eine neue geschichte der azteken
sachbuch von camilla townsend
es ist nichts neues, dass eroberer die geschichte für die nachwelt lieferten... sie waren mächtiger und häufig blieben von den eroberten nicht viele übrig, die die wahre geschichte hätten erzählen können. es zieht sich durch die jahrtausende der menschheitsgeschichte - zumindest der, in der begonnen wurde geschichte zu erinnern. das war bei den azteken und den spanischen eroberern nicht anders - die eroberer wollten im besten licht erscheinen und die eroberten hatten keine stimme die gehört werden wollte - über jahrhunderte. es ist allseits bekannt, das die spanier im heutigen mexiko eine hochkultur besiegte. mit waffen, betrug und krankheiten. ebendiese hochkultur machte aber auch aufzeichnungen ihrer geschichte und über das erlebte während und nach der eroberung durch spanien. lange wurden diese unter den teppich gekehrt, doch das ist eine situation, die seit einigen jahren vorbeigeht.
mit fünfte sonne legt camilla townsend ein buch vor, dass die geschichte der azteken (die, wie sie es schon in der einleitung schreibt an sich nie unter diesem namen gab), aus dem blickwinkel der azteken zu beschreiben versucht. dabei räumt sie mit einigen weit verbreiteten “fake-news” der bisherigen geschichtsschreibung über die azteken auf und rückt es ins rechte licht - korrigiert die vom eroberer so erfolgreich propagierte glorreiche eigene geschichte, die bis heute in den köpfen schwirrt - 500 jahre später. sicherlich für viele schwer zu akzeptieren, dass das sichergeglaubte geschichtserbe doch so anders war, als es im offizellen “testament” geschrieben stand...
es ist tatsächlich eine neue perspektive - häufig eine weibliche (townsend erklärt über alle kapitel hinweg, wie extrem vielschichtig die rolle der frau in dieser gesellschaft war) -, die auf die faszinierende geschichte der völker mexikos geworfen wird. voller wirren und fehden, abmachungen und komplotten, die an das mittelalterliche europa erinnern, schon bevor die spanier ankamen, danach dann eben zusammen mit den spanischen unterdrückern. man erlebt hautnah den aufstieg und den fall des mächtigen tenochtitlan und dann den aufstieg derselben zertrümmerten stadt unter spanischer herrschaft. man erlebt das leben des alltags vor der spanischen eroberung ebenso wie das schwierige leben als kolonisiertes volk, dem eine neue religion befohlen wird.
bei allem lob hat das buch seine schwächen: warum so ausführlich über die vorgeschichte reden, in der erst einmal die region von menschen bevölkert wird und der immerwährende weltgeschichtliche vergleich - er ist zwar wichtig, wird aber zu schwer gewogen. ein weiteres problem ist die verwirrung, die man als leser erfährt mit den vielen familiären beziehungen von so vielen protagonisten, deren namen man sich nicht so einfach merken kann, und welche dann noch teilweise mit ihren nahuatl-namen, teilweise übersetzt benutzt werden. häufig kommt man bei all dem und den familiären beziehungen nicht mit. zu guter letzt, aber ich schätze, hier handelt es sich um einen fehler in der übersetzung, kommt häufig das wort “indio” vor, wenn es um die lokale bevölkerung geht. schwer nachzuvollziehen, da diese bezeichnung allgemein beleidigend bzw. herabsetzend empfunden wird und in der einleitung, in der die bezeichnungen, die für die präkolumbinischen bewohner amerikas benutzt werden, dieser ausdruck nicht vorkommt.
trotz alledem eine erfrischend neue sicht auf die faszinierenden völker mexikos und deren geschichte, mit tollen anregungen von lektüre, sich weiterhin intensiv mit den menschen mexikos auseinanderzusetzen!