25. Juni 2018
Parallelwelten aufschreiben, festhalten, organisieren
Das Leben an sich ist ja schon komplex. Manchmal ist es aber noch komplexer.
Heute ist Montag, der 25. Juni 2018 und ich organisiere die Auswanderung meiner Familie von Bielefeld in die Schweiz. Nach vielen Arbeitsjahren im Bielefelder Schreiblabor zieht uns ein fester Job dorthin. Eine Alltagstechnik, die mir gerade hilft, unser Leben in zwei Paralleluniversen unter einen Hut zu kriegen ist ein Kalender von BusyB (jetzt geht es mir wie meiner Kollegin und Freundin Stefanie Haacke aus dem Schreiblabor: ja, das fühlt sich an wie Werbung). Hier ist mal ein Foto:
Also, die Alltagstechnik besteht für mich v.a. aus zweierlei:
Listen machen und Unerledigtes mitnehmen – Pro Woche schreibe ich alles, was ich zu erledigen habe, rechts auf die Wochenkalenderseite (Tagestermine links zum jeweiligen Tag). Auch Sachen, die ich vielleicht diese Woche noch gar nicht schaffen kann. Alles, was am Ende der Woche noch nicht erledigt ist, schreibe ich am Montagmorgen, wenn ich die nächste Kalenderwochenseite aufschlage, wieder hin als Liste (wie Koffer verschicken, dass findet erst in 1 ½ Wochen statt, aber es ist mir letzte Woche eingefallen und jetzt schreibe ich es eben jede Woche hin, bis ich es erledigt habe). Meistens kommt dann noch was Neues dazu, im Laufe der Woche sowieso. Alles, was ich erledigt habe, streiche ich.
Paralleluniversen abbilden – Wenn ich in meinem Kalender vorblättere, zum Beispiel in den August, dann stehen auf der einen Seite (links) die zukünftigen aktuellen Termine in der Schweiz:
Rechts habe ich eine Spalte „Bielefeld“ benannt: dort notiere ich alles, was dann gerade im Bielefelder Paralleluniversum an wichtigen Terminen ansteht. Das bildet eigentlich ganz schön ab, dass ich in dieser Zeit in zwei Welten lebe und denke – in meiner eigenen präsenten Welt in der Schweiz und gedanklich viel in der Welt meiner Kinder, die sich dann gerade zwischen Bielefeld, Nordseeinseln, den Omas in Berlin und Mecklenburg befinden (Sommerferien, Schulkinder, Betreuungsproblem). Mein Mann wird das managen. Ich habe es auf dem Papier gegenwärtig.
Die Abbildung des (Un)Erledigten und des zukünftig Gleichzeitigen hilft mir in der Planung und gibt mir Sicherheit. Und Irgendwie fällt mir jetzt beim Schreiben auf, dass wir eigentlich oft irgendwie in Paralleluniversen unterwegs sind: gerade ist meine längste Freundin schwer erkrankt, sie wohnt nicht in Bielefeld, sondern in meinem Heimatort Berlin. Ich habe in den letzten Jahren nicht besonders viel an sie gedacht, aber gerade tue ich das jeden Tag. Dazu schreibe ich nichts in meinen Kalender. Da gibt es nichts zu organisieren. Ich kann nur versuchen, diese Präsenz, die meine Freundin in meinen Gedanken hat, immer wieder auch zu manifestieren. Indem ich sie anrufe, ihr eine E-Mail schreibe, einen Brief schicke. Aus meinem Universum in Bielefeld oder bald in der Schweiz in ihr Universum in Berlin. Paralleluniversen sind eben manchmal auch Mist.
(Svenja Kaduk)
















