"Ich wusste ja, dass ich keine Kinder will. Nicht mit ihm, mit niemandem, schon gar nicht mit mir selbst."
- Nie, Nie, Nie - Linn Stromsborg
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"Ich wusste ja, dass ich keine Kinder will. Nicht mit ihm, mit niemandem, schon gar nicht mit mir selbst."
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Muttertag
Der Tag an dem Mütter geehrt werden. Muttersein. Das ist so viel. Das ist die Essenz des Menschseins. Liebe und Schmerz, Kraft und Schwäche. Glück und Leid, Leben und Tod. All das schwingt im Begriff Mutter mit. Ich habe einmal einen Artikel darüber gelesen, dass das Bild der Mutter heutzutage in den westlichen Kulturen nirgends so stark besetzt ist wie in Deutschland und Italien. Hier gibt es immer noch diese Vorstellung einer Mutter die unendlich stark ist und ganz und gar in ihrem Muttersein aufgeht. Eine Mutter die immer stark ist, immer ihr Kind liebt und beschützt und dabei außerdem noch immerzu strahlt vor Glück darüber, dass sie Mutter sein darf. Nirgends sonst in den westlichen Ländern wird so viel von einer Mutter erwartet wie hier, was nach wie vor zu starken Konflikten führt. Zumindest laut diesem Artikel. Aber ich stimme dem zu. In den sozialen Medien ist das Thema auch stark vertreten. Das Netz ist voll von Mamablogs in denen man den perfekten Alltag dieser Mütter verfolgen kann und gleichzeitig werden die Stimmen lauter die nach mehr Realität fragen und fordern auch die dunklen Seiten des Mutterseins heutzutage darzustellen. Die Zweifel, die Überforderung, das Versagen.
Das ist jetzt der siebte Muttertag an dem ich selbst ein Kind habe. Eine Tochter auf die ich unendlich stolz bin, die mein Leben ist. Wirklich mein Leben. Denn gäbe es sie nicht, so gäbe es mich höchstwahrscheinlich auch nicht mehr. Heute denke ich gerade auch an die dunklen Momente meines Mutterseins. Vor allem an den Tag an dem ich bei der Frauenärztin zum ersten mal das Herz meiner Tochter schlagen sah. Das war fast so wie bei Mia.
Mia erzählt:
Ich saß dort zur Hälfte entkleidet auf diesem unsäglichen Stuhl, das dildoförmige Ultraschallding in mir drin, etwas verkrampft und bemüht mir das Unbehagen nicht anmerken zu lassen, mit der Erwartung, dass mir die Frauenärztin gleich mitteilen würde, dass da nichts sei, und es wohl einen anderen Grund dafür gab, dass meine Periode ausgeblieben war. Vielleicht Stress, wahrscheinlicher aber die schlechte Ernährung, der fehlende Schlaf und natürlich die Drogen, die in meinem Blut herumschwirrten und mir ermöglichten all den Schmerz meines jungen Lebens zu ignorieren. Doch dann sagte sie einfach: „Da das ist das kleine Herz. Dieser flackernde Punkt.“ Ich sah auf den Ultraschallbildschirm und erblickte dort tatsächlich einen kleinen Punkt der von schwarz nach weiß und wieder zu schwarz zurück flackerte und damit einfach nicht aufhörte.
Meine Gedanken hörten auf zu denken, wie ein Lauftext auf einer digitalen Anzeige, der einfach stehen bleibt. Mein Gesicht hörte ebenfalls auf ein Gesicht zu sein und das zu tun was ein Gesicht normalerweise tut, nämlich Gefühle nach außen zu kommunizieren. Ich war unfähig zu reagieren. Ich war unfähig etwas zu fühlen. Ich versuchte in mich hinein zu lauschen, um zu wissen was ich jetzt tun musste, doch da war nichts außer weißer Watte. „Ok,“ dachte ich, „ich muss jetzt irgendetwas sagen.“ Und mit einem Schlag wurde mir die Realität wieder bewusst. Die weiße Watte verschwand aus meinem Kopf und da erschien mein eigenes Erscheinungsbild in meinem Bewusstsein. Die Springerstiefel, in denen vorher noch meine Füße gesteckt hatten, die Frisur auf meinem Kopf, ein pinker Irokesenschnitt, das verratzte Oberteil das ich trug und der etwas kurze Fetzenrock. Dann sah ich die Frauenärztin mit großen Augen an und sagte: „Ich bin also schwanger.“ Etwas anderes fiel mir nicht ein und kurz schwirrte mir der Gedanke durch den Kopf, was sie wohl von mir halten musste. Doch diesen Gedanken wischte ich ganz schnell mit dem Argument weg, dass ich ja schließlich in Berlin und noch dazu in einem Problembezirk war und dass sie sicherlich schon ganz andere Fälle in ihrer Praxis gehabt hatte. Ich zog mich dann wieder an und bekam den Mutterpass ausgestellt. Die Sprechstundenhilfe sprach mir „herzliche Glückwünsche“ aus, was mir irgendwie grotesk vorkam und ich verließ so schnell wie möglich die Praxis. Ich musste herausfinden was ich in Bezug auf diese Neuigkeit fühlte. Ich brauchte irgendeinen äußeren Reiz, der diesen Knoten aus weißer Watte platzen ließ, der jetzt wie ein Stöpsel in meiner Kehle zu sitzen schien und den Zugang zu mir selbst verstopfte. Also ging ich dorthin wo ich den „Vater“ vermutete. Ich fand ihn auch gleich. Er stand mit den anderen Punks und Säufern an der U-Bahnstation und versoff das HartzIV-Geld, welches er am Vortag in Form eines Schecks erhalten hatte und sich am Morgen hatte auszahlen lassen. Ich ging zu ihm und teilte ihm die Neuigkeit mit. Er hob seine Flasche und brüllte über den gesamten Platz: „Ich werde Vater! Darauf geb ich einen aus!“ Panik machte sich in meinem Bauch breit und drückte nun von unten gegen den Wattepfropfen in meiner Kehle. Gleichzeitig brach die gegröhlte Antwort der Säufer wie eine Welle über meinem Kopf zusammen und ich fühlte mich unendlich gestresst. Ich murmelte ein „Wir sehen uns später.“ und flüchtete wieder. Nachdem ich um ein paar Straßenecken gegangen war blieb ich stehen. Ich hatte auf einmal das Bedürfnis die Springerstiefel aus zu ziehen und tat das sogleich. Barfuß stand ich da auf dem vom Sonnenschein aufgewärmten Asphalt irgend einer Seitenstraße Berlin-Neuköllns und wusste absolut nicht, wohin mit mir. Ich griff mit einer Hand in den Maschendrahtzaun neben mir, als könnte der mir Halt geben und sank ohne los zu lassen auf den Boden. Die Menschen die teilnahmslos an mir vorbeigingen verschwammen vor meinen Augen und mir wurde bewusst, dass der Watteknoten verschwunden war und ich weinte. In diesem Moment sah ich alles ganz klar. Ich sah, dass ich dieses Kind allein groß ziehen würde, weil der Vater nicht dazu in der Lage war. Ich kannte ihn gut genug um das zu wissen. Ich sah auch, dass ich mich eben dazu entschließen würde, obwohl es mich mehr Kraft kosten würde, als alles was ich bisher in meinem Leben getan hatte zusammen. Ich sah auch noch einmal kurz die Fee, die ich im Rausch vor ungefähr einem Jahr über der Spree gesehen hatte und von der ich mir eine Tochter gewünscht hatte. Eine Tochter mit meinen Augen, welligem Haar und einem Krieger als Vater. Eine Tochter, durch die ich einen Grund hätte wieder ins Leben zurück zu kehren und älter als 25 Jahre zu werden. Und ich sah auch, dass ich das mit dem Clean-werden schaffen würde. Das alles war mir in einem ganz kurzen Moment absolut klar und gerade deswegen machte es mir unglaubliche Angst und ich verschloss mein Herz wieder, weil ich diese Angst nicht aushielt. Ich dachte an das kleine, glitschige Wesen, das ich vor einigen Jahren in der Hand gehalten hatte, nach meiner ersten Fehlgeburt. Mit durchsichtiger Haut, durch die ich die winzige Wirbelsäule schimmern sah und mit winzigen Händen und Füßen, die bereits Finger und Zehen gehabt hatten. Ich stand auf und ging zu meinem Dealer.
Heute ist das ungefähr acht Jahre her. Ich bin damals zwar zu meinem Dealer gegangen und ich habe mir genug Heroin besorgt um mich umzubringen, was eigentlich mein Plan gewesen war. Doch ich habe es nicht angerührt. Seit diesem Tag bin ich clean. An diesem Tag wurde mir der Rest meines Lebens geschenkt. Seit diesem Tag bin ich Mutter.
Mia
Sonderurlaub Mutter werden
Heute geht es mal um etwas seltsames, Sonderurlaub für werdende Mütter. Aus einem wirren Grund habe ich mich mit dem Thema beschäftigt. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung, das Thema hat mich nur interessiert und so habe ich mir einige Informationen zu dem Thema angesehen.
Erstmal zur Aufklärung, wie das überhaupt möglich ist, unsere Gesellschaft ist ja Gott sei dank Bunt.Daher kann es…
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