Ich lief durch die Straßen mit meinem Hund Emma. Sie war Blindenhund. Ja, ich war blind. Ich erinnerte mich immer wieder schwach an die Zeit, in der ich noch sehen konnte. Ich war 9 gewesen als ich mein Augenlicht verloren habe. Jetzt war ich 17. Das Letzte was ich gesehen hatte, war meine beste Freundin Lynn, sie hatte an diesem Abend bei mir übernachtet. Ich war aufgewacht und konnte nichts mehr sehen. In den vergangenen 8 Jahren hatte ich mich daran gewöhnt, nicht mehr sehen zu können und immer auf Andere angewiesen zu sein. Mittlerweile kam ich gut klar, mit Emma war alles gar kein Problem. Ich habe schon immer gerne geschrieben. Jetzt fragt ihr euch bestimmt: Wie will sie denn schreiben? Ich habe einen speziellen Laptop. Auf jedem Buchstaben ist das Zeichen in Blindenschrift. Bei jedem Rechtschreibfehler, vibriert die Tastatur.
Im Moment saß ich in einem Café, mit meinem Laptop und schrieb. Emma lag zu meinen Füßen. Ohne dass ich es wollte, hörte ich in die Gespräche der anderen Gäste rein. Da war ein Pärchen, sie saßen rechts hinter mir. Sie hatten einen Streit, eigentlich mehr eine Diskussion, aber so leise, dass man es kaum hören konnte. Sie hatte offenbar einen Anderen. Ihre Stimme war hoch und klang etwas belegt, wahrscheinlich war sie kurz vorm Weinen. Seine Stimme klang aufgebracht, aber trotzdem irgendwie sanft. Eine Stimme der man gerne zuhörte... Emma winselte leise. Sie wollte Heim und es war auch schon Zeit, wir machten uns also auf den Weg nach Hause. Ihr fragt euch bestimmt was ich mit 17 so machte, oder? Ich ging zur Schule. Eigentlich kamen die Lehrer eher zu mir... Meiner Familie ging es nicht grade schlecht, was das Geld anging. Sie hatten ein halbes Vermögen für Therapien ausgegeben, doch keine hatte etwas gebracht. Ich hatte keine Freunde, wo sollte ich denn auch jemanden kennenlernen?
Am nächsten Nachmittag ging ich wieder in das Café, wieder hörte ich die Stimme von gestern, die des Jungens, er war mit einem anderen Jungen da. Seine Stimme war ähnlich nur melodischer, noch seidener und angenehmer. Ich könnte wetten, dass er später mal mit seiner Stimme arbeiten wird. Außerdem klang er jünger als der andere. Ich drehte den Kopf in ihre Richtung und sofort drehte sich ihr Gespräch um mich. "Schau mal die da vorne" meinte der Ältere "Ben. Du hast dich gestern erst getrennt!" Er hieß also Ben... Ich klappte mein Laptop zu und stand auf "Super Niall, jetzt hast du sie verscheucht" maulte Ben. Niall war also der mit der Traumstimme... Ich wand mich um und ging lächelnd mit Emma raus. War es verrückt, wenn ich seine Stimme liebte? Jetzt nachdem ich sie zum ersten Mal gehört hatte...
Nachdem ich die Mathestunde überlebt hatte, ging ich in den Park. Wir hatten 26°C und ich setzte mich auf eine Bank, Emma lag darunter im Schatten und hechelte. Ich genoss die Sonne auf meiner Haut und das
Zwitschern der Vögel. Da setzte sich jemand neben mich. Er roch verdammt gut! Irgendwie musste ich lächeln... "Hey" sagte die seidene Stimme aus dem Café. Ich drehte meinen Kopf zu ihm "Hallo" antwortete ich lächelnd... "Ähm... Haben wir uns schon mal gesehen?" fragte er nachdenklich. Ich musste lachen! Ich konnte einfach nicht anders, verwirrt erkundigte er sich "Was ist denn da so lustig?" Da musste ich nur noch mehr lachen, mit einiger Anstrengung brachte ich dann doch breit grinsend eine Antwort hervor "Ich...ich sehe...nichts". Seine Verwirrung war schon fast spürbar. "Entschuldige. Ich bin Bailey" setzte ich an "Und ähm... naja... ich bin... blind" Ich lächelte ihn an, hielt ihm meine Hand hin und wartete darauf, dass er sie nahm.
Am Händedruck der Leute konnte man viel erkennen. Zögernd nahm er meine Hand. Seiner war feste, er hatte ordentlich Kraft. Seine Hand war weich und warm. "Darf ich?" fragte ich verlegen. "Ähm... ja" antwortete er verwirrt. Ich nahm seine Hand in beide Hände und strich über seine Fingerkuppen. Haltet mich ruhig für total bekloppt, aber es half mir wirklich. Er spielte Gitarre, denn seine Finger hatten leichte Hornhaut. Um sein Handgelenk trug er eine Uhr. Nach diesen 6 Sekunden, gab ich ihm seine Hand zurück. Ich hoffte, er würde mich jetzt nicht für verrückt erklären... Entschuldigend lächelte ich ihn an. "Ich-ich weiß, das klingt vielleicht komisch, aber ich würde dich gerne fragen, ob du vielleicht Lust hättest mal mit mir aus zu gehen? Natürlich nur wenn du wirklich willst. Du kannst natürlich deinen Hund mitnehmen-" bot er mir unsicher an "Gerne." unterbrach ich ihn lächelnd. Wir besprachen noch Ort und Zeit, dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.