Cayman liest > Marion Poschmann > Die Kieferninseln > Roman
—————————————————————————
Erster, nichtssagender Akt
Die Schwarzkiefern, die „Omatsu“, wie sie nur in Küstennähe und auf dem Inseln Japans wachsen, sie haben schon vieles gesehen, in ihrem langen, sagenumwobenen, magischen Leben, wie die Japaner es so gut wie allem in ihrer Heimat andichten. Doch soetwas wie diese beiden Gestalten, das haben sie wahrlich noch nie gesehen! Und das auch noch an einem Tag wie dem Heutigen!
Ein Tag, ein Abend, welcher von den dicken, grauen Wolken am Himmel regelrecht aufgefressen, einfach verschluckt wird. Den Rest weht der stetige Wind einfach davon, der auch die dicken, grauen Kolosse am Himmel wie in Fließbandarbeit davon schiebt...
Es ist weder kalt noch warm, an diesem unwetterluftfeuchten Abend. Das Hotel, auf das Cayman und sein Kollege der Kameramann blicken, wirkt von dieser kleinen Insel aus beinahe wie ein unerreichbarer Ort. Wie ein weitentferntes Märchenschloss, welches voller magischer Feuer, in einer bergigen, von dunklen Bäumen überwucherten, fernen Welt erbaut wurde. Doch sind die beiden gerademal fünf Minuten zu Fuß über die breite Holzbrücke auf dieses kleine Eiland gelaufen.
Der Wind dröhnt und faucht in der Ferne, lässt die Kiefern auf der kleinen Insel und auf dem Festland schaukeln und rauschen, fast wie Laubbäume, als würde der Wind der Kiefer ein anderes Dasein, eine andere Erscheinung aufzwingen wollen.
Cayman und der Kameramann sitzen derweil auf einem großen, flachen Stein und denken an nichts besonderes.
Cayman schaut den Kiefern beim schaukeln zu und der Kameramann hält dem Wetter sein stures Gesicht hin, auf das der Wind sich gezwungenermaßen zerteilen muss und ihm dies mit einem lauten Fauchen in den Ohren kundtut. Die See unter ihnen, um die Insel, sie wird immer unruhiger und dunkler, schlägt mit immer größerer Gewalt gegen die massigen Felswände und kann doch kaum etwas gegen sie ausrichten, zumindest für diesen Moment.
Cayman lehnt sich an die Kiefer hinter sich und fängt an seine Taschen zu durchsuchen...
Eine Zeit lang schaut der Kameramann ihm dabei zu, wendet den Blick aber wieder dem dunkelgrauen Meer vor sich zu, schaut dem Wasser zu, wie der Wind es in unendlich viele, kleine, gehetzte Wellen zerzaust, sie gnadenlos vorantreibt, sie immer wieder verschwinden und wiederauferstehen oder an der Küste entlang zu weißer Gischt zerschellen lässt.
Irgendwann aber, da fragt der Kameramann seinen Kollegen dann doch, der immer noch alle seine Taschen durchsucht:
„Ey sach mal?! Watt macht du da?! Watt suchst du denn so intensivst?!“
Cayman, der jetzt zu den Innentaschen seiner Jacke kommt, welche er bis eben vollkommen vergessen hatte, meint nachdenklich:
„Ich suche die Poernte!“
Der Kameramann fragt:
„Hä?! WAS SUCHT DU?!“
Cayman sagt:
„Na die Poernte!“
Der Kameramann fragt verwundert:
„Welche Poernte?! Und wofür?!“
Cayman antwortet:
„Na für diesen Beitrag hier! Mir ist zu diesem Buch leider nichts eingefallen, was auch nur ansatzweise lustig sein könnte und ohne Klischees auskommt! Oder überhaupt etwas, das lustig wäre!“
Kurz schweigen beide...
Dann meint der Kameramann:
„Wie viele Japaner braucht man um eine Glühbirne einzuschrauben...“
Cayman sagt sofort:
„NEIN! SOWAS SCHON MAL GAR NICHT!“
Der Kameramann steckt seine nun doch vom Wind kalten Hände in die Taschen seiner Jacke:
„Tja dann kommt jetzt wohl der Beitrag!“
Cayman antwortet:
„Ja, das muss dann wohl!“
Wieder schweigen beide, der Kameramann wirkt verärgert...
Dann holt er tief Luft und sagt laut, mitten in die Kopfkino-Kamera:
„UND DAS IST ALLES NUR IHRE SCHULD!!! FRAU POSCHMANN!!!!! DAS WILL ICH NUR MAL GESAGT HABEN!!!“
Cayman fragt, nachdem der Kameramann fertig ist:
„Bist du nun zufrieden? Fühlst du dich jetzt besser? Können wir dann jetzt den Beitrag starten?“
Der Kameramann antwortet, nachdem er mehrmals tief durchgeatmet hat:
„Ja, meinetwegen!“
Cayman liest
Dieses Mal:
„Murakami auf Schlaftabletten“
Fertigbaukasten für Klugschwätzer
Es gibt eine Gattung Bücher, die wollen offenbar vor allem eines...
Nämlich LANGWEILEN!
Und sie können es sich leisten, glauben sie zumindest, weil sie im Gegenzug dafür von ihrem Autor mit WISSEN gefüllt worden sind. So kann man dann nicht einfach mit dem Finger auf sie zeigen und argumentieren, dass sie scheiße sind, WEIL man ja hinterher eine ganze Ecke schlauer ist, als davor. Oder aber man fühlt sich zumindest hinterher wie der Typ vom Blauen Sofa oder die Fratzen vom Literarischen Quartett.
HOMO FABER von MAX FRISCH ist da, denke ich als jemand, der zweimal eine umfangreiche Klassenarbeit darüber schreiben musste, ein perfekter Vertreter dieser Gattung. Da ist ein Typ, der als Charakter so spannend ist, wie eine Rolle Raufsertapete, der aus irgendwelchen austauschbaren Gründen um die Welt reist, pausenlos irgendwelche Leute trifft, an vielen verschiedenen Orten unterwegs ist und am Ende hat man als Leser dann ein offenes, nachdenkliches Ende... Ach und man weiß natürlich nicht, wie es dann mit dem Helden im Anschluss noch weiter geht oder weiter gehen WÜRDE. Weil das ja dann dem Leser und seiner abgetöteten Fantasie überlassen wird, weil genau dies, das Ende einfach mittendrin offen zu lassen, die Kritiker und auch die werte Leserschaft nicht selten sehr beeindruckt.
Man darf das aber nicht laut sagen, weil dann all jene Leserschaft und auch selbsternannte „Experten“ sich selbstbewusst in ihren Sesseln aalen, ihre Lesebrillen mit einer flotten Bewegung von der Nase nehmen, einen leicht hämischen, übertrieben selbstbewussten Gesichtsausdruck aufsetzen...
Und sich dann berufen sehen, dieser dummen, primitiven Lebensform, welche da vor ihnen sitzt und die Großartigkeit des Buches, von dem sie sagt, dass es stinklangweilig ist, ausufernd zu erklären.
Dann fühlen sie sich überlegen, diese „Bildungsleser“, diese „Instantphilosophen“, weil sie einem den Inhalt des Buches, seine angeblichen Messages, die es der Welt mitteilen will aber auch seine allgemeine Großartigkeit in allen Einzelheiten sezieren dürfen.
Aber auch wer einfach nur mal schlau dahersprechen, kritisieren oder rezensieren will oder muss, der freut sich wie ein Schneekönig in der Kokainfabrik, wenn er oder sie oder eine Person diffusen Geschlechtes so einen Schinken als Rezensionsobjekt hat.
Denn man kann in den Text solcher Bücher verwenden, als wäre es philosophischer Knetgummi.
Man kann, wie der besagte Deutschpauker mit HOMO FABER, fast alles in vor allem die nichtssagende Handlung interpretieren und so Unmengen von schlauen Fragen, Phrasen und Sätzen zusammenbasteln.
Bei HOMO FABER war in einem Test mal die Frage:
„Walter Faber findet sich in einem Kapitel im schwül-heißen Regenwald wieder, in einem anderen in der von Beton und Hochhäusern beherrschten Großstadt. – Erläutere die bedeutlichen Unterschiede beider Landschaftsbilder und deren Gesellschaftliche Relevanz.“
Ja, ist klar...
Für Leute, die so ein Buch lesen und die anschließend oder währenddessen solche Gedankengänge haben, aber auch Moderatoren von Literatursendungen und Kritiker, ist so etwas natürlich ein gefundenes Fressen. Denn die stellen sich solche Fragen. Oder aber sie ziehen sie sich dann eben aus dem Ärmel, weil diese Gattung Bücher in sich selbst so derartig nichtssagend ist.
UND JA, GENAU ZU DIESER GATTUNG ZÄHLT DAS NUN HIER PRÄSENTIERTE BUCH.
Stellvertretend für dieses „Schlaugeschnacke“, welches sich nach Veröffentlichung solcher Schinken anschließend immer über den Rest der Menschheit ergießt, habe ich mir mal schnell die offizielle Rezension... Oder eher „Arschkriecherei“ von offizieller Stelle besorgt: VOM DEUTSCHLANDFUNK KULTUR.
Die Dame, welche das Buch nicht rezensiert, sondern es von oben bis unten sprachlich ableckt und beinahe noch einen textlichen Beischlaf ohne Verhütungsmittel aber mit viel Gleitcreme vollführt, wollen wir mal namentlich nicht weiter erwähnen... Denn von dieser Sorte Leute, denen bei dieser Sorte Bücher die Glückshormone aus den Ohren spritzen, die gibt es zuhauf und sie sind mindestens so austauschbar, wie dieser Roman
War das gehässig?
Vielleicht sogar zu gehässig?
Naja, dann bin ich eben ein unvorstellbares Arschloch.
Dieses hzier rezensierte Buch finde ich trotzdem so derartig langweilig, nichtssagend und obendrein plump und klischeetriefend, das mir persönlich aber auch schon gar nichts anderes übrig bleibt. Und ich habe auch schon “Wie man reich wird” von Donald Trump gelesen, ich weiß also, wovon ich rede.
Schlimm genug also.
Ein gestörter Typ mit Bart, der über Bärte forscht, verlässt seine Frau...
An dieser Stelle würde ICH JETZT DAS BUCH ZUSAMMENFASSEN... Aber dieses mal machen wir das etwas anders. Zur Veranschaulichung jener gerade beschriebener „Leserklientel“...
ICH werde das ganze einfach mit mit meiner eigenen, hauptschulgeprägten Bildungssicht analysieren und bewerten, um halt die Unterschiede, zwischen „Pöbel“ und „Bildungsbürgern“ zu unterstreichen.
Hier haben wir den kompletten Beitrag von DEUTSCHLANDFUNK KULTUR:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/marion-poschmann-die-kieferninseln-poetische-raeume-der.1270.de.html?dram:article_id=395544
Und davon nehmen wir jetzt mal einige Auszüge und machen ein „KALKOFES MATTSCHEIBE“ auf Literaturbasis daraus, bloß ohne die alberne, rosa Schleife und die plumpen Witze.
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
„Wie in ihren früheren Romanen hat Marion Poschmann nicht nur in der Handlung und in den Figuren eine spannungsreiche Dynamik entfalten lassen, auch ihre Sprache sei bezwingend. Unsere Literaturkritikerin ist begeistert.“
Zugegeben, „DIE KIEFERNINSELN“ ist das erste Buch, das ich von dieser Dame in die Hände bekomme habe, vor allem habe ich es gekauft, weil ich das Cover schön fand... Ja ich weiß, typisch Hauptschüler! Werden die Gymnasiasten unter euch sagen... Immer gucken die nur auf die bunten Bilder! Darum hocken die auch fast alle auf den Fluren der Arbeitsämter und bei RTL2 in den Assisendungen herum und lesen immer nur die BILD! Weil die so wenige aber dafür sehr große Buchstaben und viele bunte Bilder hat!
Aber, wenn alle Bücher von Frau Poschmann so sind wie dieses hier, dann wundert mich gar nichts mehr.
Für sie natürlich die perfekte Einnahmequelle, nichtssagende Geschichten, mit flachen Figuren und platter Handlung... Dafür aber vollgestopft mit Fakten und Wissen! Das ist im Grunde genommen die Formel dieser Bücher.
Und sie wirkt, damals beim SCHWULEN MALERMEISTER... Äh ich meine... HOMO FABER... (So nannte ein Klassenkamerad das Buch abfällig) also dem „MENSCHLICHEN FABER“, wie heute bei dieser Schlaftablette von Roman.
Es wirkt einfach immer!
Dann kann ich mir auch ungefähr vorstellen, wie diese Literaturkritikerin drauf ist und wieso sie beim DEUTSCHLANDFUNK KULTUR herumhängt. Und auch wie viele Katzen bei ihr zu Hause leben werden.
WEITER IM TEXT!
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
„Der Privatdozent Gilbert Silvester besitzt eine impulsive Natur. Kaum träumt der nur mäßig erfolgreichen Wissenschaftler, dass seine Ehefrau Mathilda ihn betrügt, verlässt er wutentbrannt die gemeinsame Wohnung und setzt sich in ein Flugzeug nach Tokyo. Dabei interessiert ihn Japan überhaupt nicht – seit jeher pflegt er eher eine Neigung zu Kaffeeländern.
Die hochritualisierte Alltagskultur mit ihren Teezeremonien, für die Mathilda sich begeistern könnte, flößt ihm Widerwillen ein. Aber nun ist Gilbert in Tokyo.“
Und da haben wir auch schon das HAUPTPROBLEM dieses Buches...
Die vollkommen wirre Grundgestaltung der Storyline.
Wer sich beim Lesen dieses Abschnittes jedoch jetzt fragt: „Wieso?! Klingt doch total logisch!“ - Sich vielleicht sogar empört und sagt: „Was soll daran wirr sein?! Das ist total genial! Du bist nur zu doof um die grundlegenden Aussagen dahinter zu begreifen!“ - Oder das Buch JETZT SOFORT auf Amazon bestellt hat, weil er oder sie es für das Großartigste hält, was er oder sie jemals gelesen hat... Ja dann... Kann ich euch auch nicht mehr helfen.
Ich könnte euch nun drei Dinge attestieren:
Eins – Ihr habt keine Ahnung von auch nur einigermaßen guter Storygestaltung
Zwei – Ihr seid Schlauschwätzer
Drei – Ihr habt unterhaltungstechnisch null Anspruch... Aber das ist okay!
Ach und Vier – Ihr seid höchstwahrscheinlich Nerds und gehört von einem Hauptschüler wie mir mal ordentlich vermöbelt und im Papiercontainer versenkt!
Zurück zur Story des Buches:
Wir haben also einen sehr merkwürdigen, impulsiven Typen, mit einem sehr englischen Namen, der träumt, dass seine Frau fremd geht, daraufhin komplett austickt, sie verlässt, weil ihn das Geträumte so sehr schmerzt (oder weil er einfach einen Dachschaden hat und mal zum Psychologen sollte) und daraufhin in ein Flugzeug steigt, um in ein Land zu fliegen, das er auf den Tod nicht ausstehen kann...
Joa, klingt logisch! Da kann man absolut nichts gegen sagen!
Wenn man beim Lesen beide Augen zu hat.
So wie damals bei DALLAS, als Bobby plötzlich wieder aus der Dusche kam, obwohl er laut altem Drehbuch gestorben war. Seine Frau hatte die danachfolgenden Episoden ohne ihn, dann einfach mal nur geträumt.
Danach gingen die Einschaltquoten so weit ich mich erinnern kann, in den Keller.
Aber in einem Buch ist das okay, da staunen sie dann mit ein wenig Glück alle: “Wie tiefgründig und mutig dieses Erzählweise doch ist, weil sie so herrlich widersprüchlich ist und Raum für Interpretationen lässt!!!”
Der gute Gilbert forscht und unterrichtet übrigens an der Universität über Bärte und ihrer Bedeutung innerhalb der Menschheitsgeschichte. Immerhin lernt man zwischendurch tatsächlich interessante Dinge über dieses Thema. Die Sache mit der „Bildung“ ist bei diesem Buch aber ja auch gar nicht das Problem...
Das einem hier auch sehr unübliches Wissen vermittelt wird und das Buch immerhin diese Aufgabe auch sehr gut meistert, all das kann in der Tat nicht bezweifelt werden.
Der ganze Rest, aus dem das Buch besteht, aber schon.
Ein offensichtlich seelisch kranker Mann mit Wahnvorstellungen, der einen schlechten Traum hatte, dreht durch, verlässt seine Frau, setzt sich ins Flugzeug und fliegt nach Japan, in ein Land das er nicht mag, das ihm sogar Angst macht... Tja... Und weiter?!
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
Mehr aus Zufall hält er auf einem Bahnsteig einen jungen Mann davon ab, sich vor einen einfahrenden Zug zu werfen. Aus dieser merkwürdigen Bekanntschaft ergibt sich eine Pilgergemeinschaft besonderer Natur, bei der der japanische Student Yosa Tamagotchi nach einem geeigneten Ort für sein Vorhaben sucht, während Gilbert Silvester ihn zwar begleitet, aber zugleich den Spuren eines Klassikers der japanischen Reiseliteratur folgt und dabei sich selbst begegnet.
Ääähhh...
Ja....
Also ich für meinen Teil musste einfach recht schnell beim Lesen feststellen:
IN DIESEM BUCH ERGIBT EINFACH NICHTS WIRKLICH EINEN SINN.
Fassen wir das also weiter zusammen:
Wir haben also einen sehr merkwürdigen, impulsiven Typen, mit einem sehr englischen Namen, der träumt, dass seine Frau fremd geht, daraufhin komplett austickt, sie verlässt, weil ihn das Geträumte so sehr schmerzt (oder weil er einfach einen Dachschaden hat) und daraufhin in ein Flugzeug steigt, um in ein Land zu fliegen, das er auf den Tod nicht ausstehen kann...
An einem Bahnhof trifft er einen extrem klischeehaft dargestellten Japaner mit Klischeenamen der allerhölzernsten Gattung. Dieser Klischeejapaner will sich umbringen, WEIL er seiner eigenen Einschätzung nach ein Looser ist, seine Eltern nicht enttäuschen und sein Gesicht nicht verlieren will...
Dieser Klischeejapaner heißt Yosa Tamagotchi und ist Student... Aber kein Guter... Ein Weichei... Ein Jammerlappen... Ein Boon...
Und weil das ja noch nicht reicht, greift die Autorin zu einem weiteren „Stilmittel“, damit auch der letzte Depp kapiert, dass dieser Klischeejapaner selbstmordgefährdet ist: Der gute Yosa trägt ein in Japan unter Selbstmördern sehr beliebtes Buch bei sich, aus dem auch gelegentlich zitiert wird, dem „COMPLETE MANUAL OF SUICIDE“. Wer nun von der gepflegten Leserschaft gerne vorzeitig über die Klinge springen will aber nicht weiß wie, hier haben wir die passende Buchempfehlung. Wirklich sehr gelungen, dieses Stilmittel...
Weil Gilbert ihn aber vollschwafelt, kann er seinen neuen Freund Yosa vom Suizid abhalten.
Also derselbe Mann, der seine Frau und das Land verlassen hat, weil er einen schlechten Traum hatte.
VOLLKOMMEN LOGISCH! SOFORT KAUFEN DAS BUCH!
Ansonsten ändert sich an dieser Figur des platten Klischeejapaners aber auch nicht mehr viel, weder an ihm, noch an Gilbert.
Beide bleiben sehr flach und blaupausenartig, unfertig, klischeehaft-ideenlos und exakt so stiefeln sie dann auf den Pfaden alter, klassischer, japanischer Reiseliteratur durch das Land. Denn Gilbert will aus irgendwelchen Gründen, die ich mir nicht merken konnte, zu sich selbst finden. Was er da finden will, außer einer Einweisung in die örtliche Nervenheilanstalt, war mir aber schon ganz am Anfang sehr schleierhaft.
Jedenfalls hat sich der gute Gilbert das so gedacht und jetzt macht er das also dann auch!
Als Vorlage für seine Pilgerreise, hat er sich bei der klasschischen, japanischen Reiseliteratur bedient.
Bei dieser „Reiseliteratur“ handelt es sich um die Reisebeschreibungen des Dichters Bashò, genauer gesagt:
Um „Oku no Hosomichi - „Auf schmalen Pfaden ins Hinterland“ - Geschrieben um 1689
Der Dichter Matsuo Bashō und sein Begleiter Kawai Sora reisten zu Fuß vom früheren Edo – Heute Tokyo, nach Oku, dem nördlichen Hinterland. Das ganze dauerte 156 Tage. Das Ziel war vor allem, während dieser Reise, auf dieser Route Orte aufzusuchen, die vor allem lyrischer, dichterischer aber auch mystischer Natur sind.
Neben dieser “Reiselektüre” sind aber auch andere japanisch-traditionelle Brauchtümer und Gepflogenheiten immer wieder Thema und wenn man die schlechte Story um Gilbert und Yosa mal weglässt, dann kann man in der Tat so einiges über die „Japanische Seele“ lernen. Vor allem aber auch immer wieder kleinere oder größere, wissenswerte Bruchstücke, wie die da drüben denn so „ticken“.
Genau damit wird dann ab und an auch mal sehr holzhammermäßig versucht, dem guten Yosa doch so ein bisschen mehr „Tiefgang“ einzuflößen. Klappt aber fast nie. Gerne endet es dann in Szenen, die aus einer schlechten Animeserie stammen könnten.
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
Es kommt zu beinahe komischen Reibungen verschiedener semiotischer Systeme. Was stellt die Erfahrung des Fremden mit automatisierten Wahrnehmungsparametern an?
Äääähhh... Ja, ganz genau!
Entweder ICH habe nen Bleistift an der falschen Stelle im Gehirn stecken oder die Rezensentin bei DFK hat zu viele Bücher dieser Art gelesen.
Was in diesem Satzbauwerk, welches selbst schon fast einen eigenen Doktortitel mit sich führt aber stimmt, ist, dass es eben nur „BEINAHE“ zu komischen Reibungen kommt. Aber wirklich „Lustig“ wurde es für mein Empfinden leider nie. Eher war es so, dass ich mich beim Lesen anschließend fremdgeschämt habe, meistens für die Figuren und ihre Handlungen, wenn man das, was sie dort die meiste Zeit hölzern verrichten, so nennen will.
Automatisierte Wahrnehmungsparameter?
Watt?!
Das nennt man doch „GOOGLE-MAPS“ oder einfach „NAVI“.
Oder verwechsle ich da etwas?!
Ach so!
Aber nein, es ergibt immer noch keinen Sinn...
Außer natürlich man hat studiert oder gekifft.
Oder zu viel Studiert UND gekifft.
Ach naja... Diese Buchkritiker, die sich dann mit solchen Schlaumeier-Satzbaustein-Vorschlaghämmern ihrer eigenen Hochintelligenz versichern können und müssen. Aber ist halt in der Literaturszene so, was will man machen.
ICH weiß zwar nicht, wo man irgendwelche von diesen „Automatisierten Wahrnehmungsparametern“ im Buch finden kann oder will oder soll... Bei einer Geschichte, in der zwei kaputte, fast autistisch-wirkende Typen von A-nach-B reisen und der eine den anderen fast pausenlos vom Selbstmord abhalten muss...
Und was die „SEMIOTISCHEN SYSTEME“ angeht... Hießen nicht die Bösewichte in Haruki Murakamis Roman „Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt“ so?.
Egal, Hauptschule eben... Hauptsache man hat uns beigebracht, wie man ausrechnet, wie viele Ziegelsteine und Liter Zement man braucht, um eine Hauswand zu mauern. Weil wir ja alle später was mit Handwerk machen würden, weil Hauptschüler halt...Das muss der Grund sein, weshalb ich dieses Buch nicht mit Lob überschütte... Und mit Fremdwörtern der höheren Qualitätsstufen.
Na egal, weiter im Text.
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
„Nicht nur die Handlung und die Figuren entfalten eine spannungsreiche Dynamik. Wie in früheren Romanen ist Marion Poschmann in der sprachlichen Gestaltung ihrer poetischen Räume bezwingend.“
Poetik kommt vor, aber meistens nicht, wenn man die Figuren bei ihrem wirren, langweiligen Treiben begleiten darf. Poetisch wir es dann, auch spannend manchmal, wenn die Autorin ihre beiden Holzfiguren mal beiseite stellt oder sie als bloße Instrumende benutzt, um dem Leser dieses oder jenes näherzubringen.
Dann lernen wir beispielsweise, dass man in Japan die einheimischen Kiefern in männlich und in weiblich unterscheidet: Die Rotkiefer – Akamatsu ist weiblich und die Schwarzkiefer – Omatsu ist männlich.
Die Rotkiefer wächst meistens auf dem Festland und in Wäldern und die Schwarzkiefer eher in Küstennähe.
Das sind jene Momente, in denen das Buch durchaus interessant ist und einen fesseln kann.
Nicht aber das Theater, welches die beiden Figuren veranstalten, das pendelt zwischen nervig – langweilig – peinlich – holzhammerartig hin und her, kann sich nicht entscheiden, fährt falschherum in die Sackgasse, geht nicht über Los und zieht keine zehntausend Mark ein. Verstanden? Ich nämlich nicht!
Weiter!
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
„Am Ende gelangt Gilbert Silvester allein zu den ikonographischen kleinen Felseninseln am Küstenrand in Matsushima mit ihren windschiefen Schwarzkiefern. Er hat längst begonnen, Briefe nach Hause zu schicken. „
Also ERST meiner Alten daheim eine Szene machen, weil ICH schlecht gepennt habe, ihr vorwerfen, sie hätte mich betrogen, sie dann einfach stehen lassen, in einem Flugzeug nach Japan fliegen, alle Kontaktversuche meiner Ollen abblocken und ihr dann auch noch, zumindest anfangs „Böse Briefe“ schreiben und sie anfangs am Telefon mit Psychoterror zu überziehen...
Und sich am Ende der Geschichte wünschen, dass sie ZU MIR NACH JAPAN kommt!
Exakt das tut Gilbert nämlich.
Ja, dieser Mann hat mal Eier in der Hose!
Da weiß Frauchen noch, wo daheim der Hammer hängt!
Nein, jetzt mal ehrlich: WAS.FÜR.EIN.ARSCHLOCH
In seinem letzten Brief an seine Frau, schwafelt der liebe Gilbert, der definitiv in eine psychiatrische Einrichtung gehört, seine Frau und den Leser von oben bis unten mit Gedankengängen über die Schönheit der Natur und die Gegebenheiten der Kiefern voll.
Ich dachte am Ende nur noch: HOFFENTLICH HAT SIE LÄNGST DIE SCHEIDUNG EINGEREICHT.
Und nein, der kaputte Gilbert ändert sich nicht, er hinterfragt seine eigene, bekloppte Denkweise nicht, kommt nicht auf die Idee, sich Tabletten dagegen verschreiben zu lassen oder mal eine Urschrei-Therapie zu machen. Er bleibt der selbe Kackboon, der selbe Donald-Trump-Charakter wie am Anfang, nur dass er am Ende dasitzt und Haikus zusammenkritzelt.
Rein erzählerisch ist die Grundstory, also das, was dieses Buch eigentlich ausmachen müsste, eine einzige Schießbudenshow. Gilbert bleibt eine platte, fast peinliche Figur, Yosa bleibt eine fast schon beleidigende Klischeezusammenstückelung und erst ab Seite 99 kann man davon reden, dass die Geschichte an sich, zumindest etwas an Fahrt aufnimmt.
Ach ja, einen DDR-Zitat-Flachwitz gibt es auch noch: Seite 27
„-Niemand hat die Absicht, einen Scherz zu machen.“
TAAAAATAAAAA!!!! TAAAATAAAAAAAA!! TAAAATAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!
Und im Anschluss erzählt uns AKK ihre hundert besten Gendertoilettenwitze!
Tja, wenn es das ist, was diese Leserklientel und auch die Autorin unter guter Unterhaltung verstehen, dann kann man auch gleich sein Bücherregal und das E-Book im Garten verbrennen und einfach noch alle alle Staffeln „FRIENDS“ und „KING OF QUEENS“ gucken. Das ist in vielen Belangen vielleicht dümmer und platter aber auf alle Fälle besser, vor allem was die Figuren und ihre Motive anbelangt.
Niveautechnisch ist dieses Buch in meinen Augen ein Auffahrunfall am Stauende auf der Autobahn mit mindestens zehn Toten und jeder Menge Gaffern, die am Unfallort Selfies schießen, anstatt zu helfen.
Schade um das bedruckte Papier eigentlich... Hätte man besser Servietten für ein Asia-Restaurant draus machen können oder Yu-Gi-Oh!-Karten.
Aber dann könnte die gute Frau vom Deutschlandfunk-Kultur nicht so tolle, inhaltlich komplexe, sich selbst aufschachtelnde, konreflexible Analysesynonyme zusammensetzen und diese dann kontextsensitiv im literarischen Raum ausbreiten.
(Mindestens einen der Begriffe habe ich mir ausgedacht, viel Spaß beim Suchen)
FAZIT
Ja, die Story ist scheiße.
Von vorne bis hinten.
Die Figuren sind daneben.
Der Gesamtkontext des Storyverlaufes ist unlogisch und widersprüchlich von hier bis nach Meppen.
Aber ganz und gar schlecht ist das Buch aber dennoch nicht, denn es hat auch gute Seiten.
Da sind die vielen kleinen und Großen Dinge, die man über Japan erfährt, vor allem über die Natur und den gedanklichen Umgang der Menschen in diesem Land mit ihrer Umgebung. Da ist auch immer wieder sehr deutliche und absolut zutreffende Kritik an der fortschreitenden „Verwestlichung“ und der immer weiter verfallenden Wertschätzung des eigenen Erbes.
In der ebenso wirren Annahme von Gilbert, dass jener Pilgerweg, jene Reisestrecke, welche einst Basho und Sora um 1600 beschritten haben, würde immer noch genauso romantisch existieren, landet er immer wieder an Orten, die damit nichts mehr zu tun haben.
Oftmals sind diese idyllischen Orte inzwischen schon lange verurbanisiert, vollgebaut, abgerissen, plattgemacht, zugebaut...
Ab und an hat man hier und da noch was stehen lassen, drumherum alles mit seelenlosem Beton zugekleistert und man hat das Erhaltene verkommen, vergessen, verfallen, sterben, vergessen lassen.
Diese bekannte, feine, peotische, tief respektvolle, anmutige Art der Wahrnehmung, der Anteilnahme und des Umgangs mit sich und ihrer Umwelt, er geht den modernen Japanern immer mehr und mehr, wie Sand in einer Sanduhr, Körnchen für Körnchen verloren...
Darüber mukiert sich die Autorin und damit hat sie auch vollkommen Recht!
Sie kann dem Leser dieses empfinden, dieses Tatsachen schon ein Stückchen weit näherbringen, denn dann, wenn sie dies tut, dann ist dieses Buch tiefpoetisch, nachdenklich und in der Tat wunderschön und vor allem hochinteressant.
Leider aber ist die Story um Gilbert und Yosa und ihrer Pilgerreise die gar keine mehr ist, eine totale Katastrophe, von Anfang bis zum Ende.
Japanfans jedoch, die können dennoch gerne zugreifen! Für die lohnt es sich dennoch!
Deutschlehrer, die ihre Schüler bestrafen wollen, weil diese freitags lieber demonstrieren gehen, anstatt HOMO FABER zu lesen... Ja auch die können gerne zugreifen und anschließend ihre Schüler mit diesem Schinken quälen, bis sie sich freiwillig bei Audi oder BMW einen SUV vorbestellen.
Und Klugschwätzer, Bildungsbürger und alle, die gerne damit angeben wollen oder müssen, wie groß ihre Gehirne sind, wie toll sie mit Fremdwörtern Sätze bauen können, für die der Normalbürger einen Volkshochschulkursus besuchen muss... Auch ihr könnt gerne zugreifen! Eure Bühne zur Selbstdarstellung steht bereit!
Dem ganzen Rest empfehle ICH Haruki Murakami oder Banana Yoshimoto.
Ach ja!
„SEMIOTISCH“ bedeutet laut Wikipedia:
„Semiotik (altgriechisch σημεῖον sēmeĩon ‚Zeichen‘, ‚Signal‘), manchmal auch Zeichentheorie, ist die Wissenschaft, die sich mit Zeichensystemen aller Art befasst (z. B. Bilderschrift, Gestik, Formeln, Sprache, Verkehrszeichen). Sie findet unter anderem in verschiedenen Geistes-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Anwendung.“
Grob übersetzt ist damit, im Falle von Gilbert und Yosa also deren Sozialverhalten untereinander gemeint oder auch einfach der Umstand, das eine Person, in dem Fall Gilbert in ein völlig Fremdes Land, also in ein ihm vollkommen fremdes Umfeld hineingerät und sich darin zurecht finden muss.
Mit den „SEMIOTISCHEN SYSTEMEN“ ist somit jeweils die Kultur, die Lebenswelt der beiden gemeint, die sich ja dann doch grundsätzlich sehr stark voneinander unterscheiden.
Hätte man als Kritiker so schreiben KÖNNEN, hätte dann aber nicht mal ansatzweise so oberschlau geklungen.
Und das ist schließlich am Ende immer noch das Wichtigste dabei.
------------------------------
Marion Poschmann
„Die Kieferninseln“
Taschenbuch
Suhrkamp
Ersterscheinung 2009
Preis: 9,00€
PERSÖNLICHE NOTE: 4+
------------------------------
Letzter, immer noch nichtssagender Akt
Inzwischen ist der Wind, der die Bäume mehr und mehr hin-und-her biegt, die Wellen im Wasser immer schneller vor sich herhetzt und die Wolken fast eine unsichtbare Schneeschaufel vor sich herschiebt, so richtig ungemütlich geworden...
Die Schwarzkiefern, unter denen Cayman und der Kameramann immer noch sitzen, sie ächzen und knacken...
Der Kameramann schaut herüber zu den Lichtern des Hotels:
„Ist dir jetzt inzwischen was eingefallen?!“
Cayman, der immer noch entspannt auf seinem Stein sitzt und am Stamm einer der Kiefern lehnt, meint:
„Nö du! Ich hab Urlaub! Der Witz kann sich auch mal um sich selber kümmern!“
Der Kameramann steckt die Hände in die Hosentaschen:
„Hat dir dieses lahmarschige Buch so derartig alle Dummer-Humor-Energie geraubt?! Ich meine, das schreit doch geradezu nach einer passenden Verasche, in Richtung „Wir schläfern jemanden damit ein!“ oder nicht?!“
Cayman antwortet:
„Dieses Buch ist wie Homo Faber von Max Frisch! Deutschlehrer und Bildungsmenschen werden es lieben! Und wenn man sich selber als schlau darstellen will, dann lässt man diese beiden Schinken einfach nebeneinander auf dem Tisch liegen oder im Regal stehen! Und alle werden beeindruckt sein, was für anspruchsvolle Bücher man doch liest!“
Dann schweigen beide...
Der Kameramann schaut Cayman an:
„Tja also... Dass iss... Tschjoa... Kann man glaube ich so sagen... Joa!“
Dann erhebt sich Cayman, streckt sich und meint:
„Und jetzt ab zurück ins Hotel! In ner halben Stunde ist All You Can Eat Buffet am AIRBNB-Reservistentisch!“
Cayman fügt noch hinzu:
Und Außerdem! Jedem das Seine! Du das eine, ich das meine!“
Dann geht Cayman zurück zum Hotel...
Der Kameramann bleibt noch eine kurze Weile an Ort und Stelle stehen...
Nachdenklich blickt er in den hektisch vobeiziehenden Wolken auf ihrer Reise zu...
Der Wind gibt sein gleichmäßiges Dröhnen in der Ferne und das Rauschen der Bäume und des Wassers zum besten...
Der Kameramann steht einfach nur da und wartet auf etwas...
Etwas, das nicht kommt, das nicht kommen wird, weil es heute nicht da ist, weil es nie da war...
Der Witz, die finale, dumme Poernte, sie will einfach nicht kommen...
Der Kameramann murmelt, schelmisch grinsend:
„Zwölf! Man braucht genau zwölf Japaner um eine Glühbirne auszuwechseln!“
Dann geht auch er zurück zum Hotel...
Nichtssagendes Ende










