Süßer die Alben nie klingen
In den vergangenen Wochen ist es in meinem Leben drunter und drüber gegangen. Auch deshalb haben sich hier einige sehr gute Alben zur Besprechung angesammelt, die ich euch – so es klappt – gern noch vor dem Jahreswechsel vorstellen möchte. Den Abschluss der kommenden Texte wird dann die übliche Top10 meiner Lieblingsalben des zurückliegendes Jahres machen. Bereit? Wunderbar.
Rob Moir stammt aus Kanada, hatte bisher zwei Alben veröffentlicht bis unlängst sein drittes erschienen ist. Adventure Handbook, sein vorheriges Album, steht bereits in meinem Regal. Gemeinsam mit seinem Debüt Places to die kann man es sich natürlich auch auf diversen Streaming-Diensten anhören. Jedenfalls schwankte Moir schon immer zwischen Ruhe und Sturm. Ob er seine Musik selbst als Rock bezeichnen würde, sei mal dahingestellt. Jedenfalls ist verzerrt er seine Gitarren gern mal wie es in der Folkmusik üblich ist. Er erzählt dabei von der Weite, dem Leben da draußen, dem Unterwegssein, Verlusten und dem Erwachsenwerden. Wenn Moir jedoch wütend ist, hört man auch das seinen Songs an. Souverän beherrscht er laut und leise. Beide Seelen schlagen in seiner Brust und das macht ihn mir sehr sympathisch. Auch auf seinem neuen Album Solo Record macht er mit einer Hingabe Musik, der man viel mehr Zuhörer wünscht. Allein für Zeilen wie „Love is a house on fire“ mag ich diesen Burschen, der mich in lauten Momenten an Brian Fellon oder Frank Turner erinnert, während er in den stillen Songs Stimmungen kredenzt, die man so sonst von Neko Case oder Wilco geboten bekommt. Solo Record ist eines der schönstes Alben, dem man sich zum Jahresabschluss noch mal zuwenden kann. Vertraut mir.
Rob Moir // Solo Record // VÖ: 16. November 2018
Hypes im Musikbusiness gab es schon immer. Sie sind kein Phänomen der Neuzeit, wie manchmal behauptet wird, nur weil sich eine Tour in Rekordzeit verkauft hat oder ein Video innerhalb kürzester Zeit häufiger aufgerufen wurde als ich im Deutschunterricht in der 6. Klasse. Im November 1968 war so ein Moment des Hypes, der einige Zeit anhielt und nicht abebben sollte. Damals wurden Millionen von Doppel-LPs an Plättenläden geliefert. Die LPs waren weiß und nur auf dem Rücken war der Name der Interpreten zu lesen: THE BEATLES. Es war ihr neuntes Studioalbum und wurde mit dem charismatischen Aufheulen eines Düsenjet-Motors eröffnet. Darüber hinaus hat es eine Handvoll Hits abgeworfen: von Back in the U.S.S.R. über Ob-La-Di, Ob-La-Da bis hin zu Blackbird und Dear Prudence. Alle waren verrückt nach der Musik von Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr. 50 Jahre ist das mittlerweile her. 50 verdammte Jahre! Bis heute hat die Musik nichts an ihrer Anziehung eingebüsst. Deshalb wurden anlässlich des Jubiläums alle 30 Tracks des Album in Stereo und 5.1 Surround Audio neu gemischt. Obendrauf gibt es 27 frühe Acoustic-Demos und 50 Studioaufnahmen. Die The Beatles White Album-Releases beinhalten die limitierte7 Disc Super Deluxe Edition, die limitierte3CD Deluxe Edition, die limitierte4LP Deluxe Edition und eine 2LP Vinyl-Variante. Wer also noch auf der Suche nach einem geeigneten Weihnachtsgeschenk für sich oder die Eltern ist, sollte hier mehr als fündig werden.
The Beatles // The White Album – Anniversary Edition (2018) // VÖ: 09. November 2018
Wer sein Album Songs One Through Sixteen nennt, hat definitiv schon mal Humor. Oder ist nicht sonderlich kreativ. Das trifft zum Glück auf die Denver Broncos UK, kurz DBUK, nicht zu. Das Gothic Americana Quartett aus Denver, Colorado zelebriert auf seinem besagten Album die ruhigen, intimen und dunklen Momente. Aktuell wird man also kaum passendere Musik finden, um die paar Stunden Tageslicht, an denen es auch nicht wirklich hell ist, gebührend zu überbrücken. Die 16 neuen Songs von DBUK werden beherrscht von Saiten- und perkussiven Instrumenten sowie der beschwörenden Stimme des Frontmannes Jay Munly, der hin und wieder von Rebecca Vera begleitet wird.In seiner Gesamtheit wirkt das, als hätte Nick Cave seine Vorliebe für beschwörende Countrymusik entdeckt, während er gewohnt souverän in die Untiefen des kaputten Lebens vordringt. Damit haben DBUK Songs aufgenommen, die perfekt für stille Kaminabende geeignet sind. Noch besser wird es nur, wenn der Kamin in einer Hütte inmitten einer tiefverschneiten Einöde liegt. Da kann man so schön mit den Wölfen um die Wette heulen.
Denver Broncos UK // Songs One Through Sixteen // VÖ: 09. November 2018