Düren, Satellitenviertel, Nov 2019
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Düren, Satellitenviertel, Nov 2019
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🇸🇪 Ted Gärdestad - Satellit
4. März 2011 und 24. August 2021
Peak Satellite Dish?
In der Redaktionskonferenz des Techniktagebuchs kommt die Diskussion auf Satellitenschüsseln für den Fernsehempfang und auf die Tatsache, dass sie als Orientierungshilfe dienen können, da sie auf Satelliten in geostationären Orbits über dem Äquator ausgerichtet sind und damit in Europa generell nach Süden.
Kathrin Passig merkt an, dass die Zahl dieser Schüsseln in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen habe und fragt sich, wieso. Meine anekdotische Evidenz stützt diese Beobachtung, da die hier beschriebene Schüssel mittlerweile auch wieder außer Betrieb genommen und abmontiert wurde.
Ansonsten fällt mir ein, dass ich mal ein schönes Foto zu diesem Thema gemacht habe. Und da ich weiß, wo in Berlin das war, kann ich das Bild rasch per Ortssuche auf meinem Telefon finden.
Nach genauerem Hinsehen muss ich aber zugeben, dass das Foto schon 10 Jahre alt ist (aufgenommen mit einem iPhone 4). Am nächsten Tag mache ich also auf dem Weg zur Arbeit einen kleinen Schlenker und kann ein aktuelles Vergleichsbild aufnehmen.
Der Unterschied ist beeindruckend – eine Antwort auf die Frage, ob Streaming per Internet die Schüsseln überflüssig macht, oder weswegen sie sonst verschwinden, ergibt sich daraus aber nicht.
(Virtualista)
30. Januar 2020
Goodbye, Spitzer
“Spitzer” heißt ein Weltraumteleskop, das seit 2003 im All ist und für Astronomen Infrarotaufnahmen von Himmelsobjekten macht. Heute, am 30. Januar 2020, wird Spitzer endgültig abgestellt. Es war eine außerordentlich erfolgreiche Mission: Spitzer war das empfindlichste Infrarotteleskop aller Zeiten und gab uns völlig neue Einsichten in die Prozesse der Sternentstehung, die Entwicklung von Galaxien und die Atmosphären von Exoplaneten.
Ich begann über Spitzer nachzudenken, als es noch nicht im All war und noch nicht Spitzer hieß, während meiner Doktorarbeit. Wenn man an astronomisch kühlen und lichtschwachen Objekten arbeitet, muss man zwangsläufig irgendwann im Infraroten beobachten, weil dort die meiste Strahlung landet. Spitzer ist der Grund, warum ich mich im Jahr 2004 anfing, für die Entstehung von Braunen Zwergen zu interessieren. Im Jahr 2005, als Postdoc in Toronto, bewarb ich mich um 20 Stunden Beobachtungszeit mit dem gerade operativen Satelliten, und war erfolgreich.
Ich weiß ziemlich genau, wie ich diese Neuigkeit aufnahm. Ich dachte vor allem daran, dass ich jetzt großartige neue Daten bekommen werde, und damit großartige neue Paper schreiben kann, mit denen ich dann größere Chancen auf den nächsten Job haben werde. (So kam es dann auch, ich verdanke Spitzer große Teile meiner beruflichen Laufbahn.) Aber als ich Kathrin Passig davon erzählte, interessierte sie sich merkwürdigerweise gar nicht für die Wissenschaft, sondern nur dafür, dass ich offenbar in der Lage sein würde, einem Weltraumteleskop zu sagen, wo es hinzeigen soll. Einem Ding im All! Wie ein folgsamer Hund würde es meinen Befehlen folgen, für zwanzig Stunden.
Wenn man mir das in den 1990ern erzählt hatte, wäre ich vor Begeisterung an die Decke gesprungen, aber 2005 erschien es mir belanglos. Das Weltraumteleskop war nicht mehr das große Technikwunder, sondern eben ein Werkzeug, das es mir ermöglicht, irgendwas Absurdes herauszufinden und damit andere Astronomen zu beeindrucken.
(Aleks Scholz)
19. August 2019
Die Russen und die Amerikaner sorgen für mich
Die letzte Staffel von “The Americans” gab es nicht bei Netflix, also musste ich bei Amazon Prime noch mal um die 20 Euro dafür ausgeben. Als ich Deutschland und damit das Abdeckungsgebiet meines unbegrenzten mobilen Datentarifs verlasse, sind nur noch wenige Folgen ungesehen.
Ohne Zögern kaufe ich deshalb anders als bei den letzten Malen für die 17-stündige Überfahrt von Amsterdam nach Newcastle das 24-Stunden-WLAN-Paket für 17 Euro.
Ich rede mir das damit schön, dass ich ja zum Beispiel nicht das Abendessen oder Frühstück an Bord einnehme und mir stattdessen für viel weniger Geld was mitgebracht habe. Dann beschaffe ich mir die Amazon-Prime-App, gucke auf dem Handy ein paar Folgen und sehe bei langweiligen Stellen aufs Meer hinaus.
Die Streamingqualität habe ich vorher auf ganz schlecht gestellt (”Data Saver: Für 1 Stunde werden etwa 0,14 GB Daten benötigt”). Erstens erkenne ich den Unterschied sowieso kaum, zweitens habe ich beim Kauf des WLANs unterschrieben, dass ich nicht übertrieben viele Daten saugen werde (wobei im Ermessen von Telenor Maritime steht, was damit gemeint ist), und drittens tut mir das Internet leid. Schließlich müssen die ganze Daten für mich zu einem Satelliten und wieder zurück geschafft werden, nur damit ich mitten auf der Nordsee eine Serie gucken kann, statt zum Beispiel ein Buch zu lesen, wie ich es auf den bisherigen Überfahrten gemacht habe.
Oben auf dem Schiff sind mindestens vier leider schlecht fotografierbare Nupfis, über die das Internet ins Schiff hineingelangt: zwei SeaTel, ein Orbit und ein Cobham Sailor. Der Deckel ist wohl nur drauf, damit es nicht hineinregnet. Innendrin befinden sich normal aussehende Satellitenschüsseln, die in mehreren Achsen stabilisiert sind, weil das Schiff in mehreren Achsen schwankt. “Providing quality performance in the roughest seas”, wirbt SeaTel.
Mein Satellit heißt Thor 7 (Pressemitteilung, Werbevideo). Im “Nittedal Teleport” bei Oslo werden meine Serienfolgen also aus einem Internetkabel abgezapft, mit einer 13 Meter großen Satellitenschüssel in eine Erdumlaufbahn und von dort zu mir geschickt. Dass ich auf diesem Weg eine Serie sehe, die von russischen und amerikanischen Spionen handelt, macht das Ganze noch erhabener. Ohne Kalten Krieg keine Satelliten, ohne Satelliten kein Seriengucken über den Kalten Krieg. 17 Euro finde ich dafür, wenn ich es so bedenke, einen sehr sehr geringen Preis.
(Kathrin Passig)
2. September 2017
Türkisches Fernsehen
Und dann saß ich dummerweise gerade sichtbar und unbeschäftigt im Hof als der Gast in der Ferienwohnung bei meinen Eltern feststellte, dass der Fernseher nicht geht. Also er würde schon gehen, aber es gäbe irgendwie nur türkische Fernsehsender zur Auswahl. Kein Problem, sagte meiner Mutter. „MAAAAAAARCO? Kommst du mal?“
Erst habe ich noch versucht zu erklären, dass ich noch nie einen Fernseher geschweige denn einen Receiver besessen habe und deswegen keinerlei Idee, wie das alles funktioniert und miteinander zusammenhängt. Diese Argumentation ging aber ins Leere, denn kraft meines Alters waren alle der Ansicht, ich wäre der Richtige, um das Problem zu lösen.
Jedenfalls habe ich allein schon mehrere Minuten gebraucht, um überhaupt herauszufinden, welche Fernbedienung zum Fernseher und welche Fernbedienung zum Receiver gehört. Und schon die Fernbedienungen an sich haben mir bedingt durch die Menge ihrer Knöpfe den Schweiß auf die Stirn getrieben. Da haben die UX-Designer wirklich ihr Bestes gegeben!
Wildes und ahnungsloses Herumdrücken auf beliebigen Knöpfen hat das Problem leider nicht gelöst. Das war richtig gruselig, was da für Meldungen auf dem Fernseher eingeblendet wurden: AV, PI, CVE, CVT, T4, etc. In meiner Not habe ich dann einfach meine Schwester angerufen. Schließlich ist sie ein paar Jahre jünger als ich (also noch besser für die Aufgabe qualifiziert). „Du Laura, in der Ferienwohnung geht der Fernseher nicht. Hast du da eine Idee?“. Meine Schwester hat mir dann erst mal erklärt, wie das Fernsehen grundsätzlich auf den Fernseher kommt.
Das Ende vom Lied war, eigentlich war nur der Satellit verstellt. Das habe ich aber erst rausgefunden, nachdem ich rausgefunden habe, dass die Batterien der Receiver-Fernbedienung leer waren.
(Marco Hitschler, zuerst veröffentlicht hier: www.unmus.de/tuerkisches-fernsehen/)
Seit 2. April 2017
Die Satellitenantennen wachsen an den Südseiten der Häuser
Ich habe ja anlässlich der Abschaltung von DVB-T schon in latent fernsehfeindlichen Erinnerungen gekramt. Tatsächlich verhält es sich aber so, dass meine Gattin nach reiflicher Überlegung darauf besteht, weiterhin ein Fernsehprogramm zu empfangen. Mediatheken, Livestreams und diverse Apps auf dem Fire-TV-Stick genügen nicht.
Wir verständigen uns darauf, lieber einmalig in Gerätschaften zu investieren, als zusätzlich zur Rundfunkgebühr weitere monatliche Kosten in Kauf zu nehmen. Diese würden sowohl für den Umstieg auf Kabelfernsehen, wie auch für den Empfang von Privatfernsehkanälen über DVB-T2 anfallen. Dass man für Privatsender bezahlt, heißt ja nicht, dass man dadurch die nervigen Werbeunterbrechungen loswürde.
Die Wahl fällt also auf eine Satellitenantenne samt Receiver. Wir haben immerhin einen Balkon, mit einigermaßen freier Sicht nach Süden. Bei Amazon bestellen wir eine Kombination aus rechteckiger Satellitenantenne – mehr Paneel als Schüssel –, Verbindungskabeln – passend zum Balkon in Weiß – und Receiver. Das Paket trifft zwei Tage nach der Abschaltung von DVB-T ein und die Stimmung ist bereits leicht angespannt.
Zwecks Montage konsultiere ich neben den Bedienungsanleitungen von Antenne und Empfänger auch das Internet. Mehrfach begegne ich dem Hinweis, man solle das von qualifiziertem Fachpersonal erledigen lassen, welchen ich schon in frühester Jugend als "mal sehen wie weit ich selbst komme, ohne etwas dauerhaft zu beschädigen" zu interpretieren gelernt habe. Zumindest für Technik, die nicht mit Starkstrom funktioniert oder mit mehr als 50 km/h am Straßenverkehr teilnimmt.
Immerhin passen auf Anhieb alle Steckerverbindungen, was ja bei Online-Bestellungen mehrerer Teile stets ein gewisses Risiko darstellt. Nun ist es erforderlich, die Antenne außen anzubringen und das Kabel zum Receiver im Wohnzimmer zu verlegen. Um weder Wand noch Balkontür perforieren zu müssen, habe ich ein eigens dafür vorgesehenes Flachbandkabel bestellt, das man durch die Fuge der Balkontür führen kann. Hierzu muss ich zwei Stücke Koaxialkabel mit Steckern versehen und es braucht einige Versuche, bis ich alle vier Stecker stabil montiert habe. Dafür lässt sich aber die Antenne mit der mitgelieferten Halterung auf Anhieb fest an der Balkonbrüstung verschrauben.
Nachdem alle Verbindungen hergestellt sind, besteht die nächste Aufgabe darin, die Antenne korrekt auf den Satelliten – in unserem Fall Astra 1 – auszurichten.* Die Schüssel muss dazu in allen drei Achsen relativ genau justiert werden. Die Gebrauchsanweisung enthält eine Tabelle mit den Werten für die gängigen Satelliten und eine lustige Auswahl deutscher Städte.
An den Fernseher angeschlossen bietet der Receiver ein umfangreiches Menü, das die Signalstärke anzeigt und so bei der Satellitensuche helfen soll. Freundlicherweise kann man alle drei Winkel an der Antenne separat mit je einer Schraube feststellen. Ich justiere also zunächst einmal die beiden Neigungswikel (Elevation und Skew) und widme mich dann der Himmelsrichtung (Azimuth).
Als kleine moralische Unterstützung lag der Satellitenantenne dafür ein Magnetkompass bei. Dieser erinnert mich irgendwie an Kindertage und kann daher getrost als "fünfmarkstückgroß" bezeichnet werden. Auf unserem Balkon, der hauptsächlich aus Stahl besteht, ist er leider wenig hilfreich. Etwas besser funktioniert die Kompassanzeige meines iPhones. Aber auch die schwankt um ein paar Grad, wenn ich das Telefon nicht waagerecht halte. Was nicht so einfach ist, da ich es auch immer nur mit einer Hand an die Antenne halten kann, die sich jetzt außenbords unseres Balkons im zweiten Stock befindet.
Letzten Endes verwende ich die Luftbildansicht von dishpointer.com und versuche die entsprechende Ecke des nächsten Gebäudes anzupeilen. In dieser Richtung schwenke ich dann langsam von links nach rechts und zurück und im Wohnzimmer muss die Gattin die Signalanzeige des Receivers beobachten und im richtigen Moment "Halt!" schreien.
Ich muss versuchen, die Antenne dann in genau dieser Position festzuschrauben und mit einigem Hin-und-her gelingt das auch. Der Vorgang erinnert stark an das Klischeebild aus den siebziger Jahren, in dem der Mann auf dem Dach die Fernsehantenne ausrichtet, während die Frau das empfangene Bild beobachtet, und beide sich dabei durch Rufen verständigen.
Wir haben jetzt also knapp tausend Fernsehkanäle zur Auswahl und könnten uns an Russia Today oder Al Jazeera erfreuen. Der spillerige Laubbaum, der in ca. 5 Metern Entfernung in direkter Sichtlinie zum Satelliten steht, scheint den Empfang nicht zu stören. Aber bei starkem Regen oder Wind reißt das Signal manchmal ab. Seit Anschaffung der Antenne haben wir übrigens vor allem mehrere Serienstaffeln per Amazon Prime Video und Netflix konsumiert.
* Beim Nachlesen stellt sich heraus, dass es mehrere Astra-Satelliten sind, die von der Position 19,2° Ost aus senden. Und ich lerne, was ein Friedhofsorbit ist.
(Virtualista)