Arbeitswahn und Antisemitismus
Die fanatischsten Lobpreiser der Arbeit waren schon immer zugleich die schlimmsten Antisemiten: Von Marin Luther, dem Vordenker des »protestantischen Arbeitsethos« und Autor des Pamphlets »Von den Juden und ihren Lügen«, über den Industriellen Henry Ford, den Autor des Machwerks »Der internationale Jude«, für den es »nichts Abscheulicheres« gab »als ein müßiges Leben«, bis zum Führer der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Hitler proklamierte in »Mein Kampf« den »Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird«. Wie ernst er das gemeint hatte, konnte man später über den Toren der Vernichtungslager nachlesen: »Arbeit macht frei«. Die Linke hingegen polemisierte gegen die schmarotzenden Müßiggänger und wünschte sich »Arbeiter- und Bauernstaaten«, anstatt die Menschen vom elenden Dasein als Arbeiter zu befreien. Der Arbeitsfanatismus links wie rechts sieht die ehrliche Arbeit um ihren gerechten Lohn betrogen, sei es durch die »Zinsknechtschaft« oder die keineswegs nur von der Antiglobalisierungsbewegung so inbrünstig gehassten »Spekulanten«. Die Agitation geht gegen »die da oben«, gegen die »Bonzen und Parasiten«, die lieber konspirieren als durch anständige Arbeit etwas zum Volkswohlstand beizutragen.
Der Hass auf das unterstellte oder tatsächliche arbeitslose Einkommen ist nicht nur eine falsche, sondern angesichts seiner Ressentimenthaftigkeit und seiner Verherrlichung des Staats eine äußerst gefährliche Antwort auf gesellschaftliche Krisenerscheinungen und ungleiche Reichtumsverteilung
Stephan Grigat: Die Linke, die Arbeit und der 1. Mai
The most fanatical praisers of work have always been the worst anti-Semites: from Marin Luther, the pioneer of the “Protestant work ethic” and author of the pamphlet “On the Jews and their Lies,” to the industrialist Henry Ford, the author of the work “The International Jew," for whom there was "nothing more disgusting" "than an idle life," to the leader of the National Socialist people's community. In “Mein Kampf,” Hitler proclaimed the “victory of the idea of creative work, which itself was eternally anti-Semitic and will be anti-Semitic.” How seriously he meant it could later be read over the gates of the extermination camps: “Work makes you free.” The left, on the other hand, polemicized against the parasitic idlers and wanted “workers’ and farmers’ states” instead of freeing people from their miserable existence as workers. The work fanaticism on both the left and the right sees honest work being cheated of its fair wages, be it through "interest slavery" or the "speculators" who are by no means only hated so fervently by the anti-globalization movement. The agitation is against “those up there”, against the “bigwigs and parasites” who would rather conspire than contribute to the national welfare through decent work.
The hatred of the assumed or actual unemployed income is not only a false response, but, given its resentment and its glorification of the state, an extremely dangerous response to social crises and unequal distribution of wealth. (Google translated)