Wlan Roaming auch zuhause
Ich wohne in Stahlbeton, und obwohl das Haus erst 2015 gebaut wurde, gibt es keine strukturierte Verkabelung für Ethernet, sondern TAE-Dosen in jedem Raum (das TT berichtete). Wlan und Stahlbeton sind keine guten Freunde – lösen konnte ich das Problem der Wlan-Verfügbarkeit in der ganzen Wohnung letztlich nur über mehrere Accesspoints (AP), die teilweise über Netzwerk-über-Stromleitung mit dem eigentlichen Router verbunden waren und jeweils die gleiche Wlan-Kennung im 2,4 bzw. 5GHz Netz verwendeten.
Dadurch entsteht ein neues Problem: Geräte, die sich erstmal mit einem Wlan-AP verbunden haben, verlassen diesen nicht mehr, auch wenn APs mit besserer Erreichbarkeit sichtbar sind. Das entsprechende Protokoll ist einfach kaputt, Roaming und mobile Geräte waren damals nicht als typische Nutzung erkennbar und wurden damit auch nicht vorgesehen.
In großen Installationen mit mehreren APs löst man das auf mehreren Wegen, z.B. in dem man sehr viele APs mit sehr geringer Leistung verwendet und dadurch meist nur ein AP sichtbar ist – mit entsprechenden Nachteilen, oder (und besser) mit einem Controller, der alle AP verwaltet und sehen kann, welcher AP welche Geräte wie gut sieht und auch wie viele Verbindungen dieser gerade hält. Der Controller entscheidet dann zugunsten der Clients, aktiv gegen das Protokoll zu verstoßen und diese von schlecht erreichbaren oder überfüllten APs zu kicken – damit verbinden sich diese automatisch neu, meistens mit dann einem anderen, netztechnisch günstigeren AP. Dieses Verhalten ist für den Benutzer transparent, stört also nicht.
Meine APs haben keinen Controller, deswegen wird die Verbindung, wenn man sich in der Wohnung bewegt, viel schlechter, aber nicht schlecht genug, damit sich Geräte von alleine auf dem anderen AP einbuchen. Auf Dauer nervt das ziemlich.
Seit einiger Zeit gibt es Wlan-APs für den Heimgebrauch, die aktiv miteinander kommunizieren, dies auch über eine (extra) Wlan-Verbindung beherrschen (ein sogenanntes Mesh-Netz, wie es z.B. auch Freifunk-Nodes verwenden, um sich direkt per Funk miteinander zu verbinden). Über dieses Meshnetz wird nicht nur intern zwischen den APs kommuniziert, sondern eben auch Nutzverkehr geleitet – damit braucht nur noch ein AP eine kabelgebundene Anbindung an das restliche (Inter)netz.
Mich interessiert wegen meiner Stahlbetonhöhle mehr die Möglichkeit, gemeinsam aktiv gegen das oben erklärte Protokollverhalten der Clients zu verstoßen, als die Knoten-Kommunikation über Funk, aber das gibts gratis dazu und ist wohl für die meisten Käufer der viel wichtigere, aktiv beworbene Punkt. Damit kann man eben einen (zusätzlichen) AP dort aufstellen, wo der AP am Internetanschluss gerade so nicht mehr hinkommt und damit als Repeater arbeitet, ohne eine eigene kabelgebundene Anbindung zu brauchen.
Ich habe mir die Wlan-Nupfis von Google gekauft (sowas gibts auch von anderen Firmen, siehe z.B. Vergleiche in diesem oder diesem Review).
Der Preis erscheint erstmal teuer, ist auch viel teurer als einfach zwei noname AP, aber die hatte ich ja vorher und das war für die Bewohner nicht befriedigend.
Hier gibt es einige Geräte, die aus verschieden Gründen nur 2,4 GHz und nur verschlüsselte Netze können, sowie einige, die gar kein Wlan haben. Das zusammen mit wenigen physischen Netzwerkports erforderte eine Bestandsaufnahme:
rot: drahtgebunden, orange via Stromleitung, grün: zwingend 2.4GHz, gelb: egal, blau: Freifunkknoten
Die Google-Hardware hat ein paar Einschränkungen, die aus meiner Sicht aber vor allem Freaks betreffen, die zuhause noch 2 DMZ und stark segmentierte Netze betreiben wollen (alle anderen, die denken, sie seien keine Netzwerkfreaks, können die Auflistung getrost überlesen).
das private Netz ist festgenagelt auf 192.168.86.0/24
jeder Nupfi hat nur zwei Ethernet-Interfaces
der Master-Nupfi kann nicht als Modem, sondern nur Router arbeiten – ein Kabel- oder DSL-Modem muss also davor in Betrieb bleiben, und am besten in den Bridge-Modus geschaltet werden, wenn man nicht Double-NAT machen möchte (damit kann ich allerdings seit Jahren gut leben)
Die Einrichtung ist wirklich simpel, kann allerdings nur über eine App (iOS, Android), nicht über einen Webbrowser vorgenommen werden. Entgegen meiner Befürchtungen sehen sich die Nupfis auch durch die Stahlbetonwände gut – trotzdem lasse ich als Backbone die Stromleitung bestehen, auch weil mir dadurch mehr Ethernetports zur Verfügung stehen.
Kurze Verwirrung am ersten Betriebsabend gibt es doch, weil sich beide Nupfis erst in Ruhe auf das aktuelle Patchlevel hocharbeiten und dadurch genau der gleiche Effekt wie vorher auftritt: Das Netz ist plötzlich scheiße.
Google hält sich mit den zusätzlichen Möglichkeiten der Nupfis offiziell sehr zurück, dass z.B. das Backbone auch über Draht erstellt werden kann, muss im passenden Produktforum gesucht werden, ebenso, wie man an Debug-Infos kommt (http://192.168.86.1/api/v1/diagnostic-report) und andere Dinge.
Insgesamt funktonieren die Nupfis erwartungsgemäß und unauffällig – wir können uns mit einem Wlan-Gerät durch die Wohnung bewegen und haben konstant Netz. Auf dem Mac kann ich sehen, dass dabei munter zwischen 2,4 und 5 GHz und den Kanälen gewechselt wird – so wie es die Nupfis gerade für das Beste halten - inzwischen bin ich aber nicht mehr so neugierig und nehme einfach hin, dass es funktioniert.
Es gibt noch ein paar Zusatzfeatures – z.B. eine Wlan-Bremse für die Geräte der zum Haushalt gehörenden Pubertiere, Trafficmonitor, Priorisierung von einzelnen Geräten und ähnliches – brauche ich alles nicht, kann deswegen dazu auch wenig schreiben.