28. September 2020
Covid-Test im coolen Club
Für einen operativen Eingriff muss ich in einer Klinik einen negativen Tests auf SARS-CoV-2 vorweisen, der zum Zeitpunkt der Aufnahme im Krankenhaus nicht älter als fünf Tage sein darf. Ich recherchiere Möglichkeiten für solch einen Test in München (für Menschen mit Wohnort in Bayern ist er auch ohne Anlass kostenlos): Zwar radle ich jeden Morgen auf dem Weg in die Arbeit an der Drive-In-Teststation auf der Theresienwiese vorbei, möchte mich aber lieber nicht mit meinem Radl in eine Autoschlange stellen. Schnell finde ich eine Website, die weitere Teststellen in München auflistet, eine liegt sogar ganz in der Nähe meiner Wohnung.
Die Online-Terminvereinbarung funktioniert problemlos, ich suche mir einen Feierabend-Termin am passenden Tag vor der OP aus.
Kurz vor Termin gehe ich zu der eigentlich vertrauten Adresse, biege in einen der Gänge in der Nachkriegs-Häuserfassade der Sonnenstraßen-Ostseite und stellte mich in die (ordnungsgemäß beabstandete) Schlange, die in einer Tür am hintersten Eck des Gangs endet.
Beim Näherkommen wird mir immer klarer, dass die Schlange in einen Club (vor 40 Jahren "Disco") führt, innen entnehme ich den Plakaten an den Wänden, dass ich in der jüngsten Reinkarnation der legendären Milchbar stehe.
Der Hauptraum wurde zum Corona-Testzentrum umfunktioniert: Die riesige Bar ist mit weißer Plastikfolie abgedeckt, die Testwilligen mit Mundschutz werden von Wegweisern auf dem Boden drumrumgeführt, in den Ecken des doch recht angeranzt schwarzen Raumes liegen Berge mit medizinischem Verbrauchsmaterial. Es sind billige Partyzelte aufgestellt; sie bilden Kabinen, in denen Angestellte in Schutzkleidung Personalien aufnehmen oder die eigentlichen Test-Abstriche machen.
Seuchentest in Party-Location – das ist für mich der bislang bizarrste und apokalyptischste Anblick der Corona-Pandemie, weit vor der leeren Innenstadt zu Zeiten der Ausgangseinschränkungen, vor Olympiabad-Duschkabinen und Kinosälen mit Absperrbändern.
Meine Kontaktdaten habe ich bereits bei der Terminvergabe im System hinterlassen, jetzt muss dazu nur noch meine Krankenkassenkarte eingelesen werden. Eine Station weiter nimmt eine Angestellte mit einem Wattestäbchen einen Abstrich in meinem Rachen. Zu dem Röhrchen, in das sie das Stäbchen steckt, gehört eine Quittung, die ich bekomme: Sie sieht aus wie ein Kassenzettel, darauf steht die Information, ab wann ich auf welcher Website das Ergebnis abrufen kann und wie mein vielstelliger PIN lautet.
36 Stunden später logge ich mich mit diesem PIN auf der Website ein und lade ein PDF herunter, auf dem unter anderem der Tag des Tests steht sowie das Resultat der "Untersuchung SARS-CoV-2 PCR oS": "negativ". Das werde ich am nächsten Tag der Klinik vorlegen.
(die Kaltmamsell)
















