Vollkommene Stille umgibt sie hier an diesem Ort, den es offiziell nicht gibt, nie gegeben hat und auch nie geben wird, der nur ein Gerücht, eine wage Vermutung ist und auch nie mehr als das sein wird...
Wie es aber dennoch dazu kommen konnte, dass ausgerechnet hier an diesem Ort jemand unbemerkt eindringen konnte, wird vermutlich auf ewig ein Rätsel bleiben...
(Es sei denn, man hält sich vor Augen, dass dies hier die blaue Simulation ist...)
Der vollkommenen Dunkelheit stehen zwei Notlichter über der Panzertür mit ihrem schwachen Schein entgegen, in seichten Umrissen geben sie die Formen der Steuerkonsole zu erkennen, noch ist diese nur ein großer, klobiger, dunkler Klotz...
Aber nicht mehr lange...
Vor der Konsole, das stehen nun auf einmal zwei dunkle Gestalten, die eine beleuchtet den großen Metallklotz vor sich mit einer klitzekleinen LED-Taschenlampe, die andere Gestalt folgt deren Lichtschein aufmerksam...
Dann sagt die eine Gestalt plötzlich:
„Stop! Da ist der Einschaltknopf!“
Die andere Gestalt schaltet die Taschenlampe aus und meint:
„Na dann schalt ein!“
Kaum wurde der Knopf gedrückt, erwachen die Konsole, das Labor und auch das Tor augenblicklich zum Leben...
Der Raum ist nun erleuchtet, vor allem von jenem Licht, welches vom „Tor“ und seiner „Simulation“ in den Raum geworfen wird...
Nun sind auch die beiden ominösen Gestalten zu erkennen, welche hier in diesen Ort eingebrochen sind, um etwas zu tun, das sie mit Sicherheit noch bereuen werden oder schon haben...
Cayman und der Kameramann betrachten stolz ihr Werk, das eingeschaltete Labor und vor allem „DAS TOR IN DIE SIMULATION“...
Gerade, als der Kameramann überprüfen will...
Spricht die computergenerierte Stimme von Kevin Spacey zu ihnen
„Oh! Hallo! Ich hatte so schnell nicht mit einer weiteren Testrunde gerechnet! Wie kann ich Ihnen beiden denn behilflich sein, meine Herren?“
Cayman schaut den Kameramann an, der wählt auf dem Konsolenbildschirm den gewünschten Ort aus: „BÜRO – 22:00 UHR – BLAUE REALITÄT“, dann drückt er auf „OK“.
Der Computer meint:
„Eine sehr gewagte Wahl, meine Herren! Also ich muss schon sagen! Aber von Ihrem Standpunkt aus, natürlich vollkommen nachvollziehbar! Passen Sie auf sich auf!“
Cayman antwortet:
„Danke, werden wir!“
Der Kameramann schaut die Konsole an und sagt:
„Wir trauen dir nicht!“
Der Computer antwortet:
„Das weiß ich... Aber habt ihr in diesem Augenblick denn eine andere Wahl?“
Der Kameramann zieht sich seine Jacke glatt, dann gehen er und Cayman die Treppe zur Rampe herunter...
Kurz bevor sie die Simulation betreten, dreht der Kameramann sich noch einmal um und sagt:
„ICH WARNE DICH FREUNDCHEN! MACH KEINEN SCHEISS MIT UNS!“
Der Computer antwortet darauf nicht...
Dann verschwindet der Kameramann ebenfalls im grellen Schein der Simulation.
Sie können Massenware sein und „Call of Duty“ oder „Need for Speed“ heißen...
Sie können Kultstoff sein und beispielsweise „Borderlands“, „Super Mario“ oder „Day of the Tentacle“ heißen...
Sie können ein Massenphänomen sein und „Fortnite“ oder „Destiny“ heißen...
Sie können ramschiger Billigmist sein und „Dangerzone“ oder „Sniper 1 bis 3“ heißen...
Sie können trockene Realität sein und „Landwirtschafts Simulator“ oder „Feuerwehr Simulator“ heißen...
Sie können verstörende Kunst sein und „Death Stranding“ oder „P.T“ heißen...
Sie können Meister des Storytelling sein und „INSIDE“ oder „Bioshock Infinite“ heißen...
Sie können gnadenlose Satire sein und „Duty Calls“ oder „Shadow of the Lootbox“ heißen...
Sie können nicht selten das Pech haben, von Pewdiepie oder wie dieses hyperaktive Schreikind heißt, in Grund und Boden „Geyoutubed“ zu werden...
Sie können vieles sein, auch gerne mal ein interessantes, sich allen Genres verschließendes und mit viel Liebe und Hingabe, Köpfchen und Seele ausgebautes „Kunstwerk“ sein, welches man erst einmal richtig begreifen muss. Nicht immer gelingt dies, da manche dieser Spiele, aus dieser Gattung das auch gar nicht wollen.
Sie bleiben auf ewig in gewisser Weise ein Mysterium und ziehen Spieler auch viele Jahre später noch in ihren Bann und geben auch lange Zeit später noch, immer wieder und wieder neue Geheimnisse preis. Meistens, weil es Spieler schaffen, irgendwann schaffen, mit viel Hingabe, Ausdauer und Duchhaltevermögen ihren Geheimnissen auf die Spur zu kommen.
Manche Spiele, wie „P.T“, „INSIDE“ oder eben die beiden „ASEMBLANCE“-Teile wollen genau das!
Sie wollen ein Mysterium bleiben, sie wollen eben nicht alles preisgeben, sie wollen nicht einfach nur eine gewisse Weile lang unterhalten und das war es dann. Sie krallen sich regelrecht an ihre Geheimnisse und geben diese nur dann her, wenn schlaue Spieler und Let`s Player entweder mit der Lupe und unendlich Geduld ankommen oder ihnen mit dem Vorschlaghammer jene „Ketten“ kaputthauen, welche sie vor ihre „Türen“ gehängt haben, damit auch ja keiner dahinter sehen kann.
Erst neulich hat ein gewitzter Youtuber im Horrorspiel/Demo-Spiel „P.T“ herausgefunden,wie die „Geisterfrau“ wann im Spiel wie verbaut worden ist und auch was dann mit ihr hinter den Kulissen passiert. Um ehrlich zu sein, der Job einer Videospielfigur ist ein sehr schmerzhafter, mit vielen absurden Verrenkungen verbundener Akt. Teilweise geschehen im Sinne einer guten Inszenierung ausgesprochen bizarre Dinge mit der Dame, welche sogar um ein vielfaches verstörender aussehen, als das, was tatsächlich ingame passiert.
https://www.youtube.com/watch?v=c7M2pMDHEVE
Zu genau diesen Spielen zählen auch die beiden „ASEMBLANCE“-Teile, denn auch sie geben rein gar nichts freiwillig von sich preis, sie leben sogar davon, dass der Spieler sich einen abquält, bis das Spiel ihm überhaupt mal einen Krümel zuwirft. Ob man dann als Spieler Googel fragt, Foren und Seiten besucht, Videos anschaut, mit Leuten schreibt, noch mehr forscht und selber ausprobiert...
ASEMBLANCE legt es genau darauf an.
Wer alleine schon im ersten Teil zur Lösung kommen will, zumindest zu etwas, das so aussieht, wie die Lösung jenes Beziehungsdramas, welches sich innerhalb der Story abspielt, der muss viel mehr tun, als einfach nur zu zocken.
So wird man schon im ersten Teil einfach mitten hinein geworfen:
Es ist dunkel, Alarmsirenen, Alarmlichter, dann fährt der Pc, die Konsole vor einem wieder hoch, der Rechner, die KI... Sie redet, beruhigt, stellt inpertinente Fragen, wie es einem emotional gerade geht, irgend ein Experiment scheint aus dem Ruder zu laufen oder gelaufen zu sein, es gibt da eine Datei, die der Rechner neu laden kann, ein Tor in eine „Simulation“ aktiviert sich, WIR sollen da hineingehen...
Irgendwann versteht man, dass man in der Haut eines Wissenschaftlers steckt, der scheinbar den Entschluss gefasst hat, sich vor etwas zu verstecken, vor etwas davonzurennen. Schnell wird dann klar, es gab oder gibt massive Probleme in seinem Leben, in der Simulation seines Büros, auf dem Anrufbeantworter weint und fleht seine Frau... „WO BIST DU?!? ICH BRAUCHE DICH!!! BITTE KOMM NACH HAUSE!!!!“.
Der Wissenschaftler hat an einem Projekt gearbeitet, in dem es um Erinnerungen und ihre Nachstellung als Simulation geht, es gab Testpersonen, eine Liste liegt auf dem Schreibtisch, einige Namen durchgestrichen, strengste Geheimhaltung.
Ein Mann und seine Maschine, seine Wissenschaft, sein Projekt, er flüchtet vor seiner Frau, die offensichtlich Hilfe braucht, später hört man ihn, den Wissenschaftler auf einem Anrufbeantworter sprechen, kalt, gespielt gefasst, arrogant, abweisend, trocken, sie solle damit aufhören und sich Hilfe holen.
Bereut der Wissenschaftler jetzt? Tut er Buße? Steckt er in seinem eigenen Experiment fest?
Der Computer jedenfalls, der scheint etwas zu verbergen, zu lügen, zu manipulieren, man wird als Spieler das Gefühl nicht los, dass die KI irgendwie mit drin steckt. Vielleicht ist der Wissenschaftler ja die Versuchsmaus?
Es bleibt nicht aus, dass man irgendwann auch gegen den Computer vorgehen muss, ob es was gebracht hat?
Wer in diesem Spiel die Kontrolle hat, ob überhaupt jemand die Kontrolle hat, auch das bleibt unbeantwortet.
Wo bist du? Wo bin ich? Wo sind wir?
ASEMBLANCE weiß aber nicht nur in Sachen psychologischer und erzählerischer Verwirrung den Spieler wie eine Labormaus durch sein Labyrinth zu scheuchen. Auch der Grusel, der sich bis hin zu grauenerregenden Horror steigert, aus dem Nichts, ist beeindruckend. Vor allem, mit welchen einfachen und minimalistischen Mitteln dies passiert.
Eben noch erforscht man in der Simulation das Apartment des Wissenschaftlers und seiner Frau, alles ist hell, modern und freundlich, wirkt wie das ganz normale Zuhause eines glücklichen Paares, einer glücklichen Familie... Auf dem Wohnzimmertisch aber auch anderswo liegen Fotos mit Mutter, Vater und Kind...
Und dann findet man heraus, dass wenn man auf die kleine Digitaluhr im Wohnzimmer zoomt...
Man plötzlich in einer anderen „Version“ seines Zuhauses ist, sich an einem Ort befindet, an dem mindestens etwas sehr unangenehmes passiert ist, vielleicht sogar noch mehr...
Als man das Schlafzimmer betritt, steht die Badezimmertür auf, Licht flackert, wirft den Schatten einer Person, die Musik lässt einem einen kalten Schauer der Rücken herunterlaufen...
Als man das komplett leere Badezimmer betritt, steht da die eigene Frau, in einem schwarzen Kleid, wütende Körperhaltung, einem die ganze Zeit über den Rücken zugedreht...
Was dann passiert? Man hat auf alle Fälle das Bedürfnis, sich die Augen zuzuhalten.
Es fließt weder Blut, noch geschieht Gewalt, es gibt keine Monster und keine Kämpfe und doch versinkt das Spiel immer mal wieder, vor allem aber in dieser Szene in subtilem Horror. Später dann, da quält einen das Spiel auf eine andere Weise, wieder mit der Frau des Wissenschaftlers, nun findet man sie immer wieder trauernd, weinend vor, man möchte zu ihr gehen und sie trösten... Aber jedes Mal, wenn man sich ihr nähert, landet man wieder in einer anderen Simulation, einer anderen Version der Realität, einer Alternativversion, man weiß es irgendwann nicht mehr.
In diesem Sog, da wird immer mehr und mehr klar, wie tief das Paar in seiner Trauer, seiner seelischen Isolation, seiner Entfremdung zueinander versunken ist, unrettbar. Der Spieler mutmaßt, der Mann ist da, die trauernde, wütende, depressive Frau in ihrem schwarzen Kleid ist da..
Aber wo ist das Kind, welches auf den Fotos in der Wohnung zu sehen ist?
Zumindest in der „Heile-Welt-Simulation“, als noch alles so war, wie es eigentlich doch sein soll?
Dies kann hier auch recht schmerzfrei gespoilert werden, falls man dies überhaupt als Spoiler benennen kann, denn es sagt nichts darüber aus, was genau vorgefallen ist und überhaupt: Warum er in dieser Simulation ist?
Und auch nicht, was der Computer zu verbergen hat, wenn er denn etwas zu verbergen hat.
Eine Antwort oder irgendeine Lösung, wie man sie bei klassisch erzählten Spielen bekommt, bleibt hier aus, man muss entweder selber forschen, suchen, googeln, lesen sich austauschen, noch mehr lesen und sich seine Antworten selber zusammensuchen. Ohnehin ist es in ASEMBLANCE nicht einfach, es ist sogar knackeschwer, die finale Antwort zu finden...
Das unscheinbare Loch in der Schlafzimmerwand...
Um in ASEMBLANCE zu verstehen oder zumindest einen Pfad für sich selbst zu finden, auf dem man schließlich seine eigenen Schlüsse ziehen kann, MUSS man sich ausgesprochen intensiv mit dem Spiel beschäftigen. Man MUSS oder SOLLTE im Internet Recherchen anstellen, sich andere Spieler ansehen, vielleicht sogar das, was diese Leute in ihren Streams machen... einfach mal Nachmachen!
Denn selbst das kann zur Fleißarbeit werden, denn sogar Profispieler und Profistreamer brauchen zuweil mehrere Wochen, bis sie beispielsweise in der „WEIßEN SIMULATION“ angekommen sind und ihr Ziel erreicht und eine „Antwort“ gefunden haben.
Diese „Antwort“, so viel sei ruhig schon mal verraten, ist zumindest zum Teil schon die ganze Zeit über da, im Schlafzimmer im Apartment des Ehepaares. In der Schlafzimmerwand gibt es an einer Stelle ein kleines, unscheinbares aber extrem detailliert dargestelltes Loch in der Wand.
Den passenden Hinweis, den gibt es als Wink mit dem Baumstumpf mitten vor die Stirn gleich mit, denn das Mädchen auf dem Gemälde scheint verträumt in die Ferne zu blicken.
Allerdings nur solange man nicht weiß, was da mal, anstelle des Loches an der Wand hing.
Will man die Antworten dazu bekommen, was da mal an der Wand hing, will man also eine Art „finale Antwort“ erhalten, dann muss man eben in jene „Weiße Simulation“ gelangen und man muss zur richtigen Zeit, am richtigen Ort sein und Geduld haben.
Ein Lets`s Player hat es mal nach drei Wochen Dauerarbeit endlich geschafft...
Dann blitzt die Antwort, die vermeintliche Antwort, die endgültige Antwort kurz auf...
Aber auch nur, wenn man es richtig gemacht hat. Ansonsten, wenn man einfach glaubt, man bekäme das schon alleine hin, weil so schwer kann das doch mit den paar Leveln, wo man ohnehin nicht viel machen kann, nicht sein...
Ja dann bewegt man sich nicht selten in einer Endlosschleife immer im Kreis, wie ein dummer Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt und glaubt, er bekäme das komische Teil das er da jagt schon noch zu fassen.
Und für die Ungeduldigen und die einfachen Geister unter den Spielern, da gibt es so eine Art „Instant-Pseudoende“, mit einem Monolog und jeder Menge Philosophie und einer Tür im Weltraum.
„Wie jetzt?! DAS WARS SCHON?!“ - Werden sich manche Leute fragen, weil sie die Tiefe und den Anspruch, den das Spiel einfordert, nicht verstehen. ASEMBLANCE erzählt zwei Geschichten zugleich, die eine handelt von Wissenschaft, die außer Kontrolle gerät und augenscheinlich selbstdenkenden Computern, denen der Mensch ausgeliefert ist. Und die andere handelt von Verlust, Trauer und dem schlimmst-möglichen Fehler, den ein Mensch machen kann, den man seinem Partner antun kann, von der Zerbrechlichkeit des „Glücks“ und des Lebens und dem Scheitern eines Menschen, an seiner Unfähigkeit, Gefühle zuzulassen.
Vielleicht erzählt das Spiel auch einfach vom Verlauf einer Depression, von einem Menschen, einem Wissenschaftler oder seiner Frau. In einer Depression gefangen und nicht in der Lage ist, sich auch eigener Kraft zu befreien. Vielleicht sogar von zwei Menschen, denen es so ergeht, von Schuldgefühlen, die zu spät kommen, von verpassten Momenten, Chancen alles zumindest besser zu stellen.
Die Momente des inszenierten Horrors, des Psychoterrors, sowie die extrem detaillierte Grafik, welche den Spieler auch den kleinsten Noitizzettel lesen lassen kann, all diese Dinge, sie könnten die Antwort auf alles bringen oder aber noch weiter von ihr wegführen.
Am Ende, da konzentriert man sich aber ohne darüber diskutieren zu müssen, am allerbesten auf das unscheinbare, kleine Nagelloch in der Schlafzimmerwand. Die Frage ist aber dann, wie man es schafft, diesem winzigen, unbedeutenden Loch in dieser sonst so makellosen Wand sein Geheimnis zu entlocken.
Der Youtuber, den ich dabei verfolgen konnte, der rastete vollkommen aus vor Freude, als die Schlafzimmerwand ihm ihr Geheimnis schließlich für einen kurzen Augenblick preisgab. Nach über drei Wochen „ackern“ im Labyrinth aus Wald, Büro, Apartment, Weltraum und dem Labor und den verschiedenen Farben, welche man durchschreiten muss. In der richtigen Reihenfolge, an der richtigen Stelle. Er hatte dies geschafft und konnte sein Glück gar nicht richtig fassen. Und da wird er vermutlich nicht der einzige aber einer aus einer beinahe schon „Elitären Truppe“ von ASEMBLANCE-Spielern sein, denen dieses Privileg zuteil wurde.
https://www.youtube.com/watch?v=-gzufRXhm-M
Und genau da kommt DER BLAUE SCHMETTERLING ins Spiel, bei diesem brutalen, einöden aber belohnenden Labyrinthlauf.
Sie ihn nur an, wenn du bereit dazu bist.
Für die Digitaluhr gilt das selbige...
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Asemblance
Entwickler: NiLo Studios
Publisher: NiLo Studios
Gespielte Version: XBOX One
Preis: 10,00 €
(Persönliche) Note: 1++
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Letzter – Weißer Akt
Sie mussten zwar einen Umweg nehmen, nun aber sind sie genau dort, wo sie hin wollten...
Das Apartment des Wissenschaftlers und seiner Frau, in der „WEIßEN SIMULATION“...
Aufmerksam betrachten Cayman und der Kameramann die Schlafzimmerwand zu ihrer linken Seite, dort, wo diese klitzekleine, fast vollkommen übersehbare Nagelloch ist, wo einst etwas ausgesprochen wertvolles gewesen sein muss, etwas, das nun fort ist...
Von allen Seiten betrachten sie die Schlafzimmerwand, sie wollen, dass es erscheint...
Sei es über einen kurzen Fehler in der Matrix oder aber, weil sie endlich alles richtig gemacht haben...
Sie laufen hin und her, vor und zurück, bücken sich, schauen von schräg oben oder unten...
Sie wissen, dass es da ist, es war die ganze Zeit da, in dieser Realität, der Weißen auf alle Fälle...
Der Wissenschaftler, dessen Erinnerungen sie hier betreten, in dessen Erinnerungen sie gefangen sind, hat das, was da einst an der Wand hing, das nun nicht mehr als ein kleines, unscheinbares Loch in der Wand ist, tief in seinem Herzen, tief in seiner Seele verschwinden lassen...
Aber es ist immer noch da, das was da einst an der Schlafzimmerwand hing, auf das das Mädchen auf dem Bild daneben mit diesem melancholisch-veträumten Gesichtsausdruck blickt, wie auf eine schöne aber für immer verlorene Erinnerung...
Es ist immer noch da!
Nur ist es für die allermeisten, wie auch für den, dem diese Erinnerungen gehören, unsichtbar geworden...
Aber wenn man den Trick kennt, den Haken an der Sache, wenn man Geduld hat und schlau ist, dann kann man es sehen, dann erscheint es für einen kurzen aber erhabenen, allesaufklärenden Moment...
Und gerade, als Cayman und sein Kollege sich starr auf das kleine Nagelloch an der Wand starrend ein Stück nach hinten von der Wand wegbewegen...
Da passiert es...
Das Bild hängt wieder an seinem Nagel, an der Wand, als sei es schon immer da gewesen, als wäre nur der Fokus verstellt gewesen, wie bei einer Profikamera, absichtlich verstellt, damit der Betrachter selbst etwas bestimmtes nicht mehr wahrnehmen, nicht mehr ertragen muss...
Oder besser: Wie bei einer Brille mit einem Farbfilter, einer 3D-Brille zum Beispiel, bei der nur dann sichtbar wird, wenn man durch ihre Linsen blickt.
Nun aber, da können sie es sehen, jetzt ist ihnen auf einmal alles klar!
Cayman ruft: „Geil! Wir haben es! Wir haben es!“
Der Kameramann kneift die Augenlider zusammen, konzentriert sich voll auf das Bild: „Allerdings! Wir habens!“
Cayman sagt: „Na dann jetzt schnell die Simulation verlassen und zurück in die echte Welt!“
DA FLATTERT EIN BLAUER SCHMETTERLING DURCHS SCHLAFZIMMER, SCHLÄGT ÜBER DEM BETT EINEN BOGEN UND LANDET MITTEN AUF DEM BILD...
GENAU IN DAS BLICKFELD UNSERER BEIDEN HELDEN...
Cayman kann noch so etwas wie: „OH NEI.....“ sagen...
Dann verschieben sich erneut die Ebenen, die Pixel, die Erinnerungen, die faktische und die künstlich erzeugte Realität, alles verschiebt sich, in scheinbar alle Richtungen, viel intensiver als jemals zuvor...
Und keiner weiß, am allerwenigsten Cayman und der Kameramann selber, wo, wieso und warum sie wohl nun landen werden...
Dann zerreißt es auch die restlichen Pixel, die synthetische Realitätsdarstellung, das gesamte Grundgerüst, vielleicht auch den Computer, alles, einfach alles...
Dann wird es kurz dunkel, bevor sich die Pixel, ihre Phasenebenen, die Erinnerungen, wieder aufgebaut haben, erneut zu etwas zusammensetzen...
Cayman liest > Marion Poschmann > Die Kieferninseln > Roman
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Erster, nichtssagender Akt
Die Schwarzkiefern, die „Omatsu“, wie sie nur in Küstennähe und auf dem Inseln Japans wachsen, sie haben schon vieles gesehen, in ihrem langen, sagenumwobenen, magischen Leben, wie die Japaner es so gut wie allem in ihrer Heimat andichten. Doch soetwas wie diese beiden Gestalten, das haben sie wahrlich noch nie gesehen! Und das auch noch an einem Tag wie dem Heutigen!
Ein Tag, ein Abend, welcher von den dicken, grauen Wolken am Himmel regelrecht aufgefressen, einfach verschluckt wird. Den Rest weht der stetige Wind einfach davon, der auch die dicken, grauen Kolosse am Himmel wie in Fließbandarbeit davon schiebt...
Es ist weder kalt noch warm, an diesem unwetterluftfeuchten Abend. Das Hotel, auf das Cayman und sein Kollege der Kameramann blicken, wirkt von dieser kleinen Insel aus beinahe wie ein unerreichbarer Ort. Wie ein weitentferntes Märchenschloss, welches voller magischer Feuer, in einer bergigen, von dunklen Bäumen überwucherten, fernen Welt erbaut wurde. Doch sind die beiden gerademal fünf Minuten zu Fuß über die breite Holzbrücke auf dieses kleine Eiland gelaufen.
Der Wind dröhnt und faucht in der Ferne, lässt die Kiefern auf der kleinen Insel und auf dem Festland schaukeln und rauschen, fast wie Laubbäume, als würde der Wind der Kiefer ein anderes Dasein, eine andere Erscheinung aufzwingen wollen.
Cayman und der Kameramann sitzen derweil auf einem großen, flachen Stein und denken an nichts besonderes.
Cayman schaut den Kiefern beim schaukeln zu und der Kameramann hält dem Wetter sein stures Gesicht hin, auf das der Wind sich gezwungenermaßen zerteilen muss und ihm dies mit einem lauten Fauchen in den Ohren kundtut. Die See unter ihnen, um die Insel, sie wird immer unruhiger und dunkler, schlägt mit immer größerer Gewalt gegen die massigen Felswände und kann doch kaum etwas gegen sie ausrichten, zumindest für diesen Moment.
Cayman lehnt sich an die Kiefer hinter sich und fängt an seine Taschen zu durchsuchen...
Eine Zeit lang schaut der Kameramann ihm dabei zu, wendet den Blick aber wieder dem dunkelgrauen Meer vor sich zu, schaut dem Wasser zu, wie der Wind es in unendlich viele, kleine, gehetzte Wellen zerzaust, sie gnadenlos vorantreibt, sie immer wieder verschwinden und wiederauferstehen oder an der Küste entlang zu weißer Gischt zerschellen lässt.
Irgendwann aber, da fragt der Kameramann seinen Kollegen dann doch, der immer noch alle seine Taschen durchsucht:
„Ey sach mal?! Watt macht du da?! Watt suchst du denn so intensivst?!“
Cayman, der jetzt zu den Innentaschen seiner Jacke kommt, welche er bis eben vollkommen vergessen hatte, meint nachdenklich:
„Ich suche die Poernte!“
Der Kameramann fragt:
„Hä?! WAS SUCHT DU?!“
Cayman sagt:
„Na die Poernte!“
Der Kameramann fragt verwundert:
„Welche Poernte?! Und wofür?!“
Cayman antwortet:
„Na für diesen Beitrag hier! Mir ist zu diesem Buch leider nichts eingefallen, was auch nur ansatzweise lustig sein könnte und ohne Klischees auskommt! Oder überhaupt etwas, das lustig wäre!“
Kurz schweigen beide...
Dann meint der Kameramann:
„Wie viele Japaner braucht man um eine Glühbirne einzuschrauben...“
Cayman sagt sofort:
„NEIN! SOWAS SCHON MAL GAR NICHT!“
Der Kameramann steckt seine nun doch vom Wind kalten Hände in die Taschen seiner Jacke:
„Tja dann kommt jetzt wohl der Beitrag!“
Cayman antwortet:
„Ja, das muss dann wohl!“
Wieder schweigen beide, der Kameramann wirkt verärgert...
Dann holt er tief Luft und sagt laut, mitten in die Kopfkino-Kamera:
„UND DAS IST ALLES NUR IHRE SCHULD!!! FRAU POSCHMANN!!!!! DAS WILL ICH NUR MAL GESAGT HABEN!!!“
Cayman fragt, nachdem der Kameramann fertig ist:
„Bist du nun zufrieden? Fühlst du dich jetzt besser? Können wir dann jetzt den Beitrag starten?“
Der Kameramann antwortet, nachdem er mehrmals tief durchgeatmet hat:
„Ja, meinetwegen!“
Cayman liest
Dieses Mal:
„Murakami auf Schlaftabletten“
Fertigbaukasten für Klugschwätzer
Es gibt eine Gattung Bücher, die wollen offenbar vor allem eines...
Nämlich LANGWEILEN!
Und sie können es sich leisten, glauben sie zumindest, weil sie im Gegenzug dafür von ihrem Autor mit WISSEN gefüllt worden sind. So kann man dann nicht einfach mit dem Finger auf sie zeigen und argumentieren, dass sie scheiße sind, WEIL man ja hinterher eine ganze Ecke schlauer ist, als davor. Oder aber man fühlt sich zumindest hinterher wie der Typ vom Blauen Sofa oder die Fratzen vom Literarischen Quartett.
HOMO FABER von MAX FRISCH ist da, denke ich als jemand, der zweimal eine umfangreiche Klassenarbeit darüber schreiben musste, ein perfekter Vertreter dieser Gattung. Da ist ein Typ, der als Charakter so spannend ist, wie eine Rolle Raufsertapete, der aus irgendwelchen austauschbaren Gründen um die Welt reist, pausenlos irgendwelche Leute trifft, an vielen verschiedenen Orten unterwegs ist und am Ende hat man als Leser dann ein offenes, nachdenkliches Ende... Ach und man weiß natürlich nicht, wie es dann mit dem Helden im Anschluss noch weiter geht oder weiter gehen WÜRDE. Weil das ja dann dem Leser und seiner abgetöteten Fantasie überlassen wird, weil genau dies, das Ende einfach mittendrin offen zu lassen, die Kritiker und auch die werte Leserschaft nicht selten sehr beeindruckt.
Man darf das aber nicht laut sagen, weil dann all jene Leserschaft und auch selbsternannte „Experten“ sich selbstbewusst in ihren Sesseln aalen, ihre Lesebrillen mit einer flotten Bewegung von der Nase nehmen, einen leicht hämischen, übertrieben selbstbewussten Gesichtsausdruck aufsetzen...
Und sich dann berufen sehen, dieser dummen, primitiven Lebensform, welche da vor ihnen sitzt und die Großartigkeit des Buches, von dem sie sagt, dass es stinklangweilig ist, ausufernd zu erklären.
Dann fühlen sie sich überlegen, diese „Bildungsleser“, diese „Instantphilosophen“, weil sie einem den Inhalt des Buches, seine angeblichen Messages, die es der Welt mitteilen will aber auch seine allgemeine Großartigkeit in allen Einzelheiten sezieren dürfen.
Aber auch wer einfach nur mal schlau dahersprechen, kritisieren oder rezensieren will oder muss, der freut sich wie ein Schneekönig in der Kokainfabrik, wenn er oder sie oder eine Person diffusen Geschlechtes so einen Schinken als Rezensionsobjekt hat.
Denn man kann in den Text solcher Bücher verwenden, als wäre es philosophischer Knetgummi.
Man kann, wie der besagte Deutschpauker mit HOMO FABER, fast alles in vor allem die nichtssagende Handlung interpretieren und so Unmengen von schlauen Fragen, Phrasen und Sätzen zusammenbasteln.
Bei HOMO FABER war in einem Test mal die Frage:
„Walter Faber findet sich in einem Kapitel im schwül-heißen Regenwald wieder, in einem anderen in der von Beton und Hochhäusern beherrschten Großstadt. – Erläutere die bedeutlichen Unterschiede beider Landschaftsbilder und deren Gesellschaftliche Relevanz.“
Ja, ist klar...
Für Leute, die so ein Buch lesen und die anschließend oder währenddessen solche Gedankengänge haben, aber auch Moderatoren von Literatursendungen und Kritiker, ist so etwas natürlich ein gefundenes Fressen. Denn die stellen sich solche Fragen. Oder aber sie ziehen sie sich dann eben aus dem Ärmel, weil diese Gattung Bücher in sich selbst so derartig nichtssagend ist.
UND JA, GENAU ZU DIESER GATTUNG ZÄHLT DAS NUN HIER PRÄSENTIERTE BUCH.
Stellvertretend für dieses „Schlaugeschnacke“, welches sich nach Veröffentlichung solcher Schinken anschließend immer über den Rest der Menschheit ergießt, habe ich mir mal schnell die offizielle Rezension... Oder eher „Arschkriecherei“ von offizieller Stelle besorgt: VOM DEUTSCHLANDFUNK KULTUR.
Die Dame, welche das Buch nicht rezensiert, sondern es von oben bis unten sprachlich ableckt und beinahe noch einen textlichen Beischlaf ohne Verhütungsmittel aber mit viel Gleitcreme vollführt, wollen wir mal namentlich nicht weiter erwähnen... Denn von dieser Sorte Leute, denen bei dieser Sorte Bücher die Glückshormone aus den Ohren spritzen, die gibt es zuhauf und sie sind mindestens so austauschbar, wie dieser Roman
War das gehässig?
Vielleicht sogar zu gehässig?
Naja, dann bin ich eben ein unvorstellbares Arschloch.
Dieses hzier rezensierte Buch finde ich trotzdem so derartig langweilig, nichtssagend und obendrein plump und klischeetriefend, das mir persönlich aber auch schon gar nichts anderes übrig bleibt. Und ich habe auch schon “Wie man reich wird” von Donald Trump gelesen, ich weiß also, wovon ich rede.
Schlimm genug also.
Ein gestörter Typ mit Bart, der über Bärte forscht, verlässt seine Frau...
An dieser Stelle würde ICH JETZT DAS BUCH ZUSAMMENFASSEN... Aber dieses mal machen wir das etwas anders. Zur Veranschaulichung jener gerade beschriebener „Leserklientel“...
ICH werde das ganze einfach mit mit meiner eigenen, hauptschulgeprägten Bildungssicht analysieren und bewerten, um halt die Unterschiede, zwischen „Pöbel“ und „Bildungsbürgern“ zu unterstreichen.
Hier haben wir den kompletten Beitrag von DEUTSCHLANDFUNK KULTUR:
Und davon nehmen wir jetzt mal einige Auszüge und machen ein „KALKOFES MATTSCHEIBE“ auf Literaturbasis daraus, bloß ohne die alberne, rosa Schleife und die plumpen Witze.
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
„Wie in ihren früheren Romanen hat Marion Poschmann nicht nur in der Handlung und in den Figuren eine spannungsreiche Dynamik entfalten lassen, auch ihre Sprache sei bezwingend. Unsere Literaturkritikerin ist begeistert.“
Zugegeben, „DIE KIEFERNINSELN“ ist das erste Buch, das ich von dieser Dame in die Hände bekomme habe, vor allem habe ich es gekauft, weil ich das Cover schön fand... Ja ich weiß, typisch Hauptschüler! Werden die Gymnasiasten unter euch sagen... Immer gucken die nur auf die bunten Bilder! Darum hocken die auch fast alle auf den Fluren der Arbeitsämter und bei RTL2 in den Assisendungen herum und lesen immer nur die BILD! Weil die so wenige aber dafür sehr große Buchstaben und viele bunte Bilder hat!
Aber, wenn alle Bücher von Frau Poschmann so sind wie dieses hier, dann wundert mich gar nichts mehr.
Für sie natürlich die perfekte Einnahmequelle, nichtssagende Geschichten, mit flachen Figuren und platter Handlung... Dafür aber vollgestopft mit Fakten und Wissen! Das ist im Grunde genommen die Formel dieser Bücher.
Und sie wirkt, damals beim SCHWULEN MALERMEISTER... Äh ich meine... HOMO FABER... (So nannte ein Klassenkamerad das Buch abfällig) also dem „MENSCHLICHEN FABER“, wie heute bei dieser Schlaftablette von Roman.
Es wirkt einfach immer!
Dann kann ich mir auch ungefähr vorstellen, wie diese Literaturkritikerin drauf ist und wieso sie beim DEUTSCHLANDFUNK KULTUR herumhängt. Und auch wie viele Katzen bei ihr zu Hause leben werden.
WEITER IM TEXT!
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
„Der Privatdozent Gilbert Silvester besitzt eine impulsive Natur. Kaum träumt der nur mäßig erfolgreichen Wissenschaftler, dass seine Ehefrau Mathilda ihn betrügt, verlässt er wutentbrannt die gemeinsame Wohnung und setzt sich in ein Flugzeug nach Tokyo. Dabei interessiert ihn Japan überhaupt nicht – seit jeher pflegt er eher eine Neigung zu Kaffeeländern.
Die hochritualisierte Alltagskultur mit ihren Teezeremonien, für die Mathilda sich begeistern könnte, flößt ihm Widerwillen ein. Aber nun ist Gilbert in Tokyo.“
Und da haben wir auch schon das HAUPTPROBLEM dieses Buches...
Die vollkommen wirre Grundgestaltung der Storyline.
Wer sich beim Lesen dieses Abschnittes jedoch jetzt fragt: „Wieso?! Klingt doch total logisch!“ - Sich vielleicht sogar empört und sagt: „Was soll daran wirr sein?! Das ist total genial! Du bist nur zu doof um die grundlegenden Aussagen dahinter zu begreifen!“ - Oder das Buch JETZT SOFORT auf Amazon bestellt hat, weil er oder sie es für das Großartigste hält, was er oder sie jemals gelesen hat... Ja dann... Kann ich euch auch nicht mehr helfen.
Ich könnte euch nun drei Dinge attestieren:
Eins – Ihr habt keine Ahnung von auch nur einigermaßen guter Storygestaltung
Zwei – Ihr seid Schlauschwätzer
Drei – Ihr habt unterhaltungstechnisch null Anspruch... Aber das ist okay!
Ach und Vier – Ihr seid höchstwahrscheinlich Nerds und gehört von einem Hauptschüler wie mir mal ordentlich vermöbelt und im Papiercontainer versenkt!
Zurück zur Story des Buches:
Wir haben also einen sehr merkwürdigen, impulsiven Typen, mit einem sehr englischen Namen, der träumt, dass seine Frau fremd geht, daraufhin komplett austickt, sie verlässt, weil ihn das Geträumte so sehr schmerzt (oder weil er einfach einen Dachschaden hat und mal zum Psychologen sollte) und daraufhin in ein Flugzeug steigt, um in ein Land zu fliegen, das er auf den Tod nicht ausstehen kann...
Joa, klingt logisch! Da kann man absolut nichts gegen sagen!
Wenn man beim Lesen beide Augen zu hat.
So wie damals bei DALLAS, als Bobby plötzlich wieder aus der Dusche kam, obwohl er laut altem Drehbuch gestorben war. Seine Frau hatte die danachfolgenden Episoden ohne ihn, dann einfach mal nur geträumt.
Danach gingen die Einschaltquoten so weit ich mich erinnern kann, in den Keller.
Aber in einem Buch ist das okay, da staunen sie dann mit ein wenig Glück alle: “Wie tiefgründig und mutig dieses Erzählweise doch ist, weil sie so herrlich widersprüchlich ist und Raum für Interpretationen lässt!!!”
Der gute Gilbert forscht und unterrichtet übrigens an der Universität über Bärte und ihrer Bedeutung innerhalb der Menschheitsgeschichte. Immerhin lernt man zwischendurch tatsächlich interessante Dinge über dieses Thema. Die Sache mit der „Bildung“ ist bei diesem Buch aber ja auch gar nicht das Problem...
Das einem hier auch sehr unübliches Wissen vermittelt wird und das Buch immerhin diese Aufgabe auch sehr gut meistert, all das kann in der Tat nicht bezweifelt werden.
Der ganze Rest, aus dem das Buch besteht, aber schon.
Ein offensichtlich seelisch kranker Mann mit Wahnvorstellungen, der einen schlechten Traum hatte, dreht durch, verlässt seine Frau, setzt sich ins Flugzeug und fliegt nach Japan, in ein Land das er nicht mag, das ihm sogar Angst macht... Tja... Und weiter?!
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
Mehr aus Zufall hält er auf einem Bahnsteig einen jungen Mann davon ab, sich vor einen einfahrenden Zug zu werfen. Aus dieser merkwürdigen Bekanntschaft ergibt sich eine Pilgergemeinschaft besonderer Natur, bei der der japanische Student Yosa Tamagotchi nach einem geeigneten Ort für sein Vorhaben sucht, während Gilbert Silvester ihn zwar begleitet, aber zugleich den Spuren eines Klassikers der japanischen Reiseliteratur folgt und dabei sich selbst begegnet.
Ääähhh...
Ja....
Also ich für meinen Teil musste einfach recht schnell beim Lesen feststellen:
IN DIESEM BUCH ERGIBT EINFACH NICHTS WIRKLICH EINEN SINN.
Fassen wir das also weiter zusammen:
Wir haben also einen sehr merkwürdigen, impulsiven Typen, mit einem sehr englischen Namen, der träumt, dass seine Frau fremd geht, daraufhin komplett austickt, sie verlässt, weil ihn das Geträumte so sehr schmerzt (oder weil er einfach einen Dachschaden hat) und daraufhin in ein Flugzeug steigt, um in ein Land zu fliegen, das er auf den Tod nicht ausstehen kann...
An einem Bahnhof trifft er einen extrem klischeehaft dargestellten Japaner mit Klischeenamen der allerhölzernsten Gattung. Dieser Klischeejapaner will sich umbringen, WEIL er seiner eigenen Einschätzung nach ein Looser ist, seine Eltern nicht enttäuschen und sein Gesicht nicht verlieren will...
Dieser Klischeejapaner heißt Yosa Tamagotchi und ist Student... Aber kein Guter... Ein Weichei... Ein Jammerlappen... Ein Boon...
Und weil das ja noch nicht reicht, greift die Autorin zu einem weiteren „Stilmittel“, damit auch der letzte Depp kapiert, dass dieser Klischeejapaner selbstmordgefährdet ist: Der gute Yosa trägt ein in Japan unter Selbstmördern sehr beliebtes Buch bei sich, aus dem auch gelegentlich zitiert wird, dem „COMPLETE MANUAL OF SUICIDE“. Wer nun von der gepflegten Leserschaft gerne vorzeitig über die Klinge springen will aber nicht weiß wie, hier haben wir die passende Buchempfehlung. Wirklich sehr gelungen, dieses Stilmittel...
Weil Gilbert ihn aber vollschwafelt, kann er seinen neuen Freund Yosa vom Suizid abhalten.
Also derselbe Mann, der seine Frau und das Land verlassen hat, weil er einen schlechten Traum hatte.
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Ansonsten ändert sich an dieser Figur des platten Klischeejapaners aber auch nicht mehr viel, weder an ihm, noch an Gilbert.
Beide bleiben sehr flach und blaupausenartig, unfertig, klischeehaft-ideenlos und exakt so stiefeln sie dann auf den Pfaden alter, klassischer, japanischer Reiseliteratur durch das Land. Denn Gilbert will aus irgendwelchen Gründen, die ich mir nicht merken konnte, zu sich selbst finden. Was er da finden will, außer einer Einweisung in die örtliche Nervenheilanstalt, war mir aber schon ganz am Anfang sehr schleierhaft.
Jedenfalls hat sich der gute Gilbert das so gedacht und jetzt macht er das also dann auch!
Als Vorlage für seine Pilgerreise, hat er sich bei der klasschischen, japanischen Reiseliteratur bedient.
Bei dieser „Reiseliteratur“ handelt es sich um die Reisebeschreibungen des Dichters Bashò, genauer gesagt:
Um „Oku no Hosomichi - „Auf schmalen Pfaden ins Hinterland“ - Geschrieben um 1689
Der Dichter Matsuo Bashō und sein Begleiter Kawai Sora reisten zu Fuß vom früheren Edo – Heute Tokyo, nach Oku, dem nördlichen Hinterland. Das ganze dauerte 156 Tage. Das Ziel war vor allem, während dieser Reise, auf dieser Route Orte aufzusuchen, die vor allem lyrischer, dichterischer aber auch mystischer Natur sind.
Neben dieser “Reiselektüre” sind aber auch andere japanisch-traditionelle Brauchtümer und Gepflogenheiten immer wieder Thema und wenn man die schlechte Story um Gilbert und Yosa mal weglässt, dann kann man in der Tat so einiges über die „Japanische Seele“ lernen. Vor allem aber auch immer wieder kleinere oder größere, wissenswerte Bruchstücke, wie die da drüben denn so „ticken“.
Genau damit wird dann ab und an auch mal sehr holzhammermäßig versucht, dem guten Yosa doch so ein bisschen mehr „Tiefgang“ einzuflößen. Klappt aber fast nie. Gerne endet es dann in Szenen, die aus einer schlechten Animeserie stammen könnten.
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
Es kommt zu beinahe komischen Reibungen verschiedener semiotischer Systeme. Was stellt die Erfahrung des Fremden mit automatisierten Wahrnehmungsparametern an?
Äääähhh... Ja, ganz genau!
Entweder ICH habe nen Bleistift an der falschen Stelle im Gehirn stecken oder die Rezensentin bei DFK hat zu viele Bücher dieser Art gelesen.
Was in diesem Satzbauwerk, welches selbst schon fast einen eigenen Doktortitel mit sich führt aber stimmt, ist, dass es eben nur „BEINAHE“ zu komischen Reibungen kommt. Aber wirklich „Lustig“ wurde es für mein Empfinden leider nie. Eher war es so, dass ich mich beim Lesen anschließend fremdgeschämt habe, meistens für die Figuren und ihre Handlungen, wenn man das, was sie dort die meiste Zeit hölzern verrichten, so nennen will.
Automatisierte Wahrnehmungsparameter?
Watt?!
Das nennt man doch „GOOGLE-MAPS“ oder einfach „NAVI“.
Oder verwechsle ich da etwas?!
Ach so!
Aber nein, es ergibt immer noch keinen Sinn...
Außer natürlich man hat studiert oder gekifft.
Oder zu viel Studiert UND gekifft.
Ach naja... Diese Buchkritiker, die sich dann mit solchen Schlaumeier-Satzbaustein-Vorschlaghämmern ihrer eigenen Hochintelligenz versichern können und müssen. Aber ist halt in der Literaturszene so, was will man machen.
ICH weiß zwar nicht, wo man irgendwelche von diesen „Automatisierten Wahrnehmungsparametern“ im Buch finden kann oder will oder soll... Bei einer Geschichte, in der zwei kaputte, fast autistisch-wirkende Typen von A-nach-B reisen und der eine den anderen fast pausenlos vom Selbstmord abhalten muss...
Und was die „SEMIOTISCHEN SYSTEME“ angeht... Hießen nicht die Bösewichte in Haruki Murakamis Roman „Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt“ so?.
Egal, Hauptschule eben... Hauptsache man hat uns beigebracht, wie man ausrechnet, wie viele Ziegelsteine und Liter Zement man braucht, um eine Hauswand zu mauern. Weil wir ja alle später was mit Handwerk machen würden, weil Hauptschüler halt...Das muss der Grund sein, weshalb ich dieses Buch nicht mit Lob überschütte... Und mit Fremdwörtern der höheren Qualitätsstufen.
Na egal, weiter im Text.
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
„Nicht nur die Handlung und die Figuren entfalten eine spannungsreiche Dynamik. Wie in früheren Romanen ist Marion Poschmann in der sprachlichen Gestaltung ihrer poetischen Räume bezwingend.“
Poetik kommt vor, aber meistens nicht, wenn man die Figuren bei ihrem wirren, langweiligen Treiben begleiten darf. Poetisch wir es dann, auch spannend manchmal, wenn die Autorin ihre beiden Holzfiguren mal beiseite stellt oder sie als bloße Instrumende benutzt, um dem Leser dieses oder jenes näherzubringen.
Dann lernen wir beispielsweise, dass man in Japan die einheimischen Kiefern in männlich und in weiblich unterscheidet: Die Rotkiefer – Akamatsu ist weiblich und die Schwarzkiefer – Omatsu ist männlich.
Die Rotkiefer wächst meistens auf dem Festland und in Wäldern und die Schwarzkiefer eher in Küstennähe.
Das sind jene Momente, in denen das Buch durchaus interessant ist und einen fesseln kann.
Nicht aber das Theater, welches die beiden Figuren veranstalten, das pendelt zwischen nervig – langweilig – peinlich – holzhammerartig hin und her, kann sich nicht entscheiden, fährt falschherum in die Sackgasse, geht nicht über Los und zieht keine zehntausend Mark ein. Verstanden? Ich nämlich nicht!
Weiter!
ZITAT DEUTSCHLANDFUNK KULTUR vom Beitrag vom 10.09.2017
„Am Ende gelangt Gilbert Silvester allein zu den ikonographischen kleinen Felseninseln am Küstenrand in Matsushima mit ihren windschiefen Schwarzkiefern. Er hat längst begonnen, Briefe nach Hause zu schicken. „
Also ERST meiner Alten daheim eine Szene machen, weil ICH schlecht gepennt habe, ihr vorwerfen, sie hätte mich betrogen, sie dann einfach stehen lassen, in einem Flugzeug nach Japan fliegen, alle Kontaktversuche meiner Ollen abblocken und ihr dann auch noch, zumindest anfangs „Böse Briefe“ schreiben und sie anfangs am Telefon mit Psychoterror zu überziehen...
Und sich am Ende der Geschichte wünschen, dass sie ZU MIR NACH JAPAN kommt!
Exakt das tut Gilbert nämlich.
Ja, dieser Mann hat mal Eier in der Hose!
Da weiß Frauchen noch, wo daheim der Hammer hängt!
Nein, jetzt mal ehrlich: WAS.FÜR.EIN.ARSCHLOCH
In seinem letzten Brief an seine Frau, schwafelt der liebe Gilbert, der definitiv in eine psychiatrische Einrichtung gehört, seine Frau und den Leser von oben bis unten mit Gedankengängen über die Schönheit der Natur und die Gegebenheiten der Kiefern voll.
Ich dachte am Ende nur noch: HOFFENTLICH HAT SIE LÄNGST DIE SCHEIDUNG EINGEREICHT.
Und nein, der kaputte Gilbert ändert sich nicht, er hinterfragt seine eigene, bekloppte Denkweise nicht, kommt nicht auf die Idee, sich Tabletten dagegen verschreiben zu lassen oder mal eine Urschrei-Therapie zu machen. Er bleibt der selbe Kackboon, der selbe Donald-Trump-Charakter wie am Anfang, nur dass er am Ende dasitzt und Haikus zusammenkritzelt.
Rein erzählerisch ist die Grundstory, also das, was dieses Buch eigentlich ausmachen müsste, eine einzige Schießbudenshow. Gilbert bleibt eine platte, fast peinliche Figur, Yosa bleibt eine fast schon beleidigende Klischeezusammenstückelung und erst ab Seite 99 kann man davon reden, dass die Geschichte an sich, zumindest etwas an Fahrt aufnimmt.
Ach ja, einen DDR-Zitat-Flachwitz gibt es auch noch: Seite 27
„-Niemand hat die Absicht, einen Scherz zu machen.“
Und im Anschluss erzählt uns AKK ihre hundert besten Gendertoilettenwitze!
Tja, wenn es das ist, was diese Leserklientel und auch die Autorin unter guter Unterhaltung verstehen, dann kann man auch gleich sein Bücherregal und das E-Book im Garten verbrennen und einfach noch alle alle Staffeln „FRIENDS“ und „KING OF QUEENS“ gucken. Das ist in vielen Belangen vielleicht dümmer und platter aber auf alle Fälle besser, vor allem was die Figuren und ihre Motive anbelangt.
Niveautechnisch ist dieses Buch in meinen Augen ein Auffahrunfall am Stauende auf der Autobahn mit mindestens zehn Toten und jeder Menge Gaffern, die am Unfallort Selfies schießen, anstatt zu helfen.
Schade um das bedruckte Papier eigentlich... Hätte man besser Servietten für ein Asia-Restaurant draus machen können oder Yu-Gi-Oh!-Karten.
Aber dann könnte die gute Frau vom Deutschlandfunk-Kultur nicht so tolle, inhaltlich komplexe, sich selbst aufschachtelnde, konreflexible Analysesynonyme zusammensetzen und diese dann kontextsensitiv im literarischen Raum ausbreiten.
(Mindestens einen der Begriffe habe ich mir ausgedacht, viel Spaß beim Suchen)
FAZIT
Ja, die Story ist scheiße.
Von vorne bis hinten.
Die Figuren sind daneben.
Der Gesamtkontext des Storyverlaufes ist unlogisch und widersprüchlich von hier bis nach Meppen.
Aber ganz und gar schlecht ist das Buch aber dennoch nicht, denn es hat auch gute Seiten.
Da sind die vielen kleinen und Großen Dinge, die man über Japan erfährt, vor allem über die Natur und den gedanklichen Umgang der Menschen in diesem Land mit ihrer Umgebung. Da ist auch immer wieder sehr deutliche und absolut zutreffende Kritik an der fortschreitenden „Verwestlichung“ und der immer weiter verfallenden Wertschätzung des eigenen Erbes.
In der ebenso wirren Annahme von Gilbert, dass jener Pilgerweg, jene Reisestrecke, welche einst Basho und Sora um 1600 beschritten haben, würde immer noch genauso romantisch existieren, landet er immer wieder an Orten, die damit nichts mehr zu tun haben.
Oftmals sind diese idyllischen Orte inzwischen schon lange verurbanisiert, vollgebaut, abgerissen, plattgemacht, zugebaut...
Ab und an hat man hier und da noch was stehen lassen, drumherum alles mit seelenlosem Beton zugekleistert und man hat das Erhaltene verkommen, vergessen, verfallen, sterben, vergessen lassen.
Diese bekannte, feine, peotische, tief respektvolle, anmutige Art der Wahrnehmung, der Anteilnahme und des Umgangs mit sich und ihrer Umwelt, er geht den modernen Japanern immer mehr und mehr, wie Sand in einer Sanduhr, Körnchen für Körnchen verloren...
Darüber mukiert sich die Autorin und damit hat sie auch vollkommen Recht!
Sie kann dem Leser dieses empfinden, dieses Tatsachen schon ein Stückchen weit näherbringen, denn dann, wenn sie dies tut, dann ist dieses Buch tiefpoetisch, nachdenklich und in der Tat wunderschön und vor allem hochinteressant.
Leider aber ist die Story um Gilbert und Yosa und ihrer Pilgerreise die gar keine mehr ist, eine totale Katastrophe, von Anfang bis zum Ende.
Japanfans jedoch, die können dennoch gerne zugreifen! Für die lohnt es sich dennoch!
Deutschlehrer, die ihre Schüler bestrafen wollen, weil diese freitags lieber demonstrieren gehen, anstatt HOMO FABER zu lesen... Ja auch die können gerne zugreifen und anschließend ihre Schüler mit diesem Schinken quälen, bis sie sich freiwillig bei Audi oder BMW einen SUV vorbestellen.
Und Klugschwätzer, Bildungsbürger und alle, die gerne damit angeben wollen oder müssen, wie groß ihre Gehirne sind, wie toll sie mit Fremdwörtern Sätze bauen können, für die der Normalbürger einen Volkshochschulkursus besuchen muss... Auch ihr könnt gerne zugreifen! Eure Bühne zur Selbstdarstellung steht bereit!
Dem ganzen Rest empfehle ICH Haruki Murakami oder Banana Yoshimoto.
Ach ja!
„SEMIOTISCH“ bedeutet laut Wikipedia:
„Semiotik (altgriechisch σημεῖον sēmeĩon ‚Zeichen‘, ‚Signal‘), manchmal auch Zeichentheorie, ist die Wissenschaft, die sich mit Zeichensystemen aller Art befasst (z. B. Bilderschrift, Gestik, Formeln, Sprache, Verkehrszeichen). Sie findet unter anderem in verschiedenen Geistes-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Anwendung.“
Grob übersetzt ist damit, im Falle von Gilbert und Yosa also deren Sozialverhalten untereinander gemeint oder auch einfach der Umstand, das eine Person, in dem Fall Gilbert in ein völlig Fremdes Land, also in ein ihm vollkommen fremdes Umfeld hineingerät und sich darin zurecht finden muss.
Mit den „SEMIOTISCHEN SYSTEMEN“ ist somit jeweils die Kultur, die Lebenswelt der beiden gemeint, die sich ja dann doch grundsätzlich sehr stark voneinander unterscheiden.
Hätte man als Kritiker so schreiben KÖNNEN, hätte dann aber nicht mal ansatzweise so oberschlau geklungen.
Und das ist schließlich am Ende immer noch das Wichtigste dabei.
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Marion Poschmann
„Die Kieferninseln“
Taschenbuch
Suhrkamp
Ersterscheinung 2009
Preis: 9,00€
PERSÖNLICHE NOTE: 4+
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Letzter, immer noch nichtssagender Akt
Inzwischen ist der Wind, der die Bäume mehr und mehr hin-und-her biegt, die Wellen im Wasser immer schneller vor sich herhetzt und die Wolken fast eine unsichtbare Schneeschaufel vor sich herschiebt, so richtig ungemütlich geworden...
Die Schwarzkiefern, unter denen Cayman und der Kameramann immer noch sitzen, sie ächzen und knacken...
Der Kameramann schaut herüber zu den Lichtern des Hotels:
„Ist dir jetzt inzwischen was eingefallen?!“
Cayman, der immer noch entspannt auf seinem Stein sitzt und am Stamm einer der Kiefern lehnt, meint:
„Nö du! Ich hab Urlaub! Der Witz kann sich auch mal um sich selber kümmern!“
Der Kameramann steckt die Hände in die Hosentaschen:
„Hat dir dieses lahmarschige Buch so derartig alle Dummer-Humor-Energie geraubt?! Ich meine, das schreit doch geradezu nach einer passenden Verasche, in Richtung „Wir schläfern jemanden damit ein!“ oder nicht?!“
Cayman antwortet:
„Dieses Buch ist wie Homo Faber von Max Frisch! Deutschlehrer und Bildungsmenschen werden es lieben! Und wenn man sich selber als schlau darstellen will, dann lässt man diese beiden Schinken einfach nebeneinander auf dem Tisch liegen oder im Regal stehen! Und alle werden beeindruckt sein, was für anspruchsvolle Bücher man doch liest!“
Dann schweigen beide...
Der Kameramann schaut Cayman an:
„Tja also... Dass iss... Tschjoa... Kann man glaube ich so sagen... Joa!“
Dann erhebt sich Cayman, streckt sich und meint:
„Und jetzt ab zurück ins Hotel! In ner halben Stunde ist All You Can Eat Buffet am AIRBNB-Reservistentisch!“
Cayman fügt noch hinzu:
Und Außerdem! Jedem das Seine! Du das eine, ich das meine!“
Dann geht Cayman zurück zum Hotel...
Der Kameramann bleibt noch eine kurze Weile an Ort und Stelle stehen...
Nachdenklich blickt er in den hektisch vobeiziehenden Wolken auf ihrer Reise zu...
Der Wind gibt sein gleichmäßiges Dröhnen in der Ferne und das Rauschen der Bäume und des Wassers zum besten...
Der Kameramann steht einfach nur da und wartet auf etwas...
Etwas, das nicht kommt, das nicht kommen wird, weil es heute nicht da ist, weil es nie da war...
Der Witz, die finale, dumme Poernte, sie will einfach nicht kommen...
Der Kameramann murmelt, schelmisch grinsend:
„Zwölf! Man braucht genau zwölf Japaner um eine Glühbirne auszuwechseln!“
Um es kurz zu machen: WIR SIND ECHT AM ARSCH – Aber das ist ja nichts neues.
Ist das ein Widerspruch in sich? Ich weiß es nicht, aber Widersprüche kommen in den besten Familien vor.
Somit also auch auf SPIEGEL.de, wo Frau Sibylle Berg ihre Gesellschaftskritischen und oftmals eben auch Kapitalismuskritischen Kolumnen, welche dann immer so ein bisschen sehr „unterhaltsam“ werden, wenn sich kurz nach dem Aufrufen der jeweiligen Seite die Werbung einblendet und einfach mal das, was Frau Berg anbringt, ad absurdum führt... Oder umgekehrt.
Manchmal, da weiß ich als Leser nicht einmal mehr, ob ich dann über die Aussagen von Frau Berg oder über die dumme Werbung und ihre teilweise doch sehr nutzlosen und sinnentleerten Produkten und Aussagen lachen soll. Nicht, das die Texte von Frau Berg schlecht wären oder ich sie sonstwie falsch finden würde, im Gegenteil!
Aber die Werbeeinblendungen produzieren derweil schon gerne mal Gegenkontexte, welche man dann allerhöchtens als „Fortgeschrittene Comedy“ bezeichnen kann. Vor allem aber, da frage ich mich...
WER KAUFT ALL DEN SCHEIß?!
Die schönsten Perlen in dieser Kolumne, zu dem Zeitpunkt, die habe ich mal gesammelt und ich finde, „irgendwie“ passen (fast) alle Werbeanzeigen auch „irgendwie“ zu dem von Frau Berg angesprochene Thema.
FILM AB!
Quelle: Spiegel-Online
„WIR SIND MATRATZE!“
Da musste ich soooo dermaßen was von lachen, einfach, weil dieser Werbeslogan soooooooo doof ist.
Okay, wir waren schon „Papst“, „Weltmeister“, bei bestimmten Terroranschlägen in bestimmten Ländern waren wir dann auch schon mal alle „Frankreich“ oder „England“ und Ehepaare sagen auch gerne mal „Wir sind schwanger“. Das kennt man ja, also warum nicht, das dachte sich wohl der Hersteller wie auch die Werbeagentur, dieses „Gefühl“ von „Wir sind...“ einfangen und den Leuten die SPIEGEL-ONLINE lesen ein paar Matratzen andrehen. Sicherheit und vor allem Gewohnheit beginnen schließlich mit den Schlaf-GEWOHNHEITEN.
Aber bitte... Warum „WIR SIND MATRATZE“?!
Wie kommt man auf so einen Scheiß?!
Kontextsensitive Werbung sieht bekanntlich anders aus oder?
Aber gut, lassen wir das, ich vertippe mich die ganze Zeit, weil ich über diesen dummen Satz immer wieder lachen muss. Aber genau das ist mein Problem mit den S.P.O.O.N-Onlineinhalten, vor allem den Texten der Kolumnisten, die Werbeeinblendungen ziehen bestimmte Texte und Aussagen der Autoren einfach mal komplett mit sich selber natürlich, ins Lächerliche.
KAPITALIMUS!!!! GEIL!!!
Quelle: Spiegel-Online
Wenn also dann durch den fortschreitenden Klimawandel die Meere immer weiter ansteigen, ja dann sollte man sich logischerweise passend anziehen, mit wasser- und wetterfester Kleidung. Und bei all den bereits vorherrschenden und noch kommenden Wetterextremen doch sowieso, also mal schnell bei Tschibo zumindest schon mal die eigene Brut sicher eingepackt. Der Greta-Regenmantel darf selbstverständlich dabei erst recht nicht fehlen...
Quelle: Spiegel-Online
Und wenn das Wasser dann immer weiter steigt und es uns irgendwann bis zum Halse steht...
JA DANN MIETEN WIR UNS DOCH EINFACH MAL EINE YACHT! Und fahren damit in die Niederlande!
Wunderschön vor allem der wirklich sehr sehr schlecht eingefügte Schatten unter der Yacht, vor allem beeindruckend, wie wenig Ahnung oder Talent die Person gehabt haben muss, die diese Grafik zusammengeschustert hat. Wenn man mal davon absieht, das der Schattenwurf auf dem Wasser physikalisch vollkommen falsch ist und scheiße aussieht und nicht passt und peinlich ist und die Person, die das verbrochen hat, mal dringend einen Anfängerkursus in Photoshop besuchen sollte... Dann finde ich diese Werbung eigentlich ganz überzeugend.
Quelle: Spiegel-Online
„HAPPY HOLL RINGE“ - Und darunter dann die Überschrift von Frau Berg.
Aber in Gold zu investieren, da ist ja, wenn ich den Nachrichtenfeeds auf meinem Smartphone glauben darf, eine typisch-deutsche Verhaltensweise, wenn die Zeiten mal wieder turbulent werden oder sind.
Also los los los! Ein paar „glückliche“ Ringe für ein paar „Happy Holl-Days“ kaufen!
Und sich schon ein paar Jahre später schon wieder scheiden zu lassen ODER aber, ein Strafverfahren am Hals haben, weil man unerlaubt viel zu viele Menschen eingeladen, sich an keine Hygieneregeln gehalten und die halbe Stadt angesteckt hat.
Quelle: Spiegel-Online
KLEBEKERLCHEN.de
Also DAZU, habe ich wirklich keinerlei Worte, außer der Frage: WER ZUM TEUFEL KAUFT SOWAS?!
Quelle: Spiegel-Online
Dasselbe könnte ich aber auch von diesen potthässlichen Clownsschuhen hier behaupten, aber immer hat FLORIS VAN BOMMEL, also DER FLORIS VAN BOMMEL diese Dinger designet! Und wer solche knalligen, fetzigen, oberaffengeilen Schuhe an den Mauken hat, ja der muss keine Unsicherheiten mehr im Leben fürchten!
Denn wer sich hässliche Turnschuh-Sneaker-Mutantenteile für ZWEIHUNDERTFÜNFZIG EURO kaufen kann, ja der hat wahrlich keinerlei relevante Probleme in seinem Leben.
Quelle: Spiegel-Online
Oder aber, wir kaufen uns umweltfreundlich-designte, extrem minimalistische Möbel, die teilweise aussehen, als hätten sie einen schweren Arbeitsunfall gehabt und nicht, als wenn sie dafür gemacht worden sind, das deren Besitzer sich wohlfühlen. Aber ich persönlich denke, wenn man noch einen Ganzholz-Kleiderständer daneben stellt, den Greta-Regenmantel seiner Tochter daranhängt und diese hässlichen Mutanten-Turnschuhe von Floris van Bommel daneben stellt, dann sieht es vielleicht sogar ganz annehmbar aus.
Quelle: Spiegel-Online
Und den ganzen Brassel, mit dem wir uns unsere „Sicheheit“ dann erkaufen, und somit unsere gewohnten, kapitalistischen Bedürfnisse gestillt haben, dann bezahlen wir das alles natürlich stilecht mit der AMERICAN EXPRESS!
Quelle: Spiegel-Online
Und wer dann immer noch Anstzustände aufgrund der bösen bösen Welt hat, ja der kann sich ja die grenzdebilen Bücher vom Glücksguru und Profiselbstvermarkter John Streleckky oder wie sich der schreibt kaufen.
Und mit den hässlichen, neuen Turnschuh-Sneaker-Bommel-Mauken, den coolen neuen Möbeln, der angemieteten Yacht, den goldenen Ringen, den Namensaufklebern und den Büchern von John Sterckelekcy-Irgendwas sind wir dann ja jetzt gut gewappnet, für den kommenden weiteren Beitrag!
Das war schon immer so und hat gefälligst auch so zu bleiben!
Einst, da erschuf Gott in sieben Tagen die Welt, dann erschuf er Deutschland und dann Angela Merkel, stampfte den Bundestag aus dem germanischen Boden und stellte sie darin hinein, auf dass zumindest in Deutschland immer alles ganz genauso bleiben würde, wie es seit jenem Tag war.
Und der Bundesdeutsche Alltagsgermane, ja der war selig.
Die einen, weil die Frau in ihren Hosenanzügen dafür sorgte, das alles immer so blieb, wie man es kannte und ja selbst jene unvermeidbaren „Veränderungen“ immer so dahinwurschtelte, das man sie ebenfalls als schon immer dagewesen wahrnahm...
Und die anderen, ja die hatten für all ihre Ärgernisse, Versagen, Selbstzweifel und persönliche Niederlagen, Wahnvorstellungen und Negativitäten, mitwelchen sie zurechtkommen mussten aber nicht wollten, ein Feindbild, welchem sie all das anschuldigen konnten...
Und sie alle waren glücklich und zufrieden!
Man ging ins Fußballstadion, in die Bar, die Kneipe, das Stammrestaurant, in die Lieblingsdiscothek oder auf das Konzert oder aber, man feierte gemeinsam, aufdass die Nachbarn darunter, daneben und darüber, wie auch die Polizei, die sobald gerufen, aufgrund der Ruhestörung, dem ganzen ein jähes Ende setzte und man sich sicher sein konnte, das die eigenen Nachbarn allesamt kleinkarierte Spaßverderber waren, die einem ja nie etwas gönnen!
Die Welt, ja sie war in Ordnung, denn sie hatte, sie besaß eine feste, vorgegebene Struktur, in der man sich sicher einnisten und einkuscheln konnte, wie ein fettgefressenes Vogelbaby in seinem Nest, die flauschige Vogel-Mutti immer über einem, mit ihrer immerfort wärmenden, schützenden, dicken Federschicht, welche sie über einen stülpte. Und ob man dies nun annahm oder aber seine „MERKEL MUSS WEG!“-Schilde in die Höhe hielt, sie alle einte eben genau das eine, nämlich, das sie diesen einen, sicheren Hafen hatten, sie alle gemeinsam, wenn auch auf unterschiedliche Arten.
Dann aber, da tauchte ein kleines Mädchen auf! Und sie war wütend! Sie brüllte uns an, WIE WIR ES WAGEN KÖNNEN! In all unserer Unüberlegtheit, unserem Konsum, unseren Panzer-Gelände-SUVs, unseren Nichtstuern in den Regierungen und unserer Arroganz gegenüber dem Klima und den Meeren und der Tierwelt und den Insekten und überhaupt.
Ja da hoben die Bundesgermanen mal kurz und verwundert ihre Köpfe, dann aber, ja da aßen sie auch schon ihre Bioschnitzel weiter, welche sie, wie sie es schon immer taten auf ihren Grills draußen rösteten und verspeisten. Zum Nachtisch gab es nicht selten Weintrauben aus Ägypten oder Spanien oder Afrika, hergeflogen mit Transportflugzeugen, Tonnen von sogenanntem „Feinstaub“ und CO2 und diesem ganzen Zeugs in die Luft blasend. Aber das war ja schon immer so und von dem Geplärre, da wollte man sich nicht weiter stören lassen. Außerdem übernahmen die „MERKEL MUSS WEG!“- Schildhochhalter das ausbuhen und beschimpfen, klatschten die Politiker mit betroffenen Gesichtern dem übertrieben wütenden Mädchen zu, welches wenig später selber, für ihre Meeresüberquerungen jede Menge Feinstaub und CO2 in die Luft blasen ließ, weil man ihre Ausrüstung und ihren Vater und dessen Marketingteam samt Entourage ja viel schneller und bequemer über den Ozean transportieren wollte. Ein bisschen, wie mit den Weintrauben aus Afrika, Ägypten oder von sonstwoher.
Dann aber, ja da vielen dem bundesdeutschen erste „Veränderungen“ auf, ein Wort, welches er gar nicht kannte, nur aus den Erzählungen seiner Vorfahren. Das Klima, also das Wetter, da veränderte sich etwas, in den Meeren, ja da schwamm immer mehr Plastik herum und die eigene Brut, die eigenen Kinder, welche zuvor immer brav und artig waren, ja die begehrten auf ein mal auf, gegen ihren und den Lebensstil der Eltern, über den sie sich zuvor aber nie beschwert hatten... Sie machten ihren Eltern auf einmal die schlimmsten Vorwürfe, dass sie ihnen die Zukunft rauben und den Planeten auf ihre Kosten zerstören würden, obwohl auch sie sich zuvor noch gerne von den eigenen Ernährern mit deren Panzer-Gelände-SUVs vom Fußball, Ballett, Schwimmen, Handball oder Musikunterricht oder den eigenen Freunden oder auch der Schule haben abholen und bringen lassen. Sinneswandel und Modetrends haben fließende Übergänge, wie zweierlei Farben, in einem Wasserglas, muss man wissen! Und dass intensive Internetnutzung ebenfalls Energie und Ressourcen frisst und dem Klima nicht gut tut, tja... Also... Naja... Das blendeten viele einfach mal aus.
Nun also, da begehrte die eigene Brut auf, ging auf die Straße, demonstrierte, machte Vorwürfe und bei Markus Lanz, da saß eine gewisse „Lisa“ und schwafelte in all ihrem Zorn den baldigen Tod HUNDERTMILLIONENER, den baldigen Anstieg des Meeresspiegels UM ZEHN KILOMETER und das ENDE DER MENSCHHEIT herbei, war unfassbar wütend und schuldbewusst und verstörte den Bundesdeutschen Germanen in seiner Ruhe. Die Welt, das bemerkte er, da war etwas ins Wanken geraten und man konnte es nicht einfach mehr eindämmen mit den bekannten Mitteln und Methoden.
Aber schon viel früher, da brach eine wichtige Säule weg, als MUTTI diesen einen Satz sagte, der bereits massive Veränderungen herbeizog: „WIR SCHAFFEN DAS“. Ein Satz, durch den auf einmal Menschen aus jenen Ländern im eigenen kleinen Reich auftauchten, die man sonst immer nur aus den Nachrichten kannte, mit den zerbombten Häusern, den blutverschmierten Menschen, den toten Kindern und den Explosionen. Und jetzt waren die „Leute“ hier. Christian Lindner, seines Zeichen Humanexperte und Gesellschaftsanalyst traf der Schlag, als er eines Tages in seine Stammbäckerei eintrat und da nur noch Leute mit dunklen Köpfen (Oder waren es Haare) standen und eine Sprache von sich gaben, welche er, der resignierte Porschefahrer und Loftbewohner nicht kannte. Sein Zorn war groß und bald, da tauchten sogenannte „GUTMENSCHEN“ auf und verbaten ihm und anderen, sich über diese Zustände zu erzürnen.
Dann wollten auf einmal, als sei dem nicht schon genug gewesen, auch noch Frauen auf der ganzen Welt und auch Menschen mit dunkler Hautfarbe mehr Mitspracherecht und überhaupt Rechte und gegen ihre Unterdrückung und son Zeugs kämpfen und sich Gehör verschaffen. Dauerwütende Männer und Frauen wie Roland Tichy, Beatrix von Storch oder Thilo Sarrazin hielten mit ihren Argumenten dagegen, aber fühlten sich schnell „falsch verstanden“ und „nicht richtig zitiert“ und was Schmalspur-Hater halt noch so alles von sich geben, wenn sie als die Rassisten und Hassredner die sie sind, kein Rückrad haben. Das kannte man schon.
Da wankte die kleine Welt des Bundesdeutschen Germanen umso mehr und er bekam es langsam mit der Angst zu tun, also erwählte er Leute, denen die eigene Arterhaltung und das zielgerichtete, wenn auch unmenschliche, perverse, rassistische, verachtenswerte und in allen anderen negativen Begriffen überzogene Trennen, Zurückschicken, Abweisen und nötigenfalls per Schießbefehl niederstreckende Handeln keine Regeln oder Maßstäbe entgegenstellten, sondern tun wollten, was halt, in ihrem Erdenken getan werden musste.
Diese Leute, ja sie stellten ein kleines Stück dieser Sicherheit, dieses „DAS WAR SCHON IMMER SO“ wieder her, indem sie Bilder auf einer Zeit aus der Mottenkiste der Unmenschlichkeit herausholten, in denen DER GERMANE noch viel viel mehr war, als nur das, was er heute war. Auch in anderen Ländern, rund um den Kontinent, da tat man dies. Die Amerikaner, ja die wählten sich einen orangenen Mann mit gelben Haaren und diversen Wahnvorstellungen ins Weiße Haus, weil er ihnen versprach, eine sehr sehr hohe und massive Mauer zu bauen, um dafür zu sorgen, das die eigene Art nicht weiter von anderen belästigt wird. Außerdem wollte auch er, aus der Mottenkiste gezogen, eine Zeit wiederbeleben, in der alles wieder so war, wie es in Wahrheit nie gewesen ist. Aber mit solchen „Details“ wollte man sich ja nirgendwo auf der Welt lange beschäftigen.
Aber so wirklich, ja da fruchtete auch das nicht, eher im Gegenteil.
Denn nun, da begehrten diverse, kunterbunte, kleine, größere, große Bevölkerungsgruppen auf, gegen diesen, jenen braunen Mörtel, mitwelchem man das Wanken der eigenen, kleinen Welt abbremsen wollte. Sie alle schlugen nun, neben der eigenen Brut ebenfalls Krawall und es entstand noch mehr Chaos, als zuvor. Die Welt, ja das merkte der Bundesdeutsche Germane, wie auch alle anderen Bewohner ferner Ländern, war aus dem Ruder gelaufen, die Dinge, sie veränderten sich und der orangene Mann mit den gelben Haaren im Weißen Haus, ja der machte das alles nur noch schlimmer. Der Plan, diese Idee, der einfachen Lösungen und Antworten, dieser „BASTA!-Mentalität“, sie funktionierte nicht mehr, sogar eher ins Gegenteil.
Da fürchteten sich die „Gemütlichkeitsmenschen“ auf der Ganzen Welt und sie fanden keinerlei Lösung für all das.
Und dann, ja dann kam es noch viel viel schlimmer als, jemals befürchtet.
Einst, da erschuf Gott in sieben Tagen die Welt, dann erschuf er Deutschland und dann Angela Merkel, stampfte den Bundestag aus dem germanischen Boden und stellte sie darin hinein, auf dass zumindest in Deutschland immer alles ganz genauso bleiben würde, wie es seit jenem Tag war.
Und der Bundesdeutsche Alltagsgermane, ja der war selig.
Die einen, weil die Frau in ihren Hosenanzügen dafür sorgte, das alles immer so blieb, wie man es kannte und ja selbst jene unvermeidbaren „Veränderungen“ immer so dahinwurschtelte, das man sie ebenfalls als schon immer dagewesen wahrnahm...
Und die anderen, ja die hatten für all ihre Ärgernisse, Versagen, Selbstzweifel und persönliche Niederlagen, Wahnvorstellungen und Negativitäten, mitwelchen sie zurechtkommen mussten aber nicht wollten, ein Feindbild, welchem sie all das anschuldigen konnten...
Und sie alle waren glücklich und zufrieden!
Man ging ins Fußballstadion, in die Bar, die Kneipe, das Stammrestaurant, in die Lieblingsdiscothek oder auf das Konzert oder aber, man feierte gemeinsam, aufdass die Nachbarn darunter, daneben und darüber, wie auch die Polizei, die sobald gerufen, aufgrund der Ruhestörung, dem ganzen ein jähes Ende setzte und man sich sicher sein konnte, das die eigenen Nachbarn allesamt kleinkarierte Spaßverderber waren, die einem ja nie etwas gönnen!
Die Welt, ja sie war in Ordnung, denn sie hatte, sie besaß eine feste, vorgegebene Struktur, in der man sich sicher einnisten und einkuscheln konnte, wie ein fettgefressenes Vogelbaby in seinem Nest, die flauschige Vogel-Mutti immer über einem, mit ihrer immerfort wärmenden, schützenden, dicken Federschicht, welche sie über einen stülpte. Und ob man dies nun annahm oder aber seine „MERKEL MUSS WEG!“-Schilde in die Höhe hielt, sie alle einte eben genau das eine, nämlich, das sie diesen einen, sicheren Hafen hatten, sie alle gemeinsam, wenn auch auf unterschiedliche Arten.
Dann aber, da tauchte ein kleines Mädchen auf! Und sie war wütend! Sie brüllte uns an, WIE WIR ES WAGEN KÖNNEN! In all unserer Unüberlegtheit, unserem Konsum, unseren Panzer-Gelände-SUVs, unseren Nichtstuern in den Regierungen und unserer Arroganz gegenüber dem Klima und den Meeren und der Tierwelt und den Insekten und überhaupt.
Ja da hoben die Bundesgermanen mal kurz und verwundert ihre Köpfe, dann aber, ja da aßen sie auch schon ihre Bioschnitzel weiter, welche sie, wie sie es schon immer taten auf ihren Grills draußen rösteten und verspeisten. Zum Nachtisch gab es nicht selten Weintrauben aus Ägypten oder Spanien oder Afrika, hergeflogen mit Transportflugzeugen, Tonnen von sogenanntem „Feinstaub“ und CO2 und diesem ganzen Zeugs in die Luft blasend. Aber das war ja schon immer so und von dem Geplärre, da wollte man sich nicht weiter stören lassen. Außerdem übernahmen die „MERKEL MUSS WEG!“- Schildhochhalter das ausbuhen und beschimpfen, klatschten die Politiker mit betroffenen Gesichtern dem übertrieben wütenden Mädchen zu, welches wenig später selber, für ihre Meeresüberquerungen jede Menge Feinstaub und CO2 in die Luft blasen ließ, weil man ihre Ausrüstung und ihren Vater und dessen Marketingteam samt Entourage ja viel schneller und bequemer über den Ozean transportieren wollte. Ein bisschen, wie mit den Weintrauben aus Afrika, Ägypten oder von sonstwoher.
Dann aber, ja da vielen dem bundesdeutschen erste „Veränderungen“ auf, ein Wort, welches er gar nicht kannte, nur aus den Erzählungen seiner Vorfahren. Das Klima, also das Wetter, da veränderte sich etwas, in den Meeren, ja da schwamm immer mehr Plastik herum und die eigene Brut, die eigenen Kinder, welche zuvor immer brav und artig waren, ja die begehrten auf ein mal auf, gegen ihren und den Lebensstil der Eltern, über den sie sich zuvor aber nie beschwert hatten... Sie machten ihren Eltern auf einmal die schlimmsten Vorwürfe, dass sie ihnen die Zukunft rauben und den Planeten auf ihre Kosten zerstören würden, obwohl auch sie sich zuvor noch gerne von den eigenen Ernährern mit deren Panzer-Gelände-SUVs vom Fußball, Ballett, Schwimmen, Handball oder Musikunterricht oder den eigenen Freunden oder auch der Schule haben abholen und bringen lassen. Sinneswandel und Modetrends haben fließende Übergänge, wie zweierlei Farben, in einem Wasserglas, muss man wissen! Und dass intensive Internetnutzung ebenfalls Energie und Ressourcen frisst und dem Klima nicht gut tut, tja... Also... Naja... Das blendeten viele einfach mal aus.
Nun also, da begehrte die eigene Brut auf, ging auf die Straße, demonstrierte, machte Vorwürfe und bei Markus Lanz, da saß eine gewisse „Lisa“ und schwafelte in all ihrem Zorn den baldigen Tod HUNDERTMILLIONENER, den baldigen Anstieg des Meeresspiegels UM ZEHN KILOMETER und das ENDE DER MENSCHHEIT herbei, war unfassbar wütend und schuldbewusst und verstörte den Bundesdeutschen Germanen in seiner Ruhe. Die Welt, das bemerkte er, da war etwas ins Wanken geraten und man konnte es nicht einfach mehr eindämmen mit den bekannten Mitteln und Methoden.
Aber schon viel früher, da brach eine wichtige Säule weg, als MUTTI diesen einen Satz sagte, der bereits massive Veränderungen herbeizog: „WIR SCHAFFEN DAS“. Ein Satz, durch den auf einmal Menschen aus jenen Ländern im eigenen kleinen Reich auftauchten, die man sonst immer nur aus den Nachrichten kannte, mit den zerbombten Häusern, den blutverschmierten Menschen, den toten Kindern und den Explosionen. Und jetzt waren die „Leute“ hier. Christian Lindner, seines Zeichen Humanexperte und Gesellschaftsanalyst traf der Schlag, als er eines Tages in seine Stammbäckerei eintrat und da nur noch Leute mit dunklen Köpfen (Oder waren es Haare) standen und eine Sprache von sich gaben, welche er, der resignierte Porschefahrer und Loftbewohner nicht kannte. Sein Zorn war groß und bald, da tauchten sogenannte „GUTMENSCHEN“ auf und verbaten ihm und anderen, sich über diese Zustände zu erzürnen.
Dann wollten auf einmal, als sei dem nicht schon genug gewesen, auch noch Frauen auf der ganzen Welt und auch Menschen mit dunkler Hautfarbe mehr Mitspracherecht und überhaupt Rechte und gegen ihre Unterdrückung und son Zeugs kämpfen und sich Gehör verschaffen. Dauerwütende Männer und Frauen wie Roland Tichy, Beatrix von Storch oder Thilo Sarrazin hielten mit ihren Argumenten dagegen, aber fühlten sich schnell „falsch verstanden“ und „nicht richtig zitiert“ und was Schmalspur-Hater halt noch so alles von sich geben, wenn sie als die Rassisten und Hassredner die sie sind, kein Rückrad haben. Das kannte man schon.
Da wankte die kleine Welt des Bundesdeutschen Germanen umso mehr und er bekam es langsam mit der Angst zu tun, also erwählte er Leute, denen die eigene Arterhaltung und das zielgerichtete, wenn auch unmenschliche, perverse, rassistische, verachtenswerte und in allen anderen negativen Begriffen überzogene Trennen, Zurückschicken, Abweisen und nötigenfalls per Schießbefehl niederstreckende Handeln keine Regeln oder Maßstäbe entgegenstellten, sondern tun wollten, was halt, in ihrem Erdenken getan werden musste.
Diese Leute, ja sie stellten ein kleines Stück dieser Sicherheit, dieses „DAS WAR SCHON IMMER SO“ wieder her, indem sie Bilder auf einer Zeit aus der Mottenkiste der Unmenschlichkeit herausholten, in denen DER GERMANE noch viel viel mehr war, als nur das, was er heute war. Auch in anderen Ländern, rund um den Kontinent, da tat man dies. Die Amerikaner, ja die wählten sich einen orangenen Mann mit gelben Haaren und diversen Wahnvorstellungen ins Weiße Haus, weil er ihnen versprach, eine sehr sehr hohe und massive Mauer zu bauen, um dafür zu sorgen, das die eigene Art nicht weiter von anderen belästigt wird. Außerdem wollte auch er, aus der Mottenkiste gezogen, eine Zeit wiederbeleben, in der alles wieder so war, wie es in Wahrheit nie gewesen ist. Aber mit solchen „Details“ wollte man sich ja nirgendwo auf der Welt lange beschäftigen.
Aber so wirklich, ja da fruchtete auch das nicht, eher im Gegenteil.
Denn nun, da begehrten diverse, kunterbunte, kleine, größere, große Bevölkerungsgruppen auf, gegen diesen, jenen braunen Mörtel, mitwelchem man das Wanken der eigenen, kleinen Welt abbremsen wollte. Sie alle schlugen nun, neben der eigenen Brut ebenfalls Krawall und es entstand noch mehr Chaos, als zuvor. Die Welt, ja das merkte der Bundesdeutsche Germane, wie auch alle anderen Bewohner ferner Ländern, war aus dem Ruder gelaufen, die Dinge, sie veränderten sich und der orangene Mann mit den gelben Haaren im Weißen Haus, ja der machte das alles nur noch schlimmer. Der Plan, diese Idee, der einfachen Lösungen und Antworten, dieser „BASTA!-Mentalität“, sie funktionierte nicht mehr, sogar eher ins Gegenteil.
Da fürchteten sich die „Gemütlichkeitsmenschen“ auf der Ganzen Welt und sie fanden keinerlei Lösung für all das.
Und dann, ja dann kam es noch viel viel schlimmer als, jemals befürchtet.
Das unsichtbare Ding aus einem anderen Land
Denn auf einmal, da war da etwas Unsichtbares, nicht greifbares, im Grunde genommen ausgesprochen „Alternativfaktisches“, etwas, das man nicht an die Wand nageln und mit einem bestimmenden „DA HABEN WIR ES!“ der ganzen Welt präsentieren konnte. Denn Viren und Bakterien, die sind so klein, die kann der Mensch mit seinen dafür allzu primitiven Sehwerkzeugen nicht sehen. Also war da dann auch noch, bei all den Klimaveränderungen, den aufmüpfigen Kindern, den Flüchtlingen, diesen furchtbaren Gutmenschen, ihren Gegenspielern, den „Hassmenschen“, also den Rechtpopulisten, auch noch eine neue, bedrohliche Krankheit, welche die kleine, einfältige Welt von so manchem vollkommen ins Wanken und somit sein Handeln und Denken, sein Sozialverhalten und Gemeinschaftsbewusstsein vollends in die Tonne kloppte.
Da war auf einmal etwas, so unglaublich klein und nicht erfassbar und doch so unsäglich effektiv und gefährlich, ja das passte in den Köpfen von so manchen Leuten überall auf der Welt einfach nicht zusammen, also hielten sie sich an die von ihnen an die Macht gewählten Rechtspoulisten und sonstigen Schreihälsen und Schaumschlägern, um so ihre kleine, gewohnte Welt mit allen Mitteln zu verteidigen. Die anderen, denen dieses „Geschenk“ nicht gegeben war, weil sie in einem dieser Länder lebten, denen ein Großteil der Bevölkerung keinen kompletten Dachschaden hatte oder aus lauter Verzweiflung jedem nächstbesten Rattenfänger hinterherrante, ja die beriefen sich daraufhin auf ihre eigene Dummheit, Arroganz und Sorglosigkeit und machten einfach so weiter, wie sie es kannten.
Als dann immer mehr sehr krank wurden, mit Spätfolgen zu tun bekamen oder sogar verstarben, da entschieden „DIE DA OBEN“, etwas zu tun, was den modernen Ich-Denker und Gewohnheitsmenschen vollkommen aus der Fassung brachte und seine kleine Welt vollends auf den Kopf stellte... Sie führten Regeln ein, an die sich von da an jeder zu halten hatte. Und ein ganzer Teil, ja der machte einfach mit. Da flogen bei so manchen, denen der liebe Gott nicht ausreichend seelischen und geistigen Rückhalt mitgegeben hatte, komplett die Sicherungen raus, alles war auf einmal anders, diese unsäglichen Masken, der Lockdown, die Abstände, diese Regeln, an die sich ALLE, auch sie selber, egal für wie individuell und besser sie sich auch hielten, halten mussten. Das war für so manchen, von dem man zuvor noch dachte, das ist ein- oder eine ganz Vernünftiger/-ge dann endgültig zu viel. Sie wollten die alte Welt, das alte Leben wiederhaben, um jeden Preis, aber das alte Leben, es kam einfach nicht zurück. Da fanden sie Trost in ihren Köpfen, in dem, was ihnen dort oben herumrauschte, sie taten einfach das, was sie auch schon, was wir alle als kleine Kinder einst taten... Sie erschufen sich eine Phantasiewelt und entschieden fortan, in eben dieser zu leben und das, was da in der „Realen Welt“ vor sich ging, fortan als Lüge oder eben als das wahre Hirngespinst abzutun. Hilfestellung bekamen sie von den Rechtpopulisten mit ihren einfachen Antworten und deren wie Bausteine dazupassenden Hinrgespinsten und von Leuten, denen das Erzählen von wirren aber einleuchtenden, beruhigenden Geschichten ein Leichtes war, auch wenn sie mit ihrem Tun ganz andere Absichten hegten, als ihren Mitmenschen zu helfen.
In Deutschland, da waren das unter anderem ein offensichtlich oder auch nur scheinbar geisteskrank gewordener, veganer Fernsehkoch, ein rechtsradikaler Radiomoderator und ein abgehalfterter Sänger, der seinen Kopf ein paar mal zu oft in die Mikrowelle gesteckt hatte. Und wer noch mehr wollte, wer seiner kleinen, selbstgezimmerten Welt, in der nun alles wieder einen geordneten Sinn ergab und zusammenpasste den letzten Schliff geben wollte, ja da konnte in den sogenannten „Sozialen Netzwerken“ Gleichgesinnte antreffen und mit ihnen Phantsiekonstrukte errichten, die über alles hinausragten, was Psychologen auch nur ansatzweise noch für medizinisch tragbar hielten. Die Welt, wie war für diese Menschen wieder in Ordnung, irgendwie, denn da waren nun neue Gewohnheiten, welche nun für dieses heißgeliebte und ersehnte Gefühl von „Sicherheit“ produzierten. Mein Nachbar beispielsweise, offensichtlich entweder AFD- oder FDP-Wähler, wobei das ja mittlerweile dasselbe ist, pöbelte eines Grillabends zu seiner Frau: „Nur weil die Merkel damals im Osten eingesperrt war, macht sie jetzt mir und Wessies dasselbe! Wegen dem bisschen Schnupfen so einen Aufstand! PAH! An die Wand gestellt gehört die Alte!“.
Dazwischen, da war dann auch noch dieses *-Sternchen, ebenfalls zum Unwesen von so manchem, Gründe sich aufzuregen und sich in einer dieser Phantasiewelten zu verstecken oder aber dem kreischenden Vegankoch und seinen Kollegen zu gehorchen, gab es also zahlreich.
Derweil, da veränderte sich die Welt immer weiter, weil sich alles immer weiter verändert und nicht einmal die Bilder im Kopf ewig starr bleiben, weil auch das Gedächtnis und das darin abgespeicherte sich fortlaufend verändert, weil unser Gehirn kein Videorecorder ist, auch wenn mancher das halt denkt. In all dem Chaos, den Veränderungen, dem Homeoffice, den Schulschließungen, Schulhalbschließungen, Masken, R-Werten, Zahlenkolonnen von Infizierten und Nicht-Infizierten, da saß der Bundesdeutsche Alltagsgermane nun also wieder, die Maske am Ohr baumelnd, sich mit dem allermeisten doch „irgendwie“ abgefunden und mampfte sein veganes und weil die Blagen daheim darauf bestanden, klimaneutrales Bioschnitzel, vom glücklichen Bauern um die Ecke, der seine Freilandschweine noch eigenhändig zu Tode streichelte und war einigermaßen zufrieden mit sich und der ziemlich kaputten Welt um sich herum.
Dann aber, ja da passierte erneut, als wenn es nicht schon genug gewesen wäre, eine weitere dieser „Veränderungen“, eine der vielleicht schwersten und schlimmsten Veränderungen, die man sich vorstellen kann, die in Europa, in den Parlamenten, bishin in so manches, trautes Heim Angst und Schrecken auslöste.
Angela Merkel, die gefühlt schon immer da war, die immer dafür sorgte, das immer alles so war wie es blieb und bleiben ließ, wie es war, ihre Seifenblasen absonderte und ab und an mal was machte, was nicht allen gefiel, das aber nur sehr selten, ja dieser Monolith der bundesdeutschen Gewohnheit...
Kündigte an, ab 2021 in Rente zu gehen.
Da fiel so manch Bundesdeutschen Alltagsgermanen nach kurzem Nachdenken das angekaute Stück Schnitzel aus dem Mund, als ihm oder auch ihr schwante, was das alles bedeutete. Alles würde anders werden, vieles würde sich verändern, etwas, das sich in den ohnehin vollkommen durchlöcherten Alltag noch als letzte Brandung erwies, sollte einfach wegbrechen. Die Immer-Wütenden mit ihren „MERKEL MUSS WEG!“-Schildern standen auf einmal da, in ihren Garagen und Hobbyzimmern, vor all ihren schönen Schildern mit diesen Parolen und fühlten sich, als hätte ihnen ein Riese mit brutaler Gewalt den Boden unter den Füßen weggezogen. Denn wem sollten sie jetzt die Schuld für alles geben, was in in kleinen, winzigkleinen Existenzen nicht so lief, wie sie es sich in ihrem Weltbild zurecht gelegt hatten? Wer sollte jetzt Schuld sein?! Sie selber? Der Nachfolger? Geht das überhaupt? Darf es überhaupt einen Nachfolger für Frau Merkel geben? Wohin mit all den schildern, Masken und Parolen aus den letzten, gefühlten tausend Jahren „Merkel-Diktatur“?.
Wieder sollte einfach ALLES sich verändern, sich bewegen, reiben, kratzen, zerbersten, neu ordnen, aufbäumen, zusammenfallen, fließen, zerfließen, zusammenwachsen und anders werden. Ja bei so viel Bewegung und Veränderung, da kann ja keine Gewohnheit, kein sicheres Eiland entstehen. Da muss einem ja der Angstschweiß auf der Stirn stehen und das Schnitzel im Magen Rambazamba tanzen.
Und jenen, die inzwischen vollkommen in ihren kindlichen Phantasiewelten lebten? Sich gemeinsam „Erklärgeschichten“ zuschrieben, sie ausschmückten, erweiterten und perfektionierten, ja auch die wurden nicht verschont. Denn ausgerechnet der Held ihrer Hinrgespinste, der orangene Mann mit den gelben Haaren im Weißen Haus, den sie zu ihrem Heiland und einzigen, noch ehrlichen Propheten auserkoren hatten, bekam dieses „Virus“, von dem er doch selber immer sagte, das es gar nicht existieren würde. Wenn er nicht auch immer mal wieder sagte, das es sehr wohl existiert aber nicht gefährlich ist. Falls er nicht gerade mal wieder sagte, das es sehr gefährlich sei aber man es bald schon besiegte haben würde. Wenn er nicht gerade sagte, das das Virus schon längst besiegt sei. Ja dieser große Held in all diesen Kopfgeschichten, der wurde vom Virus heimgesucht, vielleicht nur ein bisschen gepiesackt, vielleicht ordentlich vermöbelt, vielleicht sogar niedergestreckt. Die Welt, ja sie geriet für einfach alle ins Wanken und damit auch all das, was man kannte, was man Gewohnheit nannte.
Ja wo sollte all das nur hinführen, fragten sich nicht wenige.
Während sich die statistische Mehrheit mit den neuen Verhältnissen mal mehr mal weniger zufrieden abfand, sich eben einrichtete, bis bessere Lösungen oder gar ein Ende in Sicht war, machte genau dieses Verhalten die „Hirngespinstigten“ so richtig wütend, ängstlich und verzweifelt. Nicht wenige versammelten sich um den wahnsinnigen Vegankoch, der auf den Bundesdeutschen Germanenbühnen wutentbrannt herumbrüllte, lauschten und feierten Dummschwätzern und Scharlatarnen und Nazis, von denen aber keiner wusste, das es Nazis waren, weil die „Hirngespinistigten“ das NICHT-SEHEN-WOLLEN inzwischen vollkommen perfektioniert hatten und alles, was eben nicht passte, kontextsensitiv neu oder gleich ganz anders oder in abgeänderter Form einordneten. Warum so viele andere nicht mitmachten und sie, die glaubten als einzige die Wahrheit zu kennen und zu sehen, dafür schief ansahen und keinerlei Verständnis zeigten, ja das verstanden sie nicht, aber erfanden bald die passenden Erklärungen dafür. 5G-Masten, Bill Gates, Echsenmenschen, kinderbluttinkende Welteliten unter der Erde, all das uns vieles mehr erdachten sie sich, egal ob es einen „faktischen“ Sinn ergab oder eben nicht. Sie gründeten ihre eigene Religion, quasi die Elite der „Gehirngespinstigten“, mit dem schwarzen „Q“ als Erkennungszeichen, neue Sicherheiten, neue Gemeinsamkeiten, neues, altes Denken, wie früher, nur passgenauer und flexibler. Die vielen Verängstigten, Verwirrten, die kleinen Menschchen, in ihrer kleinen Existenz, denen die großen Mechanismen der großen, weiten Welt wie ein feuerspeiender Drache vorkam, welcher sie fressen wollte, bei Haut und Haaren, sie hatten neue Gewohnheiten, Verbündete und fühlten sich wieder sicher, dazugehörig, aber vor allem in einem „Etwas“, in welchem sie sich zurechtfinden und das in ihren Augen „BÖSE“ bekämpfen konnten.
Doch all das, es half einfach nichts, die Welt, das Leben, alles veränderte sich weiterhin, ohne Gnade, ohne Mitspracherecht zu gewähren oder auch nur dem Hauch von Mitleid.
Eines aber, ja das ist immer gleich und wird auch immer so bleiben
Manche, die wollten einfach mehr, manche witterten schon fette Beute, manche waren einfach Wahnsinnige, manche hatten viele Gründe auf einmal und der ganze Rest, ja der handelte halt so, weil er es so kannte, so ausgebildet worden war und auch, weil der Mensch am Ende immer noch Neandertaler, Tier, Raubtier, sich selbst bekämpfende Lebensform ist und deshalb seinen Mitbewohnern auf Wald und Wiese in nichts nachstand. Weil es halt evolutionale Gewohnheit ist, in den Genen, in den Köpfen, die am Ende einfachste von allen Antworten, auf die vielen Fragen und Dinge, die einem Arbeit, Unsicherheit und Angst und Ungewissheit bringen.
Da gaben sie alle ihre Befehle, des einen Tages, weil ein Wort, ein Satz, eine Meldung, irgendwas das Nächste ergab und das dann wiederum das darauf Folgende und so weiter und sofort. Wo man sich doch einst so sehr schwor, das die Nummer Drei niemals stattfinden sollte. Dann aber, da gaben sie eben doch ihre Befehle, da drückten sie ihre Knöpfe und Schalter, weil sie alle zuvor einfach mit allem so weitermachten, bis sich die Dinge eben so veränderten, das viele das Nachsehen und wenige immer mehr bis alles hatten und jeder jedem alles absprach oder abspenstig machen wollte, notfalls eben mit Gewalt und es immer welche gab, die davon dann auch noch profitieren wollten, sollten, durften, mussten und konnten. Waffenexporte und so, Sie wissen schon.
Am Ende, da flogen dann aber keine 99 Luftballons mehr im Himmel, da war nur noch schwarzer Qualm, da waren Wolken, ein paar Vögel, die letzten, verbleibenden Insekten und Stille.
Einige, lange Zeit später, da war die Erde auch weiterhin damit beschäftigt sich zu verändern, da wo mal Wälder waren, da war nun Wüste, wo Wüste war, da war Wasser, wo Wasser war, da war keines mehr, wo Schnee und Eis waren, da war Wasser oder gar nichts mehr und so weiter. Alles war anders und es kümmerte weder das Klima, noch die Erde, noch die Evolution, was diese nackten Primaten, von denen dummerweise einige überlebt hatten und munter weitermachten.
Da bretterten nun also durch die einst bundesdeutsche Hauptstadt mit wüstensandfesten, rostigen Endzeitautos bestückte, halbnackte, ganzkörpertätowierte, mit Irokesenfrisuren ausdekorierte Bekloppte umher, bekriegten sich mit anderen, halbnackten, ganzkörpertätowierten, mit Irokesenfrisuren ausdekorierten Bekloppten und ganznackten, untätowierten, mit Irokesenfrisuren ausdekorierten Bekloppten um egal was, aus egal welchen Gründen auch immer. Das wussten die, die da kämpfen selber nicht mehr so genau, aber sie taten es, weil es auch schon ihre Vorgänger und deren Vorgänger so taten und so weiter.
Und irgendwo da, in einem kleinen Stamm in den alten U-Bahntunneln, da saß er, da saß sie, da saßen die Bundesdeutschen Alltagsgermanen, die Schüsse und Motorengeräusche an der Oberfläche wohl kennend und aßen ihr Rattenfleischschnitzel, immer zu selben Zeit, immer an der selben Stelle, weil Gewohnheiten braucht der Mensch nun mal eben, vor allem in so unsicheren, unsteten Zeiten wie diesen.
Dann aber, da hallt es bis zu ihnen.
Die Anführer der halbnackten, ganzkörpertätowierten, mit Irokesenfrisuren ausdekorierten Bekloppten, die Anführer der ganznackten, untätowierten, mit Irokesenfrisuren ausdekorierten Bekloppten, sowie die Anführer der halbnackten, halbkörpertätowierten, glatzköpfigen Bekloppten hatten beschlossen, sich zusammen zu tun und eine neue Ära einzuleiten und das, was gerade ist, hinter sich zu lassen, einfach so. Gemeinsam, da formulierten sie es mit erhobenen Fäusten und einer Unterschrift und einem erneuerten „WIR SCHAFFEN DAS“ und die Sache war auch schon beschlossen und bereits in vollem Gange.
Seit dem, da lagen die in den U-Bahntunneln lebenden, einstigen Bundesdeutschen Germanen und *Innen des Nachts hellwach, weil die vertrauten Motorengeräusche und Schüsse an der Oberfläche aus blieben, da verschwanden die dunklen Rauchschwaben am Horizont und da wurden nun stattdessen unter Baulärm Häuser und Siedlungen, Industrieanlagen und wer weiß was sonst noch hochgezogen, als gäbe es kein Morgen mehr. Da tauchten neue Gesichter, Sprachen, Gebräuche auf, weil es sich herumsprach, was hier entstanden war, da kamen sie von überall her und machten mit, alles was noch bis kurz davor so lange auf wenig sicher schien, war nun auf einmal nicht mehr vorhanden, einfach so.
Und wieder, da schmeckte das Schnitzel nicht, da schlief er unruhig, da beäugte er argwöhnisch all das Treiben und was daraus resultierte und wieder war da dieses drückende Gefühl in der Magengegend und auch die Frage, ob das alles denn nun wirklich sein müsste. Die Jungen machten begeistert mit, die Hirngespinstigten und die Hasserfüllten blieben es wie eh und je und wollten das exakte Gegenteil von allendem oder etwas, das sie selber nicht wussten und machten Krawall und Rabbatz, wurden aber wenig später einfach in der nicht enden wollenden, ehemalsdeutschen Wüste zum sterben ausgesetzt. Doch auch sie fanden Zuflucht, in einem niemals fertig gestellten Flughafen, vom Sand halb verschüttet und wie sie selber, eine planerische Fehlkonstruktion. Sie richteten sich dort ein, erzählten sich ihre Phantasiegeschichten, bauten sich ihre Realität selber zusammen, passten an, was nicht passen wollte, bis es eben passte und erfanden ihre eigene, wirre aber für sie verständliche Sprache, aufdass niemand sie mehr verstehen sollte, außer ihnen selber.
Und derweil, mit einem unwohlen Gefühl und nur gemäßgtem Appetit, da sitzt er nun wieder da, vor seinem Schnitzel, der einstige Bundesdeutsche Alltagsgermane, von anderen Alltagsmenschen an den Rand des Aussterbens gedrängt und muss einsehen, dass nur eines immer gleich bleibt im Leben, so sehr wir alle es uns vielleicht auch absprechen und es nicht wahr haben wollen.
Diese eine, einfache Wahrheit:
DAS EINZIGE, WAS IMMER BLEIBT WIE ES IST, JA DAS IST DIE VERÄNDERUNG.
Bedächtig steigen sie den engen, dunklen Treppengang hinab...
Der Kameramann hält die Petroleumlampe, die bei jedem Schritt wackelt und so die Schatten unserer beiden Helden an den Wänden wild tanzen lässt...
Cayman folgt seinem Kollegen mit bedächtigen, vorsichtigen Schritten, immer weiter herunter, in ein Reich, welches für jedem Ding, jedem Lebewesen, einfach allem was existiert und jemals existiert haben wird, eines nahen oder fernen Tages zur letzten, finalen, endgültigen Heimat werden wird...
DEM VERZEICHNIS EINIGER VERLUSTE
Die kleinen, steilen Treppenstufen, sie sind staubig, das kann man bei jedem, vorsichtigen Schritt den man tut, hören, weil es dezent unter den Sohlen knirscht. Blickt man nach oben, so kann man die staubumdeckten Spinnenweben sehen, wie sie sich in zarten Waberbewegungen hin- und -herbewegen, als seien sie Fadenalgen unter Wasser...
Die Luft, sie riecht nach altem Gestein, nach sehr altem Gestein und nach Staub und altem Papier, sie ist weder trocken, noch feucht, noch wirklich warm, noch wirklich als „kühl“ zu bezeichnen und jedes Geräusch wird sofort von den dicken Steinwänden bei lebendigem Leibe aufgefressen...
Cayman fragt, leicht gebückt laufend:
„Müssen wir noch tiefer runter? Sind wir bald da?“
Der Kameramann nickt und sagt andachtsvoll:
„Neinein mein Freund... Wir sind gleich da! Wir sind gleich da!“
Kurz bleibt der Kameramann stehen, dreht seinen Kopf zu Cayman und fragt:
„Wieso? Haste auf einmal Platzangst?“
Cayman sagt:
„Nö, das nicht... Aber ich bin beeindruckt, wie tief es hier herunter geht!“
Der Kameramann meint:
„Tja, die tiefste Stelle im Ozean oder der Dunkelheit des größten, schwarzen Loches im Universum sind nichts im Vergleich zu den schier unendlichen Weiten des Vergessens und des Verschwindens! Was erst einmal verschwunden und vergessen und im Dunklen versunken ist, das kommt so schnell nicht mehr wieder ans Tageslicht!“
Sie laufen weiter den schmalen Gang, mit seinen eng aneinandergesetzten Treppenstüfchen herunter...
Cayman meint:
„Nach dem, was alleine in den letzten hundert Jahren so alles verschwunden ist und vergessen wurde, muss dieser Ort ja wirklich unglaublich gigantische Ausmaße haben, nicht wahr?“
Der Kameramann antwortet:
„Alleine für das, was in den letzten paar Tagen oder Wochen vergessen wurde und verschwunden iss... Bräuchte man ein gutes Tausend Lagerhallen in Fußballstadiengröße!“
Dann endlich erreichen sie die Tür!
Außen dran steht auf einer großen, mattsilbernen Tafel, in dicken Lettern geschrieben:
„DAS VERZEICHNIS EINIGER VERLUSTE“
Der Kameramann gibt Cayman die Lampe und holt den großen, alten Schlüssel aus seiner Jackentasche heraus:
„So! Da wären wir also! Jetzt sind wir dort, wo wir und alles andere auch eines Tages landen werden! Auf immer und Ewig!“
Dann schiebt er den Schlüssel in das Türschloss...
Man glaubt für gewöhnlich, es gebe keine Steigerungsform von „tot“.
Diese gibt`s aber doch:
„AUSGESTORBEN“
Martin Kessel (1901-1990)
Deutscher Schriftsteller
Was existiert, trägt den Kern seiner Zerstörung bereits in sich...
Zwar an sich noch existent, aber nicht mal mehr ansatzweise so, wie einst: DER HAFEN VON GREIFSWALD
„Nothing lasts forever“- Das einzige, was wirklich auf ewig wärt, das ist die Veränderung selber.
Alles andere auf der Welt und im Universum wird eines Tages verschwunden sein oder sich zumindest massivst verändert haben und nicht mehr, nie mehr so sein, wie es einst gewesen war. Da ist es fast schon zu tiefst ironisch, dass ausgerechnet der Mensch, mit seiner Wegwerfkultur, der moderne, kapitalismuszerfressene Homo-Tubrosapiens in seiner, selbstgeschaffenen Wegwerfwelt, am liebsten hätte, dass alles dann doch immer so bleibt, wie es jetzt gerade ist.
Der Deutsche an sich hätte insbesondere gerne, dass am besten alles immer ganz genau so bleibt, wie es gerade ist, weil Veränderung immer auch etwas mit sich bringt, was der Deutsche fürchtet, wie der katholische Pfarrer den Kinderschutzbund: Nämlich UNSICHERHEIT.
Veränderung bedeutet Unsicherheit und das mögen die Deutschen beispielsweise ganz und gar nicht.
Aber mit dem inneren Drang, das was ist zu erhalten, möglichst für immer, nicht nur weil man es so kennt und mag, sondern auch, um der eigenen Vergänglichkeit irgendwie entgegenzuwirken, die Vergangenheit zu sichern, das „Jetzt“ zu konservieren und so die Hoffnung abzusichern, dass am Ende dann doch etwas bleibt, etwas übrig-bleibt... Damit ist es so eine Sache.
Auch die massivsten Versuche, altes zu bewahren, die Vergangenheit für kommende Generationen zu bewahren, erhalten, konservieren, können durch Nichtigkeiten oder große Katastrophen, Unglücke oder Kriege scheitern, das Wüten des sogenannten „Islamischen Staates“, der Einsturz des Kölner Stadtarchives oder das Feuer im Notre Dame sind mit die jüngeren Beispiele. Auf ewig können wir das was ist und war nicht erhalten, auch wenn sogar Frau Schalansky uns Menschen einen massiven Erhaltungsfimmel bestätigt.
mixer - Der von 2016 James Boehm und Matthew Salsamendi und Microsoft ins Leben gerufene Streamingdienst konnte zwar mit einigen technischen Gimmicks und einer zufriedenen Community, sowie Ninja und Shroud als promintente Werbefiguren punkten, doch im Sommer 2020 verlor mixer den Kampf auf dem Streamingmarkt, der Dienst wurde eingestellt. Manch Streamer verlor neben seinen Followern auch gleich noch seine Einkommensquelle, weil ihm oder ihr der Umzug auf Twitch nicht gelang oder die Betroffenen einfach resigniert aufgaben.
Da bauen wir Museen, da bieten wir Unmengen von Geld, Zeit, Energie, Motivation und Ressourcen auf, um Dinge, Daten, Überreste, Fakten, Wissen, Namen und vieles mehr zu erhalten, zu konservieren und zu kategorisieren. Auch wenn jeder Kurator, Wissenschaftler oder Archäologe so seine ganz eigene Grundphilosophie vorträgt, warum er das alles macht, der eigentliche Grund, der liegt immer an der selben Stelle und wird sich auch nie ändern, solange es intelligente Lebewesen auf diesem Planeten gibt, die in der Lage sind, sich ihrer eigenen Endbarkeit gewiss zu sein.
DEM VERGEHEN UND VERGESSEN etwas entgegen zu setzen – Oder es doch zumindest irgendwie zu versuchen.
Da ist der menschliche, gerne photoshopgenerierte Jugendwahn, das krampfhafte Abhalten, Aufhalten und Hinauszögern des eigenen, biologischen „Fortschreitens“ um jeden noch so hohen Preis noch nicht einmal mit inbegriffen.
Vor allem in der westlichen Kultur hat man etwas gegen das Verschwinden, Vergehen und Vergessen, dem Nagen des Zeitzahnes, auch wenn im krassen Gegenzug immer mehr und immer Neues produziert und konsumiert wird, werden soll, werden muss... Neues gerne und bitte aber das Alte muss und soll aber auch bleiben.
Die klassische Glühbirne
Und der Tod, das eigene, körperliche Enden und Verschwinden?
Darüber möchte man möglichst nicht denken, nicht sprechen und wenn es dann passiert, dann ist es schlimm genug. Trauerfeier, Deckel drauf, ab unter die Erde oder in den Ofen, zuschütten, verbrennen und zur ewigen Ruhe betten.
In anderen Kulturen ist es mit der Vergänglichkeit, mit dem Tod insbesondere oftmals vollkommen anders. In Mexiko, da feiert man einmal im Jahr die Toten, den Tod, farbenfroh, verrückt, laut, ausgelassen, wild, wie von allen guten Geistern verlassen in den Augen anderer Kulturen, wie der unserer. Mit knallbunten Kostümen, Totenkopfmasken, totenkopfgeschminkten Gesichtern, Feuerwerk, lauter, wilder Musik, ein einziger, lebensfroher Exzess.
Wo anders, da setzt man seine Toten aufrecht, im Schneidersitz, edel gekleidet in extra für sie geschlagene, kleine Höhlen in Felswänden, frei für jeden einsehbar. Und die Familienmitglieder des nun auf ewig Sitzenden, die kommen immer mal wieder vorbei, legen kleine Beigaben ab, sprechen mit dem Toten, beten für oder mit ihm und gehen dann wieder ihrer Wege.
Letzten Endes ist es aber auch vollkommen egal, wie man in welchem Kulturkreis sich auf das ewige Verschwunden-Sein vorbereitet oder es sogar mehr oder weniger zu ignorieren versucht, bis es nicht mehr geht.
ALLES WIRD EINES TAGES FORT SEIN – VERGESSEN SEIN – NICHT MEHR DA SEIN – FÜR IMMER – UND EWIG
Irrational Games - Die Bioshock-Macher und Kultstudio - Nach viel zu langer Entwicklungszeit ihrer Spiele und einem großen, finanziellen Flop 2013 geschlossen
Menschen, wie Tiere und ihre verschiedenen Arten, Bauwerke, seien sie auch noch so monumental, Religionen und Wissensschätze, Namen und Titel, Landschaften und Orte, der sogenannte Zahn der Zeit, er nagt langsam aber beständig an allem, bis es eines Tages nicht einmal mehr zu einem Teelöffelchen voll Staub reicht, bis nicht einmal mehr der blasse Hauch einer fernen Erinnerung übrig ist.
Ein besonders schräges aber auch interessantes Kapitel, in Sachen „Umgang mit dem Vergehen und dem Tod“, lieferten aber Adolf Hitler und sein Architekt Albert Speer:
Als Hitler und Albert Speer „GERMANIA“ mit dessen Monumental-Monsterbauten planten und zeichneten, da wusste selbst der größenwahnsinnige Hitler, dass sein „Reich“ eines Tages, wie alle anderen Reiche auch, verschwunden sein und wahrscheinlich nur die Ruinen der Gebäude übrig bleiben würden.
Also fertigte Albert Speer nicht nur Entwürfe an, wie die Bauten von „GERMANIA“ in voller Pracht, sondern auch als Ruinen aussehen würden. Man entwickelte die einzelnen Gebäude gezielt danach, dass sie auch eines Tages noch als Ruinen schön anzusehen sein würden. Als großes Vorbild, nahm man sich die Bauten des alten Roms, dessen Reste bis heute große Faszination auslösen. Genau so wollte man, sollte auch das eines Tages verfallene „GERMANIA“ dann aussehen.
Teilweise soll Speer sogar versucht haben, das Wachstumsverhalten bestimmter, gängiger Pflanzen wie Moos oder Efeu, Gras und Unkraut auf den Gebäuden und ihrer Baumaterialien einzuschätzen und durch bestimmte, bauliche Tricks diesen Bewuchs in bestimmte Richtungen und Intensitäten zu lenken.
Nebenher wollten Hitler, wie auch Speer, dass nachfolgende Generationen, in welcher Hoffnung auch immer, einen möglichst einfachen Zugang zu den Resten des „TAUSENDJÄHRIGEN REICHES“ haben würden.
Vor allem, dass die dann in dieser kommenden Zukunft existierenden Wissenschaftler möglichst gefahrenfrei und ungehindert bestimmte Gänge, Räume und Orte nach ihrer Freilegung erreichen und die Reste des einstigen „HERRENRASSENREICHES“ möglichst schnell, einfach aber eindrucksvoll inszeniert auffinden und bestaunen könnten.
Im Grunde genommen kann man sagen, dass immer dann, wenn Hitler in seinen Reden vom „TAUSENDJÄHRIGEN REICH“ sprach, dies selber in keinster Weise glaubte. Das Ende, das Verschwinden, der Tod, der Verfall, das Ende des eigenen „Reiches“, all das war selbst in der Chefetage der Nazis bereits fest ein- und durchgeplant.
Und woanders, ja da reicht ein einziger, unachtsamer Bauarbeiter, ein Kurzschluss, ein Funken, wie im Notre Dame, damit alles was einst war, einfach innerhalb weniger Stunden für immer zerstört ist. In Syrien wiederum, da zerstörten die Daesh vom IS eine alte Ruine, weil ihnen diese zu „sündig“ war. Sie sprengten das Bauwerk und legten ohne es zu wissen einen jahrhundertealten Gang unter dem Gebäude frei. Forscher entdeckten in diesen Gängen alte Zeichnungen, ein Grab und Aufzeichnungen, welche ausgerechnet einige Thesen in der Bibel als wahr belegen, womit sich der IS also ins eigene Fleisch geschnitten hatte.
Letzten Endes, da geben sich das Vergehen und das Kommen gegenseitig die Klinke in die Hand.
Dinge, die mal da waren und jetzt nicht mehr... Die Magie leerer Stellen
Der Palast der Republik - Einst der Stolz der DDR - Auch bekannt als “Erich’s Lampenladen”
Dinge verschwinden, Menschen verschwinden, alles verschwindet eines Tages und um jene Leerestellen, welche sie dann hinterlassen, um die Faszination des Vergangenen, dem süchtig machenden Zauber des Ungenauen, des Fragmentartigen, des Quasi-Körper und Konturlosen, davon handelt dieses Buch.
Etwas ist verschwunden, erst kürzlich oder schon lange, am besten schon lange, denn je mehr Zeit vergeht, desto mehr Freiraum, Platz bietet sich für Spekulationen, Vermutungen, Fantasien darüber, wie das Vergangene, Verschwundene wohl einst war oder auch nicht.
„...das Auge sieht, das Hirn ergänzt – Bruchstücke werden zu Bauwerken, die Taten der Toten lebendig, herrlicher und vollkommener, als sie es jemals waren“.
Heißt es auf der Rückseite dieses Buches, das fast wie eine Gruft, ein in Stein gemeißelter Sarkopharg der verlorenen und vergessenen Menschen und ihrer einstigen Werke und verbliebenen Hinterlassenschaften daherkommt.
Judith Schalansky ist eine sehr kluge Frau, belesen, wissbegierig, genau, pedantisch muss man fast sagen.
Schon im Vorwort walzt sie den Leser regelrecht um, mit ihrem millimeterexakten Wissen, Namen, Personen, Religionen, Bauwerken, Persönlichkeiten und und und einfach platt.
Sie zählt beispielsweise auf einer Seite Dinge auf, die verschwunden sind – Auf der nächsten Seite zählt sie Dinge auf, die neu dazugekommen oder wiederentdeckt worden sind. Es heißt ja so schön: „Für jeden der geht, kommt jemand Neues!“.
Andererseits heißt es auch: „Alles was entsteht, es trägt den Kern seiner Zerstörung bereits in sich“
Gebäude verfallen, werden zerstört, brennen nieder, müssen abgerissen werden, waren sie zum Zeitpunkt ihrer Existenz auch noch noch hässlich, protzig, nutzlos, schön, herrlich, erwähnenswert oder einfach nur „schon immer da“... Kaum sind sie fort, kaum vergeht die Zeit und man wird ihrem Fehlen gewiss, so werden sie nicht selten immer schöner, toller, wertvoller, besser, hätte man doch damals, wäre man doch damals nur schlauer oder schneller gewesen, dann...
„Das menschliche Gehirn ist beileibe kein Videorekorder, das über die Augen und Ohren als Kamera und Mikrophone aufnimmt und auf dem Gehirn wie auf einer Festplatte verlustfrei abspeichert! So funktioniert unsere Wahrnehmung und auch unser Erinnern nicht!“.
Sagt der Historiker Prof. Sönke Neitzel in einer ZDF-Reportage über Hitlers „verschwundenen“ „PANZERZUG“.
Ein alter Mann, welcher in dieser Sendung zu Wort kommt, ist davon überzeugt, damals als kleiner Junge, an einem Winterabend gesehen zu haben, wie eine Truppe Nazis geheimnisvolle Kisten von oder zu einem Zug trugen. Dieser Zug war, davon ist der alte Mann vollstens überzeugt: HITLERS PANZERZUG! DER PANZERZUG!
Prof. Sönke Neitzel aber weiß, mit Unterlagen von damals unterlegt, die dies beweisen, dass DIESER PANZERZUG zu jenem Zeitpunkt aber gar nicht da gewesen sein konnte, weil er ganz wo anders war. Dass da ein Zug war, das bezweifelt Prof. Neitzel nicht, aber wohl, dass es HITLERS PANZERZUG gewesen ist. Dass da ein Zug war, das stehe außer Frage sagt er in der Reportage, aber eben nur ein Zug... Der „PANZER-“ kam dann wohl aus irgendwelchen Gründen dazu. Menschliche Phantasie halt, die Jahrzehnte der sich langsam verändernden Erinnerung, denn das Gehirn als Organ, es verändert sich, seine abgespeicherten Inhalte gleich mit, den Rest, den macht die menschliche Phantasie.
Eines Tages kam dann, zum PANZERZUG selber noch dessen Ladung dazu, auf einmal war HILTERS PANZERZUG auch noch VOLLER GOLDBARREN! Jaja! Der alte Mann ist sich heute sicher! Die Nazis, welche da um den Zug herumliefen, die trugen Kisten mit GOLD herum, in die Wagons! Er ist sich heute ganz sicher dass es so war!
Es ist in diesem, wie in den allermeisten anderen Fällen, bei den allermeisten anderen verschwundenen Dingen, Menschen und Orten so, dass das Gehirn eben das Fehlende ergänzt, ausschmückt, ausbaut, umbaut, abändert. Die „Betroffenen“ machen dies dann nicht aus Absicht, es passiert einfach. So ist unser Geist, unser Gehirn, unser Verstand eben aufgebaut.
Derweil geht die Reportage über den PANZERZUG weiter, zwei Hobbyarchäologen sind von der Überzeugung besessen, dass sich DIESER PANZERZUG unter einem Erdhügel mitten im Zentrum einer größeren Stadt in Polen befindet und sie haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, DIESEN PANZERZUG zu bergen.
Und das, obwohl es Fotos gibt, die eindeutig beweisen, dass HITLERS PANZERZUG, also DER PANZERZUG von den Alliierten beschlagnahmt, in die Schweiz gefahren und dort im Beisein der Presse Stück für Stück verschrottet wurde. Der Zug ist weg, kaputt, nicht mehr da, in seine Bestandteile zersetzt.
Doch das kümmert die beiden Männer nicht, auch nicht, als ein Wissenschaftler mit erschöpfender, wissenschaftlicher Genauigkeit allen Anwesenden aufzeigen kann, dass unter dem Erdhügel auf keinen Fall ein so großer Zug und schon gar nicht mit Goldbarren beladen sein kann.
Am Ende, da zersetzt sich der ganze Rummel um den PANZERZUG im Wohlgefallen. Was bleibt, das sind zwei enttäuschte Geschäftsmänner, die den Verlust ihres Lebens gemacht haben, eine entnervte polnische Stadtbevölkerung, die froh ist wieder Ruhe zu haben, ein alter Mann, der fortan seinen Erinnerungen nicht mehr ganz trauen kann und ein paar Fotos, auf denen eine Horde Stahlarbeiter den PANZERZUG von Hitler Stück für Stück für Stück zerlegt.
So, wie in diesem Beispiel mit dem PANZERZUG, ist es auch mit jenen Dingen, Gebäuden, Personen und Orten, welche Judith Schalansky in ihrem Buch, ihrem Verzeichnis aus dem dichten, dunklen Nebel des Vergessens heraus geholt hat.
Und dem Leser nun in ihrer vollen Pracht wieder ans Licht der Erkenntnis holt...
Oder zumindest das wieder ans Licht holt, was davon noch übrig ist.
Die Leben und Schicksale hinter den verschwundenen Dingen
Der Knabe in Blau - The Emerald of Death - Der einstige Hauptdarsteller ERNST HOFFMANN verlegte sich später auf das Schreiben von Romanen - Er fiel im zweiten Weltkrieg in Berlin.
„DER KNABE IN BLAU / THE EMERALD OF DEATH“
Ein Stummfilm von 1919 – Nicht einmal ob es zur Uraufführung kam, ist heute sicher. Da der Film von keiner Kritik jemals erwähnt wurde, vermutet man, dass es eben nie dazu kam, dass dieser Film überhaupt jemals öffentlich vorgeführt wurde. Selbst der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau konnte nie die Frage beantworten, ob und was mit seinem Erstlingswerk geschehen ist. Einige „Fragmente“ des Films, sowie die damals gedruckten Werbeplakate und ein paar Fotos von den Dreharbeiten sind heute noch erhalten.
Seit über 100 Jahren gilt der Film als verschollen.
„DIE ENZYKLOÄDIE IM WALDE“
Der einstige Geschäftsmann Armand Schulthess kaufte sich ein großes Anwesen mit einem, einer Parkanlage ähnelnden Garten, in dessen Mitte ein großer Kastanienbaum stand. Diesen behängte und beschmückte er mit Tafeln, immer mehr Tafeln. Auf diesen Tafeln, da hatte er per Hand, nach Themengebieten sortiert, das Wissen der Menschheit geschrieben. Schulthess sammelte ohnehin viel, sehr sehr viel. So wurden die Kastanie, der Garten und auch das Haus immer mehr und mehr zu einer gigantischen, chaotischen Bibliothek.
Diese Sammelorgie endete, als Schulthess 1972 starb.
Die überforderte Familie ließ in einer Hau-Ruck-Aktion alles angesammelte und hergestellte innerhalb von zwei Tagen entsorgen und vernichten.
Gerademal eine Hand voller Wissenstafeln von der Kastanie und ein paar Bücher, welche Schulthess selber gemacht hatte, haben bis heute überlebt – Mehr ist nicht geblieben.
„DIE INSEL TUANAKI“
Vermutlich einst ein Atoll, eine Insel oder sogar eine kleine Inselgruppe – etwa zweihundert Seemeilen südlich der Insel Rarotonga und circa einhundert Seemeilen südwestlich der Insel Mangaia.
Irgendwann zwischen den Jahren 1842/1843 muss Tuanaki durch ein Seebeben oder eine andere Katastophe vollkommen ausgelöscht, wegradiert worden sein. Ab dem Juni 1843 ließ sich die Insel nicht mehr, obwohl sie auf allen Karten exakt lokalisiert war, nicht mehr finden.
Was viele Seemannsgarnspinnende Seemänner aber nicht davon abhielt, Tuanaki oder gar unentdecktes Neuland zu sehen und zu finden. Oder zumindest WOLLTEN die Seemänner dies... Es war einfach zu verlockend!
Erst 34 Jahre später, im Juni 1875 verschwand Tuanaki schließlich von allen Karten, zumindest von den ab da neu hergestellten.
Dies sind drei Beispiele, drei Dinge/Orte, welche von der Zeit einfach weggerissen, entwurzelt, zerfasert und dann fortgetrieben worden sind. Mal durch Naturgewalten, mal durch Menschenhand und mal einfach, weil es halt aus vielen diversen Gründen irgendwie dumm gelaufen ist.
Schalansky aber interessiert sich nicht nur für die verschwundenen Dinge und Orte an sich, auch nicht ausschließlich für jene „Leerstellen“, welche diese hinterlassen haben, vor allem kümmert sie sich um die Menschen, welche mit diesen Orten und Dingen zu tun hatten. Jene Menschen, die währenddessen, danach oder davor mit jenen Bauwerken, Filmen, Inseln, Schriftstücken, Kunstwerken und derweiteren zu tun hatten.
Schalansky hat sich intensivst mit jedem einzelnen, der in ihrem Buch aufgezeichneten Verluste beschäftigt, vor allem aber eben auch mit dem Menschen. Wer war dieser Mann, welcher einst die „ENZYKLOPÄDIE IM WALDE“
erschuf? Wie hat es in ihm ausgesehen? Schalansky gibt so gut es eben geht, bei einem lange Verstorbenen, Einblick in die Gedanken- und Seelenwelt eines solchen Menschen.
Auf der einen Seite, da ist man fasziniert, dann aber auch entsetzt, was aus einem Menschen werden kann, man versteht, fühlt mit, schüttelt den Kopf, ist vielleicht sogar angewidert, erkennt sich ein bisschen selber wieder oder bekommt das Bedürfnis, dieser Person einmal selber begegnen zu wollen.
Schalansky schafft es, die Verstorbenen, die Verschwundenen, welche einst mit diesen Orten und Dingen verbunden waren, zum Leben zu erwecken. Sprachlich, menschlich, atmosphärisch, es ist fast so, als wären es gar keine schon lange Verstorbenen, die da über all das sprechen, als wären es Menschen, die dies selber, erst vor ein paar Momenten in dieses Buch niedergeschrieben haben... Menschen, die gerade irgendwo leben und ihrem Alltag nachgehen, scheißegal, dass manche davon in Wahrheit schon über hundert Jahre und länger tot sind.
Besonders eindrucksvoll, ja regelrecht ergreifend gelingt es Judith Schalansky beim „KNABEN IN BLAU“, der „ENZYKLOPÄDIE IM WALDE“ oder auch im Kapitel zum „PALAST DER REPUBLIK“.
Dabei erforscht und beobachtet, analysiert und wertet Schalansky auch immer wieder SICH SELBER aus. Denn auch sie, ihre Vergangenheit, das Hier und Jetzt, irgendwie besteht eine Verbindung. Nicht mit allem aber mit ein paar der im Buch befindlichen verschwundenen und vergessenen Orten/Dingen.
So fragt sich Schalansky beispielsweise im Kapitel zum „SCHLOSS DER VON BEHR“...
Was war oder ist meine erste, richtige Kindheitserinnerung?
Ist es, als sie als kleines Kind einen Hocker oder Stuhl vor das Fensterbrett eines Fensters in ihrem damaligen Heim schiebt, hochklettert und aus dem Fenster stürzt?
Oder ist es der kleine Igel, dem ihre Mutter eine kleine Schüssel Milch vor die Schnauze stellt und dieser dann laut schmatzend und schlabbernd trinkt?
Was ist meine allererste Kindheitserinnerung?
In vielen Fällen, in vielen Köpfen bestimmt auch eines dieser „Verlorenen Dinge“, welche es zu erforschen gilt.
Etwas, das man tun sollte.
Denn Erinnerungen, Wissen und das eigene Selbst, alles ist vergänglich, verändert sich oder verschwindet ganz.
Vielleicht sollte man dann doch zumindest die Bibliothek im eigenen Kopf so gut pflegen wie es geht.
FAZIT
Persönlicher Verlust - Mein 1994er BMW 316i - Fast sechs Jahre lang treuer Begleiter, dann vom Rost unaufhaltsam zerfressen - Für 400 Euro an einen Bastler weiterverkauft - Von diesem dann schließlich entnervt verschrottet
Ein sehr kluges Buch, ein sehr anspruchsvolles Buch, ein durchaus forderndes aber eben auch extrem faszinierendes Buch ist es geworden, was Judith Schalansky da geschrieben hat.
Seine Hülle, sie ist aus dicker, stabiler Pappe, fast wie ein kleiner Panzer.
Von außen da wirkt es schon jetzt, als habe es die letzten zwanzig, dreißig Jahre in einer alten, scheintoten Dorfbibliothek am gottverlassenen Ende der Welt herumgestanden und ist nur durch Zufall in die eigenen Hände geraten.
Pixeliger, hellbescher Staub weht über den Einband, sonst ist da nichts, nur Dunkelheit.
In silberner Farbe der Name der Autorin, der Buchtitel und der Verlag, sonst nur Staub und Dunkelheit.
Der Staub des Vergehens und das Dunkel des Vergessens
Dieses Buch, von seiner Autorin selber gestaltet, ihnen wie außen, ist an sich schon ein zeitloses Kunstwerk.
Zu jedem Kapitel, zu jedem Verschwundenen, gibt es ein Bild.
Doch viel ist nicht mehr zu erkennen, das jeweilige Motiv ist nur noch schemenhaft wahrzunehmen.
Der Hafen von Greifswald, Der Palast der Republik, Das Schloss von der Behr, die Villa Saccetti, der Knabe in Blau, sie und alle anderen sind als geisterhafte Abbildungen in tiefem Schwarz in diesem Buch verewigt.
Besonders beeindruckend aber auch irgendwie beängstigend ist dies im Falle des Knaben in Blau, denn dort blickt einen der einstige Hauptdarsteller, in einer Mischung aus Verwunderung, Erstaunen und halb im Wahnsinn mit weit aufgerissenen Augen und wirren Haaren entgegen...
Von der Geschichtsstunde, über Seelenportraits, über Selbstanalysen bis hin zu einem nicht enden wollenden, stinklangweiligen Spaziergang, an einem stinkalngweiligen Tag, durch eine stinklangweilige Gegend, auf der Suche nach dem, was noch vom einstigen HAFEN VON GREIFSWALD übrig ist.
In diesem Buch bekommt jeder Erwähnte, jedes Ding, jeder Mensch, welche mit dem in diesem Buch erwähnten zu tun hatte, einen Auftritt, wenn auch nur kurz. Aber immer liebevoll und ebenso beeindruckend kleinlichst recherchiert und nachgeforscht.
Die Faszination des Verschwundenen, des Vergangenen und jener Leerstellen, die ES, SIE, DER oder DIE hinterlassen haben. In der Zeit, auf der Welt, in der Landschaft, der Geschichte, für immer von Letzterer verschlungen und ins Schattenreich des Vergessens heruntergewürgt und dort für immer und ewig verloren.
Ginge es danach, was schon so alles abhanden gekommen, zerstört, ausgetauscht oder einfach nur vergessen wurde... Judith Shalansky könnte eine ganze Enzyklopädie schreiben.
Welche dann früher oder später ebenfalls verloren ginge, vergessen werden würde und irgendwann, eines fernen Tages von irgendwem wiedergefunden und was davon noch zu retten ist, im Museum ausgestellt würde.
Ob Judith Schalansky das gefallen würde?
Sie selber plädiert dafür, dem Verschwinden, Vergessen, der Zerstörung und der Neuerung nicht als Bedrohung, sondern als etwas ganz Normales, etwas durchaus Positivem, eben den Chancen, die diese Vorgänge in sich tragen, entgegen zu treten.
Und das tut sie auf eine wundervolle und zutiefst faszinierende und mitfühlende Art und Weise.
Passend dazu nun noch: Die Geschichte, wie Chris DeBurgh in einem Pappkarton drei ganze Alben mit Musikstücken wiederfindet, welche er vor knapp dreißig Jahren beiseite gestellt und dann vergessen hat:
Eines schönen Tages, da beschließt CHRIS DEBURGH, der große Liedermacher, mal in seinem Studio aufzuräumen, auszumisten, klar Schiff zu machen. Unter unter einem Schreibtisch, da stehen mehrere uralte Pappkartons herum, drei Stück, um genau zu sein.
Chris DeBurgh holt diese hervor, zwei sind leer, nur ein paar tote Insekten und Staub darin.
Der dritte Karton aber, der ist recht schwer, voll mit irgendwas , bis oben hin.
Als er diesen öffnet, kommen Tonträger zum Vorschein – Mit Songtiteln darauf, an die er sich beim besten Willen nicht erinnern kann. Er spielt diese geheimnisvollen Tonträger ab und auf jedem von ihnen, ist ein technisch fertiggestellter Song zu hören.
Verwundert untersuchen DeBurgh und seine Leute den Inhalt, den Daten nach, müssen diese Songs die letzten dreißig Jahre in diesem Karton unter dem Schreibtisch geschmort haben.
Weder DeBurgh noch seine Leute können sich das erklären.
Daraufhin ruft er beim entsprechenden Plattenlabel an, um den Grund dafür zu finden, WIE ein ganzer Karton voller fertiger Songs dreißig Jahre lang unentdeckt unter einem Schreibtisch verschwinden konnte.
Im Plattenlabel aber sind alle, die es vielleicht wissen könnten, entweder tot, in Rente, in Rente und dement im Pflegeheim, unbekannt verzogen oder alles nacheinander. Der Labelboss fragt schließlich seinen Vater, dieser glaubt sich dunkel daran erinnern zu können, dass „DAMALS WAS MIT DER FAMILIE ODER DER GESUNDHEIT WAR“, weshalb ein- oder gleich mehrere Albenprojekte auf Eis gelegt wurden.
Chris DeBurgh versucht sich daraufhin selber zu erinnern... Was Gesundheitliches? Was mit der Familie? War jemand Krank? Ein Unfall? Eine Geburt? War ICH länger krank?
Er findet keine passende Datei mehr in seinem Kopf, die dazu passen würde.
Geschweige wenn überhaupt eine Erinnerung daran, diese Songs jemals zuvor gehört oder geschrieben oder eingespielt zu haben. Aber der Mann, der da aus voller Kehle singt, auf diesen Aufzeichnungen das ist ganz eindeutig er selber.
Daraufhin beschließen DeBurgh und sein Team, die Songs zu veröffentlichen.
Dreißig Jahre alte, brandneue Songs – Ein Scheunenfund unter einem Schreibtisch.
Bei Falko und Michael Jackson soll es ganz ähnliche Pappkarton-Vorfälle gegeben haben.
Insofern ist nicht immer gleich alles für immer verloren, es befindet sich nur an einem anderen Ort, auf den keiner Kommt, an den sich keiner erinnert.
Fall SIE also, liebe lesende Person in einem Pappkarton die verschwundene Filmrolle zum „KNABEN IN BLAU“, die fehlenden Seiten von „SAPPHOS LIEBESLIEDERN“ oder die restlichen, der einst „SIEBEN BÜCHER DES MANI“ finden sollten...
Zögern Sie nicht, sie an den entsprechenden Stellen abzugeben, die jeweils Verantwortlichen würden sich mit Sicherheit freuen.
Ich danke Ihnen!
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Judith Schalansky
VERZEICHNIS EINIGER VERLUSTE
Taschenbuch
Suhrkamp Verlag
Ersterscheinung 2019
Preis: 20,00€
PERSÖNLICHE NOTE: 1+++
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Letzter eines fernen Tages verschwundener Akt
Natürlich konnten sie nicht alles, all das, was dem Vergessen, dem Verschwinden, der Veränderung zum Opfer gefallen ist, unter die Lupe nehmen, dafür ist es viel zu viel...
Aber dennoch sind beide zufrieden mit dem was sie gesehen, gelesen, nachgeforscht und entdeckt haben...
Beide laufen den großen Hauptgang entlang, zurück zur Eingangstür, der Kameramann latscht mit den Händen in den Jackentaschen voran, Cayman bleibt immer wieder fasziniert vor diesem oder jenen stehen...
Dann ruft Cayman:
„Ach guck mal einer an! Da ist ja mein alter BMW! Noch im Verzeichnis „Vor einiger Zeit plötzlich und unerwartet“ Also vermissen tue ich ihn ja bis heute! Ein altes Auto ohne Klimaanlage ist zwar eine Katastrophe aber Spaß hat es dennoch immer gemacht, zu fahren!“
Cayman streicht mit den Fingern über den Eintrag und sagt:
„Na dann ruhe in Frieden, mein erstes Auto!“
Der Kameramann steht da und wartet, nicht mal im entferntesten Gedanken einen dummen Spruch wie sonst immer auf den Lippen, er hat selber genügend in den Einträgen gefunden, das ihn selber hat ganz melancholisch werden lassen...
Dann steckt auch Cayman sich die Hände in die Jackentaschen und geht mit schnellem Schritt weiter:
„Dann lass uns jetzt mal gehen, sonst setzen wir genauso Staub an, wie die allerhintersten Einträge hier!“
Der Kameramann schließt sich an und meint:
„Mein Reden, mein Reden!“
An der Tür nach draußen, zum engen, schmalen Treppenhaus nach oben angekommen, holt der Kameramann den großen, alten Schlüssel für die Tür heraus...
Cayman dreht sich noch einmal um, blickt in das gedimmte Licht dieses gigantischen, immer weiter anwachsenden „Verzeichnis Einiger Verluste“ und wirkt für einen kurzen Moment so, als wäre er ganz wo anders...
Der Kameramann fragt:
„Iss noch was?“
Cayman meint:
„Nein, alles gut! Es ist nur... Eines Tages, da werden auch WIR BEIDE hier enden! Alles wird hier eines Tages Enden! Das muss man sich mal für nen Moment zumute führen!“
Der Kameramann schließt die Tür auf, diese öffnet sich mit knarzenden Scharnieren:
„Aber bis dahin isses noch hin! Solange man auf der anderen Seite ist, sollte man schauen dass man es für sich und andere schön hatte! Und das Verzeichnis mit möglichst vielem, das man nach dessen Verschwinden auch als Verlust ansehen kann zu füllen!“
Während der Kameramann Cayman nach draußen schiebt, meint Cayman:
„Ja, da hast du allerdings Recht!“
Dann zieht der Kameramann die Tür hinter sich zu und schließt die Tür wieder ab.