Ut og stjæle hester (Pferde stehlen, O-Ton)...
...erzählt zwei verschiedene Geschichten über ein und dieselbe Person: den Endsechziger Trond (Stellan Skarsgård), der sich nach vielen Jahren in Schweden kurz vor der Jahrtausendwende wieder in eine spärlich bewohnte norwegische Winterlandschaft eingeigelt hat, um dort einsam zu sein, sowie den Jugendlichen Trond, welcher in den 40ern einen schrecklichen, wunderbaren Sommer bei seinem Vater verbringen durfte, eine Erinnerung, welche den Alten wieder einholt, als ihm unerwartet ein entscheidender Protagonist ebendieses Sommers über den Weg läuft.
Die Regie von Hans Petter Moland lebt visuell wie auditiv von ebendiesen Gegensätzen, von resigniertem Alter und lebenshungriger Jugend, von der einfarbigen Stille des Schnees und den satten, lauten Farben des Sommers. Ich formuliere das absichtlich so synästhetisch, denn wenn der Film eines geradezu virtuos kann, dann sämtliche Sinne wecken, indem er die Mittel von Bild und Ton voll auskostet.
Ansonsten ist dies im Guten wie im Schlechten eine Romanverfilmung, bei welcher genauso spürbar ist, dass sämtliche Figuren eine Tiefe und ein „Fleisch“ besitzen, welchen viele Buchseiten zugrunde liegen, was sie so plastisch und haptisch erscheinen lässt, wie man es nicht häufig vorfindet (es hilft, dass das gesamte Ensemble aus sehr guten Spielenden besteht), wie es irgendwann allzu evident wird, dass die achtunddreißigste Wendung zum Schlimmsten in geschriebener Form schlicht besser funktioniert als bei einem Film, bei welchem der Zufallskredit eben deutlich schneller aufgebraucht wird, was dazu führt, dass „Pferde stehlen“ auf der Leinwand gelegentlich etwas melodramatisch und überfrachtet wirkt. Die zwei Stunden Laufzeit erscheinen dann fast schon wieder als etwas zu kurz für das, was der Film alles an Ereignissen und Themen unterbringen will.
Unter’m Strich: Großes, bild- und tongewaltiges Kino, bei welchem ich mich ein wenig frage, ob es als Miniserie dem Stoff nicht hätte gerechter werden können.
D.C.L.










