Jeden Tag genieße ich zurzeit ein Medienspektakel der besonderen Art: die (Selbst-)Demontage der ADAC-Führung. Seit die "Süddeutsche" aufgedeckt hat, dass der ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter über Jahre einen Riesenwirbel um Phantasiezahlen veranstaltet hat, geht es auch den PS-Machos in der Vereinsspitze an den Kragen. Die haben sich eine ungebührliche Machtposition verschafft und diese zur Verbreitung ihrer Weltsicht genutzt. Ohne entsprechende Legitimation – außer man geht vordemokratisch davon aus, dass 19 Millionen Mitglieder, die gute Pannenhilfe schätzen, sich über sämtliche Fragen der Mobilität im 21. Jahrhundert einig sind. Zur Illustration würde ich jetzt gern aus einer der letzten "Motorwelt"-Ausgabe zitieren. Dieses Vereinsmagazin bekommt man ja als Freund der gelben Engel automatisch zugeschickt. Leider habe ich das Heft nach wenigen Minuten Lektüre empört weggeworfen. Wo früher gelegentlich interessante Berichte über technische Neuerungen standen, fand sich zuletzt nur noch unverhohlene PR – im redaktionellen Teil natürlich. Da das Heft ohnehin vollgestopft ist mit Werbung, war das schwer erträglich. Höhepunkt war dann in jener Ausgabe ein Interview mit Daimler-Chef Dieter Zetsche, bei dem nur ein Medienprofi zugegen war, nämlich der Interviewte. Der arme Mann musste sich nicht nur als Übervater eines Weltkonzerns anbeten lassen, ihm wurde auch noch kriecherisch unterstellt, er habe persönlich über entscheidende Details seiner neuen, übrigens konkurrenzlos einmaligen C-Klasse entschieden. Man spürte förmlich, wie Zetsche sich angeekelt den Schleim vom Revers strich. Ich warf das Heft weg und recherchierte 15 Minuten im Netz, um herauszukriegen, wie man das Heft abbestellen kann. Leider erfolglos. Falls es eine solche Möglichkeit gibt, ist sie gut getarnt. Eine Abbestellung würde ja die Zahlen verschlechtern, und auf Zahlen legt der ADAC besonderen Wert. Nicht auf richtige Zahlen, aber auf hohe.