Frankenstein (2025, O-Ton)...
...ist, und das mag vielleicht die ein oder anderen, welchen angesichts des Titels zu allererst das Wort "Horror" einfällt, überraschen, der mit Abstand zärtlichste, behutsamste, melancholischste Guillermo del Toro, den dieser Ausnahmeregisseur je inszenierte.
Ja, es gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen, wer in der Buchvorlage das eigentliche Monster und wer das Opfer war, aber derart scheiße hat noch nie jemand Doktor Frankenstein gefunden und in ein derart empathisches, liebevolles Licht wurde noch nie seine Schöpfung gerückt wie hier.
Oscar Isaac spielt seinen Frankenstein die meiste Zeit über als einen narzisstischen, egomanischen Drecksack, der wortwörtlich über Leichen geht, um seinen Gottkomplex ausleben zu können. Es bedarf schon eines Schauspielers von ganz großem Kaliber um eine solche Figur so zu geben, dass geneigte Zusehende trotzdem durchgehend an ihr dranbleiben mögen, und Isaac schafft dies wie zu erwarten war mit Bravour.
Doch Herz und Hauptaugenmerk dieses morbiden Reigens gehören natürlich der Kreatur, brillant und herzzerreißend gespielt von Jacob Elordi, welcher mir nun schon zum zweiten Mal nach "Priscilla" zeigt, dass es keine spielerische Herausforderung zu geben scheint, der er sich nicht mit einer virtuosen Lässigkeit und Durchlässigkeit stellen kann. Spätestens bei seinem filigranen Spiel mit einem nicht minder grandiosen David Bradley, das mir wiederholt die Tränen in die Augen trieb, war vollkommen klar, wer nicht nur die eigentliche Hauptfigur, sondern auch der tatsächliche Held dieses Filmes ist.
Auch der Rest des Ensembles ist eine Pracht, sei es eine famos gegen den üblichen "damsel in distress"-Strich gebürstete Mia Goth, die aber wunderbarer Weise zeigen darf, dass sich Toughheit und Empathievermögen nicht ausschließen müssen, ein Christoph Waltz in vollem Christoph Waltz-Modus oder der Mikkelsen-Lars als Kapitän, welcher einer eigentlich nicht wirklich großen Rolle Gravitas und Wärme gibt, was das Gezeigte noch einmal mehr aufzuwerten weiß.
"Frankenstein" scheut sich nicht vor den ganz großen Bildern, den ganz großen Emotionen sowie ans Melodram gemahnende Dialoge. Das alles zusammenzuhalten ist eine große Kunst, aber del Toro ist schlicht ein großer Künstler, bei welchem selbst Szenen, die woanders drüber wirken würden, hier zutiefst menschlich, herzlich und bewegend sind.
Ganz großes, visuell atemberaubendes, wunderschön gespieltes Kino, welches den Horroraspekt hintanstellt und sich viel mehr für die tiefe Menschlichkeit in Mary Shelleys Urwerk interessiert.