auch Führungskräfte davon profitieren.
Autor*innen: Kalliopi Gkaroumpas, Laura-Karin Wilde, Arnold Maier
Literaturverzeichnis
Ver.di (2015): Datenschutz und Persönlichkeitsrechte für Beschäftigte in der digitalisierten Welt Gute Arbeit und Digitalisierung In: Gute Arbeit und Digitalisierung - Prozessanalysen und Gestaltungsperspektiven für eine humane digitale Arbeitswelt, S. 41 – 47
Cansino, C.; Khanna, K.; Johnson Bhembe, X.; Overholser, B.; Burstin, H. R.; Spector, N. D. (2021): The Path Forward: Using Metrics to Promote Equitable Work Environments. In: Pediatrics 148 (Supplement 2). DOI: 10.1542/peds.2021-051440G .
Humanyze (2021): Organisationsgesundheitslösung. Online verfügbar unter https://humanyze.com/de/solutions-org-health/, zuletzt aktualisiert am 27.08.2021, zuletzt geprüft am 29.04.2022.
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2015): BMAS - Grünbuch Arbeiten 4.0, www.bmas.de. Verfügbar unter: https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/A872-gruenbuch-arbeiten-vier-null.html (zuletzt geprüft am: 16.06.2022).
Deutscher Gewerkschaftsbund (2019): Digitale Arbeit: solidarisch und gemeinsam, DEUTSCHER GEWERKSCHAFTSBUND. Verfügbar unter: https://www.dgb.de/++co++865f13a6-c8a7-11e9-a36d-52540088cada (zuletzt geprüft am: 18.06.2022).
Deutscher Gewerkschaftsbund (2022a): Atlas der digitalen Arbeit, DEUTSCHER GEWERKSCHAFTSBUND. Verfügbar unter: https://www.dgb.de/atlas-der-arbeit/++co++60dbfab8-cc6e-11ec-86ad-001a4a160123 (zuletzt geprüft am: 18.06.2022).
Deutscher Gewerkschaftsbund (2022b): FAQ Betriebsrat, DEUTSCHER GEWERKSCHAFTSBUND. Verfügbar unter: https://www.dgb.de/betriebsrat (zuletzt geprüft am: 18.06.2022).
Deutscher Gewerkschaftsbund (o.J.): Über uns, DEUTSCHER GEWERKSCHAFTSBUND. Verfügbar unter: https://www.dgb.de/uber-uns (zuletzt geprüft am: 18.06.2022).
Hermeier, B., Heupel, T. and Fichtner-Rosada, S. (eds) (2019): Arbeitswelten der Zukunft: Wie die Digitalisierung unsere Arbeitsplätze und Arbeitsweisen verändert. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden (FOM-Edition). doi:10.1007/978-3-658-23397-6.
Müller-Brehm, J., Otto, P. and Puntschuh, M. (2020) Einführung und Überblick: Was bedeutet Digitalisierung?, bpb.de, Bundeszentrale für politische Bildung. Verfügbar unter: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/digitalisierung-344/318096/einfuehrung-und-ueberblick-was-bedeutet-digitalisierung/ (zuletzt geprüft am: 16.06.2022).
Mütze-Niewöhner, S. and Nitsch, V. (2020) ‘Arbeitswelt 4.0’, in Frenz, W. (ed.) Handbuch Industrie 4.0: Recht, Technik, Gesellschaft. Berlin, Heidelberg: Springer, pp. 1187–1217. doi:10.1007/978-3-662-58474-3_61.
Rump, J. and Eilers, S. (2017) ‘Arbeit 4.0 – Leben und Arbeiten unter neuen Vorzeichen’, in Rump, J. and Eilers, S. (eds) Auf dem Weg zur Arbeit 4.0: Innovationen in HR. Berlin, Heidelberg: Springer (IBE-Reihe), pp. 3–77. doi:10.1007/978-3-662-49746-3_1 .
Fischer, Lorenz, and Andrea Eufinger (o.J.): "Zur Differenzierung von Formen der Arbeitszufriedenheit mit unterschiedlichen Messverfahren." Arbeitszufriedenheit. Beiträge zur Organisationspsychologie, Bd 5 (1991): 115-132
Josef Weizenbaum (1977): Metrische Kulturen (Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, 1977)"
Jan-Paul Giertz (2021): People Analytics muss den Menschen zugutekommen, Verfügbar unter: https://www.mitbestimmung.de/html/people-analytics-muss-den-menschen-18016.html (zuletzt geprüft am: 20.06.2022)
Loi, Michele (2021): People Analytics muss den Menschen zugutekommen
Study der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf, ISBN: 978-3-86593-366-9
Die Beeinflussung von Metriken auf unser Arbeitsumfeld und unsere Privaten Beziehungen
In diesem Blogbeitrag geht es nicht nur darum, wie Metriken und Algorithmen unsere privaten Beziehungen beeinflussen, auch die Veränderungen der Arbeitswelt werden hier thematisiert.
Wenn euch diese Themen interessieren, bleibt gerne dran.
Bis dass der Tod uns scheidet - Ja, das ist ein Sprichwort, welches die meisten von uns hoffen, eines Tages einmal aussprechen zu dürfen und im Idealfall auch das ganze Leben lang zu leben.
Doch kann man das heutzutage überhaupt noch?
Schaut man sich die Beziehungen und Ehen in der Vergangenheit an, merkt man schnell einen enormen Unterschied zu der jetzigen Zeit.
Damals waren Mann und Frau noch abhängig voneinander, sie waren also eine Einheit und wurden so auch wahrgenommen.
Während der Mann sich nicht um Haushaltsaufgaben wie kochen und waschen, sowie die Kindererziehung kümmern konnte, konnte dir Frau sich nicht alleine um die Finanzen kümmern. Kindererziehung und Haushalt waren klar definierte Aufgaben für die Frau, Abreiten um eigenständig Geld für sich zu verdienen, für die Frau damals undenkbar.
Es gab ein Plan für alle, dieser lautete: früh Heiraten, schnell Kinder kriegen, bis ins hohe Alter zusammenbleiben. Ja, bis dass der Tod scheidet, das war der Standard.
Es war ein Skandal, wenn jemand ledig blieb, eine Frau arbeiten gehen wollte, ebenso war eine Scheidung damals undenkbar, man blieb sein Leben lang zusammen, egal ob glücklich oder nicht.
Heutzutage ist das nicht mehr so:
Heute ist es eher so, dass diese Einheit fällt jetzt weg, da ja Mann und Frau auch alleine und unabhängig für sich sorgen können. Der Mann kann sich selber um seinen Haushalt kümmern und es ist “normal”, dass eine Frau arbeiten geht um Geld zu verdienen.
Daneben gab es auch einen Sozialer Wandel, das heißt, dass heute aus Liebe geheiratet wird, es geht in erster Linie um die beiden Partner selbst und diese stehen mit ihren individuellen Bedürfnissen im Mittelpunkt.
Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass es viel mehr Beziehungsarbeit und -fähigkeit als früher erfordert, eine funktionierende Beziehung zu führen.
Es konnte auch beobachtet werden, dass eine deutliche Tendenz zu Kettenbiographien besteht, darunter kann man sich vorstellen, dass jeder Mensch drei oder mehrere relevante Beziehungen in seinem Leben hat.
Bis dass der Tod uns scheidet? Für immer und ewig? Von wegen! Die Gegenwartsgesellschaft lebt das moderne Beziehungsmodell der seriellen Monogamie. Nach Trennung, Scheidung oder Tod des Partners ist es selbstverständlich die nächste Beziehung einzugehen, und nicht für den Rest des Lebens allein zu bleiben.
Die Beziehungen beruhen auch vielmehr auf Intimität und Sexualität und Emotionen wie Vertrauen, Geborgenheit, Verständnis.
Die Partnerschaften scheitern heutzutage aber auch oft dadurch, dass zu viel und falsch kommuniziert wird. Gerade durch die Smartphones und sozialen Medien stehen wir eigentlich permanent im Austausch miteinander. Das führt auch dazu, dass Beziehungen oft zu viert geführt werden--> Handy 1, Handy 2, Partner 1, Partner 2.
Dies bietet eine gute Überleitung, um jetzt noch auf die Gegenwartsgesellschaft zusprechen zu kommen.
Innerhalb der Beziehung wird deutlich mehr kommuniziert als jemals zuvor, auch nonverbal oder durch das Handy. Auch das Thema Selbstoptimierung war noch nie so zentral wie heute, jeder will besser werden, und anderen gefallen. Aus der stark Ich-Zentrierte Gesellschaft resultiert auch ein perfektionsdrang, keiner möchte mehr Fehler machen, auf andere möchte man makellos wirken und ja keine Schwäche zeigen. Die Beziehungen sind geprägt von der Schnellebigkeit und dem permanenten Stress, dem jeder ausgesetzt ist.
Zu beobachten ist auch, dass für alles was uns im Leben wichtig ist tun wir viel:
Für den Job gehen wir auf Fort- und Weiterbildungen,
für die Gesundheit gehen wir regelmäßig zum Arzt und für das Wohnen renovieren wir die Wohnung oder ziehen um, falls wir uns nicht wohlfühlen.
Für die Paarbeziehungen hingegen investieren wir nicht so viel. Wir glauben diese laufen einfach mit und funktionieren dann auch ganz von allein. Und wie lernen wir in einer Zeit, welche geprägt von Schnelllebigkeit, Stresse und Digitalisierung ist, neue Menschen, im Idealfall die Liebe des Lebens kennen?
Es wird tatsächlich auch immer schwieriger den richtigen Partner für ein gemeinsames Leben, außerhalb der Arbeit oder ähnlichem zu finden. Hier kommen heutzutage die unzähligen Dating Plattformen und Apps mit ins Spiel. Immer mehr Leute nutzen diese, um neue Kontakte zu knüpfen, meist mit der Hoffnung, die Liebe des Lebens (zumindest für einen Lebensabschnitt) zu finden. Die Nutzung der Dating Services steigt immer weiter an. Viele Unternehmen entwickeln deswegen immer mehr Dating Plattformen und versuchen diese auch immer weiter zu verbessern.
Wie finde ich den richtigen Partner fürs Leben? Keine Branche verspricht eine so klare Antwort auf diese Frage der Partnerwahl zu haben wie die Online-Dating-Industrie. Mithilfe von Technologien, Algorithmen und KI soll die Partnersuche in Zukunft noch einfacher, genauer und schneller gemacht werden. Hierfür werden Daten zu Vorlieben, Interessen und Charakterzügen gesammelt und von Algorithmen genutzt, um passende Nutzer gegenseitig vorzuschlagen um so den perfekten Partner finden. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto exaktere Ergebnisse können daraus resultieren. Die Online-Dating Branche hat einen immer höheren Einfluss auf die Gesellschaft und das nicht erst seit Corona. Während man früher potentielle Liebespartner bei der Arbeit oder im Freundeskreis kennengelernt hat, kann man nun auf zig Portalen und zahlreichen Apps Menschen aus der ganzen Welt kennenlernen
Zum Beispiel Fatchd!
Fatchd! ist eine Dating-App welche durch/Mithilfe von KI Liebe schaffen soll. Fatchd bedeutet Face + Match, der Name beruht auf der Methodik, welche genutzt wird um potentielle Pärchen zusammenzubringen. Doch wie funktioniert das ganze genau? Die KI benötigt nur zwei Portraitfotos, um zu prüfen, ob ein potentielles Paar zusammenpasst, oder nicht. Hier handelt demnach nicht der Instinkt der Nutzer, sondern maschinelles Lernen. Die App wurde mit den Matching-Ergebnissen von etwa 5 Millionen Paaren dazu trainiert, auf den ersten Blick zu erkennen, welche Paare in Punkto Freizeit, Beziehung, Lebensstil ect. Überschneidungen aufweisen. Aus diesen Erkenntnissen leitet Fatchd! die Vorhersagen für neue Paare ab.
Abbildung 1: Fatched!
Gegensätze ziehen sich an – so zumindest die Erkenntnis der Plattform DNA-Romance.
Bei DNA-Romance wird eine KI genutzte, um Nutzer anhand ihrer Gene zu verkoppeln. Das Ganze funktioniert so, dass Singles ihre Speichelprobe selber entnehmen und anschließend versenden. Ein Unternehmen wertet diese Proben dann im nächsten Schritt aus. Merkmale wir die Größe, das Gewicht, die Augen- oder auch Haarfarbe des Partners sind wichtige Merkmale, weshalb darauf schließen lässt, dass die Genetische Veranlagungen tatsächlich bei der Partnerauswahl beteiligt sein können. DNA-Romance generiert potentielle Übereinstimmungen basierend auf einer DNA-Analyse von Genen, die an der Reaktion des Immunsystems beteiligt sind und die die Forschung mit der menschlichen Anziehungskraft in Verbindung gebracht hat. Es scheint, dass Menschen mit größeren Unterschieden in ihren Rezeptoren – bekannt als Haupthistokompatibilitätskomplex oder MHC (Major Histocompatibility Complex) – sich eher ansprechen. Gegensätze, so scheint es also, ziehen sich an – was den evolutionären Vorteil hat, Kinder möglicherweise mit einer breiteren Palette von Immunwaffen zur Bekämpfung von Krankheiten zu erschaffen.
Die „Anti-Tinder“ App - Hinge
Eine weiter App welche Metriken nutzt, um den perfekten Partner zu finden ist Hinge: Hier ist es eben nicht das “klassische” Datingprofil versehen mit dem Namen, dem Alter und Bildern. Das Einrichten eines Datingprofils dauert tatsächlich etwas länger, denn so individuell wie jeder Mensch ist, so soll auch das Profil sein.
Das Einrichten durchläuft mehrere Schritte. Zu Beginn wählt man sein eigenes Geschlecht aus, weiblich, männlich oder divers. Daraufhin gibt man seine Sexualität an. Hier habt man eine Auswahl zwischen 21 verschiedenen Sexualität wie den „Basics“ (Heterosexuell, Homosexuell, Bisexuell) aber auch Omnisexual, Fluid, Asexuell, etc. können hier ausgewählt werden. Im nächsten Schritt gibt man an, was man daten möchte - Mann, Frau, Divers, Alles?
Was das Hinge-Team jedoch aus den Daten und den primären Erfahrungen der Menschen schöpfte, war die Erkenntnis, dass eine echte Verbindung nur schwer allein anhand von Fotos zu erkennen ist. Deshalb werden neben Bildern, auch Videos und auch Sprachnachrichten ins Profil hochgeladen um dieses persönlicher zu gestalten. Optional kann man auch seine Größe und Ethnie angeben. Ob man bereits Kinder hat oder wie die zukünftige Familienplanung ist. Auch kann man den Arbeitsplatz, die Heimat, den erworbenen Abschluss, die religiösen oder politische Interessen, sowie den Alkohol-, Tabak-, Marihuana-, und Drogenkonsum abgeben.
Das Motto hierbei lautet: “the more you share, the better your matches will be.” Also je mehr du von dir Preis gibst, desto besser wird dein Match/Treffer werden.
Der Fokus liegt bei Hinge also nicht nur auf dem Aussehen, sondern vielmehr auf der Stimme, den Interessen, und dem Lebensstil. Die Nutzer vervollständigen ihre Profile durch Beantwortung mehrerer „Promps“, damit sie ihre Persönlichkeit besser zeigen, anstatt diese nur zu beschreiben.
Beispielsweise:
Meine Stärken sind...
Mich zu daten ist wie...
Eines meiner Lebensziele ist...
Die schlimmste Idee die ich jemals hatte...
Ich weiß es ist an der Zeit Hinge zu löschen, wenn...
Die Konzentration liegt bei dieser App auf den Matches und nicht direkt auf die nächste Person. Das Team veröffentlichte zudem auch wechselseitige Algorithmus-Empfehlungen, wodurch potentielle Partner mit hoher Beziehungswahrscheinlichkeit gepaart wurden. Derzeit entwickeln sie Funktionen, mit denen sie aus den Offline-Erfahrungen der Nutzer lernen können und hoffen, noch genauere Einblicke zu erhalten und mehr Theorien zu testen.
Abbildung 2: Hinge (eigene Darstellung, Screenshot)
Durch die Plattformen scheint es, dass es ja ganz einfach sein muss dadurch den richtigen Partner zu finden, doch inwiefern gibt es Positives und Negatives an dieser Entwicklung?
Der große Einfluss der Technik wird vor allem von älteren Generationen als ausschließlich negativ angesehen, dabei kann dieser Einfluss auch seine positiven Seiten haben. Die Technik ist eine Abhilfe für die Partnersuche. Durch die erhöhten Anforderungen in vielen Bereichen, ist es für einen großen Teil der Bevölkerung immer schwieriger offline einen Partner oder auch den richtigen Partner zu finden. Hier ist das Online-Dating eine große Hilfe, da es auch während anderen Tätigkeiten, zum Beispiel Essen oder Bahn fahren, betrieben werden kann... quasi Multi-Tasking. Die Vorauswahl der Algorithmen erhöht die Passung: Durch die Vorauswahl eines Matching-Algorithmus können dezidierte nicht-passende Menschen vorher ausgeschlossen werden und die Passung der Vorgeschlagenen Personen erhöht werden. Die Chance wird also höher, dass die vorgeschlagenen Matches wirklich zu dir passen. Trotz der positiven und unterstützenden Aspekte, hat Online-Dating auch viele negative Seiten. Ein großer Punkt ist hier vor allem die Anonymität. Ist die Person, die ich online date in Realität genauso wie online? Sind wir auch in Realität auf einer Wellenlänge? Die Chemie zwischen zwei Personen ist nicht direkt feststellbar. Jemand kann online sehr sympathisch und interessant auf mich wirken und wenn wir uns treffen merke ich erst, dass ich die Person leider doch sehr uninteressant finde. Aber auch der Betrug spielt eine wichtige Rolle. Auch vergebene Personen können Dating Apps und Plattformen nutzen. Oft melden sich aber auch Personen auf solchen Plattformen an, um andere Menschen vor allem finanziell zu betrügen. Ein weiterer Kritikpunkt ist auch die sexuelle Belästigung: 6 von 10 Frauen in den USA, wurden von Männern weiter kontaktiert, nachdem sie kein Interesse bekundet haben. Daraufhin folgten Gewaltdrohungen und Beleidigungen. Ebenfalls werden oft ungefragt intime Bilder zugesendet, was eindeutig eine Belästigung darstellt. Menschen werden immer schwerer zufriedenzustellen, auch hier spielt der Perfektionsdrang und die Selbstoptimierung mit ein. Dadurch tendieren immer mehr Nutzer ihr Selbstbild online zu verfälschen und nicht ihre wahre Persönlichkeit preisgeben.
Doch wie weit geht der Mensch? Inwieweit würde der Mensch die Technik und Digitalisierung nutzen, um Erfolg in der Liebe zu haben?
Vielleicht können menschliche Partner eines Tages auch ganz ersetzt werden. Zum Beispiel personalisierte Avatare, die in der virtuellen oder echten Realität exakt dem Bild des "perfekten" Partners entsprechen. Was machen diese Entwicklungen mit der Liebe? Und können sie uns tatsächlich zu besseren Beziehungen verhelfen? In dem Science-Fiction Film Blade Runner 2049 geht es vor allem um die KI und an welchem Punkt diese lebendig wird. (Manipulation, Unterstützung) Hauptcharakter K wird von dem künstlichen Hologramm Joi begleitet. Sie ist seine Partnerin, ihr vertraut er alles an, sie begleitet ihn überall hin.
Officer K hat in ihr seine perfekte Partnerin gefunden. Nach zahlreichen Abenteuern stellt K sich im Verlauf des Filmes fest, dass Joi ein kommerzielles Produkt ist – übergroß beworben, überall im dystopischen L.A. von 2049. Der Werbeslogan des Hologramms: „Sie sagt Dir alles, was du hören willst.“
Ist es tatsächlich eine gute Idee gewesen, sich von einer KI beraten zu lassen oder sich gar zu verlieben?
Abbildung 3: Officer K und Joi
Wo bleiben die Perspektiven und individuellen Meinungen?
Virtuelle Freundinnen, die sich mit den Nutzern unterhalten gibt es bereits und boomen vor allem in Ländern wie Japan.
Auf Algorithmen basierende Dating-Plattformen sind bereits Alltag. Es ist denkbar, dass VR, KI und Robotik zukünftig ihren Platz im Liebesleben erobern könnten. Die Tatsache, dass Menschen ein Beziehungsleben auch mit nicht humanoiden in Betracht ziehen, könnte ein Zeichen dafür sein, dass wir an der Schwelle zu einer neuen Entwicklung hinsichtlich andersartiger Beziehungsformen stehen.
Algorithmen und Metriken sind essentielle Bestandteile des Datings. Es wird immer mehr zur Norm die Partner fürs Leben online kennenzulernen. Es ist nicht verkehrt, dass zwei Personen sich über das Internet kennen und lieben lernen, jedoch kann die Technik hier sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen. Doch die Frage, die wir uns stellen ist, was die Zukunft in dieser Hinsicht noch so mit sich bringt.
Human Resource Management im Wandel
Neben den privaten Beziehungen, können auch die Arbeitsbeziehungen näher betrachtet werden. Entwicklungen im Human Resource Management haben die Beziehungen in der Arbeitswelt verändert. Human Resources, die auch Humankapital genannt werden, umfassen alle immateriellen Ressourcen, die ein/eine Arbeitgeber*in durch seine Mitarbeiter*innen erhält. Dazu gehören das Wissen, die Fähigkeiten und die Motivation jedes einzelnen Mitarbeiters. Um die Ressourcen im Unternehmen optimal zu nutzen, wurde das Human Resource Management eingeführt. Dieser Bereich kümmert sich um alle Belange, die mit dem Personal des Unternehmens in Zusammenhang stehen und ist somit die Vermittlungsstelle zwischen Unternehmen und Mitarbeitern. Diese Maßnahmen verfolgen das Ziel, den bestmöglichen Unternehmenserfolg und die größtmögliche Effektivität bei den Arbeitnehmern*innen zu erreichen.
Die Veränderungen des Human Resource Management haben bereits im 19. Jahrhundert begonnen, als sich ein eigenständiger Bereich Personalwesen entwickelt hat. Die Veränderungen wurden besonders durch den globalen Wettbewerb in den Industrieländern herbeigeführt, wodurch sich auch die Anforderungen an die Unternehmen und die Mitarbeiter*innen geändert haben. Dazu gehören beispielsweise die stärkere Eigenverantwortlichkeit oder die Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeit, dem Arbeitsort, den Arbeitsbeziehungen und der Organisation. Der Mensch mit seinen Ressourcen rückt somit in der Arbeitswelt immer mehr in den Fokus und wird für das Unternehmen ein zunehmend wichtiger Bestandteil.
Modernes, Digitales Arbeiten
Digitales, modernes Arbeiten hat sich besonders durch die Digitalisierung etabliert. Damit ist die Veränderung von Prozessen gemeint, die zunehmend durch digitale Geräte abgewickelt werden. Heutzutage können neue Maschinen mit digitalen Schnittstellen entwickelt werden, die das Arbeiten im Unternehmen erleichtern. Durch die digitalen Schnittstellen entsteht eine gemeinsame Datenbasis für das Unternehmen, wodurch Informationen ausgetauscht werden können. Dies wiederum beugt Missverständnissen vor und hebt die Effektivität hervor. Durch die vielfältigen und neuen Arbeitsmodelle, die durch die Digitalisierung entstehen, kann die Arbeit, je nach Beruf, orts- und zeitungebunden ausgeführt werden. Die neuen Arbeitsmodelle bieten daher große Chancen, als auch große Herausforderungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
In einer Zeit, in der Fachkräfte immer schwerer zu finden sind, Stellen immer schneller besetzt werden müssen und sich der Rekrutierungsprozess, um geeignete Mitarbeiter zu finden, immer aufwendiger gestaltet, ist der Ruf nach Unterstützung laut. Daher ist Künstliche Intelligenz, auch gern als KI abgekürzt, einer der wichtigsten Trends in der Digitalisierung. Viele Unternehmen setzen KI bereits ein beispielsweise in der Entwicklung, in der Produktion und in der Verwaltung. Aber auch im Alltag hilft uns KI in einigen Bereichen ganz offensichtlich, in anderen jedoch eher versteckt. Denn mit Maschinen zu sprechen, ist für viele Menschen mittlerweile Alltag geworden (z.B. Spracherkennung). Wenn es um künstliche Intelligenz geht, überlegen sich Unternehmen immer häufiger, ob es eine gute Alternative oder eher eine Ergänzung wäre.
Es ist absehbar, dass die Weiterentwicklung von KI einen großen Einfluss darauf haben wird, wie wir in Zukunft arbeiten werden. Jetzt schon ist sichtbar, dass Routinejobs besser von einer Maschine erledigt werden können als von einem Menschen. Es kommt somit auch zur Umschichtung von Aufgaben. Umschichtungen von Arbeit erfolgen immer dann, wenn die Maschine Aufgaben schneller oder günstiger erledigt oder sogar beides gleichzeitig schafft. Also weg vom Menschen hin zu Maschine. Desweiter ist es sehr wahrscheinlich das in der Zukunft schriftliche, und insbesondere die gedruckten Bewerbungen verschwinden werden. An ihre Stelle werden Online-Tools treten, die zum Job passende Fragen stellen. Bereits heute gibt es Apps, in denen Bewerber per Video spontan auf Fragen antworten müssen. Es gibt Roboter wie Matilda, die automatisierte Bewerberinterviews anhand von 76 Fragen führen kann. Matilda liest die Emotionen der Kandidaten, analysiert sie und reagiert empathisch darauf.
Roboter Recruting
Einigen Unternehmen nutzen bereits eine automatisierte Vorauswahl von Bewerbungen. Für Bewerber haben solche Systeme einen klaren Nachteil. Wer die Maschine mit seinen Unterlagen nicht überzeugt, schafft es nicht bis ins Vorstellungsgespräch. Gleichzeitig gibt es auch Vorteile, Bewerber, die wissen, worauf es ankommt, können mit zum Beispiel bestimmte Schlüsselbegriffe beim Roboter punkten. Damit sind nicht die typischen Bewerbungsfloskeln gemeint wie „belastbar“, „motiviert“ oder „teamfähig“. Sondern spezielle Schlüsselbegriffe, die im Stellenangebot stehen und die typisch für die Branche und für die ausgeschriebene Position sind. Allerdings befürchten einige Bewerber, dass man seine individuelle Persönlichkeit aufgrund von standardisierten Online-Formularen nicht zum Ausdruck bringen kann. Doch das ist bei genauerem Hinsehen gar nicht der Fall. Vielmehr steigen die Chancen, vorurteilsfrei nach seiner Leistung und nicht nach einer subjektiven Einschätzung bewertet zu werden. KI hat im Recruiting ein großes Potenzial. Denn der Mensch trifft oft Entscheidungen nicht nur nach Fakten, sondern bezieht seine Gefühle ein, hört auf sein Bauchgefühl und lässt sich von seinen persönlichen Werten, Ansichten und Charaktereigenschaften leiten. Eine Maschine hat keine Vorbehalte und kennt keine Vorlieben. Sie bewertet die Kandidaten ausschließlich auf Basis von Fakten und ist deshalb als besonders fair und objektiv anzusehen. Hinzu kommen weiter Eigenschaften, wie die Zeitersparnis, Sprachen, Flexibilität und Lernfähigkeit der KI.
Abbildung 4: Roboter Recruting
Abbildung 5: Roboter Recruting Auswahlverfahren
Schlussfolgernd kann man sagen:
KI ist zunächst einmal eine Methode der Datenanalyse und dient dazu, bessere Vorhersagen über den zukünftigen beruflichen Erfolg von Bewerbern zu treffen. Damit ein KI-System zu einer Aussage kommt, müsse es trainiert bzw. angelernt werden. Dafür braucht es eine sehr hohe Anzahl an Daten.
Es ginge beim Roboter Recruiting also nicht darum, dass sich ein Computer einen Menschen anschaut und dann auf irgendeine mystische Weise ein Urteil fällt. Vielmehr geht es um eine automatisierte Vorhersage menschlicher Urteile mit Hilfe ausgefeilter statistischer Methoden. Dadurch können Urteilsfehler stärker vermieden werden. Denn anders als Recruiter werden Roboter nicht müde und haben keine Vorurteile.
Worklogging
Der Begriff „Worklogging“ ist für viele ein Fremdwort. Um darauf genauer eingehen zu können, muss der Begriff des „Lifeloggings“ vorgezogen werden. Lifelogging ist ein anderer Begriff für Self-Tracking, und bedeutet das Protokollieren von verschiedenen Aspekten des alltäglichen Lebens. Bekannt ist dies durch das Gesundheitsmonitoring, das viele Menschen in der heutigen Gesellschaft betreiben. Beispiele hierfür sind Kalorienzähler oder Schrittzähler, mit denen wir unser Handeln kontrollieren. Wir legen somit unser gesamtes Leben und unsere Verhaltensweisen in Form von Daten online ab und können diese auch jederzeit einsehen. Was daraus entsteht macht uns angreifbar, denn alle unsere Aktivitäten können überwacht und kontrolliert werden, so auch im Arbeitsleben. Und genau hier kommt der Begriff „Worklogging“ ins Spiel. Damit ist das Daten-Tracking im Unternehmen gemeint, wie beispielsweise die Anwesenheitserfassung oder die Leistungsvermessung am Arbeitsplatz.
Aber wie stehen die Arbeitnehmer*innen selbst zu dem Daten-Tracking im Unternehmen?
Man kann davon ausgehen, dass ein Mensch, der in seiner Freizeit privates Self-Tracking betreibt, auf dieses „Worklogging“ wahrscheinlich mit größerer Akzeptanzbereitschaft reagieren wird. Allerdings greift das Vermessen von Arbeitsvorgängen mit Hilfe intelligenter Systeme in das Selbstbestimmungsrecht der Personen ein. Ebenso besteht die Gefahr, dass Gegenstands- und Prozessdaten mit personenbezogenen Daten verknüpft werden, und somit Rückschlüsse auf die einzelnen Personen möglich sind.
Daraus entsteht eine neue virtuelle Lebenslage für die Arbeitergesellschaft. Vor Jahrzehnten wurde das Arbeitsleben durch die individuelle „Personalakte“ beeinflusst. Hierbei wurde eine personenbezogene Dokumentation durch den/die Arbeitgeber*in durchgeführt und es wurde sich mit dem Betriebsrat abgestimmt, was in die Akte aufgenommen werden darf und was nicht. Diese Informationssammlung hatte einen rechtsverbindlichen Charakter, wurde auf Papier dokumentiert und war nur für wenige Personen zugänglich und einsehbar. Durch die Digitalisierung, das Daten-Tracking und die Überwachung der Menschen hat sich die Situation am Arbeitsplatz gewandelt. Die Datenspuren, die der arbeitende Mensch hinterlässt, gehen somit im Inhalt weit über die „Personalakte“ hinaus.
Dies hat zur Folge, dass eine ständige Verfügbarkeit von personenbezogenen Daten vorliegt und auch Schwierigkeiten in der Identitätsbildung entstehen können. Wenn jeder Schritt überwacht und kontrolliert wird, sind die Menschen in ihrem Handeln eingeschränkt. Man darf sich keine Fehltritte mehr erlauben, ohne der Gefahr einer Kündigung ins Auge zu blicken. Zudem verschärft sich die Lage, wenn man bedenkt, dass der Fokus immer stärker auf der Effektivität der Menschen liegt. Eine freie Entfaltung am Arbeitsplatz für die Arbeitnehmer*innen ist somit unmöglich.
Das Zugehörigkeitsgefühl, welches die Menschen vorher am Arbeitsplatz hatten, schwindet womöglich immer mehr. Die Vorstellungen von der Arbeit und von sich selbst entwickeln sich neu. Die Frage, die man sich hier stellen kann, ist: Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die sich nur durch die Leistung am Arbeitsplatz definiert? Auch Konkurrenzdenken und Leistungsdruck würden sich verstärken. Ganz davon abgesehen sind die Auswirkungen, die diese Prozesse auf unsere Gesundheit hätten.
Abbildung 6: Worklogging
Im Zusammenspiel von Mensch und Maschine liegt die Stärke der KI. Damit ist gemeint, dass es ein sparsamen Einsatz der natürlichen Ressourcen ermöglicht zum Beispiel Zeitersparnis. Wie im Beitrag erwähnt entstehen immer weitere und neue Technologien sowie Geschäftsprozesse.
Durch die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine kann die KI bestehen.
Verfasst von:
Julia Baumgarten, Elena Hanslik, Nina Huskic, Lilly Meischner
Quellen:
Apt, W., & Priesack, K. (2019). KI und Arbeit–Chance und Risiko zugleich. In Künstliche Intelligenz (pp. 221-238). Springer Vieweg, Berlin, Heidelberg.
Bünte, C. (2020). Ausblick: So wird KI unsere Arbeit entwickeln. In: Die chinesische KI-Revolution. Springer Gabler, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-29795-4_9
Kewitz (2013) Technik-Einfluss - Liebe 2.0, Deutschlandfunk Kultur. Verfügbar unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/technik-einfluss-liebe-2-100.html (Letzter Zugriff: 29. April 2022).
Kirchberg-Lennartz, B. (2005). Anforderungen an das Human Resources Management bei Lufthansa Systems. In: Voigt, B., Linke, M. (eds) Der Erfolg eines Systemhauses. Physica-Verlag HD. https://doi.org/10.1007/3-7908-1664-7_16
Krüger, W. and Bach, N. (eds) (2014): Excellence in Change. Wiesbaden: Gabler Verlag. doi:10.1007/978-3-8349-4717-8.
Pallinger, J. (2021) Matching: Wenn die Liebe von Algorithmen bestimmt wird, DER STANDARD. Verfügbar unter: https://www.derstandard.de/story/2000124078525/matching-wenn-die-liebe-von-algorithmen-bestimmt-wird (Letzter Zugriff: 27. April 2022).
Roesner (2021) Schon einmal in eine Künstliche Intelligenz verliebt?. Verfügbar unter: https://www.kaspersky.de/blog/schon-einmal-in-eine-kunstliche-intelligenz-verliebt/26207/ (Letzter Zugriff: 2. Mai 2022).
Selke, S. (2016): ‘Lifelogging: Digitale Selbstvermessung und Lebensprotokollierung zwischen disruptiver Technologie und kulturellem Wandel’. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. doi:10.1007/978-3-658-10416-0.
Staehle, W.H. (1989): ‘Human Resource Management und Unternehmungsstrategie’, p. 11.
Widler (2019) Warum die Liebe heute schwieriger ist als früher. Verfügbar unter: https://kurier.at/leben/warum-die-liebe-heute-schwieriger-ist-als-frueher/[node:path] (Letzter Zugriff: 2. Mai 2022).
Zurbriggen, I. and Schellinger, J. (2021): ‘Human Resource Management im Wandel der Digitalisierung’, in Schellinger, J., Tokarski, K.O., and Kissling-Näf, I. (eds) Digital Business: Analysen und Handlungsfelder in der Praxis. Wiesbaden: Springer Fachmedien, pp. 217–243. doi:10.1007/978-3-658-32323-3_10.
Facebook überarbeitet verschiedene Metriken und Planungstools für Werbungtreibende. So wird unter anderem die potenzielle Reichweite neu definiert.Der bisherige Relevance Score wird durch drei neue Einheiten ersetzt. #facebook #planungstools #metriken https://www.horizont.net/medien/nachrichten/neue-metriken-so-misst-facebook-kuenftig-seine-potenzielle-reichweite-173525?utm_source=%2Fmeta%2Fnewsflash%2Fnewsflash&utm_medium=newsletter&utm_campaign=nl33560&utm_term=da4902cb0bc38210839714ebdcf0efc3
Facebook kombiniert zukünftig die Kostenmetriken über alle Kanäle hinweg. Außerdem gibt es acht neue Standard-Events. #facebook #facebookevents #metriken https://goo.gl/5oNYmr