Rechtstheorie, d.i. distanzschaffende Schau, die unter anderem mit enargeia, Perspektive, Blick und Bild einhergeht. Mit den monotheistischen Religionen rückt das Bild sogar an eine der wichtigsten Stellen der Rechtsordnung, weil der Mensch dort über ein Konzept der (Eben-)Bildlichkeit beschrieben wird. Aber auch unabhängig davon ziehen sich zahllose Linien durch die Rechtsgeschichte, die deutlich machen, wie Bild- und Rechtswissenschaft verhäkelt sind. Ist diese Bild- und Rechtswissenschaft eine Wissenschaft? Sind es zwei? Ist da Wissenschaft entzwei? Das zu klären könnte sekundär sein. Man kann auch zu sich selbst eine komplizierte Beziehung führen und kompliziert ist Beziehung bestimmt.
In einem Kommentar zu den Digesten (zu D 50.16) schreibt Johannes Goeddaeus, der wie die documenta aus Kassel kam:
significatio est proprius et verus verborum rerumque intellectus, quo quaelibet res tanguam in picta tabella oculis quasi subjicitur et declaratur.
Ian MacLean hat diese Passage wie folgt übersetzt:
signification is the proper and true meaning of words and things by which a certain thing is as it were laid before, and made manifest to our eyes as in painting.
Wenn der Kommentar von Goeddeaus zu der Passage aus den Digesten eine Stelle oder eine Passage ist, die nachlebt und die selbst schon das Ergebnis jenes Distanzschaffens ist, dem Aby Warburg als Polarforscher nachgeht, dann kann man diese Passage mehr oder weniger großzügig, mehr oder weniger kleinzügig, mehr oder weniger beständig, mehr oder weniger unbeständig, mehr oder weniger wild, mehr oder weniger mild übersetzen.
Dann wäre diese Stelle oder Passage nämlich selbst das, was Aby Warburg ein polares Symbol nennt. Ihre wäre eine Polarität/ Polarisierung eingeschrieben. Man könnte die unterschiedlich möglichen Übersetzungen der Stelle/ Passage zum Beispiel auf Würfel oder auf runde Objekte (Eier?) schreiben, also aus dem polaren Symbol sogar ein wendiges, drehbares Polobjekt machen.
Da könnte unter anderem, auf verschieden kurvierten Graphen stehen:
(Be-)Zeichnung ist Protokoll durch gemessene/ gemusterte und/oder wahrheitsförmige Wörter und Dinge/ Vorstellungen, so dass irgendetwas wie auf einer angemalten/ angestrichenen/ angekritzelten, künstlich gemachten, fingierten Tafel vor das/ dem Auge gestellt/ geladen, dem Auge unterworfen und ge-/erklärt wird.
Das meine ich nicht nur ernst, das meine ich eisen-ernst.