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Spannungen nach Putschversuch: EU-Abgeordnete wollen weiter mit Türkei über Beitritt verhandeln
Führende EU-Politiker haben vor einem Abbruch der Beitrittsgespräche mit der Türkei gewarnt.
„Ich fände es verantwortungslos, wenn wir in dieser akuten Situation die bisherigen Beziehungen zur Türkei komplett aufgeben würden, ohne zu wissen, wohin wir wollen“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, der „Welt am Sonntag“. Europa dürfe nicht die aufgeklärten, demokratieorientierten Türken im Stich lassen, die sich auf die EU verlassen hätten. „Wir sollten auf Forderungen im Affekt verzichten“, sagte Harms.
Auch der CDU-Politiker Elmar Brok warnte vor Kurzschlusshandlungen. „Ein sofortiges Aussetzen der Verhandlungen wäre heute diplomatischer Unsinn“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament der Zeitung. „Die Vernunft und Interessen beider Seiten gebieten es, jetzt in der Rhetorik abzurüsten.“
Harms und Brok sind damit auf einer Linie mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Bei aller Kritik müsse aber der Gesprächsfaden mit Ankara erhalten bleiben, hatte Steinmeier gesagt. „Die Türkei wird ein Nachbar bleiben“, sagte er und verwies auf „ungezählte politische, ökonomische und menschliche Beziehungen“ zu dem Land.
Die EU und die Türkei verhandeln seit 2005 über einen Beitritt. Wegen der repressiven Reaktion der türkischen Regierung auf den Putschversuch – Repressalien gegen Oppositionelle, Medien und andere Kritiker – hatten in den letzten Wochen viele europäische Politiker den Sinn dieser Verhandlungen infrage gestellt – etwa der österreichische Außenminister Sebastian Kurz.
Auch der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, sprach sich für einen sofortigen Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen aus. „Eine Regierung, die Journalisten verfolgt, die Justiz gleichschaltet, Oppositionelle in die Gefängnisse wirft und Krieg gegen die eigene Bevölkerung führt, kann man nicht in die EU aufnehmen“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Knappe Mehrheit der Bundesbürger gegen Flüchtlingsdeal
Für die Haltung von Brok, Harms und Steinmeier gibt es laut einer aktuellen Umfrage* im Auftrag der „Bild am Sonntag“ keine Mehrheit in der Bevölkerung. 66 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen. Fast sieben von zehn Befragten (69 Prozent) sprachen sich für einen sofortigen Stopp der EU-Milliardenzahlungen an die Türkei aus. Die EU solle lieber Griechenland in der Flüchtlingskrise unterstützen.
Auch das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei wird angesichts der Entwicklung in dem Land zunehmend kritisch gesehen. Es sieht vor, dass illegal nach Griechenland eingereiste Flüchtlinge zurück in die Türkei gebracht werden können. Für jeden zurückgeschickten syrischen Flüchtling darf seit dem 4. April ein anderer Syrer aus der Türkei legal und direkt in die EU einreisen.
Laut einer aktuellen repräsentativen Emnid-Umfrage* im Auftrag der „Bild am Sonntag“ gibt es in der Bevölkerung keine Mehrheit mehr für das Abkommen. Demnach sind 52 Prozent der Bundesbürger dafür, das Abkommen aufzukündigen; 35 Prozent wollen es beibehalten. Unter den CDU-Wählern sind 46 Prozent für ein Ende des Abkommens. 43 Prozent sind anderer Meinung.
* Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Emnid durchgeführt. Am 4. August wurden 502 Personen befragt.
„Sollte die EU das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei aufkündigen?“
„Sollte die EU mit den Milliarden, die die Türkei im Rahmen des Flüchtlingsabkommens erhält, lieber Griechenland beim Umgang mit der Flüchtlingskrise unterstützen?“
„Sollte die EU angesichts des harten Vorgehens des türkischen Präsidenten Erdogan gegen Oppositionelle, Medien und andere Kritiker die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abbrechen?“
„Sollte die EU das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei aufkündigen?“
„Sollte die EU mit den Milliarden, die die Türkei im Rahmen des Flüchtlingsabkommens erhält, lieber Griechenland beim Umgang mit der Flüchtlingskrise unterstützen?“
„Sollte die EU angesichts des harten Vorgehens des türkischen Präsidenten Erdogan gegen Oppositionelle, Medien und andere Kritiker die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abbrechen?“
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