Island 2021 - Tag 10 Teil 2
Nach unserem kleinen Picknick machen wir uns auf den Weg nach Borgarfjördur Eystri.
Eigentlich nur eineinhalb Fjorde in nördlicher Richtung entfernt, müssen wir rund 80 Kilometer weit fahren, weil Berge und Wasser im Weg sind.
Die Hochebene Fjardarheidi zeigt sich von ihrer besten Seite, wir parken in einer Haltebucht und fotografieren die stille, einsame Landschaft mit fischreichen Seen und fantastischen Farben.
Der Osten des Landes verfügt nicht über die üppige Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, mit denen zum Beispiel die Südküste gesegnet ist.
Doch eine herrliche Küste, charmante Dörfer, der größte Wald Islands und Rentierherden, es ist eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, ein Eldorado für Wanderer und Naturliebhaber.
Am Ende des Jökulsá á Brú biegen wir rechts auf die 944 ab. Am Lagarfossvirkjun legen wir einen Fotostopp ein.
Im Jahr 1974 wurde hier ein Wasserkraftwerk mit einer installierten Leistung von 8 MW errichtet. Es dient zur lokalen Energieversorgung. Der Wasserfall war dadurch oft verschwunden.
Das Kraftwerk wurde 2007 um 20 MW erweitert. Seit der Inbetriebnahme des Kárahnjúkar-Kraftwerk im Jahr 2007, bei dem zusätzliches Wasser in das Lagarfljót geleitet wird, ist der Wasserfall wieder sichtbar.
Wir folgen der 944 bis wir auf die 94 treffen, die in ihrem Verlauf zu dem Fischerort Borgarfjördur führt.
Die Strecke nach Borgarfjördur, mittlerweile durchgehend asphaltiert, ist eine eindrucksvolle Berg- und Talfahrt.
Immer wieder halten wir an, es geht einfach nicht anders, und die Sonne spielt auch mit.
Noch spielt die Sonne mit - das sollte sich aber in dem Ort Borgarfjördur total ändern.
Die alte, stillgelegte Fischfabrik ist in dem dichten Nebel, der inzwischen aufgezogen ist, kaum auszumachen.
Wir bewundern dennoch die alten historischen Häuser aus der Jahrhundertwende ...
... irgendwie scheint hier alles ein wenig aus der Zeit gefallen.
Wir biegen ab, fahren über eine spektakuläre Küstenstraße und nun geht es immer tiefer in den Fjord hinein.
Wir fahren bis zum kleinen Hafen Hafnarholmi, wo die Straße 94 endet. Wir sind angekommen! Der Nebel hat den Ort glücklicherweise noch nicht erreicht.
Achtung! Auch hier gibt es einige touristische Neuigkeiten: es darf nicht mehr bis zum Hafen runter gefahren werden.
Ein funkelnagelneuer Parkplatz wurde für die Besucher oberhalb eingerichtet.
Und es gibt ein nigelnagelneues Restaurant.
Rund 10.000 Puffin-Paare nisten hier im Sommer, auf der kleinen Halbinsel hinter der Marina.
Eigentlich hatten wir hier richtig Vogelgekreische und Lärm erwartet, doch es war relativ ruhig.
Zuerst sehen und hören wir nur Möwen.
Die füttern zur Zeit noch ihre Jungen.
Treppen und Plattformen schützen die Landschaft und die Tiere, das wirkt auf den ersten Blick vielleicht nicht attraktiv, ergibt aber Sinn.
Richtig beunruhigt sind wir, als uns deutsche Touristen entgegen kommen und sich darüber beklagen keine Puffins mehr gesehen zu haben.
Sie wären wohl um ein paar Tage zu spät dran.
Ach herrje, der ganze Weg umsonst...
Doch halt, was flattert denn da?
Ein paar Nachzügler gibt es noch, die zu ihren Nestern fliegen und Futter heran schaffen:
Die Flügel der Vögel sind insgesamt ein wenig mickrig geraten, bei der Landung fallen die kleinen Bruchpiloten fast wie ein Stein vom Himmel.
Dazu der tollpatschige Gang, doch der Schein trügt: Im Wasser sind Papageitaucher nicht nur geschickte Schwimmer, sondern auch begnadete Fischer.
Lange beobachten wir das Treiben...
Auf dem Meer wird schon der Nachwuchs unterrichtet, der bereits flügge ist:
Die Papageitaucher verbringen nur die kurze Brutzeit an Land, den Rest des Jahres leben sie auf dem offenen Meer.
Wir haben vieles richtig gemacht an diesem herrlichen Tag. Das wissen wir spätestens, als wir durch den dicken Nebel zu unserem “Spar-Cottage” zurückkehren.
Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Sonne und Wolken - dazwischen liegt auf Island manchmal nur ein einziger Fjord.
Angie, Micha und der Hasenbär