Juli 2021
Ich umarme ein Gerät und Teile von mir werden durchleuchtet
Ich bin zum Mammographie-Screening eingeladen. Offenbar machen andere Frauen schon in jungen Jahren die Mammographieerfahrung, jedenfalls kenne ich von jüngeren wie älteren Freundinnen, Verwandten und Bekannten unzählige Horrorgeschichten von brutalen Brustquetschereien und extrem schmerzhaften Vorgängen. Ich bin also ein bisschen angespannt.
Aus Lockdowngründen habe ich den Termin zweimal verschoben. Der letzte Termin, kurz nachdem ich vollen Impfschutz erlangt hatte, passte dann.
Die Mammographie-Screening-Unit hat sehr kleine Räumlichkeiten, aber freundliches Personal. Ich fülle einen Anamnesebogen aus und unterschreibe eine Datenschutzerklärung. Nach wenigen Minuten werde ich in eine der beiden Durchgangsumkleidekabinen gebeten. Ich soll mich obenrum frei machen, dann in den Röntgenraum kommen.
Die Mitarbeiterin ist freundlich und einfühlsam. Sie weiß aus der Anamnese, dass dies meine erste Mammographie ist, verspricht unaufgefordert, mir jeden Schritt detailliert zu erklären und tut das dann auch. Vier Bilder werden insgesamt gemacht, erzählt sie, zwei von jeder Brust in unterschiedlichen Ebenen. Mehr Druck auf die Brust sorge dabei für ein besseres Bild, aber sie werde nur so viel Druck ausüben, wie nötig. Ich frage, wie lange die Brust jeweils unter Druck sein wird, denn aus Erzählungen weiß ich ja, dass es sehr schmerzhaft sein kann. Sie sagt “Maximal 30 Sekunden”. Darauf, denke ich, kann ich mich einstellen, beim Zahnarzt kann man ja auch was aushalten und meist länger als 30 Sekunden.
Nun parkt die Mitarbeiterin meinen Körper in das Gerät ein, und fährt leise surrende Teile des Geräts herunter, so dass am Ende jeweils eine Brust zwischen zwei Kunststoffflächen flachgedrückt wird. Das Einparken ist gar nicht so einfach, denn die Haltung ist eher keine, die man im normalen Leben einnehmen würde. Es ist ein bisschen wie Vorsorgetwister zu spielen: Es schmerzt nicht, aber ich muss mich konzentrieren, allen Anweisungen folge zu leisten. Kopf nach rechts, Schulter locker, Arm hierhin, Hand dorthin, bitte Bauch und Po nach hinten, locker bleiben, genau so, jetzt nicht mehr bewegen, sie eilt hinter ihr Pult, löst aus, es macht ein bis drei Geräusche und das Gerät gibt meine Brust wieder frei. Die Haltung bei den Bildern der zweiten Ebene ist noch seltsamer als bei denen der ersten. Mit einem Arm umgreife ich das Gerät, aber nicht zu weit oben, denn da sind Bedienelemente am Gerät angebracht. Mit der anderen Hand soll ich die jeweils nicht ins Bild gehörende Brust straff aus dem Weg ziehen und dazwischen ist der Körper insgesamt ordentlich verdreht. Aber: es tut nicht weh, und wenn es für gute Bilder sorgt, bin ich gerne bereit, mich in seltsame Posen zu begeben.
Nach vier Bildern sagt die Mitarbeiterin, wieder am Pult, dass ich den Befund in 3–14 Tagen per Post bekommen werde. Außerdem seien die Bilder sehr gut geworden, “man sieht sogar die Poren!” Ich frage, ob ich auch mal schauen darf und bin beeindruckt von der Schärfe. In meinem Kopf sind Röntgenbilder immer ein bisschen unscharf, aber vielleicht sind meine Erinnerungen auch nur verwackelt oder aus dem letzten Jahrtausend. Hier jedenfalls erkennt man viele Details. Das sei jetzt nur das Vorschaubild, sagt die Mitarbeiterin, die Bilder, die der Arzt sich anschauen werde, seien dann noch höher aufgelöst.
Zum Schluss darf ich sogar ein Foto vom Gerät fürs Techniktagebuch machen, das ich allerdings bis zur Unkenntlichkeit verwackle, so dass ich es hier aus Verwackelscham lieber nicht zeige. Den Screening-Betrieb will ich aber auch nicht mit weiteren Fotoversuchen aufhalten, also bleibt der Beitrag ohne Bebilderung. Ich ziehe mich wieder an und bekomme beim Hinausgehen sogar noch ein Stückchen Schokolade angeboten.
(Mia Culpa)














